Die Burg Altrathen ist die Ruine einer mittelalterlichen Höhenburg auf einem Felssporn oberhalb des rechten Elbufers in Rathen in der Sächsischen Schweiz (Sachsen). Von der mittelalterlichen Anlage haben sich vor allem Mauerzüge, ein gewölbter Gang und Kellerräume erhalten, die in ein 1902/03 errichtetes Wohngebäude einbezogen sind.

Altrathen bildete zusammen mit der rund 500 Meter nordwestlich in den Basteifelsen gelegenen Felsenburg Neurathen eine Doppelburg. Die Bezeichnungen Altrathen und Neurathen sind neuzeitlichen Ursprungs; die mittelalterlichen Urkunden sprechen lediglich von Rathen und lassen bis auf wenige Ausnahmen offen, welcher der beiden Burgteile gemeint ist.Anne Müller, Matthias Weinhold: Felsenburgen der Sächsischen Schweiz. Neurathen – Winterstein – Arnstein. (= Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa. Band 23). Schnell und Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2303-2, S. 14–16. Entgegen der Namensgebung gilt die höher gelegene Felsenburg Neurathen nach dem gegenwärtigen Forschungsstand als die ältere Anlage. Zur Funktionsteilung zwischen beiden Burgteilen liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor; die in der älteren Literatur erörterten Deutungen – Neurathen als Vorburg, als eigenständige Burg oder als Fluchtburg – sind Vermutungen und quellenmäßig nicht abgesichert.

Die Burg wurde 1289 erstmals urkundlich fassbar und war bis ins 15. Jahrhundert böhmisches Lehen. Nach mehrfachem Besitzwechsel zwischen böhmischen Adelsgeschlechtern und den Wettinern wurde sie 1469 nach längerer Belagerung erobert und niedergebrannt; bereits im 16. Jahrhundert war sie verfallen. In den Jahren 1888 bis 1893 ließ der Industrielle Eduard Seifert die Reste neugotisch überbauen. Die Anlage ist als Kulturdenkmal und Bodendenkmal geschützt und befindet sich seit 2018 in privater Hand; sie ist nicht öffentlich zugänglich.

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Anfänge Über die Entstehung der Burg gibt es keine schriftlichen Nachrichten. Die ältere Literatur, darunter Herbert Beschorner, setzte die Anfänge in das 11. Jahrhundert. Für eine derart frühe Entstehung liegen jedoch weder schriftliche noch archäologische Belege vor.Gerhard Billig, Heinz Müller: Burgen. Zeugen sächsischer Geschichte. Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1998, ISBN 3-7686-4191-0, S. 190. Die neuere Forschung bringt die Rathener Burgen mit dem Ausbau der Grenzsicherung zwischen der Mark Meißen und Böhmen um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Verbindung, etwa unter Heinrich dem Erlauchten, der 1245 die wenige Kilometer flussabwärts gelegene Burg Wehlen erhielt.Alfred Neugebauer: Felsenburg Neurathen. Rat der Gemeinde Lohmen, Lohmen 1984, S. 5 f.

Eine erste, indirekte Erwähnung Rathens findet sich am 29. November 1261 in einer Urkunde, mit der Papst Urban IV. den Propst von St. Thomas in Leipzig beauftragte, einen Streit zwischen dem Bischof von Meißen und mehreren böhmischen Lehnsleuten – darunter Teodoricus de Raten – zu schlichten.Alfred Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Baensch, Dresden 1927, Abschnitt Rathen, S. 270 ff. Aus einem Tauschvertrag vom 6. Februar 1289 zwischen dem böhmischen König Wenzel II. und Friedrich Clem, dem Herrn von Dresden, geht erstmals ausdrücklich hervor, dass in Rathen ein castrum bestand. Die Burg war zu dieser Zeit böhmisches Lehen.

Böhmische Lehnsherren Da die Urkunden in der Regel nur Rathen nennen, lassen sich die folgenden Nachrichten meist nicht eindeutig einem der beiden Burgteile zuordnen. Im Jahr 1361 nannte eine Urkunde Kaiser Karls IV. mit ambo castra Ratny erstmals zwei Burgen. Rathen gehörte damals den Herren von Michelsberg; Peter von Michelsberg unterwarf sich dem Kaiser symbolisch, indem er ihm die Tore beider Burgen öffnete. Zwei Jahre später gestattete Karl IV. als böhmischer König den Michelsbergern, ihre duobus castris rachny mit ihrem Besitz Auscha in Gütergemeinschaft zu verbinden. Diese beiden Urkunden sind die einzigen mittelalterlichen Belege, die beide Burgen ausdrücklich unterscheiden.

