mini|Satellitenbild der Elbemündung mini|Erläutertes Foto des Glameyer-Stacks mini|Doppelbelastung des Uferabschnitts Cuxhaven bis Otterndorf mini|Mäandrierungsanalyse der Unterelbe mini|Die Befestigungen in Richtung Otterndorf gesehen mini|Die Befestigungen in Richtung Cuxhaven gesehen mini|Das Glameyer-Stack bei schwerer Sturmflut am 9. November 2007 um 13:50 kurz nach max. Wasserstand von NN + 4,45 m mini|Brandungswelle eines vorbeifahrenden Schiffes trifft den Zaun mini|Neues Schild mit Warnung vor Brandungswellen mini|Betroffenes Gebiet bei einer „kleinen“ Sturmflut von nur 4,5 m mini|Plötzliche Setzungen und Rutschungen des Deiches am Altenbrucher Hafen mini|Unterschiede in der Deichlinie beim Altenbrucher Bogen/Glameyer-Stack Das Glameyer-Stack ist eine Abweiserbuhne im Deichabschnitt „Altenbrucher Bogen“ an der Unterelbe (Fluss-km 713), die sich im Gebiet der Stadt Otterndorf im Stadtteil Müggendorf befindet. Die Unterelbe macht vor der Mündung in die Nordsee zwischen der Ostemündung und Cuxhaven einen Bogen nach Süden, den „Altenbrucher Bogen“. Für die dort erfolgende letzte Richtungsänderung des gesamten Elbwassers vor der Nordsee kommt dem Glameyer-Stack eine wichtige Rolle zu.
Geschichte Nachdem sich die Elbe in den vorangegangenen Jahrhunderten im Mündungsbereich trotz allen Widerstandes der Bewohner immer weiter nach Süden verlagert hatte und viele Deichlinien nicht gehalten werden konnten, sicherte insbesondere der Wasserbauer Reinhard Woltman von hamburgisch-cuxhavener Seite aus in Zusammenarbeit mit den Hadelern die Uferlinie so, dass die weitere Verlagerung der Elbe nach Süden bis heute aufgehalten wurde. Das Glameyer-Stack wurde 1802 mit einer Länge von 200 m fertiggestellt und ist wichtiger Teil dieser Ufersicherung. Der Name ist auf den Eigentümer des angrenzenden Landes zurückzuführen.
Belastungen Hauptbelastungsfaktor ist die Lage am Außenrand, am sogenannten Prallhang. Infolge des Tidegeschehens fließt hier nicht nur das normale Abflusswasser der Elbe, sondern erheblich mehr Salzwasser zweimal täglich aus der Nordsee in den Mündungstrichter, vermischt sich mit dem Süßwasser der Elbe und fließt auch zweimal täglich in die Nordsee ab. Diese Mehrfachbelastung wird durch die höchste Fließgeschwindigkeit der gesamten Unterelbe am Glameyer-Stack und vor Cuxhaven verstärkt. Entsprechend hoch ist die Erosion der anstehenden gleichförmigen Feinsande. Durch diesen besonders starken Angriff ist direkt vor dem Glameyer-Stack in unmittelbarer Ufernähe ein Kolk von über 30 m Tiefe entstanden.
Durch das Zusammentreffen vieler weiterer ungünstiger Faktoren wird dieser Deichabschnitt als kritischer Punkt in der Deichlinie zwischen Cuxhaven und Otterndorf bewertet: Die Doppelbelastung als See- und Flussdeich im Prallhang, die höchste Fließgeschwindigkeit in der Elbe, kein schützendes Watt, wenig und ständig erodierter Vorstrand, kein schützendes Deichvorland, extreme Wassertiefen in unmittelbarer Deichnähe und infolgedessen hohe Seegangsbelastung sowie starker und weiter zunehmender Schiffsverkehr mit immer größeren Schiffen in Ufernähe sind die wesentlichen Belastungsfaktoren dieses Uferabschnitts und seines Deiches. Der Baugrund besteht aus gleichförmigem Feinsand und Kleischichten und weist eine schwache bis mittlere Tragfähigkeit auf. Als gleichförmiger Boden ist er insbesondere unter Auftrieb empfindlich gegen Erschütterungen (Thixotropie). Diese extreme Häufung von Risikofaktoren ist einmalig an der deutschen Küste: Nirgends kommen so hohe Wellen so nah an den Deich.Dr. Stephan Mai vorsorge_cuxhaven (PDF; 258 kB) Die Wahrscheinlichkeit eines Deichbruchs bei Sturmflut ist daher vergleichsweise hoch.
