Aldingen ist ein Stadtteil der Stadt Remseck am Neckar im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Der Ort befindet sich nördlich anschließend an Stuttgart und war vor 1975 als Aldingen am Neckar eine selbständige Gemeinde. Von 1975 bis 1977 trug auch die damals neu gegründete Gemeinde Remseck den Namen Aldingen am Neckar. Heute ist Aldingen sowohl nach Einwohnern als auch Gemarkungsfläche der größte Remsecker Stadtteil. Die Gemarkung Aldingen beherbergt zudem den Remsecker Anteil an der Siedlung Pattonville, die mit diesem Anteil den zweitgrößten Stadtteil Remsecks bildet, womit rund die Hälfte der Einwohner Remsecks auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Aldingen leben.
Geographie
Lage und Topographie mini|hochkant|Sogenannter „Dreckberg“: Ein künstlicher Hügel nördlich von Aldingen Aldingen befindet sich im Süden des Naturraums Neckarbecken und somit mitten in der Region Stuttgart. Der Ort liegt entlang des nach Norden fließenden Neckars in dessen Talsohle und erstreckt sich mittlerweile auf beide Seiten des in diesem Bereich seit den 1930er Jahren kanalisierten und in seinem Verlauf stark begradigten Flusses. Dabei konzentrieren sich der Ortskern und die Wohngebiete auf der linken Neckarseite während rechts des Neckars ein Gewerbegebiet liegt. Oberhalb des Neckartals und nördlich sowie westlich des Ortskerns beginnt das Lange Feld, eine fruchtbare, lösbedeckte Ebene. Einzelne Trockentäler wurden hier zum Straßenbau genutzt (Lange Straße, Kornwestheimer Straße, Ludwigsburger Steige) und sind mittlerweile von Wohngebieten umgeben.
Ein von Aldingen gesehen nordöstlicher Ausläufer des Langen Feldes ist das Gomperle, welches das Regental, ein ehemaliges Trockental, vom Neckartal trennt. Der Aldinger Anteil des Regentals wurde allerdings größtenteils im späten 20. Jahrhundert durch Bauaushub zu einem künstlichen Hügel aufgeschüttet, welcher umgangssprachlich als Dreckberg bezeichnet wird. Entlang des Gomperle fällt das Lange Feld durch einen bis ins 19. Jahrhundert für Weinbau genutzten und als Halden bezeichneten Hang steil ins Neckartal ab. Auch das Gebiet oberhalb der Halden ist mittlerweile bebaut und das Wohngebiet nach dem Hang benannt. Pattonville entstand ehemals als Teil Aldingens jedoch räumlich von diesem getrennt im Wesentlichen auf dem sogenannten „Aldinger Berg“, einer kleinen Anhöhe, die vor etwa einer Million Jahre durch die Ablagerung von Neckarschotter entstand und als lokale Wasserscheide fungiert.
Am südlichen Ortsrand von Aldingen mündet der Holzbach in den Neckar. Der Bach durchfließt auf dem südlichen Gemarkungsgebiet von Aldingen seine Talrinne Mussental (auch: Kuffental, Müssental, Mussenbachtal oder Holzbachtal), in welcher sich das Biotop „Feldgehölz Waldweingärten“ befindet. mini|hochkant|Der Neckar bei Aldingen, im Hintergrund die Staustufe Der niedrigste Punkt der Aldinger Gemarkung ist am Flussbett des Neckars unterhalb der Staustufe Aldingen. Zwischen Aldingen und der Staustufe Poppenweiler besitzt der Neckar ein Stauziel von etwa 203 m über NN. Der höchste Punkt der Aldinger Gemarkung ist nördlich von Pattonville an der unmittelbaren Markungsgrenze zu Ludwigsburg auf der Ossweiler Höhe mit je nach Angabe um 307 m oder 309 m, so dass auf Aldinger Gemarkung Höhenunterschiede von maximal etwas mehr als 100 m auftreten.
Nachbarorte Durch das westlich von Aldingen gelegene Pattonville verläuft die Gemarkungsgrenze zu Kornwestheim. Weiter nördlich auf der Oßweiler Höhe grenzt die Aldinger Gemarkung an die Ludwigsburger Stadtteile Grünbühl-Sonnenberg und Oßweil. Im Nordosten von Aldingen befinden sich die wie Aldingen zu Remseck gehörenden Orte Neckargröningen und Neckarrems. Im Südosten liegt der Fellbacher Stadtteil Oeffingen. Im Süden grenzt die Aldinger Gemarkung an den Stuttgarter Stadtbezirk Mühlhausen.
