mini|Ethnische Zusammensetzung in den Ländern der ungarischen Krone 1880 Als Schwabenzüge bezeichnet man die organisierte An- und Besiedlung der infolge der Türkenkriege fast menschenleeren Gebiete des Königreiches Ungarn, Slawonien, Batschka und Banat durch die Habsburgermonarchie im 18. Jahrhundert, mit vornehmlich deutschstämmigen Untertanen aus dem Westen und jenseits der westlichen Grenzen des Heiligen Römischen Reiches. Zusätzlich zu den staatlichen Programmen gab es während dieser Zeit ebenfalls Anstrengungen privater Großgrundbesitzer im Königreich Ungarn, darunter auch kirchliche Grundherren, zur Besiedlung ihrer Ländereien.

Innerhalb des Auswanderungsraumes ragten die Pfalz, Schwaben, Rhein- und Mainfranken besonders hervor, aber auch das Elsass, Lothringen, Bayern, Böhmen und Innerösterreich, sowie kleinere Gruppen von Italienern und Franzosen hatten phasenbedingt einen wichtigen Anteil. Im gesamten mittleren Donauraum wurden die deutschen Siedler von ihren magyarischen, südslawischen und rumänischen Nachbarn, wie auch von bulgarischen, slowakischen und tschechischen Zuwanderern Schwaben genannt. Obwohl diese Bezeichnung nur für einen geringen Teil der Ansiedler zutraf, nannten sich auch die Deutschen im damaligen Ungarn fortan Schwaben. Insgesamt gab es drei große und zwei kleine Schwabenzüge. Ähnliche Ansiedlungen bestanden bereits seit 1686; 1689 erschien das erste Ansiedlungspatent von Kaiser Leopold I. für die fast entvölkerte und zerstörte Pannonische Tiefebene. Kaiser Leopold I. und seine Nachfolger Josef I., Karl VI., Maria Theresia und Josef II. waren bestrebt, aus den dünn besiedelten und verödeten Landschaften Pannoniens einen ertragreichen und geschützten christlichen Lebensraum zu gestalten. Unter den Kaisern Leopold II. und Franz II. wurde nach dem dritten großen Zug die Besiedlung bis 1848 fortgesetzt. Deutsch war zeitweise die Amtssprache im Banat.

Es siedelten sich 1692–1786 um die 150.000 (115.000 staatlich und 35.000 privat geworbene) Menschen dort an. Sie fanden im spärlich besiedelten Banat vorwiegend Rumänen und Serben vor. In der Zeit von 1700 bis 1778 lag das Verhältnis von Rumänen und Serben zu den Deutschen bei 5:1. Das Banat und die Batschka waren die bevorzugten Zielregionen der staatlichen Kolonisation, sie nahmen hauptsächlich die Siedlerströme der drei großen Schwabenzüge auf, sodass in Südungarn die Deutschen in der Folgezeit ungefähr die Zahl der Serben und Rumänen erreichten. Etwa die Hälfte der deutschen Ansiedler in Ungarn wurden von privaten Grundherrschaften angesiedelt. Die Hälfte der donauschwäbischen Siedler war bäuerlicher Herkunft. In der Batschka waren fast ein Drittel der Ansiedler Handwerker und Professionisten, mit Ausnahme von Apatin, wo sie etwa die Hälfte der Bevölkerung bildeten. Den Rest der deutschen Bevölkerung stellten in der Batschka die ehemaligen Soldaten, die nach 1763 hier angesiedelt wurden. Ansätze einer deutschen Kolonisation entstanden ferner in Slawonien und Syrmien, vor allem in Märkten und Städten.

Die Herkunftsländer der bäuerlichen deutschen Siedler wiesen zur Zeit ihrer Auswanderung eine hochentwickelte Bodenkultur auf. Das von den Siedlern im Banat übernommene Ackerland war ein erst seit kurzem entwässertes Sumpfland, das seit Jahrhunderten verwahrlost, verwildert und mit Gestrüpp überwuchert war. Die beharrlichen und fleißigen neuen Arbeitskräfte brachten landwirtschaftliche und handwerkliche Erfahrung mit, durch die sie einen entscheidenden Anteil an der Kultivierung des Landes hatten. Die Anforderungen, die die Gründung einer Lebensexistenz und einer Gemeinschaftsordnung an sie stellte, waren allerdings enorm. Die in dieses unwirtliche Land gesetzten großen Hoffnungen erfüllten sich im Laufe der Jahre allmählich, und die Siedler prägten letztlich ihre neue Heimat.

