mini|Andrea Nahles (2019)

Andrea Maria Nahles (* 20. Juni 1970 in Mendig) ist eine ehemalige deutsche Politikerin (SPD) und seit dem 1. August 2022 Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit.

Sie war von April 2018 bis Juni 2019 die bis dato letzte alleinige SPD-Parteivorsitzende und von September 2017 bis Juni 2019 Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, jeweils als erste Frau in diesen Funktionen. Zuvor war sie von Dezember 2013 bis September 2017 Bundesministerin für Arbeit und Soziales und von November 2009 bis Dezember 2013 SPD-Generalsekretärin. Von Oktober 1998 bis Oktober 2002 sowie von Oktober 2005 bis Oktober 2019 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages und von September 1995 bis Mai 1999 Bundesvorsitzende der Jusos.

Herkunft, Studium und Privates Andrea Nahles und ihr jüngerer Bruder wuchsen als Kinder des Maurermeisters Alfred Nahles (1941–2014) und seiner Frau Gertrud (geb. Gondert) in einer katholisch geprägten Familie in Weiler (bei Mayen) in der Vulkaneifel auf.Andrea Nahles Sozialministerin Wählerstimmen. Auf zeit.deTraueranzeige Alfred Nahles auf rhein-zeitung.de In Weiler besuchte Nahles bis 1980 die Grundschule. In Mayen war sie von 1980 bis 1986 Realschülerin an der heutigen Albert-Schweitzer-Realschule plus.Realschule Mayen Am Megina-Gymnasium Mayen erlangte Nahles 1989 die allgemeine Hochschulreife, in der Abiturzeitung gab sie als Berufswunsch „Hausfrau oder Bundeskanzlerin“ an.Berufswunsch nach dem Abi: „Hausfrau oder Bundeskanzlerin“. In: welt.de. 13. Februar 2018. auf andrea-nahles.de

Ein im Jahr 1989 begonnenes Studium der neueren und älteren Germanistik sowie der Politikwissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn schloss Nahles 1999 als Magistra Artium ab. Ihre Magisterarbeit mit dem Titel Die Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman reichte sie bei Jürgen Fohrmann ein.Berühmt und berüchtigt: Andrea Nahles – 10 Jahre Studium und ein Bundestagsmandat bonn.fm, 2. Juni 2018 Während ihres Studiums war sie Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten. Von 2002 bis 2003 leitete sie gemeinsam mit Michael Guggemos das Hauptstadtbüro der IG Metall.https://web.archive.org/web/20180916203821/https://www.focus.de/magazin/archiv/periskop-nahles-versorgt_aid_208249.html 2004 begann sie mit einem Stipendium eine Promotion an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zum Thema Funktionsweisen identifikatorischer Lektüre am Beispiel des historischen Romans. Mit ihrem Wiedereinzug in den Bundestag 2005 stellte sie die Arbeit an ihrer Promotion ein.Andrea Nahles wagt und siegt taz.de, 1. November 2005

Nahles bewohnt in Weiler einen Bauernhof, auf dem schon ihre Urgroßeltern lebten. Sie ist praktizierende Katholikin und gibt ihren Glauben als Grund für ihr politisches Engagement an.In der SPD wegen Jesus Christus FAZ, 9. Mai 2009Eine Christin, die später links wurde, Birgit Wilke KNA auf domradio.de, 26. September 2017 Seit ihrer Taufe 1970 ist sie Mitglied der Pfarrei St. Kastor in Weiler und war dort in ihrer Kindheit eine der ersten Messdienerinnen.Prominente Ministranten auf heiligen Stufen. sueddeutsche.de, 6. August 2010 2009 veröffentlichte sie ihre Biografie mit dem Titel Frau, gläubig, links. Was mir wichtig ist.„Ich mache es wie Jesus“ zeit.de, 10. Dezember 2009 Wegen eines Hüftleidens nach einer 1986 beim Weitsprung erlittenen Hüftverletzung ist sie schwerbehindert (GdB 50).Warum sich Andrea Nahles bestens mit Groschenromanen auskennt stern.de, 22. Januar 2018 Von 1997 bis 2007 war Andrea Nahles mit dem Gewerkschaftsfunktionär und damaligen Vorstandsmitglied (ThyssenKrupp Elevator, Audi AG und Volkswagen AG) Horst Neumann liiert., FTD, 14. November 2005. Am 18. Juni 2010 heiratete sie den Kunsthistoriker Marcus Frings. Im Januar 2011 brachte sie eine Tochter zur Welt und nahm acht Wochen nach der Geburt ihre Berufstätigkeit wieder auf. Am 15. Januar 2016 teilte das Ehepaar Nahles/Frings der Öffentlichkeit seine Trennung mit.

