mini|hochkant|Ernst Deutsch 1927 auf einem Foto von Alexander Binder mini|hochkant|Ernst Deutsch in seinem privaten Trainingsraum, 1931 mini|hochkant|Julo Levin: Ernst Deutsch (ohne Jahr) Ernst Deutsch, auch Ernest Dorian (* 16. September 1890 in Prag, Böhmen, Österreich-Ungarn; † 22. März 1969 in West-Berlin) war ein österreichischer Schauspieler.
Familie Der Schauspieler Ernst Deutsch war der Sohn des Prager Großkaufmanns Ludwig Deutsch und der Louise Kraus. Er heiratete 1922 seine Jugendfreundin Anuschka Fuchs aus Prag. Sie war die Tochter des Prager Großindustriellen Arthur Fuchs und der Margarethe Ehrenzweig aus Wien.
Leben Deutsch wuchs in der Prager Altstadt auf und besuchte dort das Gymnasium. Nach dem Abitur leistete er in der k.u.k. Armee seinen Dienst als Einjährig-Freiwilliger.
Er war ein Jugendfreund Franz Werfels in Prag und blieb es ein Leben lang; beide Ehepaare wohnten in Kalifornien nahe zusammen und besuchten sich häufig. Deutsch rückte als Tennisspieler bis auf Platz 7 der österreichisch-ungarischen Rangliste vor.
Im Jahr 1914 gab Deutsch sein Bühnendebüt unter Berthold Viertel an der Wiener Volksbühne. Nach einer kurzen Spielzeit in Prag engagierte ihn Edgar Licho für das Albert-Theater in Dresden, wohin er 1916 wechselte. Dort spielte er in Schillers Die Räuber die Rolle des Franz Moor und in Frank Wedekinds Frühlings Erwachen die Rolle des Moritz Stiefel. Er übernahm in Walter Hasenclevers Drama Der Sohn die Titelrolle und wurde dadurch als expressionistischer Schauspieler berühmt. Das am 8. Oktober 1916 uraufgeführte Werk fand innerhalb einer Matinée vor geladenen Gästen, wie dem königlich sächsischen Intendanten Graf Seebach, statt.Hagemeyer: Jüdisches Leben in Dresden. 2002, S. 197 (8.33 Ernst Deutsch in der Titelrolle von Walter Hasenclevers Drama Der Sohn). 1917 ging er an das Deutsche Theater Berlin, spielte bis 1933 an verschiedenen Bühnen der Stadt, gab Gastspiele in Hamburg, München und Wien, und war sogar 1930 Teilnehmer einer Südamerika-Tournee.
Seit 1916 wirkte er in 42 Stummfilmen mit. Im Dezember 1922 gründete er gemeinsam mit Hans Janowitz und Eberhard Frowein die Comedia Film GmbH (1922–1926)Handelsregister Berlin HRB Nr. 28485.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten musste Deutsch im April 1933 wegen des Antisemitismus aus Deutschland emigrieren und spielte zunächst wieder in Wien und Prag. Er gab Gastspiele in Zürich, Brüssel und 1936 auch in London. 1938 emigrierte er nach New York, spielte kurz am Broadway und wechselte 1939 nach Hollywood, wo er auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Ab 1942 spielte er unter dem Pseudonym Ernest Dorian in einigen Hollywood-Filmen vorwiegend Nazis und Offiziere.
Nach einem Gastspiel 1946 in Buenos Aires kehrte Ernst Deutsch 1947 über Paris und die Schweiz nach Wien zurück, wo er Ensemblemitglied des Burgtheaters wurde. Am Volkstheater spielte er 1948 in Der Helfer Gottes Henri Dunant, den Gründer des Roten Kreuzes. Ab 1951 lebte er wieder in Berlin und spielte dort am Schiller- und Schlossparktheater. Außerdem war er häufig auf Gastspielreisen im In- und Ausland.
Zu seinen späteren Arbeiten in Filmen gehörte die des Baron Kurtz in dem Filmklassiker Der dritte Mann von Carol Reed. Als „Bester Schauspieler“ wurde er 1948 auf den Filmfestspielen von Venedig für seine Leistung im Film Der Prozeß ausgezeichnet. Größte Theater-Erfolge feierte er als Nathan der Weise in Gotthold Ephraim Lessings gleichnamigen Klassiker sowie als Shylock in William Shakespeares Der Kaufmann von Venedig. Mehr als 10 Jahre und in über 1000 Aufführungen verkörperte er den Nathan und reiste mit der Inszenierung durch ganz Europa. mini|Grabstätte von Ernst Deutsch
Ernst Deutsch starb 1969 im Alter von 78 Jahren in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend.Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1. S. 442.
Ehrungen mini|Das Ernst Deutsch Theater in Hamburg-Uhlenhorst 1960: Ernst-Reuter-Plakette des Landes Berlin 1962 wurde er in Wien mit dem Titel „Kammerschauspieler“ ausgezeichnet und erhielt die Kainz-Medaille. 1963 wurde er zum Staatsschauspieler vom Berliner Senat ernannt. 1964 erhielt er das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film 1973, zu seinem vierten Todestag, wurde das damalige Junge Theater von Friedrich Schütter in Hamburg-Uhlenhorst in Ernst Deutsch Theater umbenannt. Ernst Deutsch hatte kurz vor seinem Tod in diesem kleinen Hamburger Privattheater in seiner Paraderolle als Nathan der Weise einen prägenden und beim Publikum unvergesslichen Eindruck hinterlassen.
