Lengerich (plattdeutsch Lengerke, ostwestfälisch Liängeryk) ist eine Mittelstadt in der Region Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt) im nördlichen Teil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Geografie Die Stadt liegt zwischen Münster (29 km südwestlich) und Osnabrück (16 km nordöstlich), am Südhang des Teutoburger Waldes. Die Ausdehnung des Stadtgebietes beträgt in Nord-Süd-Richtung maximal 11,5 Kilometer, in Ost-West-Richtung maximal 14 Kilometer. In der Umgebung wird die Fossillagerstätte Lengerich erforscht.

Nachbargemeinden Die unmittelbaren Nachbarn von Lengerich sind Tecklenburg, Hagen am Teutoburger Wald, Lienen und Ladbergen.

Stadtgliederung Zu Lengerich gehören die Stadtteile Antrup, Aldrup, Exterheide, Hohne, Intrup, Niederlengerich, Niedermark, Ringel, Schollbruch, Settel, Stadtfeldmark und Wechte.

Alle Stadtteile haben die gleiche Postleitzahl Lengerich – 49525.

Einwohner Einwohnerzahl: 23.099, davon: männlich: 11.472 weiblich: 11.657

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 55,3 % der Einwohner evangelisch, 16,9 % römisch-katholisch und 27,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Lengerich Religion, Zensus 2011 Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Zum Jahresende 2022 waren von den 23.605 Einwohnern 41,0 % (9.674) evangelisch, 17,6 % (4.156) katholisch und 41,4 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder sind konfessionslos.Lengerich Stadtportrait Zahlen Daten Fakten, abgerufen am 22. April 2023

Geschichte Ursprung und Entwicklung des Ortes Während des Mittelalters und der frühen Neuzeit gehörte Lengerich zur Grafschaft Tecklenburg. Diese wurde 1707 Teil des Königreichs Preußen. Das Gebiet der Grafschaft Tecklenburg blieb nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 und der Auflösung Preußens im Jahr 1946 weitgehend als Kreis Tecklenburg (den Preußen 1816 geschaffen hatte) erhalten. Das Land Nordrhein-Westfalen als Rechtsnachfolger Preußens löste zum 1. Januar 1975 den Kreis Tecklenburg auf, so dass seitdem Lengerich im Kreis Steinfurt liegt.

Lengerich kann auf eine sehr lange Siedlungsgeschichte zurückblicken. So wurde in der Bauerschaft Wechte eine 4.000 Jahre alte Megalithanlage entdeckt und restauriert. Sie stellt heute eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt Lengerich dar.

Die einzelnen Lengericher Bauerschaften fanden schon früher als der Ort Lengerich selbst urkundliche Erwähnung. So wurde um 1050 Ringel als „Hringie“ und 1088 Hohne als Westhohne erwähnt. Im Jahre 1147 trat Lengerich selbst urkundlich erstmals in Erscheinung. Der römisch-deutsche König Konrad III. bestätigte der Äbtissin des Damenstifts zu Herford deren Besitzungen und Privilegien in Lengerich.

Im 14. Jahrhundert ist ein Markt in Lengerich belegt.

Im Jahr 1695 wurde der Ort in einer Urkunde wörtlich als Flecken, sinngemäß also als Minderstadt bezeichnet.

Im Jahre 1727 verlieh Friedrich Wilhelm I. von Preußen, bekannt auch als Soldatenkönig, dem Ort Lengerich die Stadtrechte. Hiermit wurde auch die erste bescheidene Kommunalverwaltung eröffnet. Die Stadt zählte damals 614 Einwohner und 150 Häuser.

Im Jahr 1857 nahm Friedrich Wilhelm IV. von Preußen im Gasthof Berkemeyer den Ehrentrunk der Stadt Lengerich anlässlich der 150-jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft Tecklenburg zu Preußen entgegen. /"Lengerich in alten Ansichten Band 2"

Am 1. April 1927 wurde die Gemeinde Lengerich-Land eingegliedert. Am 1. April 1930 wurde ein kleines Gebiet (38 ha) an die Nachbarstadt Tecklenburg abgetreten.

Am 1. Januar 1975 wurden Gebietsteile mit damals etwa 300 Einwohnern an die Gemeinde Lienen und die Stadt Tecklenburg abgetreten.

