Hollabrunn ist die Bezirkshauptstadt des politischen Bezirkes Hollabrunn im westlichen Weinviertel in Niederösterreich mit Einwohnern (Stand ). Der Name der Stadt („Holerbrunen“) leitet sich von Holler (Holunder) und Brunnen ab und lautete bis 1928 Oberhollabrunn.
Geografie Die Stadt Hollabrunn liegt unmittelbar westlich des Ernstbrunner Waldes im Tal des Göllersbaches im Weinviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst Quadratkilometer. 32,07 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 22 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Nachbargemeinden
Klima
Geschichte Die Stadt und ihr Umland sind bereits seit 100.000 v. Chr. besiedelt, wie der Fund eines Faustkeils eines Neanderthalers zwischen Hollabrunn und Aspersdorf belegt. Ab 5500 v. Chr., mit Beginn der Jungsteinzeit, wurden die fruchtbaren Böden des Weinviertels regelmäßig von einer sesshaften, bäuerlichen Bevölkerung besiedelt, weshalb zahlreiche Funde, Siedlungsplätze und Grabstätten aus allen Epochen vorliegen. Der Fund eines ausgedehnten Gräberfeldes mit Brand und Urnengräber aus der Urnenfelderkultur bzw. aus der späten Bronzezeit um 1250 v. Chr. an der Aspersdorfer Straße in den Jahren 1991–2003 belegt auch eine Besiedlung in dieser Epoche. Siedlungsfunde (Grubenhäuser, Vorratsgruben und ein hallstattzeitliches Hügelgrab) aus der Hallstattzeit und der Latènezeit 800 v. Chr., die bei den Arbeiten für den Zubau des Landesjugendheimes im Jahr 2012, in der Kaplanstraße und am Südrand von Aspersdorf gemacht wurden, bestätigen eine kontinuierliche Besiedlung. Um 200 n. Chr. bestanden germanische Siedlungen entlang des Göllersbach nördlich von Hollabrunn. Markomannen, die im Kontakt mit den römischen Provinzen standen, tauschten u. a. römische Hausrinder ein.
11. bis 14. Jahrhundert Um das Jahr 1040 kam es zur Gründung des Ortes und einer planmäßigen Besiedlung aus dem Raum um Augsburg. Auf Augsburg verweisen auch die Patrozinien von Hollabrunn (Hl. Ulrich) und Eggendorf im Thale (Hl. Afra). Die erste schriftliche Erwähnung von Hollabrunn erfolgte in einer Schenkungsurkunde des Jahres 1135, in der Markgraf Diepold III. von Vohburg einem bayrischen Kloster eine Schenkung von „sieben Grundholden und drei Weingärten“ machte. In diesem Dokument wird auch ein Wilvolvisdorf bei Hollabrunn erwähnt. Man nimmt an, dass es sich dabei um eine Siedlung im Bereich Hofmühle und Lothringerplatz handelt, die sich später mit Hollabrunn (Siedlung im Bereich Wiener Straße) vereinigt hat.
Ab 1288 wurde der Ortsname Oberhollabrunn (Hollabrunn superior) zur Unterscheidung von Niederhollabrunn verwendet. Die Herrschaft übten damals die Herren von Sonnberg aus, die um 1220 die Pfarre Hollabrunn gründeten und dem Ort bereits vor 1377 das Marktrecht verliehen. Weil der böhmische König Johann 1336 Hollabrunn verwüstete, musste die Pfarrkirche neu gebaut werden.
Ein Badehaus als sozialmedizinisch zentrale Institution des Mittelalters ist in Oberhollabrunn für das Jahr 1377 nachgewiesen.
Als die Sonnberger im 14. Jahrhundert verarmten, wechselten in der Folgezeit die Herrschaften sehr oft, bis sie Mitte des 16. Jahrhunderts auf das Geschlecht der Gilleis überging.
15. bis 18. Jahrhundert Ab etwa 1530 war der Ort eine Poststation an der Route Wien–Prag. Unter Georg von Gilleis bekam Hollabrunn 1565 das heute noch verwendete Marktwappen, 1574 wurde das Marktprivileg erneuert.
Im Jahr 1580, in der Reformationszeit, wurde die Bevölkerung überwiegend lutherisch. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erhielt Lukas II. von Eberl das kaiserliche Postmeisteramt zu Hollabrunn, das in weiterer Folge in der Familie Eberl erblich wurde. Im Jahr 1645 kam es im Zuge des Dreißigjährigen Krieges zu Verwüstung durch die schwedischen Truppen unter General Lennart Torstensson. 1662 übernahmen die Dietrichsteiner die Herrschaft über den Ort und förderten die Gegenreformation. 1667 wurde ein Kapuzinerkloster errichtet, das Joseph II. bereits 1783 aufhob. 1683 zog der König von Polen Jan Sobieski mit seinen Truppen vor dem Entsatz von Wien im Zuge der Zweiten Wiener Türkenbelagerung durch Hollabrunn. Im Jahr 1702 kam es zur Installierung der philosophisch-theologischen Hauslehranstalt der Kapuziner am Hollabrunner Kapuzinerkloster. Im Jahr 1716 wurde ein Schützenverein gegründet und ein Schützenhaus im Bereich des Erzbischöflichen Seminars errichtet. Im Jahr 1740 erfolgte der Ausbau der Prager Poststraße. Im Jahr 1746 kam es zur letzten Hinrichtung auf dem Galgenberg. Im Jahr 1783 wurde das Kapuzinerkloster aufgehoben.
