mini|Burg Eltz, bis heute Sitz der Edlen Herren und Grafen zu Eltz, ab dem 12. Jahrhundert sukzessive zur Ganerbenburg ausgebaut. mini|Burg zu Burghausen, mit 1051 m Ausdehnung die längste Burganlage Europas (fortschreitend ausgebaut seit dem elften Jahrhundert). mini|Marksburg zu Braubach, einzige unzerstört gebliebene Höhenburg am Rhein, heute Sitz der Deutschen Burgenvereinigung.
Als Burg wird ein in sich geschlossener, bewohnbarer Wehrbau bezeichnet, epochenübergreifend auch eine frühgeschichtliche oder antike Befestigungsanlage, im engeren Sinn ein mittelalterlicher Wohn- und Wehrbau. Eine herausragende Rolle spielte die Burg im Mittelalter, in dessen Verlauf eine Vielzahl von Burganlagen in Europa entstanden und die Burg institutionell eng mit der feudalen Organisationsform der Grundherrschaft verbunden war.
Burgen sind heute ein oft für den Tourismus wichtiges Baudenkmal, Kulturgut und Teil des gewachsenen kulturellen Erbes. Viele Burgen tragen das Kennzeichen für KulturgutDefiniert in Artikel 16 der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut vom 14. Mai 1954 entsprechend der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten (vgl. Internationales Komitee vom Blauen Schild).
Definition der Burg Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter einer „Burg“ oder „Feste“ eine mittelalterliche Befestigungsanlage bzw. ein adeliger Wohnsitz des 10. bis 15. Jahrhunderts mit gemeinsamen architektonischen Merkmalen wie Burgmauer, Burggraben, Zugbrücke, Zwinger, Bergfried u. a. verstanden. Die Anlagen können sich aber nach genauer Ausführung und Funktion stark unterscheiden. Als Burgen werden oft auch befestigte ur- und frühgeschichtliche WehrsiedlungenJoachim Zeune: Ritterburgen. Bauwerk, Herrschaft, Kultur. Beck, München 2015, S. 11–12. oder befestigte Truppenstandorte der Römer bezeichnet. Die Burg des (europäischen) Mittelalters wurde definiert als „bewohnbarer Wehrbau, den eine Person oder eine Gemeinschaft zu ihrem Schutz als ständigen oder zeitweiligen Wohnsitz errichtet“.Günther Binding: Burg. Allgemeiner Überblick über die Bauformen der europäischen Burg. In: Robert-Henri Bautier et al. (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters. Band 2. München/Zürich 1983, Sp. 957–962, hier: Sp. 957. Im Mittelalter waren nicht alle Burgen adlige Wohnsitze, es gab auch Zoll- oder Belagerungsburgen.Michael Losse: Kleine Burgenkunde. Regionalia, 9. Auflage, Euskirchen 2018, S. 14. Eine Burg war auch nicht zwingend der „private Wohnsitz eines Grundherrn“ (Herrensitz), Eigentümer konnte auch eine Stadt oder eine Abtei sein. Mitunter gehörten auf einer Burg die verwaltenden Stellvertreter keinem Adelsrang an. Auch die Wehrarchitektur einer Burg stellte kein Alleinstellungsmerkmal dar. So finden sich bauliche Verteidigungselemente wie Fallgitter, Zinnen oder Wehrgang ebenfalls bei Stadtmauern.Joachim Zeune: Ritterburgen. Bauwerk, Herrschaft, Kultur. Beck, München 2015, S. 13–14.
