WikiLeaks (von hawaiisch „schnell“ und „Lecks“, „Löcher“, „undichte Stellen“) ist eine 2006 gegründete Enthüllungsplattform, auf der Dokumente anonym veröffentlicht werden (Whistleblowing), die durch Geheimhaltung als Verschlusssache, Vertraulichkeit, Zensur oder auf sonstige Weise in ihrer Zugänglichkeit beschränkt sind. WikiLeaks setzt dabei ein grundsätzliches öffentliches Interesse an den Informationen voraus. Das System, welches das Hochladen von Dateien ermöglicht, wird über das Anonymisierungsnetzwerk Tor realisiert.

Hintergrund Der Kerngedanke von WikiLeaks ist die Idee des freien Zugangs zu Informationen, die öffentliche Angelegenheiten betreffen. Es führt damit frühere Projekte zur Förderung der Informationsfreiheit wie zum Beispiel Cryptome oder CL-Netz weiter.Onlinejournalismus – wirklich erst zehn Jahre alt?, Gabriele Hooffacker auf onlinejournalismus.de am 15. November 2004, abgerufen am 11. Dezember 2010, Text von Rena Tangens und padeluun, mit einer Beschreibung der Entstehung der Netze ComLink und ZAMIR Das Projekt gibt an, denen zur Seite stehen zu wollen, . Dazu wurde nach eigenen Angaben ein System geschaffen.

Der Name geht darauf zurück, dass zeitweise die Kommentierung von veröffentlichten Inhalten in einem Wiki bearbeitet werden konnte, was jedoch heute nicht mehr der Fall ist.WikiLeaks: Trotz ähnlichem Wortstamm und Schriftzug im Logo besteht keine Verbindung zwischen WikiLeaks und der Wikipedia oder der Wikimedia Foundation. Wiki steht jeweils unabhängig für ein Wiki-Prinzip.

Geschichte Gegründet wurde WikiLeaks 2006 nach den Angaben der Website von Julian Assange. Es existiert auch die Darstellung, dass WikiLeaks von chinesischen Dissidenten, Journalisten, Mathematikern und Technikern von Start-up-Unternehmen aus den USA, Taiwan, Europa, Australien und Südafrika gegründet wurde. Später wurden Zweifel an dieser Darstellung laut; WikiLeaks sei „im Kern ein Projekt von digitalen Politaktivisten aus westlichen Demokratien“ gewesen. Die Gründer sind laut der WikiLeaks-Website anonym. Julian Assange war Initiator und die treibende Kraft in einer Gruppe von fünf Personen und diversen Unterstützern beim Beginn des Projekts und der Registrierung der Domains wikileaks.org, wikileaks.cn und wikileaks.info am 4. Oktober 2006. Von Assange ist sowohl bekannt, dass er sich „nicht als einen Gründer“ bezeichnen wolle, als auch, dass ihm die Betonung genau dieses Begriffes wichtig war.Domscheit-Berg: Inside WikiLeaks, S. 81

Im Herbst 2009 hatte sich WikiLeaks zu einer zentralen Sammelstelle mit 1,2 Millionen Dokumenten von Regimekritikern und anonymen Quellen entwickelt. Unter anderem die Regierungen der Volksrepublik China sowie von Israel, Nordkorea, Russland, Simbabwe, Thailand und der Türkei sperrten den Zugang zu WikiLeaks zumindest zeitweise.WikiLeaks in der Türkei offenbar geblockt. tagesschau.de, 20. Juli 2016.

Auf dem 26. Chaos Communication Congress in Berlin stellten Ende 2009 WikiLeaks-Aktivisten, darunter Julian Assange, den Plan vor, in Island einen sogenannten „Datenhafen“ zu errichten. Der Inselstaat ist wegen seiner modernen Mediengesetzgebung, an der die Mitarbeiter von WikiLeaks beratend mitwirkten, ein für WikiLeaks attraktives Land.

Im Dezember 2009 fand sich auf wikileaks.org statt der üblichen Seite nur noch ein Spendenaufruf und ein Video des WikiLeaks-Beitrags auf dem 26. Chaos Communication Congress. Auf der Seite wurde aufgrund mangelnden Budgets eine Inaktivität bis mindestens zum 18. Januar 2010 angegeben.wikileaks.org abgerufen am 2. März 2010 Julian Assange, Sprecher von WikiLeaks, stimmte in einem Interview dem Vergleich mit einem Streik zu, um daran zu erinnern, dass die Arbeit von WikiLeaks einen Wert habe und auf Spenden angewiesen sei. Ab März 2010 war die Seite mit im Vergleich zu früher stark reduzierten Inhalten und ohne Wiki-Funktionalität wieder offen, der volle Funktionsumfang stand ab Mai 2010 wieder zur Verfügung.