Filmografie 1916: Die Rache der Toten 1917: Die zweite Frau 1918: Apokalypse 1918: Pique Dame 1919: Irrungen 1919: Die Tochter des Henkers 1919: Aladdins Wunderlampe 1919: Das Kloster von Sendomir 1919: Die Frau im Käfig 1919: Die Geisha und der Samurai 1919: Blondes Gift 1919: Der Galeerensträfling (2 Teile) 1919: Fluch der Vergangenheit 1919: Vom Schicksal erdrosselt 1920: Monica Vogelsang 1920: Der gelbe Tod, 2. Teil 1920: Erpreßt 1920: Ferréol. Ein Kampf zwischen Liebe und Pflicht 1920: Fiebernächte 1920: Gerechtigkeit 1920: Haß 1920: Das Frauenhaus von Brescia 1920: Der Golem, wie er in die Welt kam 1920: Judith Trachtenberg 1920: Lady Godiva 1920: Von morgens bis mitternachts 1920/21: Die Jagd nach dem Tode (4 Teile) 1921: Hannerl und ihre Liebhaber 1921: Brennendes Land 1921: Die Dame und der Landstreicher 1922: Der alte Gospodar 1922: Herzog Ferrantes Ende 1922: Sein ist das Gericht 1922: Der Kampf ums Ich 1922: Liebe kann man nicht kaufen 1923: Die Pagode 1923: Mutter, dein Kind ruft! (auch Produktion) 1923: Das alte Gesetz (auch Produktion) 1924: Soll und Haben 1926: Dagfin 1927: Das Frauenhaus von Rio 1927: Zwei unterm Himmelszelt 1927: Artisten 1936: The Marriage of Corbal 1939: Nurse Edith Cavell 1940: The Man I Married 1941: So Ends Our Night 1942: The Prisoner of Japan 1942: Enemy Agents Meet Ellery Queen 1942: Reunion in France 1943: The Moon Is Down 1943: Nightplane from Chungking 1945: Isle of the Dead 1948: Der Prozeß 1949: Der dritte Mann (The Third Man) 1951: K – Das Haus des Schweigens 1952: Wenn abends die Heide träumt 1956: Nathan der Weise (TV) 1958: Jedermann (TV) 1958: Sebastian Kneipp – Ein großes Leben 1961: Ein Mädchen vom Lande (TV) 1962: Vor Sonnenuntergang (TV) 1963: In der Strafkolonie (TV) 1966: Der Fall Bohr (TV)
Theater 1928: Theodore Dreiser: Ton in des Schöpfers Hand (Vater) – Regie: Gustav Hartung (Renaissance-Theater Berlin) 1929: Leonhard Frank: Die Ursache (Anton Seiler) – Regie: Hans Deppe (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1930: George Bernard Shaw: Der Teufelsschüler (Teufelsschüler) – Regie: Heinz Hilpert (Berliner Theater) 1948: Arthur Schnitzler: Professor Bernhardi (Professor Bernhardi) – Regie: ? (Renaissancetheater Wien) 1951: Georg Büchner: Dantons Tod (Robespierre) – Regie: Karl-Heinz Stroux (Hebbel-Theater Berlin) 1951: Sophokles: König Ödipus (Ödipus) – Regie: Willi Schmidt (Schiller Theater Berlin) 1954: Fritz Hochwälder: Donadieu – Regie: Boleslaw Barlog (Schiller Theater Berlin) 1955 Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise (Nathan) – Regie: Karl-Heinz Stroux (Schiller Theater Berlin) 1956: Hugo von Hofmannsthal: Jedermann (Tod) – Regie: Ernst Lothar (Salzburger Festspiele) 1957: Lew Tolstoi: Und das Licht scheinet in der Finsternis (Sarynzow) – Regie: Oscar Fritz Schuh (Theater am Kurfürstendamm Berlin) 1959: Reginald Rose, Horst Budjuhn: Die zwölf Geschworenen – Regie: Rudolf Noelte (Komödie am Kurfürstendamm) 1962: Gerhart Hauptmann: Vor Sonnenuntergang – Regie: Boleslaw Barlog (Schiller Theater Berlin) 1962: Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise (Nathan) – Regie: Boleslaw Barlog (Schiller Theater Berlin) 1963: William Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig – Regie: Erwin Piscator (Freie Volksbühne Berlin) 1964: Friedrich Schiller: Don Carlos – Regie: Rudolf Sellner (Schiller Theater Berlin) 1966: Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise – Regie: Henry-Ernst Simmon (Junges Theater Hamburg)
Literatur Josef Kainz und Ernst Deutsch. In: Julius Bab: Schauspieler und Schauspielkunst. Oesterheld, Berlin 1926.
Jörg Schöning: Ernst Deutsch – Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 1, 1984. C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 133 f. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 2: C – F. John Paddy Carstairs – Peter Fitz. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 372 f. Georg Zivier: Ernst Deutsch und das Deutsche Theater. Fünf Jahrzehnte Deutscher Theatergeschichte. Der Lebensweg eines Großen Schauspielers. Haude & Spener, Berlin 1964. Deutsch, Ernst. In: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. Saur, München 1983, S. 211f.
Weblinks
(mit Fotogalerie)
auf film-zeit.de Ernst-Deutsch-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Kammerschauspieler Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Träger der Kainz-Medaille Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern Kategorie:Träger der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold Kategorie:Träger der Ernst-Reuter-Plakette Kategorie:Träger des Berliner Kunstpreises Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Österreichischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Österreichischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1890 Kategorie:Gestorben 1969 Kategorie:Mann