Es war allerdings ein langer und schwerer Weg. Das in den Sümpfen lauernde Sumpffieber und die Cholera lichteten die Reihen bedenklich. Die von den Heeren aus dem Osten eingeschleppte Pest (1738–1739) verbreitete sich schnell im ganzen Banat und ließ die Sterblichkeitsrate noch zusätzlich ansteigen. Die Sanitätskommission der Landesadministration konnte die Krankheiten schließlich eindämmen, doch wurde die Bevölkerung während der Züge wiederholt von ihnen heimgesucht. Von den 80.000 deutschen Siedlern dieser Zeit erlagen etwa 25.000 diesen Krankheiten, also fast jeder Dritte.

Ein deutscher Kolonistenspruch des 18. Jahrhunderts besagt:

Nach den großen Zügen kamen später noch vereinzelt Siedler aus dem Reich, aus der Batschka, aus der Zips und auch aus anderen Gebieten ins Banat, allerdings nahm die Bedeutung ab. Spätestens nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 hörten die deutschen Besiedlungen auf. In dem Ausgleich wurde Ungarn eine Reichshälfte und damit die politische Macht in diesem Gebiet zuerkannt. Ungarn versuchte folgend diese Gebiete zu magyarisieren.

Vorgeschichte mini|Prinz Eugen von Savoyen1718 mini|Das Banat und die heutigen Staatsgrenzen

Politische Situation Nach Ende des Großen Türkenkrieges 1683–1699 musste das Osmanische Reich im Frieden von Karlowitz 1699 auf sämtliche Eroberungen nördlich der Donau (mit Ausnahme des Banats) zu Gunsten Österreichs verzichten und die Herrschaft Venedigs über den Peloponnes (Morea) anerkennen. In den folgenden Jahren erlaubte es die eigene Schwäche den Osmanen nicht eine erneute Eroberung dieser Gebiete anzugehen. Zu dieser Zeit kam es lediglich zu einem begrenzten Krieg gegen das russische Zarenreich, welchen die Osmanen im Jahre 1711 mit dem Frieden vom Pruth für sich entschieden. Durch diesen Erfolg ermutigt, plante man die Revision des Karlowitzer Friedens. Zunächst wandten sich die Osmanen gegen die Republik Venedig, die man für schwach hielt. Mit einem Eingreifen Österreichs rechnete man nicht, da dieses durch den gerade abgeschlossenen Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) noch sehr geschwächt war.

Erst im Jahre 1716 trat Österreich in den Venezianisch-Österreichischen Türkenkrieg ein. Die kaiserlichen Truppen standen unter dem Kommando des Prinzen Eugen von Savoyen. Den Sieg gegen die zahlenmäßig überlegenen Türken in der Schlacht von Peterwardein wollte Prinz Eugen strategisch weiter ausnützen und beschloss die Belagerung der Festung Temesvár (heute Timișoara) im Banat, die schnell und unerwartet mit der Kapitulation der Türken nach nur wenigen Monaten endete. Mit der Übergabe von Temesvár endeten 164 Jahre türkische Oberhoheit über das Banat, welches bis zum Ende des Ersten Weltkriegs habsburgisch blieb. Nach der Kapitulation von Belgrad wurden 1718 im Frieden von Passarowitz die Eroberungen bestätigt: Österreich erhielt das Banat, die westliche Walachei, das nördliche Serbien mit Belgrad und Teile Nordbosniens.

Das Banat erhielt eine Sonderstellung als Kron- und Kammerdomäne, eine Kamerale Reichsprovinz unter eigener Verwaltung, in der alle Macht vom Kaiser und von seinen eingesetzten Behörden und Beamten ausgeübt wurde. Sie wurde als unveräußerliches Krongut und Sondergut des Herrschers verwaltet, in dem keine geist- oder weltliche Privatobrigkeit geduldet wurde.

Siedlungszüge vor den Schwabenzügen (1686–1720) Das erste Drittel dieses Ansiedlungsjahrhunderts brachte bereits deutsche Siedler in die von den Türken befreiten ungarischen Städte (in Klammern jeweils der heutige Name): Gran (Esztergom) Ofen/Buda und Pest (Budapest) Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) Frankenstadt (Baja) Fünfkirchen (Pécs) Julau (Gyula) Großwardein oder Nagyvárad (Oradea) Großkarol oder Nagykároly (Carei) Temeschburg oder Temesvár (Timișoara)

Initiative und Förderung dieser Besiedlung der Städte gingen von der kaiserlichen Administration in Wien aus, die sich gegen das neuerliche Aufflackern des Kurutzengeistes abzusichern und verlässliche Stützpunkte zu schaffen bemüht waren. Neben der Besiedlung der ungarischen Städte hatte noch im auslaufenden 17. Jahrhundert und zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Besiedlung des Ofner Berglandes durch die jeweiligen Grundherrschaften begonnen, so in: Dörfer auf der Donauinsel Csepel, 1706 Falkenstein oder Schaumar, (Solymár) 1710–1720 Großkowatsch (Nagykovácsi), 1701/02 Großturwall (Törökbálint), 1700/01 Johannistal oder Wudigeß (Budakeszi), 1698 Kaltenbrunn (Pesthidegkút), 1711 Schambeck (Zsámbék), 1715–1720 Telki, Jeine (Budajenő), 1703 Ürben oder Erben (Üröm), 1699 Weindorf (Pilisborosjenő), 1696 Werischwar (Pilisvörösvár), 1692/93 Wudersch (Budaörs), 1718–1720