Im November 2010 gründete WikiLeaks in Reykjavík eine Gesellschaft mit dem Namen Sunshine Press Productions. Als Verantwortliche traten neben Julian Assange auch Kristinn Hrafnsson, Ingi Ragnar Ingason und der Direktor des Londoner Centre for Investigative Journalism, Gavin MacFadyen auf. Laut Hrafnsson war aber noch nicht sicher, ob die Gesellschaft nur zur Entgegennahme von Spenden oder auch als Operationsbasis für den Informationsdienst dienen solle. Damit wurde die erste juristische Präsenz von WikiLeaks in einem Land geschaffen.

Seit September 2010 besteht keine Möglichkeit mehr, WikiLeaks auf einem gesicherten Weg Daten zukommen zu lassen. Neue Dokumente können daher nicht angenommen werden. Kristinn Hrafnsson führte dies im März 2011 auf die Mitnahme von Software und Daten bei einer Abspaltung von WikiLeaks im September zurück und äußerte gegenüber dem Magazin Focus, die Dauer dieses Zustandes sei „nicht absehbar“. Am 28. November 2011, dem ersten Jahrestag der Cablegate-Veröffentlichungen kündigte Julian Assange ein neues System zur sicheren Einreichung von Dokumenten an, das ohne das „kompromittierte“ SSL-Protokoll auskommen solle und noch getestet werde. An anderer Stelle gab er jedoch zu, es habe sich um ein Ablenkungsmanöver vor der Veröffentlichung der Spy Files gehandelt.

Im Oktober 2011 gab WikiLeaks bekannt, die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten vorübergehend auszusetzen, um sich auf das Einwerben von Spenden zu konzentrieren. Die monatlichen Spenden seien von ca. 72.300 Euro auf 5000 Euro gefallen. Pro Jahr würden etwa 500.000 Euro benötigt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Mehreren US-amerikanischen Zahlungsabwicklern wie VISA oder Mastercard wirft die Internetplattform vor, seit Monaten Spendengelder zu blockieren. Bereits Anfang Dezember folgte dann jedoch der Beginn der Spy Files-Veröffentlichung.

Technik Das Projekt verwendet für Veröffentlichung und Verteilung der Informationen verschiedene Software wie OpenSSL, I2P, Freenet, Tor und PGP. Die hierbei angewandten Verschlüsselungsmechanismen sollen die Anonymität und Unauffindbarkeit der Quellen sichern.WikiLeaks FAQ (Software) abgerufen vor März 2010

Mitarbeiter mini|Julian Assange, Gründer und bekanntester Mitarbeiter der Whistleblower-Plattform (März 2010)

WikiLeaks gab 2008 an, über einen Beirat (Advisory Board) zu verfügen; die genannten Personen dementierten jedoch später teilweise ihre Mitarbeit. Im Januar 2010 arbeiteten für WikiLeaks nach Angaben von Julian Assange fünf feste Mitarbeiter – bisher unentgeltlich – und etwa 1000 Gelegenheitsbeiträger.Stefan Mey: In: Medien-Ökonomie-Blog

Von den Betreibern ist vor allem der australische Programmierer und Autor Julian Assange namentlich bekannt, der als treibende Kraft hinter dem Projekt gilt, des Weiteren der Deutsche Daniel Domscheit-Berg, der zunächst öffentlich nur unter dem Pseudonym Daniel Schmitt bekannt war und sich im September 2010 aufgrund interner Streitigkeiten mit Assange aus dem Projekt zurückzog und die eigene Plattform OpenLeaks gründete, die allerdings nie eine öffentlich wahrnehmbare Arbeit aufnahm.Annabel Symington: erschienen in Wired Magazine Kurz darauf taten es ihm fünf weitere führende Mitglieder gleich, darunter der Isländer Herbert Snorrason. Weiterhin tritt der ebenfalls aus Island stammende Kristinn Hrafnsson öffentlich als Mitarbeiter von WikiLeaks auf.

Daniel Domscheit-Berg kritisierte 2011 in seinem Buch Inside WikiLeaks die MitarbeitWikileaks, les médias et Israël: suite de notre rencontre avec Julian Assange. Agoravox.fr (französisch) des als Holocaustleugner geltenden Israel Schamir und indirekt die dessen Sohnes Johannes Wahlström bei WikiLeaks. „Als Antisemit ist mir Julian allerdings noch nie aufgefallen, höchstens als Israel-kritisch, was sich aber einzig auf die politische Führung des Landes bezog. Ich habe keine Ahnung, warum er heute einen offenkundigen Antisemiten in seinem Umfeld duldet.“„Um endlich das Mysterium WikiLeaks zu durchdringen, müssen wir Antworten auf etliche Fragen finden, […]: Welche Rolle spielen Israel Shamir und Johannes Wahlström bei WikiLeaks? Welche Konditionen hatten die Deals, die Wahlström und Shamir mit den Medien abschlossen?“

