The Memoirs of Naim Bey: Turkish Official Documents Relating to the Deportation and the Massacres of Armenians sind eine 1920 auf armenians.com. erschienene Buchpublikation von Aram Andonian, einem der Überlebenden der Deportierten vom 24. April 1915 nach Çankırı. Sie listet Dokumente auf, bei denen es sich um 50 Telegramme und zwei Briefe der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reichs handeln soll, die die Vernichtung der Armenier während des Völkermords an den Armeniern anordnen. Vier Dokumente liegen in der englischen Ausgabe als Faksimile vor, 13 liegen in der französischen Ausgabe als Faksimile vor. Beiden Ausgaben zusammen betrachtet liegen 14 Faksimiles vor. Bekannter ist der Begriff Andonian-Dokumente oder Naim-Andonian-Dokumente. Die originalen Andonian-Dokumente sind vermutlich in den 1960er Jahren von der Nubar-Bibliothek in Paris, die Andonian bis zu seinem Tod 1951 als Direktor führte, in die Armenische SSR transferiert worden. Seitdem gelten die Originale als verschollen.Vahakn Dadrian The Naim-Andonian Documents on the World War I Destruction of Ottoman Armenians: The Anatomy of a Genocide, International Journal of Middle East Studies, S. 317, Anmerkung e; Guenter Lewy The Armenian Massacres in Ottoman Turkey: A Disputed Genocide. S. 67; Vatche Ghazarian Boghos Nubar’s Papers and the Armenian Question 1915–1918: Documents, S. xvii

Der Expertenstreit über die Andonian-Dokumente basiert auf den originären Forschungen von Krieger (Krikor Guérguérian), Şinasi Orel und Süreyya Yuca sowie Vahakn Dadrian. Es handelt sich um eine Diskussion, die auf Fachkenntnissen beruht, die sehr selten geworden sind: Kenntnisse der osmanischen Sprache und des Chiffriersystems verschiedener Ministerien während des Krieges. Darüber hinaus notwendig ist Zugang zu Archiven, die zerstört worden sind.Yves Ternon: Enquête sur la négation d’un génocide. éditions parenthèses, Marseille 1989, ISBN 2-86364-052-6, S. 58. Das sind allgemeine Probleme der Völkermorddebatte um die Armenierumsiedlung und -massaker. vom 24. April 2008 – […]Umstritten ist bis heute, ob dies die Absicht der osmanischen Regierung war, ob es sich also um einen gezielten Völkermord handelte.[…] Mehreren Experten reichen die bisherigen Ergebnisse über die Andonian-Dokumente, um Einschätzungen zu machen. Klaus Kreiser, Michael M. Gunter und Erik-Jan Zürcher halten diese Dokumente für Geschichtsfälschungen. Andere Experten wollen weitere Ergebnisse abwarten; Yves Ternon und Vahakn N. Dadrian vermuten eine Echtheit. mini|Originaltitel der Andonian-Telegramme

Geschichte Nach Angaben von Andonian wurden ihm diese Dokumente von einem türkischen Beamten in Aleppo namens Naim Sefa (Naim Bey) verkauft.Wolfgang Gust: Der Völkermord an den Armeniern – die Tragödie des ältesten Christenvolkes der Welt. München 1993, S. 245.Guenter Lewy: Revisiting the Armenian Genocide. In: Middle East Quarterly. Herbst 2005, S. 3–12. Die Andoniandokumente wurden vom Armenischen Nationalrat in Tiflis gekauft und sollten den armenischen Eigenstaatlichkeitsbemühungen bei den Friedensverhandlungen behilflich sein.Aram Andonian: The Memoirs of Naim Bey. Turkish Official Documents Relating to the Deportation and the Massacres of Armenians. Andonian verteidigte sein Werk in einem Brief von 1937 gegen die Kritik von Walter Rößler damit, dass die Motivation für seine Ausarbeitung und die Publikation des Buches Propaganda und nicht die Erarbeitung nach wissenschaftlichen Maßstäben war, deshalb sei mit Mängeln zu rechnen.Aram Andonian an Mary Terzian 26. Juli 1937, in: A.R.F.: Justicier du génocide arménien. Le procès de Tehlerian. Paris 1981, S. 232:

Andonian gibt an, dass Naim Bey mehrere Wochen für die Niederschrift seiner Aussagen gebraucht habe. Andonian erklärt weiter, dass die Verifikation des von Naim Bey gelieferten Materials für ihn einfach gewesen sei, da er nach Ankunft der Briten die Gelegenheit gehabt habe, überlebende Armenier zum Aufschreiben ihrer Erfahrungen zu bitten. Die niedergeschriebenen Erfahrungen hätten Naim Beys Angaben bestätigt.Aram Andonian: The Memoirs of Naim Bey. S. xii f.