Ortsgliederung mini|hochkant|Blick in den Hof von Schloss Aldingen, 2022 Die Gemarkung Aldingen beherbergt die beiden räumlich getrennten Remsecker Stadtteile Aldingen und Pattonville. Die einzelnen Stadtteile besitzen keine weitere Untergliederung jedoch haben sich in Aldingen stellenweise Namen für räumlich oft nicht exakt abgegrenzte Teilgebiete gebildet. Der Bereich des historischen Ortskerns sowie der sich im Ortskern treffenden drei Hauptverkehrsachsen (Cannstatter Straße, Neckarstraße, Kornwestheimer Straße) ist als Ortsmitte ausgeschildert. Die Wohngebiete westlich der Ortsmitte und südlich der Kornwestheimer Straße sind als Aldingen-West ausgeschildert. Das nördliche Wohngebiet Halden gilt als größtes zusammenhängendes Wohngebiet Remsecks. Das östlich vom Ortskern nur über die Wehrbrücke der Aldinger Schleuse zu erreichende Gewerbegebiet auf der rechten Neckarseite wird gelegentlich als „Gewerbepark Aldinger Schleuse“ bezeichnet, ist zumeist aber einfach als Gewerbegebiet Aldingen ausgeschildert. Weitere Gewerbegebiete in Aldingen befinden sich angrenzend an die Ortsmitte entlang der Neckarstraße sowie südlich des Ortes am Holzbach. Das weiter südlich an das Gewerbegebiet am Holzbach angrenzende Stuttgarter Hauptklärwerk befindet sich bereits ebenfalls größtenteils auf Aldinger Gemarkung.
Zwischen Aldingen und Pattonville gelegen, findet sich der Wohnplatz Markgröninger Weg. Auf der vom Aldinger Ortskern abgewandten Seite des Mussentals auf einer nach Süden zum Neckar hin geneigten Ebene befindet sich das Gehöft Sonnenhof.
Geschichte
Frühgeschichte mini|hochkant|Verzierte Dolchklinge von etwa 2000 v. Chr. aus einer Fundstätte bei Aldingen, Landesmuseum Württemberg Seit dem Frühneolithikum gibt es auf Aldinger Gemarkung Funde aus allen frühgeschichtlichen Perioden. Das heißt, dass seit der Sesshaftwerdung des Menschen das Gebiet des heutigen Aldingen besiedelt war – wenngleich möglicherweise mit Unterbrechungen. Unter anderem wurden 1988 in Aldingen mehrere Gruben der Schussenrieder Kultur untersucht. Aus der Frühen Bronzezeit wurde im heutigen Wohngebiet Halden die größte bekannte Nekropole der Neckar-Gruppe gefunden. Im Rahmen von Bauarbeiten zur Erweiterung von Pattonville im Jahr 2006 wurden dort unter anderem Siedlungsspuren aus der späten Hallstatt- oder frühen Latènezeit gefunden.
mini|Römische Gebäude "bei den Stämmen", Grabung Landesdenkmalamt Baden-Württemberg 1991Bereits im 19. Jahrhundert fand man die Überreste von vier römischen Gutshöfen, einen davon am Aldinger Berg, dem heutigen Siedlungskern von Pattonville. Ein weiterer dieser Gutshöfe in der Flur Klingelbrunnen war der Ursprung einer bis ins 19. Jahrhundert verbreiteten lokalen Sage von einem verschwundenen Schloss auf der rechten Neckarseite. 1991 wurde "bei den Stämmen" ein Teil eines Gutshofes vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg archäologisch untersucht. Man fand Nebengebäude mit einem Brunnen.I. Stork, Römische Gebäude bei Remseck-Aldingen, Kreis Ludwigsburg. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 1991 (1992), 167–169
Entlang der Straße von Aldingen über Pattonville nach Ludwigsburg wurden im Weiteren mehrere suebische Gräber aus der frühen Merowingerzeit gefunden. Trotz zahlreicher weiterer zeitlich passender Grabfunde auf Aldinger Gemarkung, zumeist im Bereich des heutigen Pattonville, ist nicht abschließend geklärt, wo sich die zu diesen Gräbern gehörende Siedlung befand. Wahrscheinlich wurde sie noch vor der Gründung des heutigen Ortes wieder aufgegeben. Jedenfalls fehlen Funde aus dem späten 6. Jahrhundert.
