Leben und Sterben des Colonel Blimp (Originaltitel: The Life and Death of Colonel Blimp) ist ein britisches Filmepos in Technicolor des britischen Filmemacher-Duos Michael Powell und Emeric Pressburger aus dem Jahr 1943. In den Hauptrollen spielen Roger Livesey, Adolf Wohlbrück und Deborah Kerr.

Der Filmtitel greift die Titelfigur des satirischen Comics Colonel Blimp von David Low auf, obwohl keine Figur dieses Namens auftritt. Stattdessen handelt der Film vom abwechslungsreichen Leben des britischen Offiziers Clive Candy, der zwischen dem Burenkrieg 1902 und dem Zweiten Weltkrieg in den Rängen des britischen Militärs aufsteigt. Zu seiner Entstehungszeit sorgte der Film für Kontroversen, da er satirische Seitenhiebe auf das Militär beinhaltete und ein differenziertes Bild der Deutschen zeichnete. Inzwischen wird er allgemein als Meisterwerk der Filmgeschichte angesehen.

Handlung England während des Zweiten Weltkrieges: Britische Soldaten sollen in einer Übung den Überfall der Deutschen auf London nachstellen. Der Anführer der Angreifer ist Lieutenant „Spud“ Wilson, der – entgegen der Abmachung, dass die Übung um Mitternacht starten soll – bereits um sechs Uhr verfrüht den Angriff startet. Spud begründet diesen Regelbruch damit, dass auch die Feinde Großbritanniens sich nicht mehr an Abmachungen halten würden und man besser davor gewappnet sein müsse. Der Angriff der jungen Soldaten trifft die älteren Offiziere unvorbereitet in einem türkischen Bad. Kommandant der älteren Offiziere ist der Major General Clive Wynne-Candy, der wütend protestiert, dass der Krieg doch erst um Mitternacht beginnen sollte. Als Lieutenant Spud eine Bemerkung über Wynne-Candys Bauchumfang und Alter macht, wirft der alte General ihn kurzerhand ins Schwimmbecken und kämpft mit ihm. Im Folgenden wird in einer Rückblende die Lebensgeschichte von Clive Wynne-Candy erzählt.

1902: Der soeben für seinen tapferen Einsatz ausgezeichnete, junge Lieutenant Clive Candy erhält einen Fronturlaub vom Burenkrieg nach Großbritannien. Sein Urlaub wird gestört, als er per Brief von einer in Deutschland tätigen Englischlehrerin erfährt, dass dort ein Mann namens Kaunitz anti-englische Propaganda betreibe. Entgegen den Anweisungen seines Vorgesetzten reist Candy nach Berlin, um diese Propaganda einzudämmen und es seinem alten Bekannten Kaunitz heimzuzahlen. Dort begegnet ihm Edith Hunter, die Englischlehrerin. Candy stürzt sich mit Eifer auf seine Aufklärungsaufgabe, allerdings stellt er sich ungeschickt an und beleidigt dabei den Korpsverband, dem Kaunitz angehört. Nach dieser Beleidigung wird er vom Korpsverein zu einem Fechtduell mit dem am Disput eigentlich unbeteiligten preußischen Offizier Theodor Kretschmar-Schuldorff gefordert. Das Duell endet damit, dass sie beide in eine Klinik eingeliefert werden, wo sie dann beim Kartenspielen gute Freunde werden. Edith besucht Candy regelmäßig im Krankenhaus und verliebt sich dabei in Theodor. Er und Edith werden ein Paar und verloben sich, was Candy fröhlich begrüßt. Erst auf der Rückreise nach England bemerkt Candy, dass auch er Edith geliebt hat, die mit Theo in Berlin geblieben ist. Der einsame Mann stürzt sich in den nächsten Jahren in die Großwildjagd in Afrika.