Naim Bey ist aus anderen Quellen unbekannt. Şinasi Orel und Süreyya Yuca konnten einen Hinweis auf einen Beamten mit dem Namen in Aleppo in osmanischen Archivquellen nicht entdecken und können kein endgültiges Urteil über die Existenz Naim Beys abgeben. Falls Naim Bey keine durch Aram Andonian kreierte fiktive Person sei, müsse er ein niedrigrangiger Beamter gewesen sein, „der nicht in einer Position gewesen sein“ könne, „Zugriff auf Dokumente geheimer und heikler Natur gehabt zu haben“.Şinasi Orel, Süreyya Yuca: The Talaât Pasha “telegrams”: Historical fact or Armenian fiction? S. 25 f. In den deutschen Akten gibt es auch keinen Hinweis auf die Existenz eines Naim Bey. Walter Rößler, der damalige deutsche Konsul in Aleppo, gab an, dass er sich eines Naim Bey nicht entsinnen könne, er kündigte aber an, Schwester Beatrice Rohner und Konsul Beatrice Rohner zu fragen, ob sie einen Naim Bey kennen. Eine Antwort der beiden ist in den deutschen Akten nicht verzeichnet. – […] Ebensowenig entsinne ich mich des Namens Naim Bey […] Ich stelle ergebenst anheim, auch Schwester Beatrice Rohner um eine Äusserung zu bitten. Sie hat mit den Verschickungskommissaren wohl mehrfach direkt zu verhandeln gehabt. Eyub Bey kennt sie persönlich. Ob sie auch Naim Bey kennt, oder Abdul Ahad Nuri Bey, kann ich nicht sagen. Jedenfalls wird ihre Äusserung von Wert sein. Auch Konsul Hoffmann derzeit bei der Paßstelle des Auswärtigen Amtes, Behrenstrasse 21 wird möglicherweise ein begründetes Urteil abzugeben in der Lage sein. […]

Die Andonian-Dokumente wurden in drei Editionen publiziert. Bei den Editionen handelt es sich um Faksimile (Fotografien) oder um Übersetzungen ohne Faksimile, die die vermutlich in den 1960er Jahren verlorengegangenen Andonian-Dokumente darstellen. Die Faksimiles und die Übersetzungen stellen der jungtürkischen Führung zugesprochene chiffrierte Telegramme oder dechiffrierte Telegramme und zwei Briefe dar. Sie sind in den Text gestreut. 1920 erschien in London die englische Edition unter dem Titel The Memoirs of Naim Bey: Turkish Official Documents Relating to the Deportation and the Massacres of Armenians. Der Titel ist irreführend, da es sich nicht nur um die Memoiren von Naim Bey handelt, da Aram Andonian den Text immer wieder mit seinen eigenen Kommentaren unterbricht. Die englische Ausgabe ist eine kondensierte Version des armenischen Originals. Sie wurde von Aram Andonian weder korrigiert noch gelesen, da er kein Englisch sprach. Sie wurde vor dem armenischen Original herausgegeben. Aram Andonian hat die Telegramme aus dem Osmanischen ins Armenische übersetzt.Yves Ternon: Enquête sur la négation d’un génocide. éditions parenthèses, Marseille 1989, ISBN 2-86364-052-6, S. 49.

Ebenfalls 1920 erschien in Paris die französische Edition: Documents officiels concernant les massacres arméniens.in vier Teilen online: Teil I (PDF; 15 MB); Teil II (PDF; 16 MB); Teil III (PDF); Teil IV (PDF) Die französische Ausgabe ist dem armenischen Original gegenüber, dessen Redaktion Andonian zur Hauptsache bereits im Juni 1919 abgeschlossen hatte, treuer als die englische Ausgabe. Die ursprüngliche armenische, von Aram Andonian selbst geschriebene Version erschien 1921 in Boston unter dem Titel Մեծ Ոճիրը (Das große Verbrechen).

