In der Zeche Piesberg am Piesberg in Osnabrück (Niedersachsen) wurde bis 1898 und in den Notzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg Steinkohle abgebaut, die als Anthrazit einzustufen ist. Das Gebiet zählt zum Ibbenbürener Steinkohlenrevier. Schächte waren unter anderem der Haseschacht und der Stüveschacht.

Lagerstätte mini|Grubenfeld des Piesberges, 1894 Der Piesberg liegt im Nordwesten von Osnabrück. Er ragte mehr als 100 m aus der Umgebung heraus, seine Kuppe maß ursprünglich . Diese wurde durch den Abbau des Piesbergsandsteins abgetragen. Das Oberkarbonvorkommen erstreckt sich in Nordsüdrichtung über 1,2 km, und in Ostwestrichtung über 1,9 km. Im Steinbruch gibt die Schichtfolge des Westfal D einen guten Einblick. Der Piesberg entstand durch die Vertikalbewegung des Bramscher Plutons. Die Aufwölbung hat im Westen ein Einfallen von 10°, im Süden 30° bis 40° und im Norden und Osten einen Verwurf von 300 m.

Flöze mini|Abbau in Flöz Dreibänke, 1896 16 Flöze wurden im Piesberg bekannt. Dieses sind im Westfal D die Flöze (in Reihenfolge der Tiefe) Flöz Itterbeck 10 cm Kohle (unbauwürdig) Flöz Schmitzchen 15 cm unreine Kohle (unbauwürdig) Flöz Johannisstein 80 cm sehr reiner Kohle (wurde abgebaut)Flöz Johannesstein Flöz Mittel 52 cm sehr feste Kohle (wurde abgebaut) Flöz Dreibänke 154–168 cm mit Bergemittel und 105–115 cm reine Kohle (wurde abgebaut) Flöz Bänkchen 15 cm unreine Kohle (unbauwürdig) Grenze zum Westfal C in der Oberkante von Flöz Zweibänke Flöz Zweibänke 76 cm, davon 68 cm reine und feste Kohle (wurde abgebaut)

Unterhalb von Flöz Zweibänke ist kein Abbau mehr erfolgt Flöz Kohlebänkchen 38 cm unreine Kohle Flöz Zwilling I 53 cm Kohle Flöz Zwilling II 56 cm Kohle 5 unbenannte Flöze 10, 50, 15, 13, 11 cm Flöz Vierbänke 160 cm Kohle

Die Kohle des Piesberges besitzt einen hohen Inkohlungsgrad, bedingt durch die Aufheizung des Gebirges aufgrund des Bramscher Plutons. Maximal 1,9 % flüchtige Bestandteile und Armut an Asche und Schwefel kennzeichnen die hohe Güte der Kohle. Durch den Steinbruchbetrieb wurden in den letzten Jahrzehnten immer wieder Restpfeiler vom Kohleabbau erschlossen. Berühmt geworden sind die Baumwurzeln aus den Hängen des Flözes Zweibänke, von denen sich je ein Exemplar in Naturkundemuseum Osnabrück und im Bergbaumuseum Bochum befindet.

Die Flöze konnten mit den entsprechenden Flözen der benachbarten Ibbenbürener Bergplatte parallelisiert werden, so entspricht das Piesberger Flöz Schmitzchen dem Ibbenbürener Flöz Bockraden, das Flöz Johannisstein dem Flöz Franz, die Flöze Mittel und Dreibänke dem Flöz Buchholz/Flottwell, das Flöz Bänkchen dem Flöz Alexander und das Flöz Zweibänke dem Flöz Dickenberg.

Geschichte Früher Bergbau mini|Pinge des frühen Bergbaus in der Nähe der Johannissteine Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Bergbaus am Piesberg gehen in das Jahr 1461 zurück, es wird ein Kohlebrecher R. Nolleke erwähnt, der in der Neustadt wohnhaft war. Für den Festungsbau 1540 wurden die Kalköfen mit Piesberger Steinkohle befeuert. Die Piesberger Steinkohle schien für Schmiedefeuer jedoch ungeeignet. Besser geeignet war die Ibbenbürener- und Borgloher Steinkohle, im Gemisch mit der Piesberger.Kohle am Piesberg, NOZ vom 19. November 2010Aufsatz der GAG zur Zeche Piesberg

Die Stadt als Bergwerksunternehmer Die Stadt Osnabrück betrieb von 1568 bis 1647 die Kohlegruben und die Kalköfen am Piesberg auf eigene Rechnung. Da die Kohle ausschließlich für das Kalkbrennen verwendet wurde, war der Umfang der Kohlegruben äußerst gering. Das Jahresgehalt des Meisters und der Kohlebrecher betrug 1645 durchschnittlich 142 Reichsthaler. Um den Betrieb zu vergünstigen, wurden Leistungsverträge abgeschlossen, indem die Materialien und das Geleuchte von der Stadt getragen wurde. Ein erster Schacht wurde im Jahr 1540 erwähnt, der jedoch wegen ungünstiger Wasserzuflüsse kein langes Leben hatte. Erst als 1577 ein Wasserlösungsstollen zum Wallenhorster Moor geschaffen wurde, wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Dieser Stollen wurde im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Er hatte den Namen Pinkloch- oder Pinkholl-Stollen und befand sich 300 m südöstlich des Stüveschachtes (Pink= Klang des Schlägels beim Schlag auf das Eisen).