1918: Europa liegt am Ende des Ersten Weltkrieges in Trümmern. Die britische Armee steht auf der Siegerseite, was Candy – inzwischen im mittleren Alter und Brigadegeneral – darauf zurückführt, dass die nach Recht und Anstand agierende Partei immer gewinnen wird („right is might“). In Frankreich lernt er am Abend vor Kriegsende die britische Krankenschwester Barbara Wynne kennen, die seiner ehemaligen Liebe Edith haargenau gleicht. Zurück in England sucht Candy die wesentlich jüngere Barbara auf und bald heiraten sie. Unterdessen ist Theo in englischer Kriegsgefangenschaft und trauert der Niederlage Deutschlands nach. Candy besucht seinen Freund und benimmt sich, als sei nichts passiert, doch der verbitterte Theo behandelt ihn abweisend. Kurz bevor Theo nach Deutschland zurückkehrt, entschuldigt er sich bei Wynne-Candy für die Abweisung und nimmt dessen Einladung zu einer Dinnerparty an. Auf der Dinnerparty wird Theo von den britischen Freunden Candys zwar gut behandelt, doch Theo bleibt angesichts der harten Bedingungen im Versailler Vertrag skeptisch, ob sein Land fair behandelt wird.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges: Theo stellt einen Antrag auf britisches Asyl und erzählt dabei seine weitere Lebensgeschichte: Aus der deutschen Armee wurde er nach dem Krieg durch die im Friedensvertrag erzwungene Reduzierung der Truppenstärke nach dem Ersten Weltkrieg entlassen; seine Frau Edith ist 1933 verstorben, kurz bevor sie vor den Nationalsozialisten in ihre alte Heimat nach England auswandern wollten; seine beiden Kinder sind im Gegensatz zu ihm überzeugte Nazis geworden, zu ihnen hat Theo keinerlei Kontakt mehr. Und wieder begegnen sich nun Theo und Candy, der noch immer beim Militär ist und sich für die Gewährung des Asyls bei seinem alten Freund einsetzt. Auch Wynne-Candys Frau Barbara ist inzwischen verstorben. Eine neue junge Frau tritt in das Leben der beiden Witwer: Angela ist die Chauffeurin des inzwischen zum Major General aufgestiegenen Wynne-Candy und gleicht sowohl Edith als auch Barbara. Anlässlich der Operation Dynamo soll Wynne-Candy eine Rede im BBC-Rundfunk halten, in der er äußern will, dass er lieber anständig verlieren als mit den bösen Methoden des Feindes gewinnen wolle. Die geplante Rede wird jedoch kurzerhand von oberster Stelle abgeblasen und Wynne-Candy in den Ruhestand versetzt. Theo gibt seinem alten Freund zu bedenken, dass er den Kampf gegen Nazi-Deutschland auch mit härteren Methoden als denen eines Gentlemans führen müsse, um zu gewinnen, denn die Konsequenzen einer Niederlage wären noch schrecklicher. Nach Ermutigungen von Theo und Angela kümmert sich Wynne-Candy nun mit ganzer Kraft um die Leitung der British Home Guard, was dem alten General neue Anerkennung einbringt. Während eines Luftwaffenangriffs wird sein Haus zerstört, woraufhin er in den Offiziersclub umziehen muss.

Hier endet die Rückblende und schließt wieder in die Gegenwart zu Beginn des Films auf: Der alte Candy leitet die Übung der British Home Guard, bei der Leutnant „Spud“ Wilson – der Freund von Angela, wie sich herausstellt – sich über die Vorgaben hinwegsetzt und früher angreift, wodurch er Wynne-Candy im türkischen Bad überrascht. Die alten Regeln von Fairness im Krieg, die bisher immer seine Maxime waren, gibt es nicht mehr. Vergeblich hatte Angela noch versucht, den General vor dem „Angriff“ ihres Freundes zu warnen. Am Tag nach der Übung finden Angela und Theo den General vor dem Platz, wo sein Haus vor dessen Zerstörung gestanden hatte. Wynne-Candy gibt Angela und ihrem Freund Spud eine Einladung zu einem Versöhnungsessen, wobei er sich daran erinnert, wie er selbst einst 1902 von einem alten Vorgesetzten zum Essen eingeladen wurde, nachdem er den diplomatischen Vorfall in Berlin angestellt hatte.

