Birkingen ist ein Ortsteil der Gemeinde Albbruck im Landkreis Waldshut im Süden Baden-Württembergs.
Geographie Birkingen liegt am Südrand des Schwarzwalds auf 478 m ü. NN und wird von Unteralpfen im Norden, von Birndorf im Westen, der Gemeinde Dogern im Süden und dem Ort Kuchelbach im Osten eingegrenzt. Das Landschaftsbild wird durch Wälder, landwirtschaftliche Nutzfläche und große Obstplantagen geprägt.
Geschichte
Mittelalter Das am Albtal oberhalb von Dogern gelegene Birkingen wurde erstmals 814 urkundlich als „Birchinga“ erwähnt. Dabei übertrug das Ehepaar Nidhart und Gundbirc in „Beherzigung ihrer unzähligen Sünden“ am 28. Mai 814, deren Besitz in Birkingen dem Kloster St. Gallen und erhielt gleichen in Form eines Lehens wieder vom Kloster zurück.Episcopatus Constantiensis Alemannicus Sub Metropoli Moguntina, Cum Vindonissensi, Cui Succesit, in Burgundia, Transiurana Provinciae Vesontinae olim fundato, Chronologice et diplomatice Illustratus, von Pater Trudbert Neugart, Band 1, S. xxv und Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen, Theil I, Urk. Nr. 213, S. 203.
Ortsgründung Birkingen geht auf eine frühe Gründung der Alemannen zurück und bedeutet Dorf des Biricho – Birkingen bei den Angehörigen des Biricho. Dies verrät bereits die Endung des Ortsnamens „-ingen“. Die Alemannen begannen um 450 n. Chr., sich im Elsass niederzulassen. Immer wieder unternahmen sie Raubzüge über den Oberrhein bis nach Italien. Nach 497, als die Alemannen den Franken in der Schlacht bei Zülpich unterlagen, fiel das gesamte Alemannenland unter fränkische Herrschaft. Höhenlagen waren bevorzugte Standorte und so ist es wahrscheinlich, dass Birkingen wohl bereits zu jener Zeit von den Alemannen angelegt wurde.
Besitzverhältnisse Alemannien wurde durch seinen autonomen Status im Frankenreich als Herzogtum in einem Gebiet gefestigt, das wohl größtenteils dem späteren Herzogtum Schwaben entspricht. Den weitgehend autonomen Status, den die Alemannen unter den merowingischen Königen genossen hatten, versuchten die Karolinger im 8. Jahrhundert zu beseitigen, was zu erneuten Zusammenstößen zwischen den Alemannen und Franken führte. Beim Blutgericht zu Cannstatt im Jahre 746 wurde nahezu die gesamte Führungsschicht der Alemannen ausgelöscht. Um einer Enteignung durch die Karolinger zu entgehen, vermachten viele ihren Besitz einem ihnen zugeneigten Kloster, welches ihnen im Gegenzug den Besitz als Lehen mit einigen Auflagen wieder zurückgab. Dem Kloster St. Gallen, welchem zunächst mehrheitlich rätische Mönchen angehörten, folgten im 8. und 9. Jahrhundert verstärkt alemannische Adelsfamilien und es entwickelte sich somit zur „Fluchtburg“ für den alemannischen Adel und dessen Besitz. Dieser Entwicklung verdanken wir möglicherweise die erste urkundliche Nennung Birkingens obgleich Schäfer die Theorie vertritt, dass andere politische Ursachen Grund dieser Schenkung waren.Markus Schäfer: 814 – Die Erstnennung Birndorfs und Birkingen. In: Jahrbuch des Geschichtsvereins Hochrhein. 2013. Dabei vermachte am 28. Mai 814 das Ehepaar Nidhart und Gundbirc sein Eigentum in Birkingen nicht dem unter karolingischer Führung stehenden Kloster in Säckingen, sondern dem den Alemannen freundlich gesinnten Kloster St. Gallen und verpflichtete sich, für den weiteren Besitz dieser Güter Geldzins zu zahlen und einen Frondienst zu leisten. Die Freiheit der Leute wurde dabei nicht eingeschränkt, sie blieben freie Leute und wurden nicht, wie in anderen Fällen üblich, zu Leibeigenen.
