mini|Françoise de Rochechouart, Marquise de Montespan, als Iris rahmenlos|klasse=skin-invert-image Françoise de Rochechouart, Marquise de Montespan (* 5. Oktober 1640Maurice Rat, La Royale Montespan, Paris: Plon, 1959.Jean-Christian Petitfils, Madame de Montespan, Paris: Fayard, 1988. in Lussac; † 27. Mai 1707 in Bourbon-l’Archambault) war eine Mätresse Ludwigs XIV. Unter dem Einfluss der zeitgenössischen geistreichen Pariser Salonkultur (den sogenannten „Preziösen“) und in Anspielung auf die griechische Göttin Athene nannte sie sich Athénaïs und wird daher auch Athénaïs de Montespan genannt. Bekannt ist sie vor allem als Madame de Montespan.
Leben Kindheit und Jugend mini|hochkant|Françoise de Rochechouart, spätere Madame de Montespan (vor oder um 1660). Werkstatt von Charles und Henri Beaubrun Françoise de Rochechouart wurde im Schloss Lussac-les-Châteaux als drittes der fünf Kinder von Gabriel de Rochechouart de Mortemart, Herzog von Mortemart, und Diane de Grandseigne geboren. Ihr Vater war ein Vertrauter Ludwigs XIII. und erster Kammerherr des Königs (Premier Gentilhomme de la Chambre du Roi), ihre Mutter war eine sehr fromme Frau und eine Zeitlang Ehrendame der französischen Königin Anna von Österreich. Ihre Geschwister waren Gabrielle, die spätere Marquise de Thianges (* 1631/23–1693), Louis Victor, später bekannt als Duc de Vivonne (1636–1688), Gabrielle (1645–1704), später Äbtissin von Fontevraud, und Marie Christine.
Françoise wurde im Konvent Sainte Marie in Saintes erzogen und als Mademoiselle de Tonnay-Charente am französischen Hof eingeführt. Im Alter von zwanzig Jahren wurde sie Ehrendame der spanischen Gemahlin des Königs, Marie-Thérèse d’Autriche. Im Januar 1663 heiratete sie Louis-Henri de Pardaillan de Gondrin, Marquis de Montespan, der ein Jahr jünger war als sie. Von ihm bekam sie zwei Kinder, Louis Antoine de Pardaillan de Gondrin (1665–1736), später Duc d'Antin, und eine Tochter, Marie Christine (* 1663). Diese Ehe wurde 1674 annulliert.
Persönlichkeit und Charakter Sie galt als schöne kultivierte und charmante Unterhalterin und gewann die Bewunderung von Madame de Sévigné und anderen führenden Geistern der Epoche und später auch von Saint-Simon. Wie ihre gesamte Familie war die Montespan mit dem zu ihrer Zeit sprichwörtlichen esprit mortemart (Geist der Mortemart) begabt:Ernest Lavisse: Louis XIV. Laffont, Bouquins 1989, S. 705.Primi Visconti: Mémoires sur la cour de Louis XIV, introduction et notes de Jean-François Solnon. Perrin, 1988, S. 7 und 16.Jean-Christian Petitfils: Louis XIV, Perrin-LGLDM 1995 & 1997, S. 301. Ihre witzig-geistreichen Wortspiele, brillant-ironischen und oft sehr spitzen Bemerkungen machten sie berühmt und berüchtigt am Hofe des Sonnenkönigs.
