mini|hochkant=1.3|Haupteingang des MuseumsQuartiers (2025) mini|hochkant=1.3|Innenhof des MuseumsQuartiers (2010) mini|hochkant=1.3|Blick über das MuseumsQuartier (2020)
Das MuseumsQuartier, kurz MQ, ist ein Areal im 7. Wiener Gemeindebezirk, Neubau, nahe dem Zentrum der Stadt. Das Angebot reicht von bildender und darstellender Kunst, Architektur, Musik, Mode, Theater, Tanz, Literatur und Kinderkultur bis zu den Neuen Medien. Zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung war es das achtgrößte Kulturareal der Welt. Prominente Bestandteile sind das Mumok, das Leopold Museum und die Kunsthalle Wien.
Neben seiner Funktion als Standort großer Museen und Veranstaltungsräume wird das MuseumsQuartier auch als öffentlich zugänglicher Stadtraum, Produktionsort zeitgenössischer Kultur und kulturelles Stadtentwicklungsprojekt beschrieben. Die Höfe des Areals sind frei zugänglich und werden für Veranstaltungen, saisonale Programme und als urbaner Aufenthaltsraum genutzt. In der kulturpolitischen Forschung wurde das MuseumsQuartier als österreichisches Experiment beschrieben, das museale Funktionen, zeitgenössische Kulturproduktion, öffentlichen Raum und Stadtentwicklung in einem institutionellen und architektonischen Rahmen verbindet.Simon Roodhouse, Monika Mokre: The MuseumsQuartier, Vienna: An Austrian Cultural Experiment. In: International Journal of Heritage Studies. 10/2, 2004, S. 193–207, .
Das MuseumsQuartier befindet sich, von der Ringstraße aus gesehen, jenseits des Maria-Theresien-Platzes mit Kunsthistorischem Museum und Naturhistorischem Museum, an der so genannten Zweierlinie und an der Mariahilfer Straße.
An der Ringstraße schließt die Hofburg mit ihren Museen an. Nachbar des MQ ist das Volkstheater am Arthur-Schnitzler-Platz. Das historische Gebäude der ehemaligen Hofstallungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert ist ins MQ integriert, die Außenfassade des MQ ist die längste Barockfassade in der österreichischen Hauptstadt.
Die 1725 als kaiserliche Hofstallungen angelegten Gebäude wurden 1922 zum Messepalast umfunktioniert und entsprechend adaptiert. Im April 1998 begann der Umbau zum MQ, das drei Jahre später in zwei Etappen (Juni und September 2001) eröffnet werden konnte. Den ursprünglichen, barocken Gebäuden des Komplexes steht heute die moderne Architektur der neuen Museumsbauten gegenüber.
Geschichte Hofstallungen
mini|hochkant=1.3|Die Hofstallungen um 1720, Stich nach Salomon Kleiner
Das heutige Haupt- und Eingangsgebäude des MuseumsQuartiers wurde ursprünglich für die Hofstallungen der Kaiser errichtet. 1713 hatte Kaiser Karl VI. den Auftrag zur Errichtung eines Hofstallgebäudes vor dem Äußeren Burgtor am Wiener Glacis an Johann Bernhard Fischer von Erlach erteilt. Der Bau wurde nach dessen Ableben 1723 von seinem Sohn Joseph Emanuel fertiggestellt, allerdings nicht im Ausmaß des ursprünglichen Entwurfs. mini|Hofstallungen 1904: heute MQ Ovalhalle In den folgenden Jahren kam es zu zahlreichen Um- und Zubauten, unter anderem unter Franz Joseph I.: 1850–1854 wurde die Winterreitschule im klassizistischen Stil errichtet (heute die Halle E+G). Kaiserin Elisabeth von Österreich ließ 1874 im Sattlerhof eine oktogonale Reithalle errichten. Heute befindet sich darin die Bibliothek des Architekturzentrums Wien.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Errichtung der Republik Österreich verloren die Hofstallungen ihren einstigen Zweck. Ein Großteil der Bestände wurde versteigert.
Messepalast
1921 wurde das Areal erstmals für Messe- und Ausstellungszwecke genutzt und in der Folge zum Messepalast umgebaut und auch umbenannt. Hinter der Winterreithalle wurde eine große Halle errichtet. Der Messebetrieb wurde von einer stadteigenen Gesellschaft geführt.
1940–1945 fanden im Messepalast Propagandaveranstaltungen des NS-Regimes statt.Alfred Stalzer: Zur Geschichte des Messewesens in Wien. 1946 nahm die Wiener Messe hier ihre Tätigkeit wieder auf. Im Haupthof wurden in der Folge zwei große Hallen errichtet. Um- und Zubauten gab es bis in die 1960er Jahre.
