Das Goldene Rüsselhündchen (Rhynchocyon chrysopygus), auch Goldsteiß-Rüsselhündchen oder Goldrücken-Rüsselhündchen, ist eine Säugetierart aus der Ordnung der Rüsselspringer. Es bewohnt einen eng begrenzten Küstenstreifen im östlichen und südöstlichen Kenia, wo die Vertreter in geschlossenen Waldlandschaften vorkommen. Die Tiere sind, wie andere Rüsselspringer auch, durch eine rüsselartig verlängerte Nase und lange Hinter- sowie kurze Vorderbeine gekennzeichnet. Vor allem durch Feldbeobachtungen in den 1970er und 1990er Jahren ist die Lebensweise des Goldenen Rüsselhündchens vergleichsweise gut untersucht. Es ist tagaktiv, bodenbewohnend und lebt in monogamen Paarbindungen, die über das gesamte Leben halten. Die gebundenen Tiere nutzen dabei Territorien, die sich vollständig überlappen, gemeinsame Aktivitäten sind aber weitgehend auf die Paarungszeit beschränkt. Die Nahrung besteht aus einer vielfältigen Anzahl an Wirbellosen, bei denen Käfer dominieren. Sie wird am Boden gesucht und gelegentlich auch ausgegraben. Typisch ist der Bau von Nestern aus Pflanzenmaterial, die als Rückzugsorte dienen. Mehrmals jährlich bringt das Weibchen ein Junges zur Welt. Die Aufzucht findet ohne aktive Beteiligung des Vatertiers statt. Die Art wurde im Jahr 1881 wissenschaftlich eingeführt, es bestehen zwei Unterarten. Aufgrund des stark zersplitterten Verbreitungsgebietes gilt der Bestand als stark gefährdet.

Merkmale Habitus Das Goldene Rüsselhündchen ist ein mittelgroßer Vertreter der Rüsselhündchen. Nach Untersuchungen von 80 Individuen der Nominatform aus dem südlichen Teil des Verbreitungsgebietes besitzt es eine Gesamtlänge von 46,4 bis 56,1 cm, die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 21,8 bis 30,4 cm, der Schwanz wird 21,3 bis 27 cm lang. Damit weist der Schwanz rund 85 % der Länge des restlichen Körpers auf. Das Gewicht schwankt von 410 bis 690 g. Ein äußerlich erkennbarer Geschlechtsdimorphismus liegt nicht vor, untersuchte männliche Tiere im Arabuko Sokoke Forest wurden durchschnittlich 527 g schwer, Weibchen wogen 545 g. Wie alle Rüsselspringer hat auch das Goldene Rüsselhündchen eine rüsselförmig verlängerte und sehr bewegliche Nase sowie kurze und dünne Gliedmaßen, bei denen die Hinterbeine länger als die Vorderbeine sind. Der Rumpf ist auffallend gewölbt und am Becken höher als an den Schultern. Das Rückenfell besteht aus langen, seidigen Haaren. Es zeigt eine walnussbraune bis dunkelrotbraune Färbung. Im Kontrast dazu steht ein goldgelber Fleck am hinteren Teil des Rumpfes, dem die Tiere auch ihre Trivialnamen verdanken. Die Haare des goldgelben Flecks sind durchschnittlich länger (22,2 mm) als die des restlichen Körpers (16,6 mm), auch werden sie bei Weibchen länger als bei Männchen. Vor allem bei letzteren ist hier eine besonders dicke Haut ausgebildet, die die des übrigen Rückens um das Dreifache an Stärke übertrifft. Die Haut verdickt sich erst mit dem Auswachsen der Jungtiere. Einige Individuen zeichnen sich durch ein undeutliches Fleckenmuster am Rücken aus, wie es typisch für das Gefleckte Rüsselhündchen (Rhynchocyon cirnei) ist. Der Kopf erscheint gräulich-gelbbraun. Die Augen sind groß, die Ohren stehen aufrecht und sind breit. Sie werden 30 bis 38 mm lang, die hier sichtbare nackte Haut ist schwarz. Am Nacken tritt teilweise eine markante Mähne auf. Der Schwanz ist zweifarbig, oberseits dunkel, unterseits hell, und nur spärlich behaart. Er nimmt von der Wurzel bis zur Spitze kontinuierlich an Dicke ab, an der Schwanzspitze ist ein pinselartiges, schwarz gefärbtes Haarbüschel ausgebildet, zusätzlich kommen noch unregelmäßig geformte weiße Farbflecken vor. Beine und Füße zeigen eine schwärzliche Kolorierung. Vorder- und Hinterfüße weisen jeweils vier Strahlen auf und enden in gut entwickelten Krallen. Der Hinterfuß wird 68 bis 79 mm lang.