Nach dem Aufstand von Franz II. Rákóczi (1703–1711) und dem Frieden von Sathmar (Satu Mare) von 1711 begann auch der ungarische Adel bzw. die Großgrundbesitzerschicht, noch vor der Verabschiedung der Einwanderungsgesetze des ungarischen Landtags 1722/23, nach deutschen Siedlern zu rufen, allen voran der ehemalige Kurutzengeneral Alexander Károlyi (siehe auch Károlyi), der unverzüglich nach Friedensschluss mit der Ansiedelung von Sathmarer Schwaben begann,Stefan Vonház: Die Ansiedlung Deutscher im Sathmarer Komitat. Fünfkirchen 1931 (ungarisch) nachdem er vorher die Ungarische Hofkanzlei und den Hofkriegsrat in Wien über sein Vorhaben verständigt hatte. Erst allmählich gelang es den Schwaben, in dem unwirtlichen Sathmar Fuß zu fassen: Bildegg oder Krasznabéltek (Beltiug), 1730 Errichtung von Pfarrei Erdeed oder Erdöd (Ardud), 1726 Errichtung von Pfarrei Fienen oder Mezöfény (Foieni) 1720 Großkarol oder Nagykároly (Carei), 1724 Ansiedlung von Piaristen Kaplau oder Kaplony (Căpleni), 1722 Ansiedlung von Franziskanern Maitingen oder Nagymajtény (Moftinu Mare) 1722 Petrifeld oder Mezöpetri (Petrești), 1738 Errichtung von Pfarrei Schinal oder Csanalos (Urziceni) 1714/16/18

Im Buchenwald (Bakony) wurde 1712 Zirtz (Zirc) und 1714 Oßlipp oder Osslopp (Bakonyoszlop) mit Deutschen besiedelt. Auch in der Schwäbischen Türkei fing die Ansiedlung der Deutschen zum Teil schon vor der Verabschiedung der Impopulationsgesetze, auf alle Fälle aber 1722 an, und zwar sowohl auf der Domäne Belje (Béllye) des Prinzen Eugen von Savoyen als auch auf dem Herrschaftsgut von Darda, auf dem Besitz der Abtei Petschwar (Pécsvárad), in den Dörfern, die dem Bistum Fünfkirchen (Pécs) gehörten (unter ihnen die älteste deutsche Bauernsiedlung dieses Bistums Püspöknádasd (Mecseknádasd), die schon 1718 mit Franken besiedelt war), auf dem riesigen Besitztum der Familie Esterházy, wo damals schon lutherische Hessen sesshaft wurden, auf den Besitzungen der Abtei Báta (unter den Äbten Jány und Kollonich'), sowie der Abtei Sechshard (Szekszárd) unter dem Abt J. Trautsohn und nicht zuletzt auf den Besitzungen (besonders Högyész) des bedeutendsten Grundherrn der Schwäbischen Türkei, den lothringischen Grafen Claudius Florimund Mercy. Graf Mercy war auch deshalb eine Schlüsselfigur dieser Frühzeit der Einwanderung Deutscher nach Ungarn, weil er seine Siedler nicht unmittelbar im Reich anwerben ließ, sondern seinen Bedarf aus den ihm unterstehenden organisierten staatlichen Transporten des ersten Schwabenzuges deckte, indem er die benötigte Anzahl von Bauern einfach weglockte.

Das Einrichtungsprojekt, 1717 der erste gesetzliche Erlass der neuen Behörde unter Mercy, war die Grundlage des Wiederaufbaus. Man verwies auf Zuzug von Einwohnern aus den benachbarten Gebieten und Rückkehr der geflohenen ehemaligen türkischen Untertanen. Zu dieser Zeit bestand das Banat aus 663 Orten mit 21.289 Häusern und etwa 90.000 Einwohnern. Den Neuansiedlern wurden zwei Freijahre versprochen. Handwerker, die man zum Bau der Befestigungen, Kasernen und öffentlichen Gebäude brauchte, Beamte, Marketender und Angehörige des Armeetrosses waren die ersten, die aus österreichischen Ländern und Teilen des Deutschen Reiches kamen. Das Banater Bergland stand an erster Stelle der Ansiedlung. Die Banater Bergleute waren von Kopfsteuer und Militärdienst befreit. Es kamen Tiroler, Steirer, sächsische und böhmische Bergleute.

Erster großer Schwabenzug (1722–1726) mini|Kaiser Karl VI.Gemälde von Johann Gottfried Auerbach