Hessen (, Abkürzung HE) ist eine parlamentarische Republik und ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Nach Einwohnern ist es das fünftgrößte der sechzehn Länder. Es grenzt im Norden an Niedersachsen, im Westen an Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, im Osten an Bayern und Thüringen sowie im Süden an Baden-Württemberg.
Nach dem Wiener Kongress 1815 bestanden auf dem Gebiet des heutigen Landes Hessen im Wesentlichen das Großherzogtum Hessen, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau, die Freie Stadt Frankfurt, das Fürstentum Waldeck (kam 1867 durch Akzessionsvertrag zu Preußen, blieb aber nominell selbständig und kam erst am 1. April 1929 offiziell zur Provinz Hessen-Nassau), die Landgrafschaft Hessen-Homburg sowie das rheinpreußische Gebiet um Wetzlar. Kurhessen, Nassau, Hessen-Homburg (das am 24. März 1866 durch Erbfall an Hessen-Darmstadt kam) und Frankfurt wurden 1866 vom Königreich Preußen annektiert und als Provinz Hessen-Nassau zusammengefasst. Während der Weimarer Republik wurde aus dem vormaligen Großherzogtum der republikanisch gefasste Volksstaat Hessen, Waldeck hingegen wurde 1929 Teil des Freistaats Preußen. 1944 wurde die Provinz Hessen-Nassau in die Provinzen Kurhessen und Nassau geteilt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land Hessen am 19. September 1945 unter dem Namen Groß-Hessen in der amerikanischen Besatzungszone gegründet und erhielt als erstes noch heute bestehendes Land der Bundesrepublik eine neue demokratische Verfassung. Der linksrheinische Teil des zum Volksstaat Hessen gehörenden Rheinhessens und ein Teil Nassaus fielen dabei an die französische Besatzungszone und gehören heute zu Rheinland-Pfalz.
Geographisch ist Hessen abseits der Oberrheinischen Tiefebene von Mittelgebirgen und Wäldern geprägt. Im Rheingau und an der Bergstraße bestehen die für den Weinbau typischen Kulturlandschaften, daneben sind in zahlreichen Regionen Streuobstwiesen anzutreffen, die der Herstellung des in Hessen weit verbreiteten Apfelweins dienen. Die hessischen Dialekte gehören zum rheinfränkischen Sprachraum des Westmitteldeutschen.
Der südliche Landesteil, der Regierungsbezirk Darmstadt (Südhessen), gehört mit dem dort befindlichen Kern des länderübergreifenden Rhein-Main-Gebietes zu den am dichtesten besiedelten und wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Landeshauptstadt ist Wiesbaden, die bevölkerungsreichste Stadt ist Frankfurt am Main. Weitere Großstädte sind die historischen Residenzstädte Darmstadt, Kassel und die traditionelle Industriestadt Offenbach am Main.
Geographie mini|hochkant|Physische Karte Hessens Hessen verfügt über eine Fläche von 21.116 Quadratkilometern. Mit Stand vom 31. Dezember 2014 verteilt sich die Flächennutzung dieser Gesamtbodenfläche auf folgende Nutzungsarten:
Siedlungs- und Verkehrsfläche 3.423 km², darunter Gebäude- und Freifläche 1.287 km² Für Wohnen 933 km² Für Gewerbe und Industrie 354 km² Erholungsfläche 267 km² Verkehrsfläche 1.414 km² Landwirtschaftsfläche: 8.687 km² Waldfläche 8.469 km² Wasserfläche 289 km²
Der geografische Mittelpunkt Hessens befindet sich nach Auswertung von rund 35.000 Messpunkten entlang der hessischen Grenze in Flensungen, einem Ortsteil der Gemeinde Mücke im Vogelsbergkreis.Alsfelder Allgemeine vom 13. Juli 2010: Hessen-Mittelpunkt bleibt Mücke knapp erhalten Vom 1. Januar 2007 bis 30. Juni 2013 lag der geografische Mittelpunkt der Europäischen Union in der Barbarossastadt Gelnhausen, Ortsteil Meerholz, im Main-Kinzig-Kreis.
Nachbarländer Hessen zieht sich von der ungefähren Mitte Deutschlands nach Süden bis Südwesten und grenzt mit einer Gesamtgrenzlänge von 1.410 km an die Länder Nordrhein-Westfalen (Grenzlänge: 269,3 km), Niedersachsen (167,0 km), Thüringen (269,6 km), Bayern (261,9 km), Baden-Württemberg (176,5 km) und Rheinland-Pfalz (266,3 km).