Die nördlichen Population im Boni- und Dodori-Nationalreservat unterscheidet sich deutlich von der Typusform. Den Tieren fehlt der markante goldene Rumpffleck. Stattdessen besitzen sie einen kastanienbraunen Rücken und ebensolche Schultern, die Hinterbeine sind rabenschwarz gefärbt und der Kopf graugelb. Auf dem Rücken kommt ein dunkler Mittelstrich vor. Die Haare am Nacken stehen deutlich hervor. Ein vermessenes Individuum wies eine Gesamtlänge von 54,9 cm sowie eine Schwanzlänge von 25,6 cm auf, es wog 610 g.

Schädel- und Gebissmerkmale Die Länge des Schädels liegt bei 67,6 mm, die Breite an den Jochbögen bei 36,2 mm. Er ist insgesamt schmal gebaut und in der Aufsicht eher dreieckig, was durch einen breiten Hirnschädel und ein schmales Rostrum bewirkt wird. Auf der Schädelunterseite sind die Paukenblasen leicht vergrößert. Der Unterkiefer besitzt einen hoch aufragenden Gelenkast. Das Gebiss setzt sich aus 34 bis 36 Zähnen zusammen und besitzt folgende Zahnformel: . Sofern die oberen Schneidezähne ausgebildet sind, haben sie nur eine geringe Größe. Der obere Eckzahn dagegen ist groß, hier kann auch ein sekundärer Geschlechtsdimorphismus festgestellt werden: Bei Männchen wird der obere Eckzahn etwa 5,5 bis 7,5 mm lang, bei Weibchen 3,6 bis 5,2 mm. Die hinteren Zähne haben einen leicht hochkronigen (hypsodonten) Charakter, die Prämolaren und die Molaren unterscheiden sich deutlich, da letztere dilambdodont sind (das heißt, sie haben zwei Λ-förmige Rippeln auf der Kauoberfläche). Die obere Zahnreihe erreicht eine Länge von 23,5 bis 29,8 mm.

Verbreitung und Lebensraum mini|hochkant|Verbreitungsgebiet des Goldenen Rüsselhündchens (Kleine grüne Markierungen in der Quadratmitte) Das Goldene Rüsselhündchen kommt endemisch in Ostafrika vor, das Verbreitungsgebiet ist zweigeteilt. Die Hauptpopulation bewohnt eine nur kleine Region an der südöstlichen und östlichen Küste von Kenia, etwa vom Tana im Norden bis zu den Rabai-Hügeln bei Mombasa im Süden. Der Lebensraum beschränkt sich somit auf die Zone der Küstenwälder, bevorzugte Habitate der Art umfassen geschlossene Wälder und Dickichte mit dichtem Untergrundbewuchs, teilweise auch überwachsenes Kulturland. Insgesamt ist es aber stark fragmentiert, die Höhenverbreitung reicht bis auf 30 m über dem Meeresspiegel. Im Arabuko Sokoke Forest, einem rund 420 km² großen Gebiet aus teils laubwerfenden Wäldern und mit einem jährlichen Niederschlag von 600 bis über 1000 mm unmittelbar südlich des Tana-Flusses, ist das Goldene Rüsselhündchen häufig mit Afzelia- und Cynometra-Pflanzengemeinschaften assoziiert, in Arealen mit Brachystegia-Bewuchs wurde es seltener nachgewiesen. Die Individuendichte beträgt in Gebieten mit Cynometra-Bewuchs rund 0,56 Tiere pro Hektar, in solchen mit Brachystegia-Pflanzengemeinschaften geht sie auf 0,29 Exemplare auf einer vergleichbar großen Fläche zurück. Dies ist deutlich geringer als bei der hier ebenfalls auftretenden Rüsselratte (Petrodromus tetradactylus). Außerhalb des Waldgebietes kommt das Goldene Rüsselhündchen möglicherweise nur noch an rund einem Dutzend weiterer Lokalitäten vor, etwa bei den Gedi-Ruinen, einem 44 ha großen Nationalmonument südlich von Malindi. Hier betrug die Individuendichte in den 1970er Jahren etwa 1,6 Tiere pro Hektar.