Verpachtung des Betriebes Da die wirtschaftliche Lage der Kohlegruben schlecht war, beschloss die Stadt, die Kohlegruben ab 1647 für jeweils vier Jahre zu verpachten. Pächter war ausschließlich die Familie Pagenstecher, lediglich 1675 pachtete ein gewisser Saatkamp die Gruben. Um Pachterhöhungen vorzubeugen, wurden der Stadt wiederholt die hohen Kosten zum Betrieb der Gruben vorgehalten. Der Aufschluss tiefer gelegener Kohlen gestaltete sich schwierig, so dass 1727 die Stadt den Bergmeister Huisken der Borgloher Grube beauftragte, einen neuen Stollen anzulegen. Pagenstecher missfiel der Vorschlag des Bergmeisters und er versuchte einen sieben Lachter höher angesetzten Stollen zu bauen, um schneller an das Kohlenflöz zu gelangen. Die Stadt stimmte dem Vorschlag des Bergmeisters zu und erteilte Pagenstecher eine Absage. Der Stollen wurde am 30. Juni 1727 begonnen und wurde mit Lütticher Bergleuten, die den Umgang mit Schießpulver kannten, an der Nordseite des Berges aufgefahren. Später erhielt der Stollen den Namen Lücker Stollen. Da der Erfolg ausblieb (man hat kein Flöz angetroffen) und zum Überfluss die Schmiede am Stollenmundloch einem Brand zum Opfer fiel, wurde der Vortrieb 1728 eingestellt. Das Stollenprojekt von Pagenstecher wurde wieder aufgegriffen und mit Bergleuten aus dem Oberharz wurde der Stollen vorangetrieben. Er erhielt nach dem Bergmann Mauersberg den Namen Mosbergerstollen. Doch auch dieses Stollenprojekt wurde 1730 aufgegeben, da man an einer günstigeren Stelle mit einem Schacht Kohle fördern konnte und Kosten ersparen wollte.

Unter der Regie Osnabrücks Ab 1730 übernahm wieder die Stadt die Regie. Die geförderte Menge blieb weiterhin niedrig. Ab 1740 wurde auf Drängen von Mauersberg der Vortrieb des Mosberger Stollens aufgenommen und erreichte das Flöz Johannisstein. Bald war der Betrieb jedoch wieder sehr heruntergekommen und die Mansfelder Bergleute Wohlgemuth und Huck forderten erfolglos den weiteren Vortrieb des Lücker Stollens. Es entwickelte sich mehr und mehr ein Lese und Raubbau der restlichen Kohlepfeiler. Auch weitere Gutachten 1780 und 1783 wiesen keinen Erfolg aus. Es wurden 1783 sogar Pläne zum Bau von Pumpen vorgelegt, welche durch Windmühlen angetrieben wurden. Dies erschien dem Bergwerksmeister jedoch zu phantastisch und wurde abgelehnt. Als der Salzschreiber Rausch in den bergtechnischen Beirat gewählt wurde, besserten sich 1792 die Zustände. Er trieb den Vortrieb der Stollen voran, forderte bessere „Übung“ der Bergleute beim Abbau, bessere Gerätschaften und Akkord- anstelle von Tagelohn. Die Abrechnung der Kohlegruben und der Kalköfen war von nun an getrennt. Im Jahr 1794 erreichte der Stollen das Flöz Johannisstein. Kurz vor seiner Versetzung 1799 nach Sülbeck forderte er einen tieferen Stollen aufzufahren, um die Kohlevorräte zu sichern. Der Stollen sollte von der Hase aus aufgefahren werden.