Naturräumliche Gliederung
mini|Blick vom Atzelberg über den Hauptkamm des Taunus mini|Rhönlandschaft bei Tann mini|Bottenhorner Hochflächen (bis zu ) Hessen ist geprägt von Mittelgebirgen bis Höhe. Die Beckenlandschaften liegen demgegenüber oftmals auf Höhen unter , die Flusstäler unterschreiten teilweise die 100-Meter-Marke.
Der Norden Hessens gehört zur sogenannten Deutschen Mittelgebirgsschwelle. Hierzu zählen zum einen die naturräumlichen Haupteinheitengruppen des Rheinischen Schiefergebirges Süderbergland, Taunus, Westerwald, Gießen-Koblenzer Lahntal und Mittelrheingebiet, zum anderen im Hessischen Bruchschollentafelland West- und Osthessisches Bergland sowie das Niedersächsische Bergland im Norden und das Thüringer Becken im Osten.
Der Süden und Südosten Hessens gehört zum Südwestdeutschen Schichtstufenland mit der Haupteinheitengruppe Hessisch-Fränkisches Bergland, der Südwesten zum Oberrheinischen Tiefland.
Hessen gehört zu den waldreichsten Ländern in Deutschland, da die Wälder hier rund 42 Prozent der Landesfläche bedecken.
Mittelgebirge und Berge Hessens Landschaft besteht aus zahlreichen Mittelgebirgen, nach deren jeweils höchsten (hessischen) Bergen sortiert sind dies: Rhön, Taunus, Rothaargebirge, Vogelsberg, Hoher Meißner, Kellerwald, Westerwald, Söhre, Kaufunger Wald, Knüllgebirge, Habichtswald, Gladenbacher Bergland, Odenwald, Stölzinger Gebirge, Spessart, Schlierbachswald, Seulingswald, Richelsdorfer Gebirge und Reinhardswald.
Die höchste Stelle des Landes befindet sich auf der Wasserkuppe () in der Rhön im Landkreis Fulda (zu den hessischen Mittelgebirgen und weiteren Bergen: Liste der Berge in Hessen).
Becken und Niederungen Im Südwesten Hessens liegt im Oberrheinischen Tiefland, das auch den Ballungsraum Rhein-Main-Gebiet und die Wetterau enthält, die flächenmäßig größte Beckenlandschaft. Sie ist Teil der Mittelmeer-Mjösen-Zone und wird innerhalb dieser nach Nord(ost)en durch das Gießener Becken, das Amöneburger Becken und die bis nördlich von Kassel reichende Westhessische Senke verlängert.
Abseits davon bildet das Limburger Becken an der westlichen Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz zwischen Taunus und Westerwald einen größeren intramontanen Senkungsraum innerhalb des Rheinischen Schiefergebirges. Die Wetschaft-Senke verlängert demgegenüber die Ostgrenze des Rheinischen Schiefergebirges nördlich von Wetterau und Gießener Becken.
Die meist tektonisch angelegten Becken sind im geomorphologischen Sinne meistens keine Becken, sondern teils weiträumige Niederungen, die von Flüssen durchflossen werden. Vielfach finden sich hier Lößdecken, die zusammen mit der Klimagunst die Grundlage für eine ertragreiche Landwirtschaft bilden.
Die niedrigste Stelle Hessens befindet sich bei Lorch am Rhein () im Rheingau-Taunus-Kreis.
mini|Rhein mit Insel Mariannenaue bei Erbach (Rheingau), links davon die Große Gieß mit der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz
Gewässer Flüsse mini|hochkant|Flüsse in Hessen mit einer Länge von 20 km und mehr mini|Flusslandschaft im Rheingau (Höllenberg) mini|Lahn bei Runkel Der Norden und der Osten Hessens gehören zum Einzugsgebiet der Weser, die das Land im äußersten Norden durchquert. Ihre Quellflüsse Fulda und Werra fließen auf 215 km bzw. 95 km Länge durch Hessen. Dagegen wird der übrige Teil des Landes zum Rhein hin entwässert, der im Südwesten auf 107 km Länge die Grenze zu Rheinland-Pfalz bildet. Seine für Hessen wichtigsten Nebenflüsse sind Main und Lahn, aber auch der Neckar fließt ein kurzes Stück durch den äußersten Süden Hessens.
Nachfolgend sind alle durch Hessen fließenden Flüsse mit einer Gesamtlänge von über 100 km oder einer Fließstrecke in Hessen von über 50 km aufgeführt. Angegeben sind jeweils die hessische und die gesamte Länge.
Siehe auch Liste der Flüsse in Hessen
Bäche Ende August 2019 hat das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein Renaturierungsprogramm für 100 Bäche angekündigt.