Politische Laufbahn Nahles trat im Jahr 1988 in die SPD ein und war 1989 Mitbegründerin des Ortsvereins Weiler. In den Jahren 1997 bis 2013 sowie von 2018 bis 2019 war sie Mitglied des SPD-Parteivorstands und gehört von 2003 bis 2013 sowie von 2018 bis 2019 dem SPD-Präsidium an. 2004 leitete sie die Projektgruppe Bürgerversicherung des SPD-Parteivorstands.Bürgerversicherung? Lieber nicht tagesspiegel.de, 14. August 2004 2000 wurde sie Gründungsvorsitzende des Forums Demokratische Linke 21, das als ein Zusammenschluss von SPD-Linken an die Stelle des Frankfurter Kreises trat.Vom Frankfurter Kreis zum Forum Demokratische Linke 21 linksnet.de, 30. August 2000 Den Vorsitz übergab sie am 15. Februar 2008 an Björn Böhning. Im Juli 2014 trat sie wegen der Kritik an den Ausnahmeregelungen des Mindestlohns aus dem Forum Demokratische Linke 21 aus.Nach Kritik von Mattheis verlässt Nahles die SPD-Linke tagesspiegel.de, 6. Juli 2014 Bei den Diskussionen zur Agenda 2010 wurde sie zu den führenden parteiinternen Kritikern dieser Politik von Gerhard Schröder gezählt.

Engagement bei den Jusos (1988 bis 1999) Von 1993 bis 1995 war Nahles Landesvorsitzende der Jusos Rheinland-Pfalz. 1995 wurde sie als Nachfolgerin von Thomas Westphal zur Bundesvorsitzenden der Jusos gewählt und hatte bis 1999 den Vorsitz inne. „Die neue Juso-Chefin, die gern auch auf ihre frauenpolitische Arbeit verweist, legt Wert auf die Feststellung, dass sie keinem der beiden großen Lager – Stamokap und Reformsozialisten – innerhalb der Jusos angehört. Sie wurde mit den Stimmen der traditionalistischen Linken gewählt“, schrieb die taz 1995.Fit fürs Chaos taz.de, 12. September 1995 Der damalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine nannte Nahles in ihrer Zeit als Bundesvorsitzende der Jusos ein „Gottesgeschenk an die SPD“.

SPD-Kreistagsmitglied (1999 bis 2009) Zwischen 1999 und 2009 war Nahles Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Mayen-Koblenz und gehörte dem Kreistag des Landkreises Mayen-Koblenz an.Die Karriere der Andrea Nahles orange.handelsblatt.com, 20. April 2018

SPD-Bundestagsabgeordnete (1998 bis 2002 und 2005 bis 2019) Nahles war erstmals von 1998 bis 2002 und erneut von 2005 bis 2019 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie von 1998 bis 2002 sowie von 2005 bis 2007 stellvertretende Sprecherin der Fraktionsarbeitsgruppe Arbeit und Sozialordnung bzw. Arbeit und Soziales und von 2007 bis 2009 deren Sprecherin. Von 2008 bis 2009 gehörte sie auch dem Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion an. Nahles zog stets über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag ein. Im Wahlkreis Ahrweiler unterlag sie stets dem CDU-Kandidaten. 2006 wurde Angela Marquardt ihre Mitarbeiterin. Ihre Mitgliedschaft in der Parlamentarischen Linken ruhte ab Januar 2018.Nahles lässt Mitgliedschaft in der Parlamentarischen Linken ruhen welt.de, 13. Januar 2018 Außerdem war sie Mitglied des 2004 von ihr mitgegründeten Arbeitskreises Denkfabrik in der SPD-Bundestagsfraktion, eines Zusammenschlusses von überwiegend jüngeren linken SPD-Abgeordneten.In der Denkfabrik… linksnet.de, 29. Juli 2004

SPD-Generalsekretärin (2009 bis 2013) mini|Nahles (2011)

Am 31. Oktober 2005 setzte sich Nahles im Parteivorstand in einer Kampfabstimmung um die Nominierung zur Generalsekretärin mit 23 zu 14 Stimmen gegen Kajo Wasserhövel durch, der vom damaligen Parteivorsitzenden Franz Müntefering vorgeschlagen worden war. Deswegen kandidierte Müntefering nicht mehr für den Parteivorsitz. Nahles wurde von Teilen der SPD heftig kritisiert; sie verzichtete schließlich auf die Kandidatur zur Generalsekretärin und lehnte auch das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden ab, für das Matthias Platzeck sie vorgeschlagen hatte.

