Bernhard Gruber (* 12. August 1982 in Schwarzach im Pongau) ist ein ehemaliger österreichischer Nordischer Kombinierer. Er wurde 2010 Olympiasieger mit der Mannschaft und 2015 Einzel-Weltmeister von der Großschanze.
Werdegang Bernhard Gruber stammt aus Bad Hofgastein im Gasteinertal. Als Mitglied des dortigen Wintersportvereines feierte er seine ersten Siege im Kinderbereich im Skilanglauf. Da es nach dem Abbruch der Jugendschanze (als Nachfolgerin der bekannten Bilgeri-Schanze) im Gasteinertal keine der einst vielen Skisprungschanzen mehr gab, begann Gruber im Sommer 1996, im Alter von 14 Jahren, mit dem Skispringen auf der Kindermattenschanze in Bischofshofen. Er trat zum Ski-Club Bischofshofen über, dessen Trainer sein Sprungtalent schnell erkannten und Gruber die nächsten Jahre sehr förderten. Als Toni Innauer auf seine Talente im Skilanglauf und im Sprunglauf aufmerksam wurde, überredete ihn der bekannte ehemalige österreichische Weltklasse-Skispringer 1998 zum Übertritt von den Spezialspringern zu den Kombinierern.100 Jahre Wintersportverein Bad Hofgastein. 1908–2008. Sektion Langlauf und Kombinierer. Seite 121
Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2000 im slowakischen Štrbské Pleso gewann er mit der österreichischen Staffel die Bronzemedaille. Zwei Jahre später startete er bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2002 in Schonach im Schwarzwald und wurde dort mit der Mannschaft Siebter.
Seit 2003 startet Gruber nunmehr im Weltcup der Nordischen Kombination. Bei der Winter-Universiade 2005 in Innsbruck und Seefeld in Tirol gewann er den Sprint und wurde im Gundersenwettbewerb Zweiter. Seinen Durchbruch im Weltcup feierte er in der Saison 2006/07. Beim letzten Rennen 2006 kam er als Neunter erstmals unter die Top 10. Im Jänner 2007 erreichte er mit dem fünften Rang in Oberstdorf erstmals eine Spitzenplatzierung. In der Saison 2007/08 etablierte er sich in der Weltspitze und erreichte drei Podestplätze, bis er im Februar 2008 beim Sprint in Zakopane seinen ersten Weltcupsieg feiern konnte. Der zweite Sieg folgte im März 2008 im Gundersen-Einzel in Oslo. Den dritten Erfolg in seiner Karriere konnte er am 25. Februar 2012 ebenfalls in der Gundersen-Disziplin im tschechischen Weltcuport Liberec verbuchen. Bei den Weltmeisterschaften 2009 in Liberec wurde er mit der österreichischen Staffel Fünfter. In den beiden Gundersenwettbewerben von der Normal- und der Großschanze erreichte er jeweils den Elften Platz, während er im Massenstartrennen 22. wurde.
Seine bis jetzt größten Erfolge feierte er bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver. Nach dem Olympiasieg im Teambewerb der Nordischen Kombinierer eroberte er zwei Tage später im Einzelbewerb über 10 km überraschend die Bronzemedaille, nachdem er nach dem Sprung von der Großschanze als Erster in die Loipe gegangen war. Bei den Weltmeisterschaften 2011 im norwegischen Oslo konnte er mit beiden österreichischen Staffeln (Normal- und Großschanze) jeweils den Weltmeistertitel erringen. Bei den Weltmeisterschaften 2013 im italienischen Fleimstal konnte er zwei Silbermedaillen im Gundersenwettbewerb von der Großschanze und im Teamsprint gewinnen. Zudem wurde er im Mannschaftswettbewerb von der Normalschanze Fünfter und belegte im Gundersenrennen von der Normalschanze den 13. Platz. Mit der österreichischen Staffel gewann er bei den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi die Bronzemedaille und wurde im Gundersenwettbewerb von der Großschanze Fünfter.
