Das Biest muß sterben (Que la bête meure) ist ein Spielfilm von Claude Chabrol aus dem Jahr 1969 nach dem Kriminalroman Das Biest (The Beast Must Die) von Nicholas Blake (Pseudonym von Cecil Day-Lewis).
Bei einem Unfall wird ein neunjähriger Junge getötet; der Unfallverursacher begeht Fahrerflucht. Der Vater des Kindes will sich an ihm rächen. Es gelingt ihm, dessen Identität herauszufinden, er wird aber bei einem Mordversuch enttarnt.
Handlung In Argol, einer Kleinstadt in der Bretagne, wird der neunjährige Michel, Sohn des verwitweten Schriftstellers Charles Thénier, auf einer Straßenkreuzung von einem rücksichtslosen Autofahrer getötet, der unerkannt Fahrerflucht begeht. Nachdem Charles seinen ersten Schmerz überwunden hat, beschließt er, den Schuldigen zu finden und zu töten. Allerdings gibt es keinerlei Anhaltspunkte, und die Ermittlungen der Polizei verlaufen ergebnislos.
Durch Zufall lernt Charles einen Bauern kennen, der am fraglichen Tag einem Paar geholfen hat, dessen Wagen im Schlamm feststeckte. Das Fahrzeug – ein Ford Mustang – wies einen beschädigten vorderen linken Kotflügel auf. Der Sohn des Bauern erkannte außerdem die Schauspielerin Hélène Lanson im Wagen. Um zu erfahren, ob sie oder jemand anders den Wagen gefahren hatte, reist er nach Paris, sucht Hélènes Bekanntschaft und wird ihr Geliebter. Bei einem Kurzurlaub in der Bretagne stellt sie ihn ihrer Familie vor. So gelangt er in das Haus ihres Schwagers Paul Decourt, der eine Autowerkstatt besitzt. Paul erweist sich als arrogantes Ekel, das andere Menschen nur ausnutzt und selbst die eigene Familie bei jeder Gelegenheit schikaniert. Bei einer Besichtigung von Pauls Werkstatt findet Charles den Unfallwagen und in Paul den Unfallflüchtigen.
Obwohl Paul auch von der übrigen Familie außer von seiner Mutter verabscheut wird, gibt Charles seine Absichten niemandem gegenüber preis, schreibt jedoch den Wunsch, Paul zu töten, explizit in sein Tagebuch, das er mit sich führt. Zwischen Charles und Pauls halbwüchsigem Sohn Philippe baut sich eine Ersatzvaterbeziehung auf. Philippe, der seinen Vater ebenfalls abgrundtief hasst, fordert Charles sogar offen dazu auf, Paul zu ermorden, ansonsten tue er es selbst.
Als Paul bei einem gemeinsamen Strandausflug beinah von der Felsklippe stürzt, will Charles zunächst die Gelegenheit nutzen, doch dann rettet er Paul das Leben und überredet ihn später zu einem Segeltörn zu zweit, um ihn dabei ungestört über Bord gehen zu lassen. Doch im Boot zieht Paul eine Waffe und zwingt Charles zur Rückfahrt: Er habe dessen Tagebuch gelesen und sei über Charles’ wahre Absichten im Bilde; das Tagebuch sei bereits bei Pauls Anwalt. Sie kehren ans Land zurück, Charles wird aus dem Haus geworfen und reist mit Hélène ab. Als sie unterwegs in einem Hotel einkehren, erklärt er ihr, dass er der Vater des überfahrenen Jungen ist und sich an Paul rächen will. Kurz darauf erfahren sie aus einer TV-Meldung, dass Paul zum Zeitpunkt ihrer Abreise eine tödliche Vergiftung erlitten hat und sie beide von der Polizei gesucht werden. Sie kehren in Pauls Haus zurück.
Charles streitet im Verhör die Tat ab, wird aber vom Kommissar Constant, der das Tagebuch gelesen hat, unter dringendem Tatverdacht verhaftet, obwohl Charles zu seiner Verteidigung vorbringt, dass er alle Mordpläne aufgeben musste, nachdem er von Paul wusste, dass das Tagebuch dann der Polizei bekannt werden würde. Während der Kommissar noch rätselt, ob Charles das Tagebuch eventuell aus diesem Grund absichtlich zu seiner Entlastung lanciert hat, erscheint Philippe. Er gesteht den Mord und übergibt als Beweis ein Medikamentenfläschchen, in das er Rattengift gemischt hat, und das er nach dem Mord im Keller versteckte. Charles äußert sich nicht dazu, verlässt als freier Mann das Kommissariat und kündigt Hélène an, ihr am nächsten Morgen alles zu erklären. Das tut er jedoch nicht persönlich, sondern in Form eines Abschiedsbriefes zur Weiterleitung an die Polizei, in dem Charles detailliert darlegt, den Mord allein begangen zu haben, und Philippe ausdrücklich entlastet: Der Gedanke, für den Rachemord am Mörder seines Sohnes den Sohn des Mörders büßen zu lassen, sei zwar verlockend, aber so gefühllos habe ihn sein Schmerz doch nicht gemacht. Er selbst fahre nun aufs Meer hinaus und werde dort für immer verschwinden.
Hintergrund Wieder einmal nennt Chabrol seine Protagonistin „Hélène“, ein Rollenname, der sonst für seine Frau Stéphane Audran reserviert ist (Das Auge des Bösen; Der Schlachter; Die untreue Frau; Der Riß; Vor Einbruch der Nacht).
Das Lied Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh aus den Vier ernsten Gesängen von Johannes Brahms, gesungen von Kathleen Ferrier, durchzieht den Film als musikalisches Grundmotiv.
Kritiken Udo Rotenberg von der Filmzentrale meint, dass der Film Chabrols Kunst auf seinen Höhepunkt zeigt, in den Details und in einer „unmerklich daher kommenden Art, Dingen, die klar zu sein scheinen, einen anderen Charakter zu geben.“ Es sei ein düsteres Werk mit einem pessimistischen Blick auf die bürgerliche Gesellschaft.
Im Lexikon des internationalen Films wird konstatiert, dass der Film weniger Krimi, dafür mehr eine dramatische Beschreibung menschlicher Verhaltensweisen seien.
Der Evangelische Filmbeobachter schreibt, Chabrol benutze auch in diesem Film die Struktur des Kriminalfilms, ohne einen zu machen. Nichts werde verheimlicht, das einzig Unsichere ist die Psyche seiner Personen. Nicht eine verworrene Geschichte wolle Chabrol zeigen, sondern die Verwirrung des Zuschauers herbeiführen.Evangelischer Filmbeobachter, Ev. Presseverband München, Kritik Nr. 535/1970
Literatur Nicholas Blake: Das Biest. Kriminalroman (Originaltitel: The Beast Must Die). 3. Auflage. Goldmann, München 1989, ISBN 3-442-04889-3.
Weblinks
„Die irritierenden Seiten der bösen Bürger“, Stuttgarter Zeitung, 23. Juni 2010
Einzelnachweise
Kategorie:Filmdrama Kategorie:Kriminalfilm Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Filmtitel 1969 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Claude Chabrol