Die MZ Baghira und MZ Mastiff sind Motorräder mit Einzylindermotor, die von 1997 bis 2004 von der Motorrad- und Zweiradwerk GmbH in Zschopau hergestellt wurden. Neben KTM war MuZ Ende der 1990er-Jahre der einzige Hersteller, der eine Supermoto-Variante ab Werk anbot.

Modellgeschichte Mit der Übernahme von MuZ durch die Hong Leong Industries aus Malaysia wurde Kapital für die Entwicklung eines neuen Motorrads zur Verfügung gestellt. Aufbauend auf den Erfahrungen mit der MZ-Skorpion-Modellen sollte eine Enduro mit guter Geländetauglichkeit und herausstechender Optik entwickelt werden. Das Design stammt von Masanori Hiraide, einem ehemaligen Yamaha-Mitarbeiter, und Oliver Neuland. Im Frühjahr 1997 wurden Baghira und Mastiff der Presse vorgestellt.

Die Motorräder wurden in Kit-Bauweise gebaut. Der Viertaktmotor stammt von der Yamaha XTZ 660 Ténéré. Der kunststoffbeschichtete Rahmen ist eine Eigenentwicklung, viele andere Teile stammen aus den Baukästen der Zulieferindustrie. Die Verkleidungsteile wurden bei Acerbis gefertigt, das Zentralfederbein stammt von WP Suspension, die Teleskopgabel mit 45 mm Standrohrdurchmesser von Marzocchi, die Bremsanlage von Grimeca.

Die Modellpalette der Baghira umfasste Enduro-Versionen sowie verschiedene Supermoto-Varianten (genannt Baghira Streetmoto). Zusätzlich wurden die Baghira Enduro und die Baghira Streetmoto auch als höhenreduzierte HR-Variante angeboten. Als Sondermodelle gab es z. B. die komplett in Schwarz lackierte Supermoto „Baghira Black Panther“ und die in mattgrün und schwarz gehaltene Enduro Baghira Forest, die einer Bewerbung von MZ als Streitkräftelieferant entsprang. Der Name „Baghira“ verweist auf die deutsche Übersetzung des Panthers Bagheera aus Rudyard Kiplings Dschungelbuch.

Die Mastiff, die gleichzeitig mit der Baghira als Funbike auf den Markt kam, ist weitgehend baugleich. Unterschiede sind die vorderen Kotflügel (Mastiff: kurz, direkt auf dem Rad, Gabelstabilisator) sowie Cockpit und Scheinwerfer. Außerdem besitzt die Mastiff eine kürzere Hinterradschwinge, eine nicht voll verstellbare, kürzere Gabel und eine niedrigere Sitzhöhe. Sie entspricht somit genau dem Fahrwerk der Baghira HR SM, also der höhenreduzierten Baghira Streetmoto.

