Dagersheim ist ein Stadtteil der Kreisstadt Böblingen im gleichnamigen Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Er liegt westlich von Böblingen am linken und rechten Ufer der Schwippe und ist über die Autobahn A81 und die Bundesstraße B464 erreichbar. Am westlichen Ortsausgang schließt sich das kommunalpolitisch von Dagersheim getrennte Darmsheim an, ein Stadtteil von Sindelfingen. Gleichwohl kooperieren beide Stadtteile über ihre Ortsvorsteher und Ortschaftsräte, wie etwa im Bereich der Dagersheimer Vereine, Kirchen und Schulen.
Geschichte mini|rechts|Luftbild von Dagersheim im August 1918 Eine Besiedelung Dagersheims kann ab dem 7. Jahrhundert nachgewiesen werden. Die Grabfunde in den Bereichen Berggasse, Hauptstraße und Geranienstraße weisen auf die Besiedelung durch die Alamannen hin.
Die erste urkundliche Erwähnung Dagersheims liegt in einem Dokument des Grundbesitzers Luitprand von Hausen 1075 vor, in dem er dem Kloster Hirsau drei Hufen (bäuerliche Betriebseinheiten) schenkte.http://boeblingen.de/,Lde/start/StadtIdeen/Dagersheimer+Geschichte.html.
Die 1191 urkundlich belegte Via Rheni (deutsch: „Rheinstraße“) – Teil einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung vom Rheinland über die Schwäbische Alb nach Oberschwaben und von dort über die Alpen nach Italien – überquerte in der Ortsmitte von Dagersheim das Flüsschen Schwippe auf einer Furt. Heute führt an dieser Stelle eine Fahrbahnbrücke über die Schwippe.
1964 wurde dort das Rathaus über die Schwippe gebaut, das im Zuge der Zusammenlegung mit der Kreisstadt Böblingen zum Bezirksamt des Böblinger Ortsteils Dagersheim wurde. Der Eingliederungsvertrag vom 1. September 1971 sah einen Ortschaftsrat mit zwölf Mitgliedern vor, der in „wesentlichen Verwaltungsfragen“ entscheidungsbefugt sein sollte. Mit dem neu aufgelegten integrierten Ortsentwicklungskonzept, das 2017 auf den Weg gebracht wurde, wurde der selbstständige Charakter Dagersheims als eigener Ortsteil erneut betont.
Auf Basis der urkundlichen Erwähnung im Jahr 1075 feierte Dagersheim 2025 sein 950. Jubiläum.
Der Name „Schlapphüadle“, wie die Dagersheimer im Lokalkolorit genannt werden, rührt aus jener Zeit, zu der in Dagersheim ein großer Teil des lokalen Handwerks zu Hause war. Der Schlapphut ist das Markenzeichen der Zimmerleute, deren Wanderburschen man auch heute noch über Land vereinzelt mit dieser breitkrempigen Kopfbedeckung antrifft.
Politik Wappen mini|Wappen von Dagersheim Dagersheim besitzt ein historisches Wappen, das neben dem Stadtwappen der Kernstadt Böblingen bis heute geführt wird. Es zeigt eine gekrönte rote Schlange mit einfach gewundenem Korpus; die ausgestreckte Zunge des Tieres ist rot und gespalten. Den Hintergrund des Tieres bildet ein weißes Gebirge, zwischen dem der sechsfach gezackte Dagersheimer Morgenstern (Dagersheim – „Tag-erschein!“) aufgeht. Die Wappenkomposition geht auf das Spätmittelalter zurück.
Ortsvorsteher In den Jahren 1948 bis 1975 war Erich Maier Bürgermeister von Dagersheim. Er wurde im Zuge der Eingliederung in die Kreisstadt Böblingen im Jahr 1971 zum ersten Ortsvorsteher.
Ihm folgte Herbert Kopetschke (1938–2024), dessen Verwaltungslaufbahn bereits 1962 in Dagersheim begonnen hatte. 1975 trat er sein Amt als Ortsvorsteher an und wurde erst nach fast 25 Jahren, am 20. Dezember 1999, von Böblinger Oberbürgermeister Vogelgsang in den Ruhestand verabschiedet.Mitteilungsblatt Nr. 50 v. 18.12.2008, Jahresrückblick, S. 4f. Laudatio zum 70. Geburtstag.
Von 2000 bis 2006 leitete Peter Müller die Geschicke des Ortes. Als 31-Jähriger trat er am 1. März 2000 seinen Dienst an und verließ Dagersheim nach etwas mehr als sechs Jahren, um in Renningen stellvertretender Bürgermeister und Beigeordneter zu werden.Mitteilungsblatt Nr. 54 v. 23.12.1999, Dankesrede Mitteilungsblatt Nr. 1/2007, Jahresrückblick, S. 1.
