Dangstetten ist ein Ortsteil der baden-württembergischen Gemeinde Küssaberg im Klettgau im Landkreis Waldshut. In der Geschichtsschreibung bundesweit bekannt wurde Dangstetten durch den Fund eines römischen Legionslagers. Der Ortsteil hat 1189 Einwohner (Stand 2025).

Lage und Bedeutung Dangstetten liegt am nördlichen Ausgang der bogenförmigen Niederterrasse am Hochrhein, die von der südlichen Hügelkette des Randen umschlossen ist und das Territorium der Gemeinde Küssaberg umfasst. Die Ortschaft wird seit alters her von einer Süd-Nord-Verbindung durchquert, die von den Römern als Heeresstraße ausgebaut wurde und bis heute als Landesstraße 162 von der Rheinbrücke Zurzach–Rheinheim über den Pass von Bechtersbohl in den Klettgau zur Bundesstraße 34 viel befahren ist.

Zwischen Dangstetten und Bechtersbohl führt ein Abzweig östlich nach Küßnach, aus dessen Talschaft der Hinterbach kommt, der heute reguliert durch den Ortschaftsbereich nördlich der Straße führt und bei Kadelburg in den Rhein mündet.

Name „Der Ort Dangstetten („Stätte des Tanko“) wird urkundlich erstmals um 1122 als Tancstetin erwähnt. Aber schon 876 hatte das Kloster Rheinau durch seinen späteren Abt, den Gaugrafen Gotsbert hier einen Hof erhalten.“H. W. Mayer (Hrsg.): Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut, Verlag R. Philipp, Waldshut 1926, S. 205. In der Folge als Quelle mit ‚Mayer‘ bezeichnet.

Dorfleben Dangstetten ist ausgestattet mit einem Gemeindehaus, das Treffpunkt verschiedener Initiativen ist, auch dem Erzählcafé der Sozialstation Klettgau-Rheintal und Domizil der Bücherei (Dienstag und Freitag von 16 bis 18 Uhr). Aktiv sind die Landfrauen, die 1982 gegründete Guggemusik „Hinterbachsürpfler“ mit Förderverein, der Narrenverein, der Musikverein und die Arbeitsgruppe Belebung Ortsmitte Dangstetten. Der Kindergarten heißt „Sonnenkäfer“.

Für das traditionelle Dorffest zeichnet die Vereinsgemeinschaft. Im März findet ein Ostermarkt, im September der Herbstmarkt statt und im Advent folgt der Weihnachtsmarkt.

Geschäfte existieren nicht mehr im Ort, es gibt eine wöchentliche Kaffeestube und ein sich anschließender öffentlicher Grillabend unter dem Motto „Bratort“, weiter gibt es ein Bistro an der Hauptstraße sowie am Ortsausgang Richtung Rheinheim das Gasthaus „Römerhof“. Im ehemaligen Gasthof „Kranz“ befindet sich ein betreutes Jugendhaus der Christiani e. V. als Organisation der freien Wohlfahrtspflege.

Geschichte Als geschlossene Siedlung erscheint Dangstetten spät, doch belegen die Funde, dass es in den Hanglagen im schmalen Tal günstige Siedlungsplätze gegeben haben kann.

Vorgeschichte mini|Eine versteinerte Auster aus dem Klettgau, aus der Formation des Callovium also rund 160 Millionen Jahre alt..., Fundort bei Dangstetten

„1901 fand man in der Kiesgrube südwestlich des Ortes Knochenüberreste und allerlei Beigaben, wie Tongefäße, einen massiven Halsring aus Bronze, Armringe u.a.m. Der Fund ist im Staatsmuseum in Karlsruhe. Es handelt sich hier wohl um Grabstätten aus der Hallstattperiode.“ (Mayer, Amtsbuch 1926, S. 206).

Egon Gersbach beschreibt Fundstätte und Funde ausführlich: „1901 stieß Landwirt Klauser beim Kiesabbau in einer Kiesgrube auf der Niederterrasse südwestlich des Ortes in 0,90 m Tiefe auf zwei Flachgräber der späteren Hallstattzeit (Ha D 2) HaD wird heute als „jüngere Hallstattzeit“ bezeichnet und um 550 bis 450 v. Chr. angesetzt, und noch als ‚vorkeltische‘ Bevölkerung angenommen. deren Beigaben vermutlich nahezu vollständig geborgen worden sind. Einzelheiten über die Fundsituation und die Orientierung der beiden weiblichen Bestattungen – aufgrund der beiden Ohrringsätze kann es sich nur um Frauengräber handeln – sind leider nicht bekannt. Die Beigaben können deshalb nicht mehr den einzelnen Bestattungen zugewiesen werden.“ Es folgt in der Veröffentlichung in den Badischen Fundberichten. Sonderheft 11, 1969, eine Darstellung von 16 Fundstücken bzw. Fundgruppen, unter anderen „Zehn Ohrringe […] in patinierter Bronze“, Armringe und -spangen, Eisenpinzetten, Gürtelbleche mit Lederbefestigung, Becher und Schalen; nach der Beschreibung kunstvoll bearbeitet und verziert, wohl von hochrangigen Frauen.Dazu bei Gersbach weitere Literatur (u. a. E. Wagner, Fundstätten 1, 1908, 130 f. Abb. 82.) und „Verbleib: Landesmuseum Karlsruhe, Inv. Nr. C. 8885–8894.“ (Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins. (Katalogband), Badische Fundberichte. Sonderheft 11, Hrsg.: Staatliches Amt Für Ur- und Frühgeschichte Freiburg, 1969. S. 128 f.)