Auch die ehemalige isländische Parlamentsabgeordnete Birgitta Jónsdóttir sowie die Hacker Rop Gonggrijp und Jacob Appelbaum arbeiteten zeitweise bei WikiLeaks mit. Der Filmemacher und Kameramann Ingi Ragnar Ingason reiste mit Hrafnsson zu Recherchen für den Film Collateral Murder nach Bagdad und beteiligt sich an den geschäftlichen Aktivitäten in Reykjavík.

Der Journalist James Ball wechselte 2011 von WikiLeaks zur britischen Zeitung The Guardian. Er war nicht damit einverstanden, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen, die für den Fall der Weitergabe geleakter oder auch interner Informationen eine Konventionalstrafe von zwölf Millionen britischen Pfund vorsah. Julian Assange hatte diese Erklärung im Januar 2011 zehn Mitarbeitern zur Unterschrift vorgelegt.

Im Juni 2011 wurden mit Sarah Harrison und Joseph Farrell zwei weitere Mitarbeiter von WikiLeaks namentlich bekannt. Sie waren früher beim von Gavin MacFadyen geleiteten Centre for Investigative Journalism in London tätig. Sarah Harrison half im Juni 2013 dem NSA-Whistleblower Edward Snowden, von Hongkong nach Russland zu reisen.

Zu Beginn des Jahres 2021 entschied ein Londoner Gericht, dass der Wiki-Leaks-Gründer Assange nicht an die USA ausgeliefert werden darf. Das Urteil stützte sich auf die Suizidgefahr des mittlerweile 49-jährigen. Im Dezember 2021 hob das Berufungsgericht das Auslieferungsverbot wieder auf, sodass Assange erneut die Überstellung in die USA drohte.

Übersicht: Personen im Kontext zu WikiLeaks Jacob Appelbaum Julian Assange James Ball Anke Domscheit-Berg Daniel Domscheit-Berg Suelette Dreyfus Rudolf Elmer Daniel Ellsberg Joseph Farrell Rop Gonggrijp Sarah Harrison Kristinn Hrafnsson Ingi Ragnar Ingason Birgitta Jónsdóttir Adrian Lamo († 2018) David Leigh Gavin MacFadyen († 2016) Chelsea Manning Theodor Reppe Israel Schamir Vaughan Smith Herbert Snorrason Sigurdur Thordarson Johannes Wahlström Chico Whitaker

Finanzierung Da die Mitarbeiter von WikiLeaks unentgeltlich und von zu Hause aus arbeiten, sind die größten Kostenfaktoren die Serverkosten, Registrierungsgebühren und Bürokratiekosten. Im Jahr 2010 allerdings wurden erstmals Gehälter an sieben Personen ausgezahlt. Man orientierte sich dabei an den von Greenpeace gezahlten Gehältern von monatlich 5.500 Euro.Assange: mit Memoiren aus der Haft. meedia.de Gerichtsgebühren machen aufgrund der Verwicklung in zahlreiche Prozesse ebenfalls einen Teil der Kosten von WikiLeaks aus. Die jährlichen Gesamtkosten belaufen sich nach eigenen Angaben auf rund 600.000 US-Dollar, die aus Spenden von Privatpersonen gedeckt werden. Spenden von Unternehmen oder Regierungen nimmt WikiLeaks nicht an. Der Zahlungsverkehr für Spenden an WikiLeaks wird vom isländisch-schweizerischen Unternehmen DataCell abgewickelt. Anwaltshonorare fallen bislang nicht an, da die Anwaltszeit gespendet wird, unter anderem von Unterstützern wie der Los Angeles Times, Associated Press und der National Newspaper Association. Kosten aus verlorenen Verfahren gibt es nach Angaben von Julian Assange bisher keine:

Chelsea Manning, die für die Lieferung von Informationen an die Organisation zu einer Freiheitsstrafe von 35 Jahren verurteilt wurde, wurde von WikiLeaks durch die teilweise Finanzierung ihrer Anwaltskosten auch materiell unterstützt. Die als gemeinnützig anerkannte deutsche Wau Holland Stiftung förderte das Projekt im Jahr 2010 mit 402.000 Euro aus den bei ihr eingegangenen Spendengeldern in einer Höhe von 1,332 Millionen Euro. Im Jahr 2011 gingen dort nur noch Spenden in Höhe von 139.401 Euro ein; 660.522 Euro wurden an WikiLeaks ausgeschüttet.

Erreichbarkeit und Vervielfältigung