mini|Wappen von Heilbronn mit schwarzen Adler und roter Zunge auf goldenem Feld sowie dreierlei (kaiserliche) Farben: rot, weiß und blau

Die Geschichte der Stadt Heilbronn in Baden-Württemberg beginnt mit einem fränkischen Königshof im 7. Jahrhundert im heutigen Stadtgebiet von Heilbronn. Die dortige Siedlung wuchs heran, wurde im 14. Jahrhundert zur Reichsstadt erhoben und entwickelte sich aufgrund ihrer Lage an Fernwegen und am Neckar zu einem bedeutenden Handelsplatz in Südwestdeutschland. Nach dem Übergang zu Württemberg 1802 und der einsetzenden Industrialisierung wurde die Stadt nach Stuttgart die zweitgrößte Industriestadt des Landes. Am 4. Dezember 1944 zerstörte der Luftangriff auf Heilbronn die historische Innenstadt völlig. In der wiederaufgebauten Stadt, die heute weiterhin ein wichtiger Wirtschaftsstandort und Verkehrsknoten ist, leben gegenwärtig (Stand Dezember 2024) rund 132.000 Menschen. Knapp 45 Prozent der Einwohner leben in der Kernstadt, die anderen in den eingemeindeten Stadtteilen, die eine unterschiedliche eigene Geschichte aufweisen.

Stadtgeschichte von Heilbronn mini|Überreste eines bronzezeitlichen Hügelgrabs unterhalb des Schweinsbergs mini|Römische Metallfunde vom Kastell in Heilbronn-Böckingen

Ursprünge der Besiedlung und Stadtgründung Vorgeschichte Der Unterkiefer von Mauer des ersten entdeckten Homo heidelbergensis wurde weniger als 40 km entfernt von Heilbronn im Bereich des unteren Neckars gefunden. Weil dieser Fundort topografisch den fruchtbaren Auen des mittleren Neckars im Heilbronner Becken ähnelt, wird angenommen, dass auch im Neckarbecken vor 500.000 Jahren schon Vormenschen lebten. Die ältesten bislang nachgewiesenen Spuren menschlicher Anwesenheit in und um Heilbronn werden in die Altsteinzeit um 30.000 v. Chr. datiert. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit bestanden Fernwege, die sich zunächst bis in die Jungsteinzeit längs der Flüsse orientierten; in ihrem Verlauf waren die Flussübergänge – im Heilbronner Raum bei Wimpfen und bei Heilbronn selbst – bedeutsame Punkte. Später kamen zudem Höhenwege auf wie der Salzweg über die Waldenburger Berge und den Mainhardter Wald von Schwäbisch Hall her und ein zweiter, von Öhringen kommender Weg, die beide bei Heilbronn den Neckar querten.

Im heutigen Stadtgebiet gibt es zahlreiche vorgeschichtliche Fundstellen, etwa Überreste von Hügelgräbern der Bronzezeit im Stadtwald nahe dem Schweinsberg und eine vermutete Höhenburg gleichen Alters auf der Kuppe des Wartbergs.

Erwähnenswert ist auch der Fund des Böckinger Urapfels im Jahr 1938, der mit circa 7500 Jahren wohl ältesten mitteleuropäischen Apfelfrucht, ein verkohlter Wildapfel, der aus einer Feuerstelle einer frühneolithischen Siedlung an der Klingenberger Straße im Heilbronner Stadtteil Böckingen geborgen wurde.Hetzler / Bruckner: Streuobstförderung in Baden-Württemberg (PDF, siehe Seite 1 von 26; 2,7 MB).

Kelten Früh wurde der Heilbronner Raum von Kelten besiedelt, wie zahlreiche archäologische Funde belegen. So liegt im heutigen Stadtkreis im Sontheimer Gewann Klingenäcker eine Viereckschanze.Neues von den alten Kelten bei helmut-hille.deBettine Gralfs, Andreas Thiel: Verlusten vorbeugen. Erhalt und Schutz archäologischer Kulturdenkmale im Rahmen der Planungsberatung. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 4/2011, S. 213 ff. (; 5,62 MB) Die Kelten haben im Gebiet von Heilbronn bereits ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. in der Hallstattzeit und Latènezeit salziges Quellwasser mit sog. Briquetage-Gefäßen verdampft. Archäologische Belege für keltische Salzgewinnung (Salzsole) konnten in nächster Nähe Heilbronns bei Offenau, Bad Wimpfen und Bad Rappenau erbracht werden.Martin Hees: Siedlungsarchäologie der Hallstatt- und Frühlatènezeit im Raum Heilbronn „Geologie des Steinsalzes im Raum Heilbronn“ hier (PDF; 2 MB)Theo Simon: Historische Salzgewinnung in Baden-Württemberg hier (PDF; 472 kB)Siedeln im Raum Heilbronn. Frühe Salzgewinnung aus Sole. aus: Heilbronn, Chronik: 700 – Zeitenwende. Edition Braus, ISBN 3-925835-88-1Geschichte des Landkreises Heilbronn bei landkreis-heilbronn.deFries-Knoblach: Gerätschaften, Verfahren und Bedeutung der eisenzeitlichen Salzsiederei in Mittel und Nordwesteuropa. Anmerkung: „Rekonstruktion eines Siedeofens in Heilbronn 1999“ hier (PDF; 501 kB)Andrea Neth: Entdeckung archäologischer Fundstellen damals und heute. In: Christina Jacob, Helmut Spatz: Schliz – ein Schliemann im Unterland? 100 Jahre Archäologie im Heilbronner Raum, Städtische Museen Heilbronn 1999.