Inhalt Englische Ausgabe Die englische Edition besteht aus einem 10-seitigen Einleitungsteil, einem 71-seitigen Teil, der die Erinnerungen Naim Beys darstellt und einem offenen 13-seitigen Brief im Anhang von Armin T. Wegner (der als Augenzeuge der Massaker beschrieben wird) an den US-Präsidenten Woodrow Wilson. Der Einleitungsteil besteht aus einem Vorwort, das Aram Andonian vorstellt, aus einer Einleitung von Viscount Gladstone und einer Einleitung von Andonian.

Gladstone äußert, dass in den „blutbefleckten Annalen“ des Osmanischen Reiches mit den in den vergangenen fünf Jahren erfolgten Gewalttaten nichts Vergleichbares zu finden sei. Durch dieses „signifikante Erinnerungswerk“ wisse man nun nicht nur, dass es abscheuliche Fakten gegeben hat, sondern man wisse auch, wie und durch wen sie organisiert und verübt worden seien. Weiter macht Gladstone auf die bevorstehenden Verhandlungen zum Vertrag von Sèvres mit „dem regierenden Türken“ aufmerksam, der „nach Taten stinkt, die an Ausmaß und Schändlichkeit das einfallsreichste Bild der Hölle, das je erdacht“ wurde, überhole. Gladstone schließt sein Vorwort mit der Anmerkung, dieser Vertrag solle „ein für allemal die Überlebenden dieser christlichen Nation von den unaussprechlichen Missetaten der Hohen Pforte“ retten.Aram Andonian The Memoirs of Naim Bey: Turkish Official Documents Relating to the Deportation and the Massacres of Armenians, S. vii, viii

In der englischen Edition werden insgesamt vier osmanische Faksimiles aufgeführt. Dazu werden im Buch Übersetzungen angegeben:

Verwendung der Dokumente vor Gericht Beim Unionistenprozess in Istanbul bestätigte das Gericht laut Ternon die Echtheit der Dokumente.Yves Ternon: Tabu Armenien. Geschichte eines Völkermordes. Frankfurt am Main, Berlin 1988, S. 165. Ternon verweist als Beleg auf Mikrofilmaufnahmen der türkischsprachigen Prozessprotokolle in der Kongressbibliothek Washington. Die Mehrheit dieser Dokumente wurden durch das außerordentliche Kriegsgericht (auch Yozgat-Prozess) verwendet.Yves Ternon zitiert hier Krieger (Krikor Guerguerian): La plupart de ces documents ont été utilisés par la Cour martiale extraordinaire lors du procès de Yozgad.

Fünf Originaldokumente wurden 1921 von der Verteidigung beim Tehlirian-Prozess vorgelegt, jedoch nicht als Beweismittel zugelassen mit der Begründung des Staatsanwalts, dass die Geschworenen nicht über eine Schuld Talât Paschas zu befinden hätten. Eine von Tehlirian gewünschte Anhörung Andonian vor den Geschworenen, der gemäß Rössler als antideutsch eingestuft wurde, war vom Richter als unnötig erklärt worden, falls Tehlirian erklärte, er halte Talat für die Massaker für verantwortlich.Yves Ternon: Les Arméniens. Histoire d’un génocide. Edition revue et mise à jour par l’auteur. Editions du Seuil, 1996, ISBN 2-02-025685-1, S. 335.

Authentizitätsfrage

Walter Rössler Walter Rössler, deutscher Konsul während des Genozids in Aleppo, hat die französische Publikation Andonians auf Bitten von Johannes Lepsius kritisch gelesen und befand, „dass die veröffentlichten Dokumente verglichen mit dem Hergang der Dinge durchaus die innere Wahrscheinlichkeit für sich haben.“ Insgesamt sei er der Auffassung, „dass der Inhalt des Buches in seinen einzelnen Zügen einen glaubwürdigen Eindruck macht […]“ In der Datierung der veröffentlichten Dokumente seien gelegentlich Fehler unterlaufen, die das ganze Dokument unmöglich machen würden, doch handele es sich offensichtlich um Irrtümer. Rössler meinte aber:

Şinasi Orel und Süreyya Yuca