Im Mai 2007 wurde Nahles gemeinsam mit Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier vom SPD-Parteivorstand für das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden nominiert und am 26. Oktober 2007 von 74,8 % der Parteitagsdelegierten in dieses Amt gewählt.Bei den Vizes gab es Ärger hinter den Kulissen. welt.de, 26. Oktober 2007. Am 30. Juli 2009 nahm der Kanzlerkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, Nahles in sein Schattenkabinett für die Bundestagswahl 2009 auf und übertrug ihr die Zuständigkeitsbereiche Bildung und Integration.Steinmeier zieht ohne Stars in den Wahlkampf. spiegel.de, 30. Juli 2009. Nach der von der SPD verlorenen Bundestagswahl übernahm sie von Hubertus Heil das Amt der SPD-Generalsekretärin. Sie wurde am 13. November 2009 mit 69,6 % der Delegiertenstimmen in dieses Amt gewählt.Dämpfer für Andrea Nahles. rp-online.de, 13. November 2009. 2011 wurde sie mit 73,2 % der Stimmen wiedergewähltGabriel mit mehr als 90 Prozent wiedergewählt. zeit.de, 5. Dezember 2011. und 2013 mit 67,2 % der Stimmen.Schlechtestes Ergebnis für Andrea Nahles. zeit.de, 15. November 2013. Nachdem Nahles Ende 2013 zur Bundesministerin für Arbeit und Soziales berufen worden war, wurde Yasmin Fahimi auf einem Sonderparteitag am 26. Januar 2014 mit 88,5 % der Stimmen zu ihrer Nachfolgerin als Generalsekretärin gewählt.SPD wählt Fahimi zur Generalsekretärin. spiegel.de, 26. Januar 2014.

Bundesministerin für Arbeit und Soziales (2013 bis 2017) Vom 17. Dezember 2013 bis 28. September 2017 war Nahles Bundesministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett Merkel III. Unter ihrer Verantwortung wurde am 1. Januar 2015 in Deutschland der Gesetzliche Mindestlohn eingeführt. Weiterhin wurde 2014 unter ihrer Zuständigkeit eine Rentenreform beschlossen, mit höheren Leistungen für Mütter („Mütterrente“), einer Rente nach 45 Beitragsjahren („Rente mit 63“) und einer Steigerung der Erwerbsminderungsrente. Auch das Tarifeinheitsgesetz wurde unter ihrer Zuständigkeit erarbeitet und 2015 beschlossen.Bundestag beschließt Tarifeinheitsgesetz – „Ja“ nach heftigem Schlagabtausch tagesschau.de, 22. Mai 2015, abgerufen am 30. Juli 2015 Entgegen dem geplanten Ziel, Tarifkonflikte zu befrieden, intensivierte es jedoch das Streiken von Minderheitsgewerkschaften, da diese nun aggressiv um neue Mitglieder werben müssen.

SPD-Fraktionsvorsitzende (2017 bis 2019) Nach Parteiangaben wählte die SPD-Fraktion im Bundestag am 27. September 2017 mit 137 von 152 abgegebenen Stimmen Nahles zur neuen Vorsitzenden. 14 Abgeordnete stimmten gegen Nahles, es gab eine Enthaltung. Das entspricht einer Zustimmung von rund 90 %. Während ihrer letzten Kabinettssitzung sagte sie, bezogen auf die Bundesregierung, „ab morgen kriegen sie in die Fresse“. Anschließend wiederholte sie den Satz in der SPD-Fraktionssitzung und gegenüber Journalisten. In einigen Medienkommentaren wurde die Äußerung kritisiert.Detlef Esslinger: Andrea Nahles spielt mit der demokratischen Kultur, Sueddeutsche.de vom 28. September 2017Sascha Lehnartz: Frau Nahles, verantwortungsvolle Opposition klingt anders!, Welt.de am 28. September 2017 Andere Kommentatoren verteidigten Nahles und lehnten insbesondere eine Gleichsetzung mit dem Politikstil des AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland ab.Florian Gathmann: Vorsicht vor dem Schredder, Spiegel.de vom 28. September 2017Boris Rosenkranz: Fresse jetzt!, Uebermedien.de am 28. September 2017 Nahles erklärte am Folgetag, ihre Aussage sei klar als Scherz erkennbar gewesen,So erklärt Nahles ihren „In die Fresse“-Kommentar, Welt.de am 28. September 2017 und bedauerte nach zwei Tagen, die Aussage ärgere niemanden mehr als sie selbst.Nahles bedauert ihren „In die Fresse“-Spruch, Welt (AFP), 29. September 2017

SPD-Vorsitzende (2018 bis 2019) mini|Nahles auf dem Bundesparteitag 2018, der sie zur SPD-Vorsitzenden wählte