Etymologie mini|Die Heuneburg zu Beginn des 6. Jahrhunderts vor Christus, (Diorama im Heuneburgmuseum, Hundersingen) mini|Rekonstruktionsversuch des spätrömischen Burgus von Goch-Asperden (D), Kernwerk mit Außenmauern, Zwischentürmen und Graben mini|Burg Lahneck von 1226, eine Spornburg
Die etymologische Herkunft des Burgbegriffs ist umstritten. Eine Erklärung ist, dass er auf das altgriechische pýrgos () zurückgeht, womit ein geschützter Platz gemeint war.Joachim Zeune: Ritterburgen. Bauwerk, Herrschaft, Kultur. Beck, München 2015, S. 11. Der Sprachwissenschaftler Boris Paraschkewow übersetzt pýrgos als antike Turmanlage.Boris Paraschkewow: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur. Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin 2004, S. 48. Ebenfalls diskutiert wird ein möglicher keltischer Ursprung in germanischen Sprachen.Herwig Wolfram: Gotische Studien. Volk und Herrschaft im Frühen Mittelalter. C.H. Beck, München 2005, S. 93. So seien einige römische Städtenamen auf ehemals keltischem Siedlungsgebiet der bona oder Burg entlehnt, beispielsweise Bonna (heute Bonn) oder Ratisbona (heute Regensburg).Alexander Demandt: Die Kelten (= Beck Wissen. Band 2101). 9. Auflage. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-76915-3, S. 70. Römische Autoren wie Julius Caesar charakterisierten die befestigten Höhensiedlungen und Fürstensitze der Kelten als burgartige Anlagen. Dabei verwendeten sie jedoch nicht den Begriff der Burg, sondern die Bezeichnung oppida. Zu den bedeutendsten dieser keltischen Burg-Städte zählte unter anderem die Heuneburg bei Sigmaringen. Ähnliche Anlagen existierten in der Antike auch in Kleinasien.Alexander Demandt: Die Kelten (= Beck Wissen. Band 2101). 9. Auflage. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-76915-3, S. 66. Nach Meinung von Paraschkewow sei der Begriff Burg dem Berg entlehnt. Damit habe die Bezeichnung auf eine befestigte Anhöhe Bezug genommen, auf die sich eine Bevölkerung bei Überfällen habe zurückziehen können. Die lateinische Bezeichnung burgus sei demnach eine sprachliche Vermengung des griechischen pýrgos und der germanischen Burg.Boris Paraschkewow: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur. Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin 2004, S. 48.
Erst später nahm eine feminine Variante des Lehnworts burgus die Bedeutung „befestigte Grenzsiedlung, kleine Stadt“ an.Wolfgang Pfeifer et al. (Hrsg.): Das Etymologische Wörterbuch des Deutschen. Ungekürzte, durchgesehene Auflage. dtv, München 21997, S. 184f. Auf einen germanischen Ursprung von nhd. Burg verweist allerdings das allen germanischen Belegen gemeinsame weibliche Genus, so in althochdeutsch und altsächsisch burg „Burg, Stadt“, dem gleichbedeutenden altnordischen borg, daneben auch „Anhöhe, Wall“, und gotisch 𐌱𐌰𐌿𐍂𐌲𐍃 baúrgs „Stadt“, vereinzelt „Turm, Burg“ (alle f.). Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen steht Burg „wohl im Ablautverhältnis“ zu nhd. Berg und bezeichnete „also ursprünglich die (als Fliehburg dienende) ‚befestigte Höhe‘“. Verwandte Begriffe in anderen indogermanischen Sprachen dürften die keltische Wurzel *brig- (wie in mittelirisch brī „Hügel“, walisisch brig „Gipfel“) und das griechische pýrgos () sein.
Vom zehnten bis zum 13. Jahrhundert bildeten sich im Herrschaftsbereich der Karolinger „neue Zentren, […] vor allem durch die burgi“, die „im Umkreis von Bischofsstädten und von castra“ entstanden.Karl Friedrich Werner: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Stuttgart 1989, S. 464. In den lateinischen Quellen der Zeit wurden die neugegründeten Festungen und die sie umgebenden Siedlungen mit dem ursprünglich griechischen männlichen Lehnwort belegt, das an ahd. burg anklang. Bis ins zwölfte Jahrhundert „bleibt in Deutschland die Bezeichnung -burg für stadtähnliche Siedlungen charakteristisch, spätere, unter anderen Bedingungen entstandene Ansiedlungen zeigen andere Namensbildungen, z. B. auf -stat (s. Stadt)“.Burg, die, auf dwds.de Das Grundwort -burg bezeichnete Siedlungen, die „im Schutz einer alten Volks- oder Fluchtburg (Würzburg), eines alten Römerkastells (Augsburg, Regensburg, Günzburg) oder eines befestigten Feudalsitzes (Naumburg) entstanden“. Erst danach kommen andere Bildungen (etwa mit -stat, daraus nhd. -stadt) auf, woraufhin Burg auf die Bedeutung „Ritterburg, bewohnter Festungsbau“ eingeschränkt wird. Parallel wurde auch in England das angelsächsische burh seit der normannischen Eroberung als burgus wiedergegeben und findet sich auch dort in zahlreichen Ortsnamen auf -bury, -borough und -burgh, deren Einwohner in Urkunden als „Stadtbewohner“ nachweisbar sind.Henry Royston Loyn: Anglo-Saxon England and the Norman Conquest. 2. Auflage. Harlow 1991, S. 138.