Der Anfang des 19. Jahrhunderts mini|Zechenbahn zum Piesberg Ab 1806 fiel Osnabrück für einige Monate vom Königreich Hannover an Preußen und schließlich an Frankreich. Preußen forderte einen umfangreichen Bericht an, in dem die Lage des Bergbaus geschildert werden sollte. Während der Franzosenzeit wurde der Obersteiger Herold aus Minden Betriebsleiter. Das Projekt des Hasestollen wurde zurückverlegt und im Sattelfeld des Flözes Johannisstein Kohle gewonnen. Der jährliche Überschuss stieg in den kommenden Jahren von unter 1000 Talern jährlich auf 5000 bis 7000 Taler. Für Ärger sorgte nur, dass Herold den Hasestollen 1827 ohne Zustimmung und ohne Genehmigung des Magistrats begonnen hatte. Es wurde empfohlen, Pagenstecher einen jungen Obersteiger zur Seite Herolds zu stellen. Da die Zusammenarbeit wenig erfreulich verlief, wurde das Revier in ein östliches, das Pagenstecher unterstand, und ein westliches unter Herold getrennt. Im östlichen Revier wurde ein Schurfschacht und 1830 der Lechtinger Oberstollen aufgefahren. Alle bisherigen Stollen waren zur Wasserlösung aufgefahren worden. Gefördert wurde aus bis zu 16 Schächten, die auf den Stollen geteuft waren. Diese trugen Namen wie Franz, Glück Auf, August und Neuglück. Letzterer besaß eine beheizbare Zechenstube zum Wechseln der Wäsche. Bergmeister Herold, dem der Bergbau in Osnabrück viel zu verdanken hat, starb 1833.

Pagenstecher als Bergmeister mini|Ausfahrt der Bergleute Nach der Übernahme des Betriebs schickte Johann Rudolf Pagenstecher (1808–1891) Bergleute ins Ruhrgebiet, die dort lernen sollten. 1833 ließ er deutsche Förderwagen einführen, die auf hölzernen Schienen liefen. Er änderte die Schichtzeiten und führte die Schichtglocke ein. Schlepper konnte man nun erst mit 15 Jahren und Lehrhauer mit 19 Jahren werden. Bis 1835 verlagerte sich der Abbau auch auf die anderen drei Flöze. Der Absatz von Kohle stieg von 1833 mit 3.817 t auf 12.432 t im Jahr 1840 und auf 27.733 t im Jahr 1853. Der Hauptabsatz verlagerte sich vom Kalkbrennen zum Hausbrand und zur Industrie. Es wurde eine Zementfabrik am Piesberg projektiert, die jedoch nicht gebaut wurde. 1850 wurde der Lechtinger Tiefer Stollen angelegt. Dieser lag 20 Meter unter dem gleichnamigen Oberstollen. Das Flöz Dreibänke wurde 1852 erreicht. Im Abbau wurde streichender Pfeilerbau verwendet, bei flacherer Lagerung auch diagonaler Pfeilerbau. Strebbau, der versuchsweise eingeführt wurde, bewährte sich jedoch nicht. Der Bau der Eisenbahn in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts erwies sich als Glücksfall für die Gruben. Da der Bau der Bahn von Osnabrück über Bramsche nach Oldenburg zunächst scheiterte, und der Bau der Bahn Löhne–Osnabrück–Rheine nicht nahe dem Bergwerk verwirklicht wurde, musste eine Zweigbahn gebaut werden. Deswegen wurde der Hasestollen endlich weiter vorangetrieben. Die Kosten einschließlich Bau der Brücke über die Hase wurden mit 100.000 Talern angegeben. Die Eisenbahn wurde 1852 in Betrieb genommen, die Zweigbahn am 1. September 1857. Die möglichen Absatzgebiete erweiterten sich und somit auch die Förderung. 1867 wurden bereits 62.576 t gefördert.

Hasestollen mini|Stollenmundloch des Hasestollens Der Hasestollen – benannt nach dem nahegelegenen Fluss Hase – lag 21,12 m unter dem Lücker Stollen, 30,73 m unter dem Lechtinger Tiefenstollen, 36,49 m unter dem Mosberger Stollen und 50 m unter dem Lechtinger Oberstollen. Die erschlossenen Vorräte über der Stollensohle erreichten jedoch nur eine geringe Lebensdauer bei steigender Förderung, so sollte schon bald ein Tiefbauschacht geteuft werden.

Tiefbau Der Tiefbau begann 1868 mit dem Teufen von Schacht 4 von der Stollensohle aus. Die nun erforderliche maschinelle Wasserhaltung und die Steigerförderung bereiteten der Stadt einiges Kopfzerbrechen. Schacht 4 wurde wegen zu großer Wasserströme, die beim Teufen erschlossen wurden, aufgegeben. Am Fürstenauer Weg wurde nun der Haseschacht geteuft, zunächst bis zur Stollensohle, ab 1872 auch tiefer.

Pagenstecher schied 1872 als Direktor und 1879 ganz aus dem Dienst am Bergbau aus. 1872 war die Belegschaft bereits auf 600 Mann angewachsen und 80.000 t Anthrazitkohle wurden gefördert. Der 210 m tiefe Stüveschacht wurde als zweiter Tiefbauschacht 1873 begonnen. Am 26. September 1876 brachen große Wassermassen in den Stüveschacht ein und brachten den Betrieb zum Erliegen. Der Schacht wurde nach dem Osnabrücker Bürgermeister Johann Carl Bertram Stüve benannt. mini|Der Stüveschacht, 1896