mini|Berliner Studentinnen in Couleur (1916)

Damenverbindungen (auch Frauenverbindungen) sind Studentinnenverbindungen und Schülerinnenverbindungen, die ausschließlich Frauen aufnehmen. Damenverbindungen teilen mit den älteren rein männlichen Verbindungen das Lebensbund- und das Conventsprinzip und haben vielfach die äußerlichen Merkmale bestehender Verbindungen, wie Couleur und Comment, übernommen.

Geschichte

Die ersten Damenverbindungen

mini|Chargierte einer Damenverbindung in Berlin (1928) mini|Chargierte des Bundes deutscher Studentinnen Regiomontana in Königsberg (1930)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Frauen regulär zum Studium an deutschen Universitäten zugelassen. In Baden geschah dies im Jahr 1900, in Preußen acht Jahre später. Von Beginn an bestand auch bei ihnen, wie auch zuvor bei ihren männlichen Kommilitonen, der Bedarf, sich in studentischen Gruppen zusammenzuschließen.

Noch bevor die ersten Frauen im Deutschen Kaiserreich und Österreich promovieren durften, hatten sich bereits an mehreren Hochschulorten sogenannte Damenverbindungen gegründet. Die erste war der 1899 in Bonn gegründete Club der Namenlosen. Dieser wandelte sich schließlich zum Verein Studierender Frauen Deutschlands Hilaritas im Verband der Studentinnenvereine Deutschlands. Diesem folgten weitere Neugründungen, z. B. der Christliche Studentinnenverein Freiburg im Verband der Studentinnenvereine Deutschlands im Jahre 1903, die Alt-Heidelbergerinnen (1903)Rahel Straus, Wir lebten in Deutschland. Deutsche Verlags-Anstalt, 1961, S. 265. oder der Katholische Studentinnenverein Herrad Freiburg im Breisgau kurz vor Kriegsbeginn 1914.SCC2005, Verzeichnis aller studentischen Korporationen

Diese neuen Frauenverbindungen übernahmen zum Teil das Regelwerk (Comment) der bestehenden Männerverbindungen und adaptierten deren Riten und Liedtexte. Bei der 100-Jahr-Feier der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin im Jahr 1910 chargierten Mitglieder von Damenverbindungen öffentlich bei einer Universitätsfeier.Frank Stanisch, Florian Stegner (Hrsg.): Medizin, Geschichte und Geschlecht. Verlag Franz Steiner, 2005, ISBN 978-3-515-08564-9, S. 110. Allerdings durften sie nur repräsentieren und nicht mitfeiern, da „dies ihrer Weiblichkeit Abbruch täte“.Von der Ausnahme zur Alltäglichkeit: Frauen an der Berliner Universität Unter den Linden. Trafo-Verlag 2003, ISBN 3-89626-103-7. Im Jahr 1927 bei der 400-Jahr-Feier der Marburger Universität durften sie bereits gleichberechtigt mitfeiern.Margret Lemberg: Einleitung: Die ersten Frauen an der Universität Marburg. In: Es begann vor hundert Jahren. Die ersten Frauen an der Universität Marburg und die Studentinnenvereinigungen bis zur „Gleichschaltung“ im Jahre 1934. Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Marburg vom 21. Januar bis 23. Februar 1997. Ausstellung und Katalog Margret Lemberg. Marburg 1997 (Schriften der Universitätsbibliothek Marburg). S. 1–31.

Bis zum Jahr 1933 existierten etwa 100 Verbindungen von Studentinnen. Mit der steigenden Anzahl kam es, wie auch zuvor auf männlicher Seite, zur Gründung von eigenen Korporationsverbänden und Verbindungsabkommen. Auf evangelischer Basis wurde 1904 die Deutsche Christliche Vereinigung Studierender Frauen gegründet (20 Vereine). Es folgten 1906 der Verband der Studentinnenvereine Deutschlands (7 Vereine), 1913 der Verband katholischer deutscher Studentinnenvereinigungen (VKDSt) (21 Vereine) und 1914 der Verband Deutscher Akademischer Frauen (VDAF) (9 Vereine).Peter Krause In: Gaudeamus igitur, Studentisches Leben einst und jetzt. Katalog zu einer Ausstellung in der Schallaburg 1992, Veranstalter und Herausgeber: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, ISBN 3-85460-063-1. Später wurde der VKDst auf 27 Vereine erweitert. Ferner gab es auch sogenannte Katholische deutsche Studentinnenkorporationen.