Den Stuhl des Ortsvorstehers nahm am 18. Juli 2006 Thomas Matrohs ein, der fast auf den Tag genau drei Jahre im Amt blieb, um schließlich in das Bürgermeisteramt von Deizisau zu wechseln.Mitteilungsblatt Nr. 1/2007, Jahresrückblick, S. 7.
Die erste Frau an der Dagersheimer Verwaltungsspitze war Susanne Weiß, die als 39-Jährige Baurechtssachbearbeiterin aus Remseck am Neckar kam. Am 23. September 2009 votierte der Ortschaftsrat mit großer Mehrheit für sie, die auch später für ihren Pragmatismus und ihren Fleiß großes Lob erhielt. Nach ihrem Ausscheiden wechselte sie in die freie Wirtschaft.Sindelfinger Zeitung/Böblinger Bote Nr. 292 v. 17.12.2012.
Ihr folgte im Alter von 29 Jahren der Diplom-Verwaltungswirt Michael Möslang. Er wurde am 6. Dezember 2012 zum neuen Ortsvorsteher gewählt.Mitteilungsblatt Nr. 48 v. 6.12.2012, S. 2.
Nach ihm trat Hannes Bewersdorff im Jahr 2015 seinen Dienst an. Unter seiner Hand begann die Ausarbeitung des Integrierten Ortsentwicklungskonzepts und die Ausweisung des Gassenquartiers als Sanierungsgebiet. Im Alter von 31 Jahren verabschiedete er sich im Jahr 2019 als neuer Ressortchef für Bildung und Wirtschaft bei der Crailsheimer Stadtverwaltung.Referat des Oberbürgermeisters der Stadt Böblingen.
Mit Alessandra Hütter bekam Dagersheim im Juni 2019 zum zweiten Mal eine Ortsvorsteherin. Gemeinsam mit dem Stadtarchiv leitete sie die Bauzaunausstellung „50 Jahre Böblingen-Dagersheim“. Und sie rief die Veranstaltungsreihe „Dagersheim-Ost“ ins Leben. In ihrer Amtszeit wurden ein Spielplatz gebaut, verschiedene Bebauungsplanverfahren eingeleitet und es entstand eine umfangreiche Ideensammlung für das Jubiläum „950 Jahre Dagersheim“, die mit Einbindung der Bürgerschaft erarbeitet worden war. Dagersheim verließ sie im Jahr 2023, um in Herrenberg die Leitung des Amtes für Stadtentwicklung zu übernehmen.
Seit September 2023 ist der in Dagersheim aufgewachsene Hendrik Queck Ortsvorsteher von Dagersheim.
Stadtentwicklung und Infrastruktur Einwohnerzahl Trotz der städtebaulichen Erweiterungen in der Nachkriegszeit hat Dagersheim seine dörfliche Struktur bei einer nur moderat gestiegenen Einwohnerzahl weitgehend erhalten können. Waren es im Jahr 1985 noch 5139 Einwohner, zählte die Bürgerschaft Stand 2020 rund 6800 Menschen. Das sind 12,8 Prozent der Gesamteinwohner Böblingens zu dieser Zeit. Knapp mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft ist weiblich. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 42 Jahren, womit Dagersheim zu den „jüngeren“ Stadtteilen Böblingens gehört. Etwa ein Fünftel der Bürgerschaft ist unter 18 Jahre alt, 43 Prozent der Einwohner sind zwischen 18 und 50 Jahre alt, und ein gutes Drittel ist 50 Jahre und älter. Pro Jahr werden durchschnittlich 88 Kinder geboren. Der Anteil an Menschen mit ausländischem Pass beträgt 2020 etwa 22 Prozent und ist damit um gute drei Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2001 gestiegen. Sie kommen aus 60 verschiedenen Ländern, am häufigsten aus Italien.
Historische Entwicklung Dagersheim ist seit dem Zusammenschluss mit Böblingen im Jahr 1971 ein Stadtteil mit starkem Eigencharakter geblieben. Früh wurde deutlich, dass die Erhaltung des historischen Ortsbildes ein zentrales Anliegen der Bevölkerung ist. Statt einer umfassenden Sanierung wie in anderen Gemeinden entschied man sich ab den 1980er-Jahren für eine behutsame Bestandserhaltung und punktuelle Aufwertung.Drucksache 13/098, Anlage 2, Abschlussbericht des Sanierungsträgers, April 2013 (BBG), S. 7. Dieser Abschlussbericht wird am 18.4.2013 dem OR vorgetragen, vgl. PB 2013, IVZ, S. 2.
