Bradu (veraltet Brad; , ) ist ein Dorf im Kreis Sibiu in der Region Siebenbürgen in Rumänien. Es ist Teil der Kleinstadt Avrig (Freck).

Lage Das Dorf liegt am Fluss Olt (Alt) etwa zwanzig Kilometer von der Kreishauptstadt Sibiu (Hermannstadt) entfernt, an der Nationalstraße 1 (Teil der Europastraße 68) in Richtung Făgăraș (Fogarasch) bzw. Brașov (Kronstadt).

Geschichte mini|Girelsauer Wappen 1775 Im Nordwesten der Ortschaft wurden Spuren einer römischen Siedlung entdeckt.

Es gibt bislang keine archäologischen Funde, die eine größere Besiedlung vor dem 13. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Dorfes belegen würden. Allerdings gibt es einzelne Hinweise auf römische Siedlungen in der Nachbarschaft, wie die auf der Strecke zwischen Bradu und Săcădate (Sakadat). Die oft in der Vergangenheit mit Bradu in Verbindung gebrachte Gräberansammlung im Norden in Richtung Cașolț (Kastenholz) bringen moderne Forscher mit norisch-pannonischen Siedlern und Illyrern in Verbindung.

Die gefundenen Grabbeigaben und Artefakte lassen keinen direkten Bezug zu einer dakisch-romanischen Kultur zu, die dann den Beweis für eine Siedlungskontinuität (dako-romanische Kontinuitätstheorie) der Gegend bis zum Eintreffen der deutschen Siedler (Hospites Theutonici) belegen könnte.

Das Dorf und seine Namen In den vorhandenen Urkunden des 14. Jahrhunderts wird der Ort entsprechend der sprachhistorischen Gegebenheiten in Siebenbürgen in Ungarisch als „feneufolva“, „fenyefalva“ und auf Latein als „insula Gerhardi“ genannt.

Die rumänische Dorfbezeichnung „Brád“ (später „Bradu“) ist erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts in den Quellen belegt. „Brád“ (Tanne) ist die Übersetzung aus dem ungarischen „Fenöfalva“ (Tannendorf), wie das Dorf bereits in den lateinischen Quellen im 14. Jahrhundert genannt wird.

Der Ort ist in den kirchlichen Quellen und denen der Hermannstädter Gauversammlung ab dem 14. Jahrhundert als „insula gerhardi“ belegt und steht sogar in Dokumenten gemeinsam mit „Fenöfalva“. Beide Namen stehen nebeneinander und dürften auch einen Ort meinen, was aber nicht ausschließt, dass die deutschen Siedler (Hospites Theutonici) einen neuen neben einem älteren Ort mit der Bezeichnung „feuneufalva“ gegründet haben. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der alte Ort eine ehemalige Szeklersiedlung war und somit die Bezeichnung „Fenöfalva“ als „Tannendorf“ von diesen stammt. Dies sind allerdings nur Vermutungen, die quellenmäßig nicht belegt sind.

Die lateinische Bezeichnung „insula gerhardi“ ist ähnlich wie „insula christiani“ (Cristian / Großau) eine lateinische Ortsbezeichnung. Auf wen die Bezeichnung „gerhard“ in den lateinischen Quellen zurückgeht, ist nicht zu klären, was zu verschiedensten Spekulationen geführt hat. Ob es der ehemalige Gründer des Ortes (Lokator, Wikipedia) mit dem Namen „Gerhard“ ist oder ob sich diese Bezeichnung vom vermuteten Patron der Ortskirche „St. Gerhard“ ableitet, ist offen. Letztere Annahme geht auf einen Vermerk aus dem Bericht des Michael Lebrecht, Pfarrer in Șura Mică (Kleinscheuern), zurück.

„Girelsau oder Gerharsds-Au, lat. Fanum Sti. Gerhardi, vulgo Giresä, ein schön gebautes in einer angenehmen Gegend liegendes Dorf in der Nähe des Altflußes …“

Damit könnte der Hl. Gerhard von Csanád gemeint sein, der bei der Christianisierung der Ungarn in Siebenbürgen mitwirkte und einer der Patrone Ungarns ist. Möglich ist auch, dass es sich um den Hl. Gerhard von Clairvaux handelt, der vom Zisterzienserorden verehrt wurde. Dieser Orden war in Siebenbürgen sehr aktiv, gründete die Kerzer Abtei (Cârța) und hatte vermutlich eine kleine Abtei in der Nachbargemeinde Săcădate.