Bei den nordischen Skiweltmeisterschaften in Falun 2015 holte er Gold im Einzelwettbewerb. Auch hier lag er bereits nach dem Springen in Führung. Mit der Mannschaft wurde er von der Normalschanze Fünfter, im Teamsprint Siebter und im Gundersenrennen von der Normalschanze Zehnter. In die Weltcup-Saison 2015/16 startete er mit zwei vierten Plätzen in Lillehammer und einem zweiten Platz in Chaux-Neuve. Er überzeugte im weiteren Saisonverlauf vor allem in der zweiten Hälfte mit großer Konstanz, sprang und lief regelmäßig in die Top 10 und konnte seinem Palmarès in Val di Fiemme einen weiteren Einzelsieg über 10 km Gundersen hinzufügen.
mini|links|Gruber (Nr. 39) in Ramsau 2016 Nachdem der Start in die Saison 2016/17 ordentlich verlaufen war, konnte Gruber sich hin zu den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2017 in Lahti immer weiter verbessern. Beim Nordic Combined Triple belegte er hinter den beiden deutschen Eric Frenzel und Johannes Rydzek den dritten Platz. Bei den Weltmeisterschaften in Lahti belegte er bei den Einzelwettbewerben den siebten Platz von der Normalschanze und den neunten von der Großschanze. Beim Teamwettbewerb bildete er gemeinsam mit Mario Seidl, Philipp Orter und Paul Gerstgraser die österreichische Staffel, welche hinter Deutschland und Norwegen den dritten Platz belegte. Im Team-Sprint verpasste er gemeinsam mit Wilhelm Denifl als Vierter und 0,5 Sekunden Rückstand auf den Bronze-Platz eine weitere Medaille.
Nachdem die olympische Saison 2017/18 nicht optimal begonnen hatte, qualifizierte Gruber sich trotzdem für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. In den beiden Einzelwettbewerben von der Normal- und der Großschanze konnte er nur den 20. bzw. 21. Platz belegen. Beim Team-Wettbewerb bildete er gemeinsam mit Wilhelm Denifl, Lukas Klapfer und Mario Seidl die österreichische Staffel. Wie bei den Weltmeisterschaften 2017 gewannen sie erneut hinter der deutschen und der norwegischen Staffel die Bronzemedaille. Beim ersten Weltcup nach den Olympischen Winterspielen konnte er mit seinem Partner Wilhelm Denifl am 3. März 2018 den Kombi-Teamsprint in Lahti gewinnen.Gruber/Denifl gewannen Kombi-Teamsprint in Lahti (3. März 2018)
Die Weltcup-Saison Grubers 2018/19 war von einigen Leistungsschwankungen geprägt, sodass er sich nach dem siebten Platz in Ramsau Mitte Dezember erst wieder Anfang Februar in Lahti in den Top 10 platzieren konnte. Erst aufgrund der Steigerung in Lahti wurde er für die Heim-WM in Seefeld nominiert, die Gruber selbst schon fast abgeschrieben hatte. Beim Saisonhöhepunkt präsentierte sich Gruber schließlich in Topform und konnte nach dem Erreichen des zehnten Platzes von der Großschanze die Silbermedaille von der Normalschanze hinter Jarl Magnus Riiber gewinnen. Darüber hinaus holte er im Teamsprint zusammen mit Franz-Josef Rehrl sowie im Teamwettkampf gemeinsam mit Mario Seidl, Rehrl und Lukas Klapfer Bronze, womit er mit neun WM-Medaillen der erfolgreichste ÖSV-Kombinierer bei Weltmeisterschaften ist. Im Gundersenwettbewerb von der Großschanze wurde er Zehnter. Am abschließenden Weltcup-Wochenende in Schonach konnte er seine WM-Leistung mit seinem siebten Weltcupsieg sogar noch übertrumpfen.