Die Besitz- und Abgabenrechte gingen teils durch Gewalt, teils durch Kauf oder Tausch an andere über. So finden wir im 15. Jahrhundert neben diversen Klöstern auch Adelsgeschlechter wie die Herren von Griessheim, die Herren zu Rappoltstein oder auch Markgraf Wilhelm von Hachberg-Sausenberg als Besitzer von Rechten und Verpflichtungen in Birkingen. Im habsburgisch-österreichischen Pfandrodel der Zeit zwischen 1282 und 1300 wird beschrieben, dass zu jener Zeit ein Hartmann von Wessenberg das Pfand über Birkingen (Berchingen) und Rotzel (Rotzal) innehatte.Thomas Stocker: Habsburgisch-Österreichischer Pfandrodel, 1281–1300. In: Der Geschichtsfreund. Jahrgang 5, 1848, S. 3–21. Zu den besitzhabenden Klöstern in Birkingen gehörten das Kloster St. Gallen, das Kloster St. Blasien, das Kloster Königsfelden, das Damenstift Säckingen und die Deutschritter-Kommende in Beuggen.
Die verzwickten Besitzverhältnisse sorgten mehrfach für Auseinandersetzungen, so löste die Zehntabgabenverpflichtung bereits im Jahre 874 einen Streit aus. Dabei ließ Bischof Gebhard von Konstanz durch seinen Erzpriester Rihfried Erkundigungen einziehen, die er auf Ansuchen der Erben der Eigenkirche zu Birndorf im Albgau angehoben hatte. Dabei wurde festgestellt, dass die Dörfer Birndorf, Birkingen, Kuchelbach, Buch, Etzwihl und Hechwihl bereits zu Zeiten Kaiser Karls und Bischofs Egino (782–811) der Kirche in Birndorf zehntpflichtig gewesen waren. Nochmals wurde über den Zehnt in Birkingen am 8. April 1567 gestritten. Dieses Mal ging es um den Korn- und Weinzehnten zu Birkingen. Streitparteien waren die Stadt Bern, als Nachfolger des Klosters Königsfelden, und der Deutsche Ritterorden in Beuggen. In Birkingen hatte der Deutsche Ritterorden in Beuggen die Hälfte des Großzehnten, die andere Hälfte besaß der Rechtsnachfolger des Klosters Königsfelden, die Stadt Bern. Eine Ausnahme dabei bildete der Schäferhof. Dieser Hof schuldete den Großzehnten vollumfänglich dem Deutschen Ritterorden in Beuggen.Jakob Ebner: Geschichte der Ortschaften der Pfarrei Birndorf bei Waldshut am Hochrhein, S. 46 Wie undurchsichtig die Besitzverhältnisse wirklich waren, zeigt dieser besagte Schäferhof, denn am 21. Februar 1741 taucht dieser Hof erneut auf, dieses Mal beim Loskauf aus der Leibeigenschaft vom Damenstift Säckingen. Beuggen, der Zehntinhaber dieses Hofs, wird dabei nirgendwo genannt.
1684 kaufte das Kloster St. Blasien den Königsfelder Hof, später umbenannt in Berner Hof, in Waldshut. An diesen Hof waren durch die Witwe des ermordeten Königs Albrecht von Habsburg, Elisabeth, geborene Gräfin von Tirol, die Einkünfte unter anderem zu Waldshut, Dogern, Kiesenbach, Gaiss, Eschbach, Birkingen, Kuchelbach und Bohland geknüpft, womit sie das Kloster Königsfelden ausgestattet hatte.