Anderseits ist der Name „Gerhard“ vom 11. bis zum 13. Jahrhundert ein beliebter Grafenname und bei den Luxemburgern, an Rhein und Mosel sowie in Flandern zahlreich belegt. Daher kann es auch sein, dass die Bezeichnung „insula gerhardi“ auf einen weltlichen Grafen zurückgeht, der wohl von den deutschen Siedlern als Führer und Gründer verehrt wurde und dem Ort seinen Namen gab. Dafür spricht die Variante „insula gerhardi“, denn eine Bezeichnung „insula Sancti Gerhardi“ würde auf einen Heiligen namens Gerhard verweisen, eine Bezeichnung, die zu dieser Zeit üblich gewesen wäre.

Sicher ist, dass die deutsche Bezeichnung „Girelsau“ von der lateinischen Bezeichnung „insula gerhardi“ stammt und in der Lautung „Gerhardsau“ bereits ab 1468 belegt ist, als der Ort zu den von Hermannstadt abhängigen Gemeinden („Pertinenzen“) gehört. Auch Bezeichnungen wie „Gerardsau“, „Gerysau“, „Geresaw“ tauchen in dieser Zeit auf.

Die ursprüngliche Erwähnung des Ortes ist im Zusammenhang mit Personen zu finden. In einer undatierten Quelle wird ein Pfarrer Mathias (plebanus Mathias de Feneufolua) erwähnt. Dem Inhalt ist zu entnehmen, dass diese zwischen 1311 und 1319 geschrieben wurde. Die Urkunde stammt aus der königlichen Kanzlei und ist an das kirchliche Amt des Erzbistum Alba Iulia gerichtet mit der Bitte des ungarischen Königs Karl I. Robert (1288–1342), diesem Pfarrer ein Kanonikat und eine Pfründe zu verleihen. Da Mathias vom König als „fidei et familiari capellano nostro (unser treuer und zum königlichen Hof gehörend)“ bezeichnet wird, dürfte er bereits in Diensten der königlichen Familie gestanden haben. Daher ist zu vermuten, dass die Bezeichnung „de Feneufolua“ den Abstammungsort Mathias bezeichnet. Vielleicht gehörte er zur Grafenfamilie, die dann im 14. Jahrhundert in den folgenden Urkunden erwähnt wird.

Das Geschlecht der Grafen von Girelsau führt sowohl die Bezeichnung „de insula Gerhardi“ als auch „de Fenyefalwa“, „de Foniefolwa“. „de Fenyefalwa“.

Hennyngh de Fenyefalwa ist mit einer Tochter des Grafen Nikolaus von Tolmach (Tălmaciu) verheiratet. Da er erst später (1337) im Zusammenhang mit seinem Sohn erwähnt wird und sein Sohn schon „comes“ (Graf) genannt wird, dürfte sein Wirken als Graf um 1300 sicher sein. Der Sohn Christian wird 1335 als „comes Christian de insula Gerhardi“ erwähnt.

Von diesem werden zwei Söhne in Urkunden genannt: Nikolaus und Petrus (Erwähnung: 1373 als „Nikolaus … Petrus, filii Cristiani de Foniefolwa”, Petrus 1387 als “Petrus de insula Gerhardi”). Graf Petrus schlichtet für den Hermannstädter Stuhl den Grenzstreit zwischen Avrig (Freck; villa Affrica) und Săcădate (villa Czectat), was ihn als Vertrauensperson des Hermannstädter Stuhls erkennen lässt.

Petrus hat eine Tochter Katharina (Erwähnung: 1413 als „Katharina filia Petri de Ffenyfolwa“), die mit einem Jakobus (Erwähnung: 1413 als Jakobus „filius Samsonis de dicta Fenyefalwa“) verheiratet ist, der wohl mit Jakobus identisch ist, der in einer späteren Urkunde von 1431 als „Comes Jakobus de insula Gerhardi“ erwähnt wird. Jakobus ist urkundlich als letzter Graf von Girelsau belegt. Die Grafen von Girelsau weisen von ca. 1300 bis zu Jakobus eine kontinuierliche Grafendynastie auf. Über die Heirat von Katharina aus diesem Geschlecht mit Jakobus, dem Sohn des „Sampson de Fenyefolwa“, wechselt die Dynastie und Jakobus wird zum Grafen.

Danach werden urkundlich keine Grafen mehr erwähnt und Ende des 15. Jahrhunderts ist die Gemeinde verwaltungsmäßig an Hermannstadt gebunden und somit keine selbstständige Gemeinde mehr.

Ob der bekannte Flurname „aff der Burch“ auf eine ehemalige Burg dieses Grafengeschlechtes hinweist, kann zwar anhand von Quellen nicht bestätigt werden, ist aber wahrscheinlich.

In einzelnen Urkunden sind Namen wie der des Ortshann (Schultheis) Jacobus Atzmann (erwähnt 1468) und ein Paulus Atzmann (1494) zu finden. Im 16. Jahrhundert tauchen in verschiedenen Rechnungen der Stadt Hermannstadt der Ortshann Laurentius auf und Bewohner wie Jakobus Tomas, Andreas Kapus, Nikolaus Frank, Clos Axmann, Gaspar und Andreas Sacharias und Johannes Kewn (Schulmeister in Heltau). Ebenso werden Familiennamen wie Schneider, Teiller, Wenrich, Schieb, Gonnterth, Borner, Talmescher, Hein, Seydner, Schunn und Rapolt genannt.