Ortskernsanierung Ein wichtiger Meilenstein war die Aufnahme in das Landessanierungsprogramm im Jahr 1986. Es folgte ein Architektenwettbewerb zur Neugestaltung des Ortszentrums, den das Büro Wohnhaas für sich entschied. Besonders bedeutend war die Sanierung der Zehntscheune, in dem sich die Stadtteilbibliothek sowie die Musikschule befinden. Auch der Dorfplatz wurde 1994 vollständig neugestaltet.MTB 52, 29.12.94, S. 2 mit Foto während der Bauarbeiten. Zahlen vgl. Programm des Stadtplanungsamts BB, S. 5/1 (Ordner „I15 Jahresrückblicke 1975-2005“ für das Jahr 1994). Seitdem finden dort regelmäßig ein Wochenmarkt und ein Weihnachtsmarkt statt. 1995 wurde der von Gerhard Johlige entworfene Brunnen installiertMTB 51/52, 17.12.92. und verleiht dem Platz seither ein unverwechselbares Gesicht. Im Jahr 2003 wurde die Festhalle als multifunktionale Veranstaltungshalle eröffnet. Sie bietet auf über 1.000 m² Raum für Kultur, Sport und Feste und erhielt 2008 einen gestifteten Konzertflügel. Rund 6,5 Millionen Euro wurden damals an öffentlichen Mitteln in 48 Sanierungsprojekte investiert. Zählt man die Beiträge privater Bauherren hinzu, liegt das gesamte Investitionsvolumen bei über 50 Millionen Euro.
Im Jahr 2018 wurde das Sanierungsgebiet „Gassenquartier“ innerhalb des Integrierten Ortsentwicklungskonzepts erneut ausgewiesen.Ein Masterplan soll erarbeitet und 2015 umgesetzt werden, vgl. ORPö 19.9.13, S. 4. Die Gespräche mit der Bürgerschaft/der Entwicklungsprozess zum Integrierten Ortsentwicklungskonzept sind 2014 in vollem Gange, werden 2015 fortgesetzt werden (MTB 51, 8.12.14, S. 3). Nach wie vor geht es um die Erhaltung der historischen Gebäude und um die Verbesserung der Infrastruktur, wobei der größte Zankapfel die Innenraumverdichtung nebst notwendiger Parkflächen ist, die die Böblinger Stadtverwaltung durchzusetzen versucht und gegen die sich die Dagersheimer mit ihren Ortschaftsräten vehement wehren, weil die Gassen im Ortskern keinen stehenden Verkehr mehr aufnehmen können. Über 80 Einzelmaßnahmen wurden angestoßen, darunter Förderungen für private Sanierungen, Begrünung öffentlicher Flächen, neue Fußwege und barrierefreie Infrastruktur. Die Förderung läuft noch bis mindestens 2027, jährlich stehen rund 60.000 Euro zur Verfügung.
Neue Wohngebiete In den 1980er- und 1990er-Jahren entstand das Wohngebiet „Eichenpfädle“ mit verkehrsberuhigten Straßen und einem Kindergarten. Ab 1993 folgte das Neubaugebiet östlich der Goethestraße – der spätere „Rübländer“ – das durch einen großen Spielplatz und eine Kindertagesstätte ergänzt wurde. Seit 2013 wird das Gebiet „Waldstraße-Ost“ entwickelt, mit über zehn Hektar Fläche und neuen Wegen, Plätzen und Spielmöglichkeiten. Weitere Neubauten in der Berggasse, der Mühlstraße und der Schulstraße bieten moderne Miet- und Eigentumswohnungen.
Mit von bis zu 30 Prozent an städtischen Fördermitteln wurden attraktive Anreize für die Eigentümer geschaffen.Vgl. Flyer Fördergrundsätze Gassenquartier. Gut 60.000 Euro an zuwendungsfähigen Kosten sind beispielsweise für das Jahr 2025 eingeplant, das Programm selbst läuft zunächst bis 2027. Durch weitere Innenverdichtung und Gebäude-Umnutzungen soll am Ende mehr als ein halber Hektar an Neubauland eingespart werden.
Bildung, Gemeinschaft, Sport Die Dagersheimer Grundschule wurde mehrfach modernisiert und für 2025 ist ein weiterer Ausbau durch die Aufstockung des Dachgeschosses geplant. Die Rappenbaumschule, zuletzt als Unterkunft für Geflüchtete genutzt, wird 2025 abgerissen. Die Sporthalle bleibt erhalten und wird weiterhin von Vereinen genutzt. Die Schwippe-Halle wurde 2024 saniert und dient heute ausschließlich dem Schulsport. Ein mittelfristiges Ziel bleibt die Schaffung einer weiterführenden Schule direkt in Dagersheim. Im Jahr 2025 soll die Schule generalsaniert und das Dachgeschoss des ehemaligen Rektorenhauses sowie das Hauptgebäude ausgebaut werden. Vier zusätzliche Klassen- und weitere schulbegleitende Räume und ein größeres Lehrerzimmer sollen entstehen.ORPö 8.4.25, S. 3.
Das Haus der Vereine, 1985 eröffnet, dient als Treffpunkt für zahlreiche Vereine, Jugendgruppen und Seniorenkreise. Es soll in den kommenden Jahren umfassend saniert werden. Das Waldstadion wurde in den 1990er-Jahren erweitert und 2016 modernisiert. Heute dient es regionalen Sportwettkämpfen.