mini|August Grumbrecht mini|Grumbrecht wirbt für die Einrichtung einer Vorschusskasse in den Harburger Anzeigen und Nachrichten 1861 mini|Denkmal für August Grumbrecht in Hamburg-Harburg Friedrich Wilhelm August Grumbrecht (* 21. Juni 1811 in Goslar; † 10. Januar 1883 in Harburg a. d. Elbe, heute Hamburg) war Bürgermeister von Hamburg-Harburg und Abgeordneter in mehreren deutschen Parlamenten des 19. Jahrhunderts, unter anderem in der Frankfurter Nationalversammlung und im Deutschen Reichstag.

Leben August Grumbrecht stammte aus einer Kaufmannsfamilie.Götz von Selle (Hrsg.): Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1734–1837. Hildesheim und Leipzig 1937, S. 821 (Nr. 34.772). Er besuchte das Martineum in Braunschweig und von 1828 bis 1829 das Gymnasium in Wolfenbüttel. Er studierte Rechtswissenschaft in Göttingen.Götz von Selle (Hrsg.): Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1734–1837. Hildesheim und Leipzig 1937, S. 821 (Nr. 34.772). Dort wurde er 1829 Mitglied der Alten Göttinger Burschenschaft und nahm am „Göttinger Aufstand“ im Januar 1831 teilKurt Selle: Oppositionelle Burschenschafter im Lande Braunschweig, Wolfenbüttel, 1999, S. 30, online: (PDF; 222 kB), weshalb er relegiert und aus der Stadt ausgewiesen wurde. Sein Studium setzte er in Marburg fort. Nach seiner Begnadigung kehrte er an die Universität Göttingen zurück.Götz von Selle (Hrsg.): Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1734–1837. Hildesheim und Leipzig 1937, S. 861 (Nr. 36.225).

Nach dem Studium arbeitete Grumbrecht als Advokat (Rechtsanwalt) zunächst in Fallingbostel, ab 1847 in Lüneburg, wo er Präsident der Anwaltskammer wurde.

Im Mai 1848 wählte man ihn für das Wendland in die Frankfurter NationalversammlungWendland-Lexikon, Band 1, Lüchow 2000, S. 279. (linkes Zentrum, Württemberger Hof), dann wiederholt in die Hannoversche Zweite Kammer. Von 1867 bis 1878 war er Mitglied des Reichstags des norddeutschen Bundes, dann des deutschen Reichstags, wo er der nationalliberalen Partei angehörte und sich insbesondere bei volkswirtschaftlichen und Themen der Verwaltung engagierte. Ab 1879 war Grumbrecht Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus.

Von 1855 bis zu seinem Tod wirkte er zudem als Bürgermeister von Harburg a. d. Elbe. 1871 verlieh ihm die Stadt den Titel des „Oberbürgermeisters von Harburg“. Grumbrecht hat sich in seiner Amtszeit als Bürgermeister für die Einrichtung einer Vorschusskasse eingesetzt. Die Vorschusskasse war ein Vorläufer der Volksbank und wichtig für die Industrialisierung in Harburg. Zum 25. Jubiläum seiner Amtszeit am 27. Juli 1880 wurde die Grumbrecht-Stiftung zur Unterstützung nicht mehr arbeitsfähiger Bewohner Harburgs gegründet. Die Stiftung bestand bis zur Auflösung 1923.

August Grumbrecht starb am 10. Januar 1883 in Harburg.Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 2). Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3, Foto S. 145, Kurzbiographie S. 409.

Ehrungen Die Grumbrechtstraße in Hamburg-Heimfeld wurde 1889 nach ihm benannt. Preußischer Kronenorden, III. Klasse

Grumbrechts Redestil in der Nationalversammlung 1848 Die Flugblätter aus der Frankfurter Nationalversammlung berichteten am 1. Juli 1848 kritisch von einer am Vortag gehaltenen Rede des damals 37-jährigen Abgeordneten der radikalen Mitte. Der Artikel ist ein Beispiel für die frisch entstandene Diskussionskultur der Märzrevolution:

Grumbrecht nahm in derselben Zeitung eine Woche später Stellung:

Die Redaktion stellt in ihrer ausführlichen Erwiderung im Anschluss an diese Ausführungen fest, dass Grumbrecht laut der ersten beiden Spalten des stenographischen Protokolls seiner Rede durchaus häufig „Ich“ gesagt habe, man die Kritik jedoch angesichts seiner Empfindlichkeit in diesem Punkt nicht darauf hätte kaprizieren wollen. Die Redaktion weist Grumbrechts Pochen auf das Protokoll als einzige Wahrheit zurück: Man habe in der Paulskirche durchaus das Wort „Volksstämme“ verstanden und nicht, wie es im Protokoll steht, „Volksstimmung“. Inhaltlich ändere dies jedoch nicht viel, die Kritik bleibe also bestehen. Der Artikel schließt mit dem Hinweis: „Bei dem beschränkten Raume der Flugblätter werden wir in Zukunft jedoch nur kurzgefaßte Reclamationen aufnehmen können.“

Literatur Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 2: F–H. Winter, Heidelberg 1999, ISBN 3-8253-0809-X, S. 194–195. Dieter Lent: Grumbrecht, Friedrich Wilhelm August. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon: 19. und 20. Jahrhundert. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, S. 232, ISBN 3-7752-5838-8. Friedrich Koldewey: Album des Herzoglichen Gymnasiums (Herzogliche Grosse Schule) zu Wolfenbüttel 1801–1877. Wolfenbüttel 1877, S. 79–80. U. Wahnschaffe und P. Zimmermann (Bearb.): Album des Herzoglichen Gymnasiums (der Herzoglichen Grossen Schule) zu Wolfenbüttel 1801–1903. Zweite Ausgabe, Wolfenbüttel 1903, S. 54.

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