„Der Römer“ mini|Der Römer in Lengerich

Am südöstlichen Eingang zum Kirchplatz in der Altstadt steht der Römer, eines der Wahrzeichen der Stadt Lengerich. Hierbei handelt es sich um ein Torhaus, dessen Bauzeit grob in das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts datiert werden kann; davon stark abweichende Daten bis ins 15. Jahrhundert sind denkbar. Vordem in Urkunden nur als Steinwerk bezeichnet, trägt das Torhaus seit dem frühen 18. Jahrhundert den Namen Römer. Die Herkunft dieser Bezeichnung und die ursprüngliche Nutzung des Römers sind geschichtlich nicht überliefert.

Das Torhaus wurde im Laufe seiner Geschichte unter anderem als Rathaus, Gefängnis, Lagerraum, Klassenzimmer und Wohnung genutzt. Bis in das 20. Jahrhundert hinein wurde es um zahlreiche Anbauten wie zum Beispiel einen südlich angrenzenden Speicher, ein nördlich angrenzendes Wirtschaftsgebäude und mehrere Osterweiterungen ergänzt. Der letzte größere Umbau erfolgte im Jahr 1979, die letzte umfangreiche Sanierung im Jahr 2001. Seit 1980 beherbergt der Römer eine kleine Gaststätte. Ein großer Raum im zweiten Obergeschoss dient als Gastraum, als Konferenzraum oder wird auch für besondere Anlässe wie standesamtliche Trauungen genutzt.

Wirtschaftsgeschichte Im 16. Jahrhundert gab es laut Aufzeichnungen die ersten Händler und Gewerbebetreibenden in der Stadt. In dieser Zeit wurde neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch mit Wolle und Tierfett gehandelt. Im Jahre 1662 wurde eine Papiermühle in Betrieb genommen. Es gab zuvor schon einige Wassermühlen, Schuhmacher, Schreiner und Schmiede. Auch heute gibt es noch viele dieser Mühlen zu sehen, allerdings kaum eine im ursprünglichen und funktionstüchtigen Zustand. Rund 100 Jahre zuvor wurde von einem Lengericher Nationalgetränk gesprochen, einem obergärigen Bier (Grüsing oder Gräsing genannt), das in vielen Häusern gebraut wurde.

Conclusum In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde in der Stadt am 11. Juli 1645 ein Stück deutscher Geschichte geschrieben. In Vorbereitung der Friedensschlüsse von 1648 in Osnabrück und Münster traten im Ort Vertreter der Kriegsparteien zum Lengericher Conclusum zusammen. Die Parteien vereinbarten ein Mitspracherecht der Reichsstände und freien Reichsstädte bei den innen- und außenpolitischen Fragen des Heiligen Römischen Reiches während der bevorstehenden Friedensverhandlungen.

Das KZ-Außenlager A 1 Im Zweiten Weltkrieg bestand in der Stadt zwischen März 1944 und März 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Hamburg-Neuengamme. Nach Umbauarbeiten in der Röhre des stillgelegten alten Reichsbahntunnels wurden hier von den KZ-Häftlingen und deutschen Zivilarbeitern Flugzeugteile für die Rüstungsindustrie gefertigt. Bei den Bauarbeiten und bei der Teilefertigung gelangten insgesamt mehr als 200 Häftlinge zum Einsatz. Innerhalb eines Jahres kam mehr als ein Dutzend von ihnen ums Leben. Am 2. April 1945 wurde die Rüstungsfabrik im Tunnel von britisch-kanadischen Truppen beschlagnahmt und besetzt.

Politik

Stadtrat und Bürgermeister Der Rat der Stadt Lengerich hat seit der Kommunalwahl 2009 insgesamt 32 Mitglieder (2025 auf 38 aufgestockt), die sich auf die einzelnen Parteien folgendermaßen verteilen: CDU SPD GRÜNE FDP AfD WfL Gesamt20251113626—382020111182——32 2014 11 14 5 2 — — 32 2009 14 10 4 3 — 1 32

Bürgermeister ist Björn Schilling (SPD), Amtsvorgänger war Wilhelm Möhrke (parteilos).

Wappen Blasonierung: „In Blau ein aufgerichteter goldener Anker, aus dessen Ring zwei goldene gekreuzte Lindenzweige jeweils mit drei Blättern abwärts hervorgehen, die auf dem Anker wieder überkreuzt liegen.“

Wegen geschichtlicher Bedenken – der Anker galt als ausschließliches Wappenzeichen der Grafschaft Lingen, mit der Lengerich nicht in Verbindung zu bringen war – wurde es 1939 zunächst zurückgegeben. Nach neueren Forschungen ist der Anker jedoch dem Grafen von Tecklenburg durch kaiserliches Privileg 1475 als Wappenvermehrung auf ausdrücklichen Wunsch des damals regierenden Grafen Otto verliehen worden ohne jegliche Beziehung zur Grafschaft Lingen, die es damals noch gar nicht gab (lt. Staatsarchiv Münster vom 27. Juni 1946, St.A. 1363). Die Lindenzweige entstanden vermutlich durch eine Verwechslung der Seerosenblätter auf dem Wappen der Grafschaft Tecklenburg. Da geschichtliche Bedenken nicht mehr bestanden, wurde das alte Wappen 1949 wieder durch die Stadt Lengerich aufgenommen.