Nachdem Gruber aufgrund einer Gastroenteritis bereits verspätet in den Weltcup eingestiegen war, konnte er bei seinen Wettkampfeinsätzen nie die gewünschte Form erreichen. Als ihn im Februar 2020 eine Grippeinfektion heimsuchte, beschloss Gruber aus gesundheitlichen Gründen die Saison 2019/20 vorzeitig zu beenden: „Man kann es eigentlich nicht schlimmer erwischen, so viel Pech, wie ich dieses Jahr mit Krankheit und Infekten hatte.“ In der Gesamtwertung belegte er Rang 42. Mitte März 2020 unterzog sich Gruber nach anhaltenden Beschwerden im Brustkorb eine Herzkatheteruntersuchung, in deren Rahmen ihm ein Stent erfolgreich eingesetzt wurde. Anfang November 2020 erhielt Gruber seitens der behandelnden Ärzte und dem ÖSV-Ärzteteam die Erlaubnis, wieder in den Hochleistungssport einzusteigen. „Ich habe schon ein bisschen spekuliert, dass ich nicht mehr grünes Licht bekomme, da Spitzensport nach einer Stent-Implantation ein sehr heikles Thema ist. Die Ärzte waren sich jedoch einig, dass ich wieder zu hundert Prozent fit bin, und das ist mein bisher größter Sieg. Es freut mich riesig, dass ich meiner großen Passion Nordische Kombination weiter nachgehen darf“, so Gruber. Nachdem er Mitte Jänner 2021 seine ersten Großschanzensprünge erfolgreich absolviert hatte, wurde er für die 96. Lahti Ski Games wieder in den Weltcup-Kader berufen.96. Lahti Ski Games: Nordisches Aufeinandertreffen ohne Zuschauer. In: xc-ski.de. 21. Januar 2021, abgerufen am 21. Januar 2021. Dort belegte er gemeinsam mit Mario Seidl den sechsten Rang im Teamsprint. Tags darauf trat er aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Einzelwettbewerb an. Es handelte sich dabei erneut um einen Teilverschluss eines Herzkranzgefäßes, sodass ihm im Rahmen einer Herzkatheter-Untersuchung in Lahti weitere zwei Stents eingesetzt werden mussten.Erneute Herzkranzgefäßverengung bei Gruber. In: oesv.at. 24. Januar 2021, abgerufen am 24. Januar 2021. Vier Tage nach dem Eingriff wurde Gruber nach Österreich ausgeflogen, wo er zunächst weiterhin im Krankenhaus behandelt werden musste.Sandra Volk: Voller Vorfreude aufs Seefeld Triple. In: xc-ski.de. 28. Jänner 2021, abgerufen am 28. Jänner 2021. Schließlich erklärte er am 28. Februar 2021 in einem Interview seinen Rücktritt vom aktiven Leistungssport.
Erfolge Weltcupsiege im Einzel Nr. Datum Ort Disziplin 1. 24. Februar 2008 Sprint 2. 8. März 2008 Gundersen 3. 25. Februar 2012 Gundersen 4. 2. Februar 2013 Gundersen 5. 30. Januar 2015 Gundersen 6. 27. Februar 2016 Gundersen 7. 16. März 2019 Gundersen
Weltcupsiege im Team Nr. Datum Ort Disziplin 1. 2. Dezember 2012 Teamsprint 2. 3. März 2018 Teamsprint
Grand-Prix-Siege im Einzel Nr. Datum Ort Disziplin 1. 21. Juli 2012 Gundersen 2. 26. August 2012 Gundersen 3. 30. August 2013 Gundersen
Grand-Prix-Siege im Team Nr. Datum Ort Disziplin 1. 24. August 2013 Gundersen 2. 29. August 2015 Teamsprint
B-Weltcup-Siege im Einzel Nr. Datum Ort Disziplin 1. 20. Dezember 2002 Gundersen
Statistik Platzierungen bei Olympischen Winterspielen 50px Jahr und Ort Wettbewerb Gundersen NS Gundersen GS Team Vancouver 2010 – 3. 1. Sotschi 2014 – 5. 3. Pyeongchang 2018 20. 21. 3.
Platzierungen bei Weltmeisterschaften Jahr und Ort Wettbewerb Gundersen NS Gundersen GS Massenstart Team NS Team GS Teamsprint 2009 Liberec 11. 11. 22. – 5. – 2011 Oslo – – – 1. 1. – 2013 Val di Fiemme 13. 2. – 5. – 2. 2015 Falun 10. 1. – 5. – 7. 2017 Lahti 7. 9. – 3. – 4. 2019 Seefeld 2. 10. – 3. – 3.
Weltcup-Platzierungen Saison Platz Punkte 2005/06 22. 231 2006/07 17. 204 2007/08 4. 894 2008/09 9. 524 2009/10 16. 311 2010/11 16. 231 2011/12 4. 765 2012/13 4. 619 2013/14 16. 292 2014/15 5. 684 2015/16 7. 618 2016/17 10. 436 2017/18 26. 213 2018/19 16. 356 2019/20 42. 21
Grand-Prix-Platzierungen Saison Platz Punkte 2001 24. 69 2004 6. 148 2005 22. 17 2006 4. 196 2007 6. 170 2009 31. 22 2011 8. 151 2012 1. 565 2013 1. 290 2014 13. 64 2015 7. 120 2016 15. 85 2018 26. 53 2019 21. 78
Weblinks
Persönliche Website Porträt auf der ÖSV-Website
Einzelnachweise
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