Daneben drang aus dem romanischen Sprachgebiet eventuell eine andere Wurzel in das deutsche Sprachgebiet vor, die sich mit verbindet.Vgl. Franz Beyerle: Zur Typenfrage der Stadtverfassung. In: Zeitschrift der Savignystiftung für Rechtsgeschichte. Germanische Abteilung, Bd. 50/1930, S. 28ff.; vgl. auch Walter Schlesinger: Stadt und Burg im Lichte der Wortgeschichte. In: Carl Haase (Hrsg.): Die Stadt des Mittelalters. Bd. I, Darmstadt 1969. Anders als das deutsche Burg steht borgo im modernen Italienisch immer noch für einen Stadtteil, für eine Stadterweiterung (eigentlich außerhalb der Stadtmauern) oder für eine Stadt mit Handel und Landwirtschaft im Unterschied zu città (Stadt) und villagio (Dorf), nicht aber für Burg (castello). Der italienische Sprachforscher und Dialektologe Mario Alinei leitet it. borgo daher von lat. vulgus „einfaches Volk“ ab.Mario Alinei, Francesco Benozzo: Dizionario etimologico-semantico della lingua italiana. Come nascono le parole. Pendragon, Bologna 2015, S. 114. Ebenso steht das französische -bourg für Stadt und das englische borough für eine selbstverwaltete Stadtgemeinde.Giacomo Devoto, Gian Carlo Oli: Dizionario della lingua italiana. Florenz 1971, S. 306.
Wandel der Bezeichnung mini|Die Harburg von 1150 vereinigte die Funktionen einer Burg sowie eines Schlosses im Laufe der Jahrhunderte.
Im Verlauf des Mittelalters änderten sich mehrfach die jeweils gebräuchlichen sprachlichen Ausdrücke für das, was heute als Burg bezeichnet wird. Burgen in der neuhochdeutschen Bedeutung des Wortes wurden bis zum 13. Jahrhundert hûs, turn oder stein genannt (vgl. etwa Burg Niehuus = „Neues Haus“, Burg Wolfsthurn, Burg Altenstein). Im 14. Jahrhundert verbreitete sich die Bezeichnung veste („Feste“) oder vestunge („Festung“) für Burgen, im 16. Jahrhundert wurden sie auch als schlos („Schloss“) bezeichnet.Lexikon des Mittelalters. Bd. 2. München–Zürich 1983, S. 962–964. Bei einigen Burgen haben sich diese älteren Bezeichnungen noch erhalten, so beispielsweise bei der Veste Coburg, Jagdschloss Augustusburg oder dem Schloss Chillon. Die Ausdrücke Burg und Schloss wurden in den Quellen des 16. Jahrhunderts noch synonym gebraucht, daneben kam zu dieser Zeit die Bezeichnung Befestigung auf. Erst seit dem 19. Jahrhundert werden den Ausdrücken differenzierte Bedeutungen zugeordnet und damit „Burg“ für ein Bauwerk mit Wohn- und Wehrfunktion verwendet im Unterschied zu „Schloss“ für einen Repräsentationsbau.
In der heutigen architekturgeschichtlichen Verwendung des Wortes wird die mittelalterliche Burg als bewohnter Wehrbau vom neuzeitlichen Schloss als unbefestigtem adligen Wohn- und Repräsentativbau einerseits und von der rein militärisch genutzten Festung andererseits unterschieden. Michael Mitterauer differenziert den Begriff Burg weiter auf in Herrenburg und Burgstadt.Michael Mitterauer: Herrenburg und Burgstadt. In: Friedrich Prinz u. a. (Hrsg.): Geschichte in der Gesellschaft. Festschrift für Karl Bosl zum 65. Geburtstag. Stuttgart 1973. Wiederabdruck in Wolfgang Mitterauer: Markt und Stadt im Mittelalter. Stuttgart 1980
Typen mittelalterlicher Burganlagen
Burgen lassen sich verschiedenen Gruppenkategorien zuordnen. Ordnungsschemata sind die topographischen Verhältnisse, das architektonische Erscheinungsbild oder die Funktion der Burg. Die Einteilung ist idealtypischer Art, das heißt Burgen können häufig mehreren Typen zugeordnet werden. Mitunter wandelte sich die zentrale Funktion einer Burg im Laufe der Jahrhunderte oder lässt sich nicht mehr eindeutig bestimmen. Die Einteilungen gehen nicht auf mittelalterliche Bezeichnungen zurück, sondern sind nachträgliche Begriffe der modernen Burgenkunde aus dem 19. und 20. Jahrhundert.Michael Losse: Kleine Burgenkunde. Regionalia, 9. Auflage, Euskirchen 2018, S. 44, 51, 58–59.
Nach topographischen Kriterien Nach topographischen Kriterien wird zwischen Höhen- und Niederungsburgen differenziert. Bei einer Höhenburg handelt es sich um eine Burg, die auf einer natürlichen Anhöhe errichtet wurde.Untertypen sind die Gipfelburg, Kammburg, Spornburg, Hangburg, Felsenburg und Höhlenburg.