Madame de Montespan wurde aber manchmal auch als berechnend, eigensüchtig, hartherzig und kalt beschrieben,Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 118. beispielsweise sagte Madame de Caylus über sie: „Das Herz dieser schönen Frau war hart“,Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 122. und Liselotte von der Pfalz schrieb:
An anderer Stelle bezeichnet Liselotte die Montespan als „eine launenhafte Kreatur, die sich in nichts beherrschen konnte, jegliche Art von Vergnügen liebte, sich langweilte, mit dem König allein zu sein; sie liebte ihn nur aus Eigennutz und Ehrgeiz und kümmerte sich sehr wenig um ihn selbst.“Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 204. Eigennutz und Verschwendungssucht warfen ihr auch andere vor, so sprach Languet de Gergy von der „unersättlichen Gier der Madame de Montespan“,Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 203. und Madame de Sévigné nennt sie in mehreren ihrer Briefe in Anspielung an ihre Geldgier „Quanto“ oder „Quantova“ (italienisch: „Wieviel?“ oder „Wieviel kostet’s ?“).Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 127 (Brief vom 28. Juni 1675), S. 131 (Briefe vom 2. September und 30. September 1676). Wie viele andere Höflinge verlor oder gewann die Montespan Unsummen beim Spiel: „Das Spiel der Madame de Montespan hat sich zu einem solchen Unmaß gesteigert, daß Verluste von hunderttausend Talern nichts Ungewöhnliches sind: Am Weihnachtstage verlor sie siebenhunderttausend Taler, darauf spielte sie auf drei Karten einhundertfünfzig Pistolen und gewann sie.“Der Marquis de Feuquières in einem Brief an seinen Vater, in: Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 151.
Aufstieg und Leben als maitresse en titre Athénais de Montespan scheint es geplant zu haben, Mätresse des Königs zu werden. Als Hofdame der Königin, und da sie sich außerdem mit Louise de La Vallière, der offiziellen Geliebten (maîtresse royale en titre) Ludwigs XIV. anfreundete, hielt sie sich ständig in der Gegenwart des Königs auf – der nebenher weitere Amouren pflegte (u. a. mit der Princesse de Monaco).Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 54–55. Über ihre attraktive Erscheinung notierte der italienische Chronist Giovanni Battista (Jean-Baptiste) Primi Visconti in seinen Mémoires sur la cour de Louis XIV:
Doch anfangs war Ludwig nicht unbedingt angetan, und so berichtet Visconti auch:
Im Juli 1667, während des Flandernfeldzuges, erreichte die Montespan ihr Ziel und verdrängte Louise de La Vallière (zunächst noch heimlich) als Geliebte Ludwigs XIV. Die Montespan zog dabei alle Register einer echten Intrigantin: Ganz im Gegensatz zu der eher schüchternen, frommen und oft von Gewissensbissen gequälten La Vallière schien sie kein Problem zu haben, mit der Königin und dem König, der gerade ihr Liebhaber geworden war, in derselben Kutsche zu fahrenGilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 57 oder in gespielter und scheinheiliger Entrüstung vor der Königin auszurufen: „Gott behüte mich, die Geliebte des Königs zu werden. Wenn ich so unglücklich sein sollte, würde ich niemals die Dreistigkeit haben, mich vor der Königin sehen zu lassen.“Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 56
Louise de La Vallière blieb nach außen hin die offizielle Maîtresse en titre, vermutlich weil man hoffte, dadurch die Öffentlichkeit und den eifersüchtigen Ehemann der Montespan zu täuschen.Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 59 Die beiden Frauen mussten von 1668 bis 1674 noch sechs Jahre lang „Seite an Seite“ leben und am selben Tisch speisen.Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 59 Diese für beide Frauen missliche Situation sorgte für etliche Spannungen, und die Montespan beklagte sich darüber beim König und machte ihm Szenen; andererseits vermutete beispielsweise Madame de Caylus, die Montespan und der König hätten Freude daran gehabt, die La Vallière zu demütigen.Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 59–60. Liselotte von der Pfalz beobachtete, wie er das Gemach der La Vallière nur benutzte, um ungesehen zur Montespan zu gelangen, und dabei habe er seiner ehemaligen Geliebten mit einer ironischen Bemerkung ein Schoßhündchen zugeworfen.Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 93.