19. Jahrhundert Während der Franzosenkriege war der Ort 1805 Schauplatz der Schlacht bei Hollabrunn und Schöngrabern. Hollabrunn ist daher auch auf der Inschrift am Arc de Triomphe de l’Étoile in Paris erwähnt. Auch im Jahr 1809 kam es in der Nähe des Ortes in der Schlacht von Hollabrunn zu Kämpfen zwischen Österreichern und Franzosen.
Am 31. Mai 1824 wurde eine Sparkasse gegründet, die damit eine der ältesten Österreichs ist. Nach der Revolution von 1848 wurden Bezirksverwaltungsbehörden errichtet und im Jahr 1850 Oberhollabrunn Sitz von Bezirksverwaltungsbehörde und Bezirksgericht, der „Gerichtssaal“ befindet sich zunächst im Haus Pfarrgasse 6. Im Jahr 1857 eröffnete die Gemeinde ein Notspital als Vorstufe für ein Bezirkskrankenhaus, das 1860 wegen Überschuldung geschlossen werden musste. Im Jahr 1865 wurde Hollabrunn an das Telegraphennetz angeschlossen und das Gymnasium gegründet. Im Jahr 1871 wurde durch die Österreichische Nordwestbahn die Nordwestbahnstrecke eröffnet und in Hollabrunn ein Bahnhof errichtet. Im Jahr 1875 wurde ein Spital errichtet, das 1877 zur allgemeinen öffentlichen Krankenanstalt erklärt wurde. Im Jahr 1878 erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Oberhollabrunn. Im Jahr 1880 erfolgte die Errichtung des Knabenseminars Hollabrunn. Im Jahr 1884 wurde die Jahn-Turnhalle errichtet, benannt nach Friedrich Ludwig Jahn. In den Jahren 1891/93 erfolgte der Abbruch der Häusergruppe an der Einmündung der heutigen Theodor Körnergasse in den Hauptplatz und erhielt das heutige Aussehen. Im Jahr 1893 wurde die Mädchen Volks- und Bürgerschule im Haus Koliskoplatz 7 errichtet, im Jahr 1896 die zweiklassige Knabenbürgerschule im Haus Kirchenplatz 4. Im Jahr 1899 erfolgte die Erweiterung des Amtsgebäudes der Bezirkshauptmannschaft durch einen neuen Flügel in der Winiwarterstraße, der an die ehem. Klosterkirche angrenzende Zubau war 1892 fertiggestellt worden.
20. Jahrhundert Im Jahr 1901 erfolgte die Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde Oberhollabrunn. 1905 wurde das Haus mit der Konskriptionsnummer 187 (heute Hauptplatz 1) als Rathaus adaptiert, im Jahr 1907 wurde noch ein Turm mit Uhr aufgesetzt. Im Jahr 1906 wurde Hollabrunn Standort einer Lehrerbildungsanstalt und im Jahr 1908 erfolgte der Spatenstich anlässlich der Stadterhebungsfeier für einen Neubau in der Reucklstraße 9, heute Standort des Bundesgymnasiums und Bundesrealgymnasiums. Im selben Jahr wurde der Markt Hollabrunn wegen „seines geregelten Gemeindewesens und seines bedeutenden Aufschwungs“ zur Stadt erhoben.
Im Jahr 1916 wurde im Süden der Stadt das Flüchtlingslager Oberhollabrunn errichtet.
1928 wurde die Stadt Oberhollabrunn in Hollabrunn umbenannt.
Im Jahr 1939 wurde auf der Znaimer Straße in Richtung Suttenbrunn ein Militärlager errichtet, das bis zum Jahr 1944 bestand. Das weit ausgedehnte Barackenlager gehörte zum Wehrkreis XVII und beherbergte bis zu 3000 Mann, vorrangig Truppenteile der 44. Infanterie-Division des XVII. Armeekorps und später die Truppen der Kroatischen Brigade. Das verkehrsgünstig gelegene Lagerareal wurde nach dem Zweiten Weltkrieg überwiegend gewerblich genutzt. Im Stadtgebiet wurden für die Familien der Unteroffiziere und Offiziere mehrere Wohnhäuser errichtet, die bis heute noch bestehen.