Römerzeit Unter dem römischen Kaiser Domitian (81–96 n. Chr.) drangen die Römer vom Rhein aus ostwärts vor und errichteten den Neckarlimes als neue Außengrenze des römischen Reichs. Zu ihm gehörte auch das Kastell Heilbronn-Böckingen, das der Sicherung eines Neckarübergangs diente und auf das insgesamt acht aus verschiedenen Himmelsrichtungen kommende Römerstraßen zuliefen. Um das Jahr 160 n. Chr. verlor der Neckarlimes seine Bedeutung, weil das römische Imperium damals die Grenze des Dekumatlandes um rund 30 km nach Osten vorschob und dort den Obergermanischen Limes mit Wall und Graben ausbaute, womit das Neckarbecken bei Heilbronn zum Hinterland wurde. Im Umfeld des Limes entstanden zahlreiche römische Villen und Gutshöfe zur Versorgung der römischen Truppen, darunter die 1933 ausgegrabene römische Badeanlage im Heilbronner Gewann Wolfszipfel.

Zeit der Alamannen Nach dem Fall des Limes im Jahre 260 n. Chr. beherrschten die Alamannen das römische Dekumatland und damit auch das Neckarbecken bei Heilbronn. Funde aus einem Reihengräberfeld aus dem Rosenberg könnten noch aus alamannischer Zeit stammen. Schon im frühen 5. Jahrhundert zeigten sich die ersten christlichen Symbole aus linksrheinischem Gebiet in Heilbronn. In einem 1901 ausgegrabenen alamannischen Frauengrab befand sich das Beinkästchen von Heilbronn, das wohl durch Handel oder Raub nach Heilbronn kam.Ursula Koch: Alamannen in Heilbronn: Archäologische Funde des 4. und 5. Jahrhunderts, Städtische Museen Heilbronn, S. 47–48 Ein weiteres bemerkenswertes Fundstück am Rosenberg ist eine Goldgriffspatha, die die damalige Oberschicht auszeichnete und relativ selten gefunden wurde.Ursula Koch: Alamannen in Heilbronn: Archäologische Funde des 4. und 5. Jahrhunderts, Städtische Museen Heilbronn, S. 44–47

Fränkischer Königshof Nach der Schlacht bei Zülpich 496 ergriffen die Franken Besitz von dem Gebiet. Sie errichteten Königshöfe, die dem Fränkischen Reich die wirtschaftliche Grundlage gaben und von denen sowohl die Christianisierung als auch die Gründung von Ausbausiedlungen ausgingen. Ein solcher fränkischer Königshof war vermutlich die erste größere Siedlung in der Heilbronner Innenstadt, im Bereich der heutigen Unteren Neckarstraße zwischen Brückentor und Lohtor.Helmut Wild und Helmut Schmolz haben diesen Standort unabhängig voneinander in den 1970er Jahren durch Untersuchungen der morphologischen Gegebenheiten des Stadtgebietes lokalisiert, siehe auch Wild in HVH 28 (1976), S. 9ff. Unter dem Friedensplatz und am Rosenberg wurden Grabanlagen aus alamannischer und fränkischer Zeit gefunden. Der Königshof lag typischerweise nahe einem Neckarübergang und wohl auch auf einem Höhenzug, der die Siedlung vor dem Hochwasser des nahen Neckars schützte und den Bau von Befestigungsanlagen begünstigte. Der Heilbronner Königshof hat vermutlich bereits im 7. Jahrhundert bestanden, wenngleich die systematische Erschließung des ostfränkischen Raumes längs des Neckars erst zur Zeit der Karolinger im 8. Jahrhundert einsetzt.