Zu einer Zeit, als sich die meisten adeligen Ehemänner über das Interesse des Königs an ihrer eigenen Gattin geschmeichelt gefühlt und versucht hätten, daraus einen Vorteil zu ziehen, erstaunte der Marquis de Montespan den Hof, indem er sich offen über die Untreue seiner Ehefrau empörte.Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 60–61 Er löste einen Skandal aus, als er Madame de Montausier der eigennützigen Kuppelei bezichtigte. Er trug sogar Trauerkleidung für seine Frau und ließ ein Paar Hörner an seiner Kutsche anbringen – als Zeichen des betrogenen Gatten. Montespan wurde verhaftet, aber nach einigen Tagen wieder freigelassen. Laut Madame Caylus sah man ihn bei Hofe als „einen ungehobelten Menschen und für einen Narren“ an, und die Montespan selber beklagte sich: „Er ist hier und erzählt Geschichten am Hofe. Ich schäme mich so, dass mein Papagei und er der Kanaille zum Amüsement dienen.“Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 61.
Das erste der sieben Kinder, das Athénaïs de Montespan dem König gebar, kam im März 1669 auf die Welt und wurde Madame Scarron anvertraut, der späteren Madame de Maintenon; es starb schon nach drei Jahren, doch brachte die Montespan ab 1670 fast jedes Jahr einen königlichen Bastard zur Welt. 1673 legitimierte der König seine ersten drei von der Montespan geborenen überlebenden Kinder, jedoch ohne Nennung des Namens der Mutter, weil man befürchtete, dass Monsieur de Montespan sie für sich beanspruchen könnte. Der Älteste, Louis Auguste (1670–1736), wurde Duc du Maine, der zweite, Louis César (1672–1683), Comte de Vexin und die dritte, Louise Françoise (1673–1743), Demoiselle de Nantes (später Herzogin von Bourbon). Inzwischen war der Marquis nach Spanien verbannt worden, und 1674 wurde eine offizielle Trennung durch den Generalprokurator Achille de Harlay ausgesprochen, assistiert von sechs Richtern am Châtelet.
Auch nachdem Louise de La Vallière den Hof 1674 verlassen hatte, um in ein Kloster einzutreten,Sie nahm offiziell am 4. Juni 1675 den Schleier. Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 126 und trotz ihrer Stellung als maîtresse en titre musste die Montespan den König als inoffiziellen Gatten nicht nur mit der Königin teilen, sondern mit verschiedenen Hofdamen. Einige waren gefährliche Rivalinnen, wie die Fürstin de Soubise oder „die schöne de Ludres“.Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 130–135 Ausgerechnet ihre Vertraute und Gouvernante ihrer Kinder, Madame Scarron stieg so sehr in der königlichen Gunst, dass sie von ihm 1674 zur Marquise de Maintenon erhoben wurde. Zwischen den beiden Frauen entwickelten sich Eifersucht, Feindschaft und neue Anlässe für Streitereien der Montespan mit dem König.Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 129–130 und S. 177.
Die libertäre Lebensweise des Königs und Montespans ständig gefährdete Position als Maîtresse en titre führten angeblich dazu, dass sie Hilfe in Liebestränken und sehr wahrscheinlich auch in der Magie suchte. So soll sie, wie viele andere Höflinge, zu einer heimlichen Stammkundin der berüchtigten Hebamme, Giftmischerin und 'Hexe' Catherine Monvoisin geworden sein.Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 180–187.
1675 verweigerte ein Priester am Gründonnerstag der Montespan wegen ihres doppelten Ehebruchs mit dem König die Absolution; sie beschwerte sich darüber beim König, fand jedoch einen mächtigen Gegner in Bossuet, dem Bischof von Meaux, der den Priester in Schutz nahm. Dies war ein solcher Skandal und für den König so beschämend, dass sie für eine Zeit den Hof verlassen musste.Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 122–125. Nach ihrer Rückkehr flammte die Liebe zwischen dem König und ihr jedoch wieder auf, und sie bekam zwei weitere Kinder von ihm: Françoise Marie (1677–1749) und Louis Alexandre, den späteren Comte de Toulouse (1678–1737).Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1964, S. 125.