Nach Misshandlungen und Demütigungen der Hollabrunner Juden im Jahr 1938 wurde die Israelitische Kultusgemeinde Hollabrunn 1940 aufgelöst. Im April/Mai 1945 kam es zu alliierten Bombenabwürfen auf das Stadtgebiet. Am 7. Mai 1945 zogen die Truppen der deutschen Wehrmacht ab und sprengten am Rückzug die Brücken über den Göllersbach. Am 8. Mai 1945 besetzte die Rote Armee die Stadt, anfänglich mit 6000 Mann, von denen einige zwischen der Straße nach Magersdorf und dem Friedhof biwakierten. Die Kommandantur zog im Rathaus ein, im ehemaligen Seminar wurde der Stab eingerichtet. Im Jahr 1947 wurde das Rathaus wieder von der Gemeindeverwaltung übernommen, die sich seit 1945 im Haus Bahnstraße 22 befunden hatte.
Im Jahr 1954 wurde das erste „Hollabrunner Volksfest“ veranstaltet. 1955, anlässlich der Unterzeichnung des Staatsvertrages, zogen die letzten russischen Besatzungstruppen aus Hollabrunn ab.
Im Jahr 1965 wurde mit der Weisleinmühle die letzte der Hollabrunner Mühlen stillgelegt. Am 1. Jänner 1969 wurden die Gemeinden Magersdorf, Mariathal, Raschala und Wieselsfeld zu Hollabrunn eingemeindet. Im Jahr 1972 wurden die Gemeinden Aspersdorf, Breitenwaida, Enzersdorf im Thale, Groß, Kleinstelzendorf, Oberfellabrunn, Sonnberg und Suttenbrunn eingemeindet und der Stadtsaal eröffnet. Im Jahr 1974 erfolgte die Adaptierung der Alten Hofmühle als Stadtmuseum. Im Jahr 1975 wurde die neuerrichtete Sporthalle eröffnet. Im Jahr 1976 nahm die HTL Hollabrunn den Lehrbetrieb auf.
Im Jahr 1979 wurde der Bahnhof Hollabrunn an der Nordwestbahnstrecke über die Linie S3 in das Netz der Wiener S-Bahn angebunden.
Im Jahr 1983 erfolgte die Gründung des Pädagogischen Instituts des Bundes.
1984 erfolgte die Errichtung des Pfarrzentrums St. Ulrich. Im Jahr 1987 wurde die Umfahrung der Weinviertler Straße B 303 in Betrieb genommen, Spatenstich war im Jahr 1981.
Im Jahr 1992 ging das neue Krankenhaus in der Robert Löffler Straße in Betrieb. 1994 wurden die Fußgängerzone und der neu gestaltete Hauptplatz eröffnet. Im Jahr 1997 wurden die neu errichteten Gebäude der Stadtwerke in der Steinfeldgasse bezogen, die bis dahin in der Josef Weisleinstraße angesiedelt waren. Im Jahr 1998 erfolgte die Errichtung des Fernheizwerks (Holz-Hackschnitzel) in der Josef Weisleinstraße und der Schlachthof der Stadtgemeinde wurde geschlossen.
21. Jahrhundert Im Jahr 2000 erfolgten die Eröffnung des Einkaufszentrum Eurocenter westlich der Aspersdorferstraße und die Inbetriebnahme des freien Radiosenders GymRadio 94,5. Die Frank-Stronach-Fußballakademie wurde im Jahr 2000 gegründet und bestand bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2009. Das Regionale Innovationszentrums (RIZ) wurde im Jahr 2001 in Betrieb genommen. Seit dem Jahr 2002 nimmt das Uni-Zentrum Hollabrunn für Wirtschaftsingenieurwesen, Umweltmanagement und Betriebswirtschaft (Bachelor-Studium) den Lehrbetrieb auf.
Im Jahr 2004 wurde die Sozialpsychiatrische Tagesklinik im Krankenhaus Hollabrunn, welche auch für die Bezirke Korneuburg und Mistelbach zuständig ist, eröffnet. Im Jahr 2006 wird die HTL um einen Zubau mit 3000 m² Nutzfläche erweitert. Im Jahr 2007 wurde das Stadtarchiv Hollabrunn im ehemaligen Zellentrakt des Bezirksgerichts am Koliskoplatz 8 eingerichtet und ein Logo für Hollabrunn erstellt.
Im Jahr 2008 erfolgte der Baubeginn des neuen Kindergartens in der Robert Löffler Straße.
Im Jahr 2010 konnte die Errichtung der Abwasserentsorgung in den Katastralgemeinden abgeschlossen werden.
Im Jahr 2012 wurde das Biomasseheizwerk in der Robert Löffler Straße an die EVN übergeben und das Einkaufszentrum „KAUFein“ am Mühlering eröffnet.
Im Jahr 2013 wurde das Rathaus barrierefrei zugänglich und eine Bürgerservicestelle geschaffen.
Im Jahr 2014 erfolgte die Eröffnung des Themenwegs „Auf den Spuren der Kellerkatze“ in der Sitzendorfer Kellergasse.
Im Jahr 2016 wurden die aufgestockte Koliskowarte und der neu gestaltete Bahnhof Hollabrunn eröffnet.
Im Jahr 2018 wurde der sanierte Landschaftsteich (Brandstätterteich) in der Robert Löfflerstraße und eine Urban-Gardening-Anlage mit Hochbeeten als neues Naherholungsgebiet eröffnet.