Römer Zeugnisse keltischer Besiedlung – in der Latènezeit ab etwa 450 v. Chr. – sind in der Hochrheinregion in größerem Umfang nur in einem Falle anzutreffen. Hinweise gibt es vielfach, zumeist vorsichtig wie auch bei Emil Müller-Ettikon: „Man will wissen, daß die Helvetier lange Zeit auf beiden Seiten des Hochrheins saßen, daß ihre Zahl mehr als eine Viertelmillion betrug und daß sie in 12 wohlbefestigten Städten und 400 Dörfern und zahlreichen Einzelgehöften saßen.“Emil Müller-Ettikon: Kurzer Überblick über die Geschichte Küssabergs, 1985, S. 18. Einziger namhafter Fundort ist das Oppidum in den Rheinschleifen bei Altenburg-Rheinau, doch kann dies auch an der fehlenden Untersuchung potenzieller Fundstätten wie etwa von Wallburgen gründen. Über die römische Literatur werden in der Region ansässige keltische Stämme (Latobiker, Vindeliker) angenommen, doch archäologische Nachweise gibt es erst um die Jahrtausendwende zu den Römern. Hier besitzt das 1967 aufgefundene Römerlager Dangstetten in der Geschichtsschreibung eine hohe Bedeutung, da 15 v. Chr. nach dem Alpenfeldzug unter Kaiser Augustus, deren westliche Armeegruppe die Donauquellen zum Ziel hatte, nach der Überquerung des Hochrheins zwischen Zurzach und Rheinheim beim Areal des heutigen Kieswerks für eine Legion ein befestigtes Lager eingerichtet hatte.

„Reste der einstigen römischen Heeresstraße, die das Hinterbachtal durchzog, wurden bei Grabarbeiten unter der Dorfstraße entdeckt“. (Chronik WT, 31).

Generell muss nach dem Rückzug der Römer um 400 und einer nur langsam erfolgenden Neubesiedelung durch Alamannen bis hin zur allmählichen Entwicklung der Landschaften durch fränkische Stützpunkt-Gründungen und vor allem durch die Klöster im 7. und 8. Jahrhundert von einer langen Zeit nur geringer gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklungen ausgegangen werden. Die Betriebsamkeit in der Römerzeit erstarb, auch der Geldverkehr reduzierte sich wieder auf Tauschhandel.

Mittelalter Noch während der Landnahme gerieten die Alamannen mit den Franken in Konflikte und unterlagen diesen in der Schlacht von Zülpich um 500 n. Chr. Die Franken – zuerst unter den Merowingerkönigen –, die römische Traditionen und vor allem Organisationsprinzipien übernommen hatten, entwickelten staatliche Strukturen, die ihnen eine umfassende Expansion erlaubten und die unter Karl dem Großen (um 800) auf dem Höhepunkt waren. Zum Problem wurde ihre Erbfolgeregelung, die eine Teilung unter allen Königssöhnen vorsah und zur Zersplitterung der Reichsorganisation führte.

Daraus folgte ein Kampf der großen Adelshäuser untereinander und auch mit oder um die Klöster, die inzwischen zu eigenen Machtzentren herangewachsen waren. Kleineren Adeligen wie alamannischen Herzögen, – wie der Klettgaugraf Gotsbert – drohte der Verlust ihres Besitzes.