Umwidmung mini|Haupteingang (2024)
1983 wurde das Konzept für ein Kulturforum in Auftrag gegeben. 1985 war der Messepalast erstmals ein Veranstaltungsort der Wiener Festwochen, die dort bald ihre Hauptspielstätte fanden. In den Jahren 1980 bis 1986 entstand eine intensive Diskussion über die angemessenere Nutzung.
1986 wurde die erste Stufe eines Architekturwettbewerbs ausgeschrieben. Für die zweite Stufe entwickelten Dieter Bogner und Dietmar Steiner ein völlig neues inhaltliches und urbanistisches Konzept. Der Wettbewerb wurde 1989/90 abgewickelt. Das Konzept hatte als inhaltliches – nicht architektonisches – Vorbild das Pariser Centre Georges-Pompidou. Ausgehend von einem Museum für moderne Kunst waren Einrichtungen für neue Medien, Film, Video- und Computerkunst vorgesehen, eine multimediale Bibliothek sollte vorhanden sein. Weiters sollte Raum für weitere zeitgenössische kulturelle Institutionen geschaffen werden: Kunsthalle Wien, Kindermuseum, Architekturzentrum etc.
Die Umwidmung des Areals wurde nicht nur als architektonisches Projekt, sondern auch als kulturpolitische Neuordnung diskutiert. In der Debatte standen unterschiedliche Erwartungen nebeneinander: ein Museumsbezirk für große Institutionen, ein öffentliches Kulturforum, ein Ort unabhängiger Kulturproduktion und ein städtebauliches Entwicklungsprojekt.
In der Folge wurde ein zweistufiger Wettbewerb ausgelobt, bei dem insgesamt 88 Projekte eingereicht wurden. In der ersten Stufe wurden sieben gleichwertige Preise vergeben. In der zweiten Stufe gewann das (unterdessen stark veränderte) Projekt der Architekten Ortner & Ortner (Laurids Ortner und Manfred Ortner) durch einstimmigen Juryentscheid.
Die ursprüngliche Planung sah unter anderem zwei Türme (einen schlanken mit elliptischem Grundriss für die Bibliothek und einen zylindrischen für Büros) vor. In der Folge kam es zu jahrelangen – auch international geführtenBrutale Stadtzerstörung oder Mut zum architektonischen Aufbruch? Der Streit um das neue Museumsquartier in Wien zieht Kreise / Zwei kontroverse Stellungnahmen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. März 1993, S. 35 (Beiträge von Werner Spies und Michael Mönninger). – heftigen öffentlichen Debatten, insbesondere über die Höhe der neuen Baukörper und über den so genannten Leseturm, ein schmales Hochhaus, das das Wahrzeichen des Museumskomplexes werden sollte. Im Jahre 1990 formierte sich eine Bürgerinitiative gegen das geplante Projekt. Unter anderem protestierten 1993 mehr als 140 namhafte Kunsthistoriker und Architekten gegen das Projekt, darunter der Erbauer der Louvrepyramide, Ieoh Ming Pei, und Sir Ernst Gombrich.Vgl. Der Standard, 6. Mai 1993: Kunsthistoriker gegen „Kateridee“ Messepalast.
Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (75 %) und die Stadt Wien (25 %) gründeten im November 1990 die Museumsquartier-Errichtungs- und BetriebsgesmbH. Sie bestellten Günter Bischof und Dieter Bogner per 1. Dezember 1990 zu Geschäftsführern. Bogner amtierte bis 30. August 1994. Ein 1995 publizierter Rechnungshofbericht kritisierte, dass die Eigentümer der Gesellschaft wesentliche Entscheidungen für die MQ-Entwicklung oft zu spät getroffen haben.Rechnungshofbericht 1995
Im Oktober 1994 entschied der damalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk gegen die Errichtung des Leseturms. Das 1996 in den Medien bereits mehrmals totgesagte Projekt wurde in der Folge redimensioniert. Nach Beiziehung des Denkmalschutzspezialisten Manfred Wehdorn wurden die Museumsneubauten, statt mit den zunächst vorgesehenen transparenten Glasfassaden, mit Natursteinfassaden und in geringerer Höhe geplant.