Aus diesen Gründen wird dieses Gebiet durch verschiedene Befestigungen (betonierte Steine, Brandungszaun, gepflasterter Deichfuß usw.) besonders geschützt und beobachtet. Der Verschleiß ist hoch und die konstruktiven Möglichkeiten der Wasserbauer sind hier auch heute gefordert. Das Bauwerk selbst muss ständig repariert werden und regelmäßige Sandvorspülungen halten den Schutz des angrenzenden Deckwerks gegen das Abrutschen in die Elbe aufrecht. Am Glameyer-Stack wurden z. B. 1990 1,4 Mio. DM verbaut, um die Veränderungen durch die Elbvertiefung in diesem Zeitraum auszugleichen. Die Kolkungen und Baggerungen haben ein tiefer liegendes Grundwasserstockwerk mit grobem Kies freigelegt. Durch diesen Grundwasserleiter dringt Salzwasser erheblich schneller und weiter ins Land ein. Die Grundwasserleiter übertragen zudem die durch Schiffswellen verursachten Schwingungen unter dem Deich hindurch ins Land und brachten in den deichnahen Häusern Geschirr zum Klirren.
Das Glameyer-Stack ist die Hauptsicherung des Südufers gegen die ansonsten stetig fortschreitende Erosion, die weiter östlich im Bereich Besenhalmer Trift und Otterndorfer Watt durch die erhöhte Fließgeschwindigkeit seit der letzten Elbvertiefung verstärkt auftritt.
Deichbruchsimulation Bei einer Vergleichssimulation mit Daten der Anatol-Sturmflut aus dem Jahr 1999 und einem angenommenen Deichbruch von 200 m Länge ergab sich, dass ein 175 km² großes Gebiet mindestens circa 40 cm hoch überflutet würde. Je nach Höhe der Flut verhindern verschiedene kleinere Erhöhungen wie Sommerdeiche, Kanaldeiche und der Damm der Niederelbebahn ein gleichmäßiges Ausbreiten des Wassers. Diese Deichbruchs- und Überschwemmungssimulation ist allerdings „nur“ von einem Wasserstand von + 4,5 m über NN ausgegangen und hat somit eine maximale Strömungsgeschwindigkeit an der Stelle des Deichversagens von 1,4 m/s berechnet. In den weiteren Berechnungen wird von einer Strömungsgeschwindigkeit von maximal 0,5 m/s in 500 m Entfernung und einer geringen, unter drei Stunden liegenden, Vorwarnzeit ausgegangen. Da aber in Cuxhaven bei der Sturmflut 1962 ein Wasserstand von + 4,95 m über NN, im Jahr 1976 + 4,7 und sogar + 5,1 m über NN erreicht wurden, ist eine stärkere und schnellere Ausbreitung des Wassers und damit ein größeres Schadensgebiet mit höheren Überflutungen von circa 360 km² sehr wahrscheinlich.
Flutwasser / Oberwasser Generell kann gesagt werden, dass sich das durch Erde und Schlamm tiefgrau gefärbte Brackwasser schnell mit Heizöl durch halbleere, aufgeschwemmte Tanks sowie mit Abwasser aus privaten Kläranlagen und Sicker- und Güllegruben vermischen wird. Es wird sich ein Oberflächenfilm aus Ölen und leichteren, wasserunlöslichen Stoffen bilden. Zieht sich das Wasser zurück, wird dieser Film sich wie eine Haut über die überschwemmten Gebiete legen. Daher ist es für eine Schadensberechnung unerheblich, ob das Wasser 10 oder 50 cm in einem Haus gestanden hat. Sämtliche Türen wären aufgeweicht, das Wasser wäre mit seinen Schmutzgemisch in das Mauerwerk eingedrungen und eine Sanierung/Trocknung kostspielig und langwierig. Mit einem deutlichen Rückgang des Wassers wäre frühestens nach der zweiten Flut zu rechnen, da bei einer Sturmflut das erste folgende Niedrigwasser über dem gebrochenen Deichfuß stehen würde. Als Folge würde der Wasserdruck nur geringer auffallen und weniger Wasser in die überfluteten Gebiete nachlaufen. Diese Pause würde allerdings nur wenige Stunden anhalten. Je nach Wetterlage könnte die zweite Flut zwar einen geringeren Höchstwasserstand haben, der vorhandene Wasserdruck würde sich aber über die schon gefluteten Gebiete als eine zweite Flutwelle verteilen und dabei neue Gebiete, die bei der ersten Flutwelle verschont wurden, erreichen und ebenfalls überschwemmen. Da sämtliche überschwemmten Gebiete unter dem Meeresspiegel lägen, würde es bis zu zwei Wochen dauern, bis alle Pumpen das Wasser abgepumpt hätten. Es würde Jahre benötigen, die Schäden zu beseitigen, da durch die Schadstoffbelastung des Erdreiches keine „normale“ Landwirtschaft möglich sein würde. Der biologische Schaden wäre je nach Jahreszeit ebenfalls sehr dramatisch, insbesondere, da viele der überschwemmten Gebiete Naturschutzgebiete sind.