Im Jahr 1406 ging Rathen durch Kauf an die Berken von der Duba über; neuer Eigentümer wurde Hinko Berka von der Duba der Ältere. Bei der Teilung seiner Besitzungen unter seine Söhne im Jahr 1410 fiel Rathen an Benesch Berka von der Duba, der es nach dem Tod des Vaters 1419 antrat.

Übergang an die Wettiner Die Berken von der Duba lagen in dieser Zeit in anhaltender Fehde mit den meißnischen Markgrafen aus dem Hause Wettin, die ihre Landesherrschaft schrittweise auf die Besitzungen böhmischer Adelsfamilien ausdehnten. Friedrich von Oelsnitz, Vogt auf dem Königstein und Lehnsmann des 1423 zum Kurfürsten aufgestiegenen Friedrich I. von Sachsen, eroberte die Burg 1426 in dessen Auftrag; 1428 wird er als Burgherr bezeichnet.

In den Folgejahren kam es erneut zu Kämpfen. Albrecht Berka von der Duba eroberte Rathen 1438 zurück, doch gewann Friedrich von Oelsnitz den Besitz bereits 1439 wieder, wohl mit Unterstützung des Kurfürsten Friedrich II. Erst ein am 10. März 1441 geschlossener Sühnevertrag beendete den Streit; Rathen verblieb bei Friedrich von Oelsnitz, die Berken mussten auf ihre Ansprüche verzichten. Im Vertrag von Eger von 1459 fiel Rathen endgültig an die Wettiner, blieb lehnsrechtlich jedoch weiterhin unter böhmischer Oberlehnsherrschaft. Spätestens seit 1450 diente Rathen zugleich als Zollstelle für die Elbschifffahrt.

Belagerung und Zerstörung 1467–1469 Unter Friedrichs Sohn Hans von Oelsnitz, der 1466 als Besitzer erscheint, wurde Rathen nach der Chronik des Johannes Lindner zur Raubritterburg. Kurfürst Ernst und sein Bruder Herzog Albrecht gingen ab 1467 gegen ihn vor und belagerten beide Burgen. Bemühungen des Hans von Oelsnitz, über die Fürsprache geistlicher Vermittler eine Beilegung zu erreichen, blieben ohne Erfolg. Erst nach mehr als einem Jahr gelang es den markgräflichen Truppen im Mai 1469, die Burgen in Brand zu setzen und einzunehmen.Peter Rölke (Hrsg.): Wander- und Naturführer Sächsische Schweiz. Band 2: Vordere und Südliche Sächsische Schweiz. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2000, ISBN 3-934514-09-X, S. 54 f.

Hans von Oelsnitz gelang die Flucht; seine Versuche, die Burg über die Fürsprache des Königs Matthias Corvinus zurückzuerhalten, scheiterten. Der Kurfürst gestattete ihm jedoch, sich wieder in Sachsen niederzulassen, und zahlte ihm eine Entschädigung. Rathen wurde als verwirktes Lehen eingezogen und dem Amt Pirna zugeordnet. In der Leipziger Teilung von 1485 fiel der Besitz an Herzog Albrecht. Rund 60 Jahre nach der Eroberung waren beide Burgen verfallen.

Verfall und Wiederaufbau im 19. Jahrhundert Die Ruine blieb über Jahrhunderte sich selbst überlassen; bereits im 18. Jahrhundert wurde über ihren schlechten Zustand und die kaum noch mögliche Zugänglichkeit berichtet.

Im Jahr 1888 erwarb der Industrielle Eduard Seifert die Reste der Burg und ließ sie bis 1893 im neugotischen Stil überbauen. Nachdem das auf dem Burggelände errichtete Wohnhaus 1902 durch einen Brand zerstört worden war, entstand an seiner Stelle 1902/03 nach einem Entwurf des Dresdner Architekten Carl Schümichen ein Neubau in neuromanisch-neugotischen Formen.

Von der mittelalterlichen Anlage blieben dabei im Wesentlichen Mauerzüge, ein gewölbter Gang und Kellerräume erhalten, die in den Neubau und dessen Hof einbezogen wurden. Eine ausführliche Beschreibung und Vermessung dieser Reste legte Herbert Beschorner 1907 vor; sie ist bis heute die eingehendste Dokumentation der Burgstelle.

Heutige Nutzung Nach 1945 diente das Gebäude als Betriebsferienheim, zunächst des VEB Brau und Malz Dresden, später der Staatsbank der DDR. Im Jahr 1995 verkaufte die Treuhandanstalt die Anlage an private Eigentümer, die sie als Hotel und Gaststätte betrieben; der von Mauerzügen begrenzte Innenhof wurde als „Burggarten“ gastronomisch genutzt.