Die Blasonierung des Wappens in der Zeit von 1. März 1939 bis 1949 wird wie folgt beschrieben: „In Silber (Weiß) über einem erhöhten grünen Dreiberg, belegt mit einem silbernen (weißen) Schild, darin zwei blaue Balken, drei balkenweise rote Seerosenblätter.“

Der Dreiberg symbolisiert die Lage am Südhang des Teutoburger Waldes, der kleine Schild ist das Wappen der einflussreichen Adelsfamilie von Münster zu Vortlage, welche vom 13. bis zum 17. Jahrhundert in Lengerich ihren Wohnsitz hatten. Die Seerosenblätter entstammen dem Wappen der Grafschaft Tecklenburg, zu dem die Stadt früher gehörte.

Städtepartnerschaften Lengerich pflegt Städtepartnerschaften mit den Städten Leegebruch (Brandenburg) (seit 1991), Wapakoneta (Ohio, USA) (seit 1994) und Warta (Polen) (seit 1996), die sowohl seitens der Stadt, als auch durch private Vereine gepflegt werden.Website Lengerich – Städtepartnerschaften, abgerufen am 15. Juni 2019 So findet zum Beispiel mit Wapakoneta ein regelmäßiger Schüleraustausch statt.

Kultur, Religion und Sehenswürdigkeiten

Im Jahr 2004 wurde die Gempthalle zu einem Kulturzentrum restauriert, sodass dort verschiedene Veranstaltungen stattfinden können. Zudem gibt es ein intaktes Vereinsleben. Außerdem sind die Universitäts- und Theaterstädte Münster und Osnabrück mit dem Auto und dem Zug in etwa 20 Minuten zu erreichen.

Am Fuß des Kleebergs wurde die 1926 eingeweihte und nach den 1970er Jahren vom Verfall bedrohte Friedhofskapelle restauriert.Friedhofskapelle und Friedhof in Lengerich. city-map Internetmarketing AG In unmittelbarer Nähe der Kapelle befinden sich der ALVA Skulpturenpark mit Jones GardenALVA Skulpturenpark und Jones Garden. city-map Internetmarketing AG sowie der 2018 eröffnete Hortensiengarten."Der Hortensienpark startet durch" – Baumaßnahmen abgeschlossen. Eröffnung am 8. Juli 2018. Stadtmarketing Offensive Lengerich

Konfessionsstatistik Ende 2019 waren von den 23.227 Einwohnern 44 % (10.163) evangelisch, 16 % (3.814) katholisch und 40 % gehörten anderen Religionen an oder sind konfessionslos.Stadt Lengerich - Stadt Portrait - Zahlen Daten Fakten, abgerufen am 21. Februar 2020

Bauwerke

Regelmäßige Veranstaltungen mini|Krippenausstellung in der Evangelischen Stadtkirche

Am Wochenende des 1. Advents wird rund um die Evangelische Stadtkirche der Krippenmarkt veranstaltet. Auf dem als Weihnachtsmarkt konzipierten Budenmarkt werden alljährlich u. a. Christbaumkugeln verkauft, die jedes Jahr andere Motive darstellen. In der Stadtkirche findet am ersten Adventswochenende alljährlich eine große Krippenausstellung statt. Die teilweise originell gestalteten Krippen wurden überwiegend von Einwohnern Lengerichs gefertigt.Stadtkirche: Märkte & Feste in Lengerich: Krippenmarkt

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Dyckerhoff in Lengerich Traditionell hat die Stadt Lengerich starke wirtschaftliche Standbeine im Maschinenbau, in der kunststoffverarbeitenden Industrie und in der Zementherstellung. Hier sind insbesondere die Maschinenfabrik Windmöller & Hölscher (W&H) mit den Schwerpunkten Verpackungs-, Druck- und Veredelungsmaschinen, die Kunststoffverpackungsfabrik Bischof + Klein und die Zementfabrik Dyckerhoff AG zu nennen.

Verkehr Eisenbahnverkehr mini|Ehemaliges TWE-Empfangsgebäude Lengerich-Hohne Pbf, dahinterliegend Bahnhof Lengerich (Westf) an der DB-Hauptstrecke Münster – Osnabrück