Jahre zuvor hatte Wynne-Candy seiner Frau in Scherz und Liebe versprochen, dass er sich nicht verändere, bis sein Haus geflutet und es ein See geworden sei. Als er sieht, dass aus seinem Grundstück eine Zisterne gemacht wurde, bemerkt er, dass der See nun hier sei und er sich immer noch nicht verändert habe. Zum Schluss salutiert Wynne-Candy der vorübergehenden Garde junger Männer.

Hintergrund Vorproduktion Laut den Regisseuren Michael Powell und Emeric Pressburger kam ihnen die Idee zum Film durch eine Szene ihres vorherigen Films One of Our Aircraft Is Missing (1942). In diesem Kriegsfilm äußert sich ein älterer Soldat gegenüber einem jüngeren Soldat in einer Szene, die letztlich aus dem fertigen Film geschnitten wurde: „You don’t know what it’s like to be old.“ („Du weißt nicht, wie es ist, alt zu sein“). Laut einem Interview mit Michael Powell hatte der Filmeditor von One of Our Aircraft ist Missing, der spätere Star-Regisseur David Lean, sie auf die Idee zum Film gebracht, indem er beim Herausschneiden der Szene bemerkt hätte, dass die Prämisse dieser Unterhaltung einen eigenen Film wert sei.Vgl. Michael Powells Kommentar auf der Criterion Collection DVD.

Schließlich wurde die beliebte Comicfigur „Colonel Blimp“ von David Low, die seit den 1930er-Jahren im Evening Standard erschien und eine große Fangemeinde gewonnen hatte, als weitere Inspiration genommen und schließlich auch im Filmtitel The Life and Death of Colonel Blimp erwähnt. Low karikierte in seinen Comics einen wichtigtuerischen und starrsinnigen Armeeangehörigen fortgeschrittenen Alters, der veraltete Überzeugungen vertritt und sich regelmäßig blamiert. Dabei rollt der Film die Lebensgeschichte des alten Wynne-Candy auf, der zunächst wie die Comicfigur des Colonel Blimp reaktionär und jähzornig erscheint und ihm auch äußerlich gleicht. In der Rückblende lernt man jedoch Wynne-Candy näher kennen und er wird zu einem Sympathieträger, sodass sich das anfängliche Bild von ihm revidiert. Entgegen dem Filmtitel stirbt Candy, der ja in gewisser Weise für Blimp steht, nicht. Vielmehr muss er aber seine alten, „blimp-artigen“ Tugenden von Ehre und Fairness im Laufe des Zweiten Weltkrieges begraben, um seinem Land weiter nützlich zu sein.

Crew und Besetzung Michael Powell war gebürtiger Brite und wuchs in Kent auf, Emeric Pressburger war dagegen ein ungarischer Jude. In den frühen 1930er-Jahren war Pressburger bei der UFA in Berlin beschäftigt, bis er mit der nationalsozialistischen Machtergreifung über einen Aufenthalt in Paris im Jahr 1936 nach England flüchtete.Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6, Berlin 2001, S. 333. Er fand erst nach Kriegsende heraus, dass seine Mutter und viele Verwandte in Auschwitz gestorben waren. Pressburgers Enkel Kevin Macdonald schrieb 2015, dass sein Großvater sich später Vorwürfe gemacht habe, nicht seine Mutter mit nach Großbritannien geholt zu haben. Im hohen Alter wurde er mit einsetzender Senilität von dem Gedanken geplagt, die Nazis würden ihn noch immer verfolgen. Trotzdem hatte Pressburger eine Zuneigung zur deutschen Kultur, was insbesondere in seinen Drehbüchern für britische Propagandafilme wie Colonel Blimp deutlich wird, die trotz ihrer Intention Deutsche nicht mit Nazis gleichsetzen und meist nuancierte Charakterisierungen wie auch bei der Figur des Theo bieten würden.Emeric Pressburger: The Glass Perls. Vorwort von Kevin Macdonald, London 2015 (via Google Books, abgerufen am 22. Juli 2019).