In diesen Urkunden kommen als soziale Gruppe noch keine Walachen vor. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass bereits zu dieser Zeit einzelne rumänische Familien als Dienstboten im Dorf waren, doch für eine größere Ansiedlung im Dorf fehlen die Belege.

Ab dem 16. Jahrhundert übte der Hermannstädter Magistrat die übliche Jurisdiktion aus. Dessen Vertreter im Ort war der Ortshann (Schultheiß), der aus der sächsischen Bevölkerung gewählt wurde.

Einwanderung der Walachen (Rumänen) und Roma Bedingt durch Kriegswirren und Seuchen tritt im 17. Jahrhundert ein Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft auf, von dem auch Girelsau betroffen ist. Nun siedeln sich Walachen und Roma am Rand der sächsischen Ortschaften des Königsbodens an, was von der Siedlungspolitik der Habsburger ab 1688 unterstützt wurde.

Dies ging aber nicht ohne handfeste Konflikte, da den neuen Siedlern neben Wohn- auch Acker- und Weideflächen sowie der Zugang zur Waldabholzung zugesprochen werden musste.

Girelsau gehört zu Dörfern, in denen 1775 die walachischen Einwanderer bekämpft wurden, wie die Protokolle des Hermannstädter Magistrats erkennen lassen. Dabei werden auf Befehl des Hermannstädter Magistrats 35 rumänische Familien ausgesiedelt. 1776 befiehlt die Wiener Regierung die Rücksiedlung der Rumänen. In den Protokollen ist von einem „Vonya Urss“ die Rede, dessen Haus in Girelsau zerstört wurde. Er wird auf Drängen der zuständigen Behörden entschädigt und das Haus wird wieder aufgebaut. Andere Vorfälle aus Girelsau sind nicht gemeldet. Möglicherweise ist „Vonya Urss“ der Vorfahre der seit Jahrhunderten belegten Familie Ursu, die das rumänische Schulwesen in Girelsau aufbauten und prägten.

Einen Einblick über die Einwanderung der Walachen nach Girelsau gibt die Statistik von 1733, die im Auftrag des Bischofs der mit Rom unierten Kirche, Inocențiu Micu-Klein, verfasst wurde. In dieser Statistik wird Girelsau als Ort mit rumänischen Bewohnern überhaupt nicht erwähnt. Erst in der darauffolgenden Statistik von 1750 taucht „Brád“ mit 117 „Seelen“ (Animae Universim) auf. Es ist die erste belegte Nennung des Ortes mit „Brád“ (mit ungarischer Aussprache). In diesem Jahr gab es also 117 rumänische Bewohner in Girelsau. Allerdings wird der Ort kirchlich als Filiale (hic Pagus est filial. Szekedate) zu Săcădate gezählt, ohne vorhandene Kirche und Pfarrer. Die Nachbarorte, die bereits in der Statistik von 1733 auftauchen, weisen bereits Parochien mit Kirchen und Pfarrern auf (z. B. Freck 1048 Seelen mit einer Kirche und Pfarrer, Săcădate 893 Seelen und fünf Pfarrer). Zwischen 1733 und 1750 gab es eine deutliche Einwanderungsbewegung nach Girelsau, die in den Quellen noch immer „Walachen“ genannt werden.

In einer offiziellen Statistik von 1761/62 setzte sich die Bevölkerung in Girelsau wie folgt zusammen: 65 sächsische, 12 walachische und 10 Romafamilien. Ab dem 18. Jahrhundert zählen somit zur Girelsauer Bevölkerung neben den Sachsen und Rumänen auch Roma.

1818 notiert der ev.-lutherische Pfarrer, W. Woner in Girelsau in seiner Statistik 112 sächsische, 65 walachische und 21 Romafamilien.

In den folgenden Jahrzehnten entwickeln sich die Rumänen zu einer geschlossenen sozialen Volksgruppe im Dorf. Die Rumänen mussten sich ihren Status als anerkannte und gleichberechtigte Volksgemeinschaft neben den Ungarn und Sachsen seit Ende des 18. Jahrhunderts regelrecht erkämpfen.

Die Roma blieben von diesen Rechten ausgeschlossen und lebten im Ort als Tagelöhner und selbstständige Handwerker. Sie siedelten am Rande des Dorfes und wurden nicht in die politischen Entscheidungen einbezogen. mini|Fahne des Michael Schunn von 1850 als Teilnehmer an der Revolution von 1848 (Vorderseite)