Hintergrund H. W. Mayer nennt den „Gaugrafen Gotsbert“ als späteren Abt von Rheinau und stellt damit einen Zusammenhang her, der sich nicht über die Urkunde selbst, sondern nur aus der Kenntnis des historischen Hintergrunds erschließt: In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts begann die Auflösung des Fränkischen Reiches infolge dem Prinzip der Erbteilung, das allen Söhnen der Könige und Kaiser jeweils ein eigenes Territorium zusprach und somit zu einer fortschreitenden Zerstückelung mit internen Kämpfen und Krisen führte. Die Alamannia war schließlich Teil des Ostfrankenreichs, das nach dem Tod des letzten Königs Ludwig das Kind in sich weiter zerfiel und dies bedeutete nach dem Ende der Zentralmacht den Kampf unter den mächtigsten Adelshäusern der Regionen. Dies ging zuerst auf Kosten der kleineren Adelsfamilien – wie der des Klettgaugrafen Gotsbert –, die zu einer Notlösung griffen: Die „Schenkung“ ihres Besitzes an die Klöster, die unterdessen zu einer ‚Parallelmacht‘ herangewachsen waren, auf die sich auch die Karolingerherrscher gestützt hatten. In den Urkunden werden diese Vergaben zwar mit dem „Seelenheil“ der Schenkenden begründet, doch war es schlicht ein weltliches Motiv: Gaugrafen besaßen den Einfluss auf Klöster in ihrem Bereich, um sich als Äbte einsetzen zu lassen und so beobachten wir Gotsbert nach seiner „Schenkungswelle“ 876, die zahlreiche Ortschaften im heutigen Landkreis umfasste und nach weiteren Übertragungen in den Folgejahren schließlich 892 als Abt des Klosters Rheinau. Damit verfügte er weiterhin über seine Güter und ihre Erträge. In den Schenkungsurkunden 876 hatte er sich auch den jederzeitigen Rückkauf festschreiben lassen.Eine andere Möglichkeit – meist kleinerer Besitzer wie Rittern – war, ihre Güter ebenfalls Klöstern zu vermachen und sie sich mit ihnen wieder belehnen zu lassen und damit Nutznießer zu bleiben. Spätestens nach dem Aussterben von Familien verblieb der Besitz dann bei den Klöstern.

Dieser Übertragungsvorgang war zu dieser Zeitphase schon detailliert formal und juristisch verpflichtend geregelt, so dass dadurch Ende des 9. Jahrhunderts eine ‚Welle‘ von Urkunden (in den Klosterarchiven) erhalten blieb, die der Forschung bereits zahlreiche Aufschlüsse über einzelne Ortschaften bietet und oft auch mit einer „Ersterwähnung“ verbunden ist. In der Region sind es die Gotsbert-Urkunden ab 876 – kurz vor der Auflösung des Ostfrankenreichs.

Eine Urkunde in der Übersetzung siehe: Rheinheimer Urkunde 892

Im 10. Jahrhundert stabilisierten sich die Herrschaftsverhältnisse wieder zentral unter dem Königshaus der Ottonen, denen es auch gelang, die ganz Mitteleuropa verheerenden Invasionen ungarischer Reiterarmeen abzuwehren und nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 zurückzudrängen.

Danach nahm Europa einen starken ökonomischen und kulturellen Aufschwung – in der Region mit dem Grafen von Küssenberg infolge des von den Klöstern getragenen Verkehrs zwischen Völkern und Staaten. Die Römerstraßen wurden wieder instand gesetzt.

Herrschaft Küssenberg Mit dem Ende der Grafen von Küssenberg 1251 kam Dangstetten mit der Küssaburg und den Dörfern Küßnach, Reckingen und Rheinheim als Küssenberger Schloss und Tal an das Bistum Konstanz.

„Die Herrschaft Küssenberg umfaßte außer der Burg mit den östlich davor gelegenen Gebäuden der Dienstleute, die sog. Vorburg oder ‚Stadt Küssenberg‘, die Talgemeinden Küßnach, Dangstetten, Rheinheim und Reckingen, wozu später auch die Höfe von Bechtersbohl kamen.“ (Roder 256 f.).

1497 kam ‚die Herrschaft‘ an die Grafen von Sulz. Im Schwabenkrieg 1499 wurde die sulzische Residenz Tiengen von den Eidgenossen zerstört. Die Kadelburger befanden sich mit den Zurzachern bei den Eidgenossen vor Tiengen und ihr Dorf wurde nach Friedensschluss vom Landgrafen Rudolf I. von Sulz aus Rache niedergebrannt.

Handwerkerdorf Nach einer Mitteilung des Heimatforschers Wolf Pabst:

Die Frachtwagen, die über die Rheinbrücke aus Zurzach kamen, erhielten in Dangstetten Vorspann, es wurden also zwei weitere Pferde vor die schweren Frachtwagen gespannt, um das Gespann über den steilen Pass von Bechtersbohl zu bringen. Bezug auf: Im Kapitel 8 „Tore“ mit der Annahme, dass im Anwesen Kaiser/Juchler einst diese Vorspannpferde eingestellt waren.Wolf Pabst: Tore und Portale in: .

Pabst geht davon aus, dass Dangstetten ein Handwerkerdorf war: Schmiede, Seilereien, Küfer, Wagner, Tuchweber, Lederschneider usw. Sie versorgten die Pferdefuhrwerke und führten Reparaturen durch.