Mit der steigenden Zahl von Studentinnen stiegen auch die Mitgliederzahlen der weiblichen Korporierten schnell an. So gab es während der Weimarer Republik sowie in der Ersten Republik in Österreich relativ weitaus mehr korporierte Frauen und in Verbindungen integrierte Studentinnen als heutzutage.

Den Geschlechterforscherinnen Diana Auth und Alexandra Kurth zufolge fühlten sich aber nur wenige Hochschülerinnen „von den Studentinnenvereinen in der Weimarer Republik angesprochen“. Ursächlich dafür waren die in dem tradierten Rollenverständnis verhafteten Damenverbindungen, während viele Studentinnen gerade neue Freiräume erkämpften. Ein Großteil von ihnen schloss sich „Freistudentenschaften“ oder politischen Studentenorganisationen an.Diana Auth, Alexandra Kurth: Männerbündische Burschenherrlichkeit. Forschungslage und historischer Rückblick. In: Christoph Butterwegge, Gudrun Hentges (Hrsg.), Alte und Neue Rechte an den Hochschulen, Agenda-Verlag, Münster, 1999, S. 114–129, S. 125. Allerdings waren beispielsweise an der Universität Münster im Sommersemester 1915 fast zwei Drittel aller weiblichen Studenten in Studentinnenverbindungen organisiert.Wiebke Reichmann: Von der Coulerdame zur Studentin? VDM Verlag 2009, ISBN 3-639-15744-3. Insgesamt soll der Organisationsgrad in der Weimarer Zeit zwischen 6 Prozent (Berlin) und 15 bis 20 Prozent (Gesamtstudentinnenschaft im damaligen Deutschen Reich) gelegen haben.

In Flandern wurden weibliche Studenten an der Katholieke Universiteit Leuven erst ab 1920 zugelassen. Damenverbindungen waren in den Anfangsjahren verboten.

In Estland und Lettland gründeten sich Anfang des 20. Jahrhunderts ebenfalls Studentinnenverbindungen, die mehr oder weniger deutlich auf den mitteleuropäischen Traditionen der bereits existierenden Korporationen aufbauten.

Der Niedergang 1933 bis 1938 mini|hochkant|Himmler-Erlass vom 20. Juni 1938

Jüdische Studentinnen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus zwangsexmatrikuliert, unter ihnen auch die Mitglieder jüdischer Studentinnenverbindungen.Elisabeth Kraus: Die Universität München im Dritten Reich. Verlag Utz, München 2006, ISBN 3-8316-0639-0, S. 509. Insgesamt hatte es im Juni 1932 noch neun Gruppierungen im Verband der Zionistischen Studentinnengruppen (ZiSt) mit 140 bis 150 „Chawerot“ gegeben.Der jüdische Student. Zeitschrift des Verbandes Jüdischer Studenten. Herausgegeben vom Präsidium des K.J.V. in Berlin, Ausgabe Juni 1932 (Heft 5/29. Jahrgang)

Obwohl nach der nationalsozialistischen Ideologie die Berufstätigkeit von Frauen auch in akademischen Berufen nicht gewünscht war, waren in der Zeit des Nationalsozialismus im Deutschen Reich Frauen weiterhin an den Universitäten vertreten. Später, vor allem im Zweiten Weltkrieg, nahm ihre Zahl sogar zu, denn es wurde Ersatz für die im Krieg eingesetzten Männer gebraucht. Studentische Verbindungen für Frauen wurden aber aufgrund der Gleichschaltung nicht zugelassen. Mit dem Himmler-Erlass vom 20. Juni 1938 wurden die letzten bestehenden Studentenverbände verboten – darunter auch der Verband der katholischen deutschen Studentinnen-Vereine.

NS-Kameradschaften im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) gab es für Frauen nicht. Ihnen wurde aber die Mitgliedschaft in Organisationen wie der NS-Studentenkampfhilfe oder der Arbeitsgemeinschaft Nationalsozialistischer Studentinnen (ANSt) nahegelegt.

Belgien In Flandern wurde weiblichen Studenten während der Zwischenkriegszeit nur gestattet, in der Sozialpflege aktiv zu sein. Allerdings wurde 1941 in Leuven eine katholische farbentragende Studentenverbindung für Damen gegründet, der Vlaams Studenteninnenverbond voor Groot-Brussel. Sie wurde bald umbenannt zu Sint-Goedeleconvent. Diese Verbindung existiert ohne Unterbrechung bis heute und gehört zum Katholiek Studentencorps Brussel (1925), das dem Katholiek Vlaams Hoogstudenten Verbond angehört. Sie ist damit die älteste Damenverbindung Belgiens.

Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg In Deutschland und Österreich waren nach dem Zweiten Weltkrieg durch die alliierten Militärregierungen zunächst alle studentischen Gemeinschaften verboten. Viele hatten der Gleichschaltung nicht genügend Widerstand entgegengesetzt, die alten Rituale und die an Uniformen erinnernden Chargiertenwichse lösten bei den Alliierten Skepsis aus.

Diese wich jedoch nach und nach, die Korporationen wurden wieder zugelassen und begannen neu aufzuleben. Während die Verbindungen mit männlichen Mitgliedern ziemlich rasch wieder Fuß fassen konnten, gelang dies den Studentinnenverbindungen jedoch nicht. In Deutschland wurde im Jahr 1952 lediglich der VKDSt als Frauenverband wiederbegründet – später umbenannt in Bund katholischer deutscher Akademikerinnen (BkdA) unter völliger Aufgabe des Verbindungsprinzips.siehe Eigendarstellung

Nur wenige der etlichen vormals bestehenden Damenverbindungen konnten nach 1945 reaktiviert werden, aber auch diese hatten jeweils nur wenige Jahre Bestand. Beispielsweise reaktivierte im Wintersemester 1948/49 der Katholische Studentinnenverein Herrad zu Freiburg im Breisgau, der 1958 im 1956 gegründeten KDStV Heiland aufging und bis 1967 bestand. Insgesamt konnte sich keine einzige Vorkriegsverbindung in Deutschland dauerhaft rekonstituieren. Eine Neugründung (Virginitas Tübingen im KV) 1963 scheiterte schlussendlich. Erst 1987 gab es eine erfolgreiche Reaktivierung in Österreich.Kaja Uibopuu: 1912–1992: 80 Jahre Verein Grazer Hochschülerinnen: die Geschichte der ältesten bestehenden Damenverbindung Österreichs (= Schriftenreihe des Steirischen Studentenhistoriker-Vereines) 1992.

In Flandern wurden nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 in Gent und 1950 in Leuven Studentenvereine für Studentinnen gegründet, der Sint-Veerlekring und die Vereniging der Vlaamse Meisjesstudenten (VMS). Die VMS wurde 1952 umbenannt in Vlaamse Katholieke Meisjesstudenten (VKM). Diese Vereine organisierten religiöse, kulturelle, soziale und Sportveranstaltungen für Studentinnen.

Das Jahr 1968

Ein Großteil der 68er-Studentinnen und Studenten sah in den Korporationen ein Relikt vergangener Zeiten und forderte die Umwandlung in Gemischte Studentenverbindungen und die Aufgabe des als rückwärtsgewandt betrachteten Brauchtums. Die meisten Korporationen lehnten das ab, da es das Ende jenes Vereinszwecks bedeutet hätte, dem sie sich verpflichtet fühlten, und zogen es vor, ihre teils jahrhundertealte Tradition beizubehalten und sich gegebenenfalls wegen Mitgliedermangels zu vertagen, sprich temporär aufzulösen.

Einige Korporationen kamen diesen Forderungen jedoch nach. So gibt es heute gemischte Korporationen, die ehemals als reine Männerbünde gegründet worden waren. Oftmals handelte es sich dabei um die Akademisch-Musikalischen Verbindungen (AMV) oder die Akademischen Turnvereine (ATV), bei denen ein gemeinsames weiteres Hobby neben dem Comment im Vordergrund stand und steht. Diese Verbindungen begannen meist Ende der 1960er, Anfang der 1970er-Jahre auch Studentinnen aufzunehmen, mussten dies aber meist in langwierigen Debatten gegen die anfänglichen Bedenken des jeweiligen Korporationsverbandes durchsetzen.

In Flandern wurde auf Grund dieser Entwicklung in den 60er-Jahren der Leuvener Damendachverband Vlaamse Katholieke Meisjesstudenten (VKM) bereits 1961 sistiert.

Die Neugründungen ab 1975 mini|Wappen der AV Merzhausia

Infolge der 68er-Bewegung musste das Korporationswesen in Deutschland einen weitgehenden Bedeutungsverlust und Verlust seines allgemeinen Ansehens innerhalb der Studentenschaft hinnehmen. Verbindungsstudenten waren vielerorts ungern gesehen und wurden gemieden oder sogar beim Auftreten in Couleur von einigen Kommilitonen attackiert. Auch der Anteil der Frauen, die dem Verbindungsleben nahestanden, ging schlagartig zurück, und viele Damenzirkel (Zusammenschlüsse der Couleurdamen) mussten mangels Mitgliedern schließen.