Seen
mini|Edersee 2007
In Hessen gibt es keine größeren natürlichen Seen. Der Guckaisee im Naturpark Hessische Rhön ca. 4 km östlich von Poppenhausen ist mit einer Fläche von ca. 5.000 m² der größte natürliche See in Hessen. Gleich vier der größten Stauseen des Landes liegen im Landkreis Waldeck-Frankenberg im Nordwesten Hessens: Der Edersee als mit Abstand größter See in Hessen sowie Affolderner See, Diemelsee und Twistesee. Weitere bedeutende Stauseen sind der Kinzig-Stausee im osthessischen Main-Kinzig-Kreis und der Aartalsee in der Gemeinde Bischoffen im westhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Zu den größten Tagebau- und Baggerseen Hessens gehören der Borkener See im Schwalm-Eder-Kreis, der Werratalsee im Werra-Meißner-Kreis und der Langener Waldsee im Landkreis Offenbach als größter See Südhessens.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2023.
Natur und Schutzgebiete mini|Naturschutzgebiet Burghain Falkenstein im Taunus In den verschiedenen Naturräumen Hessens wurden 763 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtgröße von mehr als 36.000 ha ausgewiesen. Das entspricht etwa 1,7 % der Landesfläche. Außerdem sind 125 Landschaftsschutzgebiete eingerichtet worden.
Im Rahmen des Europäischen Natura2000-Programms wurden 583 FFH-Gebiete sowie 60 EU-Vogelschutzgebiete unter Schutz gestellt. Es gibt 31 Naturwaldreservate in Hessen mit einer Totalreservatsfläche von 1.228 ha. Zahlreiche Einzelbäume, Felsformationen oder kleinere Flächen sind als Naturdenkmale geschützt.
Hessens einziger Nationalpark ist der Nationalpark Kellerwald-Edersee. Ein Teil davon zählt seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“. Die Grube Messel als eine Fossillagerstätte von Weltrang ist bereits seit 1995 Weltnaturerbe.
Geschichte Geschichte Hessens
mini|Karte von Oberhessen („Hassia Superior“) aus dem 17. Jahrhundert
Im heutigen Land Hessen sind die ehemaligen Territorien der hessischen Fürstentümer Landgrafschaft Hessen (später unter anderem Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt, Hessen-Rotenburg und Hessen-Homburg), der Grafschaft Erbach, des Fürstentums Solms und große Teile des Herzogtums Nassau, der Grafschaft Hanau, der Grafschaft Isenburg, des Fürstentums Waldeck, der Hochstifte Mainz und Fulda sowie der Freien Reichsstädte Frankfurt am Main, Friedberg, Gelnhausen und Wetzlar respektive der ehemaligen Territorien der Nachfolgestaaten vereint.
Durch Proklamation der amerikanischen Militärregierung vom 19. September 1945 wurden die Grundlagen für das heutige Land Hessen geschaffen, diese vereinigte die preußischen Provinzen Kurhessen und Nassau sowie den Volksstaat Hessen zum Land Groß-Hessen unter Ausschluss der Gebiete im Westen, die Teil der französischen Besatzungszone geworden waren. Dies waren zum einen die nassauischen Landkreise Sankt Goarshausen, Unterlahn, Oberwesterwald, Unterwesterwald und zum anderen Rheinhessen, die linksrheinische Provinz des ehemaligen Volksstaates Hessen, wobei die rechts des Rheins in der amerikanischen Besatzungszone gelegenen Stadtteile der Städte Mainz und Worms in der Besatzungszone verblieben und daher heute (weiterhin) zu Hessen gehören. Die französisch besetzten Gebiete wurden 1946 als Regierungsbezirke Montabaur und Rheinhessen Teil des Landes Rheinland-Pfalz. Die Exklave Wimpfen wurde gegen den mehrheitlichen Widerstand der Bevölkerung und Hessens zumindest de facto Teil des neu gegründeten Landes Württemberg-Baden (siehe Abschnitt „Städte und Gemeinden“). Mit der Annahme der Verfassung des Landes Hessen durch die Volksabstimmung am 1. Dezember 1946 wurde aus dem zuvor gebildeten „Staat Groß-Hessen“ das „Land Hessen“.Artikel 160 der hessischen Verfassung bestimmt: „Diese Verfassung tritt mit ihrer Annahme durch das Volk in Kraft. Gleichzeitig tritt das Staatsgrundgesetz vom 22. November 1945 außer Kraft.“ Damit wurde am Tag der Volksabstimmung der Staat Groß-Hessen zum Land Hessen.
Namensherkunft Der Name Hessen ist allgemeiner Meinung nach die abgewandelte Form des Stammesnamens der germanischen Chatten, deren Siedlungsschwerpunkt im heutigen Nord- und Mittelhessen lag.
Bevölkerung