Technische Daten

Baghira Baghira StreetMoto Mastiff Bild 120px 120px 120px Baujahre 1997–2006 2001–2008 1997–2004 Ausstattungsmerkmale/Bemerkungen auch als Variante Baghira HR mit reduzierter Sitzhöhedurch Ausführung mit Teleskopgabel und Federbein der Mastiff mit Rädern und Bremsanlage der Mastiff;auch als Baghira SM HR mit reduzierter Sitzhöhedurch Ausführung mit Teleskopgabel und Federbein der Mastiff Doppelscheinwerfer ohne Lampen- und Instrumentenverkleidung,gegenüber der Baghira mit Drehzahlmesser;Variante Mastiff Warrior mit größeren H4-Scheinwerfern Motor flüssigkeitsgekühlter, Einzylinder-Viertaktmotor - 16° nach vorn geneigt, 1 Ausgleichswelle Ventilsteuerung kettengetriebene obenliegende Nockenwelle, drei Einlass- und zwei Auslassventile über Kipphebel mit Einstellschraube betätigt Bohrung × Hub 100 × 84 mm Hubraum 660 cm³ Verdichtung 9,2 : 1 Nennleistung bei 6500/min; Drosselung: bei 5750/min max. Drehmoment 57 Nm bei 5250/min bzw. 47 Nm bei 4700/min Gemischaufbereitung Doppel-2-Stufen-Vergaser TEIKEI 4NN00, Durchmesser 26/35 mm Zündung kontaktlose Kondensatorzündung, elektronisch, mit Zündverstellung Abgasreinigung U-Kat (ab Bj. 2006) Lichtmaschine NIPPON DENSO TLMZ55 Wechselstrom-Schwungmagnetzünder 14 V 24,5 A bei 5.000/min. - 340 W Batterie 12 V, 9 Ah oder wahlweise 12 V, 8 Ah Trockenbatterie Kupplung Mehrscheibenkupplung im Ölbad, mechanisch betätigt Getriebe 5-Gang-Stirnrad-Wechselgetriebe, klauengeschaltet Sekundärübersetzung 15/45 15/43 Endantrieb O-Ring-Kette Rahmen Stahl-Rohrrahmen mit doppeltem Unterzug, geschraubten Motorträgern und geschraubtem Stahlrohr-Heckrahmen Maße (L × B × H) 2380 × 1040 × 1400 mm (HR: 2380 × 1040 × 1230 mm) 2350 × 1040 × 1220 mm (HR: 2380 × 1040 × 1230 mm) 2290 × 985 × 1350 mm Radstand 1530 mm (HR: 1500 mm) 1530 mm (HR: 1465 mm) 1465 mm Sitzhöhe 930 mm (HR: 890 mm) 900 mm (HR: 860 mm) 830 mm Radaufhängung vorn 45-mm-Teleskopgabel, Federweg 280 mm(Federweg bei HR-Varianten 190 mm und Federbasis nicht verstellbar) 45-mm-Teleskopgabel, Federweg 190 mm(Federbasis nicht verstellbar) Radaufhängung hinten Langschwinge mit Zentralfederbein, Federweg 280 mm (HR bzw. SM HR: 190 mm), Federbasis verstellbar Langschwinge mit Zentralfederbein, Federweg 190 mm,Federbasis verstellbar Felgengröße vorn Speichenrad, 1,85 × 21″ Speichenrad, 3,5 × 17″ Felgengröße hinten Speichenrad, 2,5 oder 2,75 × 18″ Speichenrad, 4,5 × 17″ Bereifung vorn 90/90-21 54R/54S TT 120/60ZR 17 TT Bereifung hinten 120/80-18 62R/62S oder 140/80-18 70R TT 160/60ZR 17 TT Sitzhöhe 930 mm (HR: 830 mm) 900 mm (SM HR: 830 mm) 900 mm Bremse vorn Einscheibenbremse, Ø 282 mmmit Zweikolben-Schwimmsattel Einscheibenbremse, Ø 298 mm mit Zweikolben-Schwimmsattel Bremse hinten Einscheibenbremse, Ø 245 mm mit Einkolben-Schwimmsattel Trockengewicht 169–172 kg 172–187 kg (je nach Ausstattung) 172–180 kg zul. Gesamtgewicht 360 kg Tankinhalt ca. 12,5 l (Reserve: ca. 2,5 l) Beschleunigung 0–100 km/h in 5,5 s Höchstgeschwindigkeit 160 km/h 165 km/h

Rennsport mini|MZ 660 Baghira Rallye Dakar Enduro MuZ-Versuchsfahrer Mike Heydenreich beteiligte sich 1996 mit dem Prototyp der Baghira am „Heimrennen“ Rund um Zschopau und im folgenden Jahr startete der Versuchsleiter Jörg Hübler mit dem Serienmodell, mit dem er den 2. Platz in seiner Klasse erreichte.

Rallye Paris Dakar 1998 startete MuZ auf Initiative des französischen Importeurs bei der Rallye Paris Dakar. Zwei von vier gestarteten Maschinen erreichten das Ziel und belegten die Plätze 36 und 53 der Motorradwertung. Es handelte sich hierbei lediglich um modifizierte Serienmotorräder (Motorschutz, größerer Tankinhalt usw.).

Hillclimbing Bei der 1999 ausgetragenen Hillclimbing-Veranstaltung am Teufelsberg im österreichischen Rachau erreichte der deutsche Gunter Scheidhauer auf einer Baghira am Finaltag die größte Weite und errang damit den Sieg in der Spezial-Klasse.

Kritiken

Weblinks

Einzelnachweise

Baghira