Bereits in den 1970er Jahren wurde angenommen, dass das Goldene Rüsselhündchen auch im Boni- und Dodori-Nationalreservat nördlich des Tana auftritt. Vorortuntersuchungen im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts stellten die dortigen Tiere aufgrund ihrer charakteristisch abweichenden Färbung als mögliche eigenständige Art heraus, was sich aber genetisch nicht bestätigen ließ. Sie werden seit dem Jahr 2021 als Unterart des Goldenen Rüsselhündchens aufgefasst. Das Boni- und Dodori-Nationalreservat liegen jeweils rund 140 km nördlich des übrigen Verbreitungsgebietes der Art. Die Landschaft besteht aus Gebüschvegetation und Trockenwäldern. Das Vorkommen dort dehnt sich vermutlich über eine Fläche von 1980 km² aus.

Lebensweise Territorialverhalten Das Goldene Rüsselhündchen ist tagaktiv mit der Hauptphase zwischen 06:30 und 18:30 Uhr, in der Mittagszeit können längere Ruhephasen eintreten. Diese täglichen Ruhephasen dauern etwa eine halbe Minute bis zu einer halben Stunde, während der ein Tier liegt oder hockt. Es lebt ausschließlich bodenbewohnend und bewegt sich dort vierfüßig laufend oder teilweise springend fort, wobei es mit bis zu 27 km pro Stunde sehr schnell sein kann (cursorial). Die Tiere sind stets alarmiert und haben ausgezeichnete Sinnesorgane. Die Nacht verbringt das Goldene Rüsselhündchen in selbst gebauten Nestern. Dafür gräbt es mit den kräftigen Krallen der Vorderfüße eine flache Mulde von 8 cm Tiefe aus, in die es Laub aus der Umgebung ablegt. Der so entstehende Blätterhaufen ist anschließend rund 15 cm hoch und hat einen Durchmesser von 50 cm. In den folgenden zwei Wochen sinkt er zumeist in sich zusammen und kann dann kaum von der Umgebung unterschieden werden, ein Eingang ist meist nicht sichtbar. Der Nestbau erfolgt in der Regel in den frühen Morgenstunden und dauert etwa zwei Stunden, wobei er entweder in einem Zug oder an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt wird. Insgesamt nimmt die Konstruktion des Unterschlupfes durchschnittlich etwa 2,2 % des täglich verfügbaren Zeitbudgets ein. Üblicherweise nutzt ein Tier dasselbe Nest nur einen oder wenige Tage hintereinander, bevor es umzieht. Zum Nestbau werden Wälder mit hohen Baumkronen und dichtem Laubfallhorizont bevorzugt. Außer einem morgendlichen Strecken und gelegentlichem Kratzen ist kaum ein besonderes Komfortverhalten nachgewiesen. Das typische „Gesichtwaschen“ der Elefantenspitzmäuse mit den Vorderpfoten wurde bisher nicht beobachtet.

Einzelne Tier nutzen Aktionsräume, die im Gedi-Nationalmonument zwischen 1,4 und 2 ha groß sind, die Durchschnittsgröße liegt bei 1,7 ha. Dagegen konnte im Arabuko Sokoke Forest eine Reviergröße von 1,1 bis 5,3 ha Größe festgestellt werden, Männchen besaßen mit durchschnittlich 3,2 ha größere Territorien als Weibchen mit 2,3 ha. Zudem korreliert bei männlichen Tieren die Größe des Reviers positiv zur Körpergröße, bei weiblichen gibt es diesen Effekt nicht. Über die Territorien verteilt befinden sich mehrere Nester, im Gegensatz zu den Elefantenspitzmäusen legt das Goldene Rüsselhündchen keine speziellen Pfade an, nur im Bereich sehr dichter Untergrundvegetation können gelegentlich solche Wege vorkommen. Die Tiere durchstreifen ihre Gebiete täglich, zumeist zur Nahrungssuche, und überschreiten teilweise auch die Grenzen. Über einen längeren Zeitraum von zwei bis drei Wochen scheint es aber bevorzugte Aufenthaltsgebiete zu geben. Die täglich zurückgelegten Entfernungen betragen durchschnittlich 1030 m bei Männchen und 1121 m bei Weibchen. Die Reviere werden mit Sekreten aus Duftdrüsen am Steiß markiert, wobei es dafür keine bestimmten Stellen gibt, vielmehr erfolgt dies kontinuierlich während der Wanderschaft und Nahrungssuche.