Der zum Königshof gehörende Fiskalbezirk wurde im Westen vom Neckar begrenzt, im Norden von Stiftsberg und Nordberg. Im Osten erstreckte sich das zugehörige Land etwa bis Ellhofen, im Süden bis nach Horkheim.Helmut Schmolz: Grundprobleme der frühen Geschichte der Stadt Heilbronn. In: Historischer Verein Heilbronn, Jahrbuch 27/1973, S. 51. Die nächstgelegenen Königshöfe lagen in Lauffen und Ilsfeld sowie in Wimpfen.

Die Verkehrsinfrastruktur der Franken lehnte sich an das alte römische Straßennetz an. Sie schufen jedoch nach der Gründung des Königshofs in Heilbronn auch östlich des Neckars laufende Nord-Süd-Achsen. Die wichtigste war die so genannte Fränkische Heerstraße, die von Frankfurt über Heilbronn bis nach Italien führte.Helmut Schmolz: Grundprobleme der frühen Geschichte der Stadt Heilbronn. In: Historischer Verein Heilbronn, Jahrbuch 27/1973, S. 52.

Erste Erwähnung 741 mini|Urkunde König Ludwigs des Deutschen von 841, gegeben in Heilbronn anlässlich der Pfalzversammlung mini|hochkant|Detail der Urkunde von 841 mit der Nennung des Ausstellungsorts Heilbronn (untere Schriftzeile: actum Heilicprunno palatio regio) In einer Urkunde aus dem Jahr 822 wird Heilbronn erstmals erwähnt. Der ostfränkische Hausmeier Karlmann aus dem Geschlecht der Karolinger bestätigte mit ihr eine Schenkung aus dem Jahr 741 zur Ausstattung des in jenem Jahr neu gegründeten Bistums Würzburg. In villa Helibrunna soll sich eine dem Heiligen Erzengel Michael gewidmeten Basilika befunden haben:

Dem Erzengel Michael wurden seit dem späten 5. Jahrhundert zahlreiche Kirchenbauten gewidmet. Die Michaelsbasilika in Heilbronn war wahrscheinlich der Vorgängerbau der heutigen Kilianskirche.

Aufenthalt Ludwigs des Deutschen im Jahr 841 Seit 840 lag König Ludwig der Deutsche im Streit mit seinen kaiserlichen Brüdern um das Erbe seines Vaters, und er suchte, die innerdeutschen Alamannen für sich zu gewinnen.Schmolz/Weckbach: Heilbronn. Nr. 13: König Ludwig der Deutsche urkundet in der Königlichen Pfalz Heilbronn, 841. S. 27 Er hielt deshalb am 18. August 841 in Heilbronn Hof und lud die Alamannen hierzu ein, um seine Macht anerkennen zu lassen. Anlässlich dieses einzigen belegten Aufenthalts eines karolingischen Königs in Heilbronn fand in einer vom König für Abt Gozbald ausgestellten Urkunde die Stadt als Ausstellungsort „Heilicprunno“ zum zweiten Mal Erwähnung: actum Heilicprunno palatio regio. Aus der Formulierung palatio regio kann zwar keine „Kaiserpfalz“ gedeutet werden, doch schon der Aufenthalt Ludwigs spricht für die überregionale Bedeutsamkeit des Versammlungsortes.

Bis ins hohe Mittelalter wird Heilbronn in über 30 weiteren Urkunden erwähnt.Helmut Schmolz: Grundprobleme der frühen Geschichte der Stadt Heilbronn. In: Historischer Verein Heilbronn, Jahrbuch 27/1973, S. 45.

Bedeutung des Namens Der Name Heilicprunno oder Heilbrunna deutet auf einen Brunnen oder eine Quelle am Ort. Ob diese damals als heilig oder heilsam oder nur erfrischend angesehen wurde, kann die Etymologie nicht klären. Die namengebende Quelle war vermutlich der später zum Siebenröhrenbrunnen gefasste Kirchbrunnen nahe der Michaelsbasilika. Kirche und Brunnen scheinen in einem Zusammenhang zu stehen. Die ältere Forschung sah die Ursprünge der Kirche beim Brunnen in der Umwidmung eines älteren, vorchristlichen Quellenheiligtums,Hans Dieter Bechstein: Heilbronn. Die Kilianskirche: Mittelpunkt der Stadt. Druckerei und Verlagsanstalt Heilbronn, Heilbronn 1975 (Reihe über Heilbronn, 6), S. 11. die neuere Literatur sieht mangels Nachweisen aus vorchristlicher Zeit in der namengebenden Quelle eher einen Taufbrunnen aus fränkischer Zeit.

Hochmittelalterliche Stadt Hochmittelalterliche Herrschaftsverhältnisse mini|hochkant|Erwähnung Heilbronns im Hirsauer Codex 1146 mini|hochkant|Erwähnung Heilbronns im Hirsauer Codex 1146