Im Jahr 2018 wurde die Burg erneut verkauft. Der neue Eigentümer beendete im November 2018 die öffentliche Nutzung als Gaststätte und Pension, nutzt das Anwesen privat und ließ das Gelände 2019 einzäunen. Damit wurde der als Bergpfad markierte Weg von Altrathen zur Bastei unterbrochen. Ein Gespräch der Nationalparkverwaltung mit dem Eigentümer im Frühjahr 2019 blieb ohne Ergebnis; die Markierung wurde zurückgebaut und der Pfad aus dem Wegenetz des Nationalparks gestrichen.Peter Rölke: Informationen aus der AG Wegekonzeption Sächsische Schweiz. In: Mitteilungsblatt des Sächsischen Bergsteigerbundes. Heft 4/2019, S. 13 (PDF).

Burganlage

Umgebung Die Ruine der Burg Altrathen liegt auf einem Hang, der den letzten Ausläufer der berühmten Bastei in der Sächsischen Schweiz bildet. Etwa 60 Meter über dem Spiegel der Elbe erhebt sich die ehemalige Burganlage auf einem markanten Hügel, der sich deutlich vom umgebenden Gelände abhebt. Einst war die Burg durch einen in den Fels gehauenen Graben gesichert, der an der elbseitigen Flanke noch deutlich erkennbar ist. Der Graben, etwa 20 Meter breit und 10 Meter tief, wurde an einigen Stellen Anfang des 20. Jahrhunderts mit Schutt verfüllt, während andere Abschnitte durch die Anlage eines Weges verdeckt wurden.

Der umliegende Bergeshang hat sich über die Jahrhunderte durch natürliche Humusauflagen und menschliche Eingriffe, beispielsweise durch landwirtschaftliche Nutzung, stark verändert. Dennoch lässt sich anhand eines regelmäßigen Geländeabsturzes, der von der Elbe bis zum sogenannten Horn verläuft, der historische Verlauf des Burggrabens nachvollziehen. Der Felsen liegt in diesem Bereich nur etwa einen Meter unter der Oberfläche und tritt am Horn sichtbar zutage, wo er den Verlauf der Schutzanlagen markiert.

Neben dem Hauptgraben verfügte die Burg über weitere Verteidigungsanlagen, darunter Vorbefestigungen auf einem etwa 70 Meter entfernten Höhenrücken, der sich steil zum Amselgrund hinabzieht. Dieser strategisch höher gelegene Punkt erlaubte Angreifern eine vollständige Übersicht über das Burggelände und zwang die Burgbesitzer zu zusätzlichen Schutzmaßnahmen in diesem Bereich. Mauerreste, die sich entlang des Grats erstrecken, deuten darauf hin, dass dort eine Verteidigungslinie bestand. Diese Mauern, die nicht mit Mörtel verbunden waren, schlossen sich an die natürliche Felsstruktur an und nutzten diese geschickt für den Schutz.

Nach Süden hin bot der steil abfallende Hang zur Elbe hin einen natürlichen Schutz, sodass hier keine weiteren Verteidigungsanlagen notwendig waren.

Burgruine mini|Skizze der Burgruine Altrathen (nach Herbert Beschorner 1907)|500x500px Die nachfolgende Beschreibung der Burgruine Altrathen orientiert sich an der Beschreibung von Herbert Beschorner aus dem Jahr 1907. Die in Klammern angegebenen Nummern beziehen sich auf die in der nebenstehenden Skizze verwendeten Markierungen.

Die Ruine lässt sich in drei Bereiche gliedern, die auf dem Plan mit (1), (2) und (3) bezeichnet sind.

Der „Burggarten“ (1) Der als „Burggarten“ (1) bezeichnete Bereich erstreckt sich zwischen den heute noch sichtbaren Mauerzügen (4), (6), (5) und (10) sowie dem neu errichteten Wohnhaus, das in den Jahren 1902/1903 anstelle eines 1902 abgebrannten Vorgängerbaus entstand. Dieser Teil der Burg diente ab dem frühen 20. Jahrhundert bis zum Jahr 2018 als gastronomisch genutzter Innenhof („Burggarten“).

Unterhalb der Hofebene befinden sich Kellergewölbe.

Beschreibung der Mauern (4), (6), (5) links|mini|Die Ruinen der Burg Altrathen und die Felsen des Neurathen. Abbildung aus Herbert Beschorner: Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der sächsischen Schweiz, nach einem kolorierten Stich vom Anfang des 19. Jahrhunderts.