Im April 1998 wurde mit dem Bau begonnen. Zu negativem Medienecho während der Bauzeit kam es, als bekannt wurde, dass der kostspielige öffentliche Bau (die Gesamtkosten des Umbaus betrugen rund 150 Millionen Euro) grobe Mängel hinsichtlich der Barrierefreiheit aufwies, die aber daraufhin großteils behoben wurden. Ende Oktober 1999 erhielt diese reduzierte Variante den positiven Bescheid des Bundesdenkmalamtes. Die Fertigstellung zum damals achtgrößten Kulturareal der Welt erfolgte 2001. Die Eröffnung fand am 29. Juni 2001 statt.Presseaussendung der MuseumsQuartier Errichtungs- und Betriebsgesellschaft: MuseumsQuartier Wien: Das Eröffnungsprogramm startet am 29. Juni 2001, 3. November 2000
MQ Libelle mini|MQ Libelle (2020)
Die MQ Libelle auf dem Dach des Leopold Museums im MuseumsQuartier Wien ist ein im Jahr 2020 fertiggestelltes Baukunstwerk der Architekten Laurids und Manfred Ortner (O&O Baukunst) mit permanenten künstlerischen Interventionen von Brigitte Kowanz und Eva Schlegel. Sie ist über zwei Lifte an der Außenseite des Leopold Museums erreichbar und für Besucher kostenlos zugänglich. Auf der Terrasse gibt es einen Gastro-Kiosk mit Gastgarten. Mit der MQ Libelle wird das im Jahr 2001 eröffnete MuseumsQuartier erstmals räumlich erweitert. Die MQ Libelle ist eine Kulturfläche, Aussichtsplattform, Verweilort für Besucher des MuseumsQuartier Wien und Veranstaltungsort.
Architektur und öffentlicher Raum Das MuseumsQuartier verbindet die barocken Bauteile der ehemaligen Hofstallungen mit den zeitgenössischen Museumsbauten von Ortner & Ortner. Charakteristisch ist der Kontrast zwischen der historischen Einfassung des Areals und den in die Hofstruktur eingefügten Neubauten des Leopold Museums und des MUMOK. Die architektonische Konzeption erzeugt keine einzelne Museumsanlage, sondern ein Gefüge aus Höfen, Durchgängen, Ausstellungsräumen, Veranstaltungsorten, Büros, Gastronomieflächen und frei zugänglichen Aufenthaltsbereichen.
Die Höfe und Passagen des MuseumsQuartiers sind ein wesentlicher Teil der Nutzung des Areals. Sie funktionieren als städtischer Innenraum, in dem museale, gastronomische, veranstaltungsbezogene und informelle Nutzungen zusammentreffen. Diese Verbindung von Kulturinstitutionen, Kulturproduktion und frei zugänglichem Stadtraum gilt als ein prägendes Merkmal des MuseumsQuartiers.
Betriebsgesellschaft Das MuseumsQuartier befindet sich im Eigentum der Republik Österreich (75 %) und der Stadt Wien (25 %). Vorsitzende des Aufsichtsrats war von 2008 bis 2014 Wilhelmine Goldmann, von 2014 bis 2020 Nikolaus Gretzmacher. Seit 2020 ist Peter Menasse Vorsitzender des Aufsichtsrats. Geschäftsführer war von 1999 bis zu seiner Berufung in die österreichische Bundesregierung im April 2011 Wolfgang Waldner.
Im August 2011 wurde Christian Strasser, früherer Leiter des Linzer Posthofs, als neuer Geschäftsführer vorgestellt.Der Standard: Christian Strasser ist neuer Chef des Museumsquartiers, 24. August 2011. Sein Vertrag wurde 2015 bis 2021 verlängert. Mit 1. Jänner 2022 wechselte er zur Sozialbau AG. Zu seiner Nachfolgerin ab dem 14. Februar 2022 wurde Bettina Leidl bestellt, mit der interimistischen Geschäftsführung ab dem 1. Jänner 2022 wurde Prokuristin Silke Raßmann betraut.
Heutige Nutzung mini|MUMOK, das Museum Moderner Kunst mit den „Enzis“ genannten Hofmöbeln davor (rot, 2006) mini|Nachtaufnahme Leopold Museum (2014) mini|Dschungel Wien (2013) mini|Literaturfestival O-Töne (2007) mini|Kunsthalle (2008)
Das MuseumsQuartier weist eine Nutzfläche von insgesamt rund 90.000 m² auf. Es beherbergt neun große Kultureinrichtungen sowie die MQ Kulturmieter:innen mit ca. 50 weiteren Initiativen, Festivals, Künstlergruppen und Kreativunternehmen, welche die Bereiche bildende Kunst, Literatur, Musik, Architektur, Design, Tanz, Theater, Performance, Mode, Indie Game Culture, Neue Medien, Kinderkultur und Freizeitkultur abdecken.
Die neun großen Kultureinrichtungen sind:
Das MUMOK (Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien) das Leopold Museum, die Kunsthalle Wien, das Architekturzentrum Wien, das Tanzquartier Wien, der Dschungel Wien, Theaterhaus für junges Publikum, das ZOOM Kindermuseum, die wienXtra-kinderinfo (eine Infostelle speziell für Kinder und Familien), die Halle E+G, Veranstaltungsbühne für Musik und darstellende Kunst.