Stationen der Überschwemmung einer „kleinen“ 4,5-m-Sturmflut mini|Das Gebiet um den Altenbrucher Bogen bis zum Glameyer-Stack mini|Der Altenbrucher Kanal wird zuerst das Wasser aufnehmen mini|Der Hadelner Kanal ändert hier seine Richtung um 90° mini|Hier in Bülkau, Höhe Dorf, wird der Hadelner Kanal über die Ufer treten mini|In Odisheim ist die nächste Schwachstelle des Kanaldeiches
Wäre der Deich gebrochen, flösse das Wasser von dem 1 km vom Deich entfernt liegenden Müggendorf circa 2 km südwärts bis zum Bahndamm, dem ersten großen Hindernis für einströmende Wassermassen. Am Bahndamm würde sich das Wasser teilen. Je nach vorhandener Geschwindigkeit könnte dieser Damm das Wasser auf Dauer aufhalten. Würde der Damm jedoch überwunden, wäre nach weiteren 2 km die B 73 das nächste Hindernis bei der Ausbreitung des Wassers Richtung Süden. Allerdings gibt es verschiedene kleine Durchlässe, die das Wasser auch direkt hinter dem Bahndamm und der B 73 langsam steigen lassen könnten.
Richtung Westen würde sich das Wasser über den Westerhofstrom und den Braakstrom (Südseite des Bahndammes) bis nach Altenbruch ausbreiten. Hier würde es im Altenbrucher Kanal bis nach Lüdingworth fließen. Hinter Lüdingworth würde sich das Wasser über die Gräben zuerst in die niedrigen Gebiete bis nach Wanna verteilen. Das relativ kleine Gebiet würde dann zwischen 10 und 40 cm tief unter Wasser stehen.
Richtung Osten würde sich das meiste Wasser ergießen. Vom Deichbruchgebiet bis zu den ersten Häusern und dem Krankenhaus in Otterndorf liegen etwas mehr als 4 km. Zwischen der Stadt und dem Feriengebiet „See achtern Diek“ träfe das Wasser auf die Medem. In der Medem würde es ohne Stauwehre oder Schleusen über Neuenkirchen, Luftlinie circa 3,5 km von Otterndorf entfernt, bis nach Ihlienworth, circa 8 km von Otterndorf entfernt, fließen.
Auf dem Weg nach Neuenkirchen (Land Hadeln) trifft die stark mäandernde Medem bei Scholien als erstes auf die Brauneswettern, die nach Osterbruch führt. Da der Ort um die 1,1 m über NN liegt, würde das Wasser sich ohne große Überflutung im Südteil Osterbruchs mit dem Wasser der Aussenwettern treffen, die erst nach PedingworthPedingworth ist ein Ortsteil von Neuenkirchen von der Medem kommend das Wasser aufnähme und dort im Süden niedrig gelegene Gebiete überfluten würde.
Kurz vor Neuenkirchen im Ortsteil Höden trifft die Medem auf die Wilster. Diese ist für die Entwässerung des Bereichs des Dorfes Nordleda, das circa 4 km vor dem Zusammenfluss liegt, zuständig. Von der Wilster fließen Ostergehrenstrom, Osterscheidungsstrom, Süderscheidung und Oberwettern ab. Je nach Wasserdruck würde nur der Ostteil Nordledas überflutet, da das Gebiet zwischen − 60 cm unter NN und + 50 cm über NN beim Ortskern liegt. In Neuenkirchen würde die Fließrichtung der Uthwettern umgedreht und daher das Süderende überflutet werden. In dem nachfolgenden Pedingworth würde die schon angesprochene Außenwettern den Süden von Osterbruch, den Schweinekopf und Nubhusen überfluten.
Auf den Weg der Medem nach Ihlienworth wäre eine kleine Wettern und der alte Göscheeinfluss in die Medem betroffen. Anschließend würden mit der Emmelke und der Böderwettern zwei großen Entwässerungen für das Gebiet um Wanna geflutet werden. Da Wanna aus vielen kleinen und großen Wurten besteht, würde der Ort direkt nicht überflutet, allerdings würde durch diese beiden Entwässerungskanäle das Dreieck mit Neuenkirchen und Ihlienworth auf der Ostseite und Wanna über Nordleda im Westen zum Teil bis zu 1 m unter Wasser stehen.