Ortsgründung und Namensgebung mini|hochkant|Beigaben aus dem merowingerzeitlichen Gräberfeld bei Aldingen (Flur Bückele), Landesmuseum Württemberg Weitere Funde aus alamannischer Zeit gab es wieder ab dem 7. Jahrhundert, diesmal im Bereich der heutigen Wohnbebauung Aldingens. Die zu diesen Funden gehörenden Höfe gingen wohl im mittelalterlichen Aldingen auf. Auch die Endung des Ortsnamens auf -ingen deutet auf eine Gründung in alamannischer Zeit hin. Zudem soll sich bereits im 7. oder 8. Jahrhundert in Aldingen eine Kirche befunden haben. Die erste urkundliche Erwähnung war im Hirsauer Codex für das Jahr 1100 als Winther von Oßweil die Kirche des damals noch als Almendingen bezeichneten Dorfs samt vier Hufen Land dem Kloster Hirsau schenkte. Bei der Kirche handelte es sich um einen Vorgängerbau der heutigen Margaretenkirche.
Der in frühen Quellen verwendete Name Almendingen verweist auf einen möglicherweise Alamund genannten Gründer des Ortes, wobei die Gründung nicht zwingend durch ihn selbst, sondern auch durch Angehörige seiner Sippe erfolgt sein kann. Möglich sind die Deutungen des Ortsnamens als „bei den Blutsverwandten des Alamund“ oder „bei den Leuten, die in der von Alamund gegründeten Siedlung wohnen“. Der ursprüngliche Ortsname lautete daher wahrscheinlich Alamundingen und entwickelte sich von diesem über die Form Almendingen zu Aldingen. Die heutige Schreibweise ist bereits ab 1275 in Urkunden nachgewiesen.
Kaltentalische Herrschaft (1278 bis 1746)
hochkant|mini|alt=|Ansicht aus dem Kieserschen Forstlagerbuch (1682) Die 468 Jahre kontinuierlich andauernde Ortsherrschaft der Herren von Kaltental begann im Jahr 1278, als Burggraf Walter von Kaltental und seine Söhne die Herrschaft Aldingen als Lehen durch Graf Ulrich von Asperg erhielten. 1308 kam die Lehenshoheit über Aldingen an Württemberg. Die Kaltentaler zogen spätestens 1318 von Burg Kaltental nach Aldingen als Burggraf Johann II. und seine Brüder den alten Stammsitz verkauften. Etwa in diese Zeit fällt auch der Bau eines ersten Adelssitzes in Aldingen – im Volksmund Schlössle genannt.
mini|hochkant|Skulptur von Peter Lenk (1997): Der Kaltentaler Ab Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Kaltentaler mitsamt der Herrschaft Aldingen im Ritterkanton Kocher des Schwäbischen Ritterkreises immatrikuliert. Aldingen erhielt damit den Status einer reichsritterschaftlichen Herrschaft, was unter anderem zur Folge hatte, dass die Steuern über den Ritterkanton direkt an den Kaiser gingen und nicht an Württemberg. Auch in Fragen der Justiz besaß man als Teil der Reichsritterschaft von Württemberg größere Unabhängigkeit. 1568 führten Reinhard und Heinrich von Kaltental die Reformation ein, ihr an der Ortsherrschaft beteiligter Vetter Phillip Wolf von Kaltental verblieb jedoch, dem Beispiel seiner Tante, der Steinheimer Priorin Emerentia von Kaltental, folgend, beim alten Glauben. Die durch die drei kaltentalischen Dorfherren erlassene Dorfordnung von 1578 ließ daher den Bürgern Aldingens die Wahlfreiheit zwischen evangelischem und katholischem Glauben. In dieser Dorfordnung wurde auch bereits die Neckarfähre erwähnt, die später zum Aldinger Wappenbild wurde. Heinrich von Kaltental ließ 1580 das sogenannte Äußere Schloss als Sitz der evangelischen Linie der Kaltentaler errichten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Aldingen schwer in Mitleidenschaft gezogen, so wurden unter anderem Mühle und Badhaus zerstört. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde Aldingen von französischen Truppen geplündert, ihnen fielen unter anderem die Kirchenglocken zum Opfer. Vom 18. Jahrhundert bis zur Gründung Remsecks 1975 Nachdem der kochersche Ritterdirektor und württembergische Obervogt Georg Wolf von Kaltental als letzter Vertreter der Aldinger Linie der Kaltentaler kinderlos gestorben war, fiel die Herrschaft Aldingen auf Geheiß von Herzog Carl Eugen 1746 vollständig an Württemberg zurück. Seine Zugehörigkeit zum Ritterkanton Kocher verlor Aldingen dennoch erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Mediatisierung und der damit verbundenen Auflösung der Reichsritterschaft. mini|Plan eines Feldlagers vor Oßweil mit Aldingen in der oberen Kartenhälfte, 14. August 1762