Aufstände gegen die Obrigkeit Über Birkingen wird berichtet, dass dort eine Großzahl von Freibauern lebte.Habsburger Urbar von 1281 in: Historischer Verein der 5 Orte Lucern, Uti, Schwyz, Unterwalden, und Zug (Hrsg.): Der Geschichtsfreund. Band 5, 1848. Mehrheitlich das Kloster St. Blasien versuchte sich durch seine zielgerichtete Machtpolitik dem Freibauerntum in seiner Nachbarschaft zu entledigen. Dies führte über Jahrhunderte hinweg zu Konflikten zwischen den Parteien. Der Zug gegen die Obrigkeit im Deutschen Bauernkrieg des Jahres 1525 unter dem Schwarzwälder Bauernführer Kunz Jehle fand großen Anklang in Birkingen. Eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1532, die bis heute erhalten blieb und sich heute im Pfarrhaus von Dogern befindet, zeigt, dass sich unter den Anhängern viele aus der Pfarrei Birndorf am Sturm auf das Kloster beteiligten. Die Urkunde besagt: Copie von 1532 – Anno 1525 sind aus der Pfarrei Bürdorf nach St. Bläsi gelaufen und haben grossen Schaden getan: Antoni Waldkiller von hir Vogts Sohn Caspar Meyer von hier Hans Gäng von hier Heini Fluom von hier Marti Ratzinger von Schatenbürdorf (Schattenbirndorf) Hanss Scheffer der jung von Bürkingen Vogts Sohn Adam Schänk von Bürkingen Andres Trändlin von Bürkingen der Jung Andreas Leber von Bürkingen Marx Mettenberger aus dem Chuchelbach (Kuchelbach) Hans Pfeiffer aus dem Poland (Bohland) Thoma Winkler von Buoch (Buch) Baschli Eggert von Buoch (Buch) Jörg Trändlin von Hächel der Jung (Hechwihl) Peter Sur von Etzbel (Etzwihl) Michel Tröndlin von Heite (Haide)
Auch bei den so genannten Salpetererunruhen im 18. Jahrhundert waren wieder zahlreiche Birkinger unter den Aufständischen, die selbst nach Niederschlagung des Aufstands und Auskauf aus der Leibeigenschaft an den alten Freiheiten festhielten. So sagt man heute, dass Josef Schupp, der hier 1934 starb, der letzte Salpeterer gewesen sei, was formell gesehen jedoch unrichtig ist, da er kein Salpeterer, sondern ein Anhänger der – nach dem in Birkingen geborenen Aegidius Riedmatter benannten – Nachfolgebewegung „Aegidler“ war.
Wappen von Birkingen Die Grundfarbe des Wappens ist silber. Auf dem unteren Teil befindet sich der österreichische Bindenschild, auf dessen Oberrand eine grüne Tanne. Die Tanne steht für die frühere Zugehörigkeit zur Grafschaft Hauenstein. Der österreichische Bindenschild steht für die frühere Zugehörigkeit zu Vorderösterreich.
Wirtschaft und Infrastruktur In Birkingen gibt es neben landwirtschaftlichen Betrieben einige mittelständische Handwerksbetriebe.
Verkehrsanbindung Den rund fünf Kilometer entfernten Hauptort Albbruck erreicht man über die Verbindungsstraße K6589 zum Ortsteil Kiesenbach und von dort über die Kiesenbacher Straße.
Bauwerke Salpetererhaus (Kellerhof) Kapelle Spätgotischer Hof aus dem 16. Jahrhundert
Kellerhof – „Salpetererhaus“ mini|Kellerhof oder „Salpetererhaus“ in Birkingen 1556 wurde in Birkingen das Salpetererhaus erbaut. Ursprünglich diente dieses Haus als Kellerhof des Damenstifts Säckingen, das es vermutlich auch erbaute. Die Familie Knecht, die zu den ersten Bewohnern dieses Hofes zählt, wurde in manchen Urkunden sogar mit der Amtsbezeichnung Keller und nicht mit ihrem Familiennamen bezeichnet, wie das aus einer Urkunde über die bereits oben erwähnte Zehntstreitigkeit zwischen Bern und Beuggen hervorgeht. Darin wird erwähnt, dass die Gerichtsverhandlung „in der Behausung des Michel Keller zu Birkingen“ durchgeführt wurde, dessen richtiger Name jedoch Michael Knecht war. Zu dieser heiklen Gerichtsverhandlungen erschienen „zur Beilegung von Irrsal, Unrichtigkeiten und Zank“ die Abgesandten der Stadt Bern, die Ratsherren Hans Sager Kasper Wyllading und Samuel Dillmann, Bernischer Hofmeister zu Königsfelden, die Interessen der Deutschordenskomtur wurden vertreten durch Hans Kasper von Jestetten zu Beuggen, der Hans Mangold, Schultheiß zu Säckingen sandte, Matthäus Winkler, Beuggischer Schaffner zu Rheinfelden und Balthasar Steiger, Beuggischer Schaffner zu Waldshut. Als Vertreter der Zehntpflichtigen erschienen Alteinungsmeister Hans und Andreas Scheffer, Michel Knecht, Hans Schlachter, Hans Schaupp – alle von Birkingen, Konrad Ramschtauer, Antoni Waldkircher, Mathis Schabeler und Hans Pfeiffer von Birndorf. Wegen der Vielzahl der Beteiligten wurde diese Verhandlung vermutlich im Kellerhof abgehalten.
Besitzverhältnisse