Der Kreis Lübbecke (1953–1969: Landkreis Lübbecke) war ein von 1832 bis 1972 bestehender Kreis in Ostwestfalen. Sein Vorläuferkreis war der Kreis Rahden. Der Kreis lag im Regierungsbezirk Minden der preußischen Provinz Westfalen, ab 1947 im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Detmold. Sein Verwaltungssitz war Lübbecke. Der Kreis ging 1973 im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform im neu gegründeten Kreis Minden-Lübbecke auf. Eine inoffizielle Bezeichnung ist seit 1973 Altkreis Lübbecke.
Geografie Lage mini|Topographie mini|links|Landschaften Der Kreis Lübbecke lag im Nordosten Nordrhein-Westfalens und im Norden Ostwestfalen-Lippes. Sein Gebiet lag größtenteils in der Norddeutschen Tiefebene und reichte im Süden bis zum Wiehengebirge. Südlich des Wiehengebirges hatte der Kreis ab 1832 Anteil am Ravensberger Hügelland. Ganz im Nordwesten des ehemaligen Kreisgebiets liegt der Stemweder Berg. Der Tiefebenenanteil des ehemaligen Kreisgebiets lässt sich einteilen in das Lübbecker Lößland als schmalen Saum fruchtbarer Böden entlang des Wiehengebirges sowie die Rahden-Diepenauer Geest weiter im Norden. Im Osten des Kreisgebiets liegt das Große Torfmoor.
mini|Bevölkerungsdichte im Altkreis Lübbecke (2010) Der Mittellandkanal durchtrennte ab 1915 den Kreis in Ost-West-Richtung, wobei bis in die 1960er Jahre der Teil südlich des Kanals eher industriell, der Teil nördlich davon als eher landwirtschaftlich dominiert war. Der größte Teil der Fläche wird durch das Einzugsgebiet der Großen Aue sowie ihrer Nebenflüsse Kleine Aue und Großer Dieckfluss nach Norden zur Weser entwässert. Randbereiche gehören zum Einzugsgebiet der Bastau, der Hunte und der Werre. Aufgrund seiner geografischen Form und der starken landwirtschaftlichen Nutzung wurde der Nordteil auch als „grüne Krone Westfalens“ bezeichnet. Auf dem Gebiet des Kreises liegt der sogenannte NRW-Nordpunkt, der nördlichsten Punkt des Landes.
Bis in die 1960er Jahre galt der Teil südlich des Kanals als eher industriell, der Teil nördlich davon als eher landwirtschaftlich dominiert. Die drei nördlichen Kommunen Stemwede, Rahden und Espelkamp werden landläufig als Nordkreis bezeichnet.Geselliges Treffen der Nordkreis-CDU. In: Neue Westfälische 8. Februar 2013. Die verbindende Klammer ist die hier noch stärker ausgeprägte Verflechtung mit Niedersachsen und auch die vergleichsweise niedrigere Bevölkerungsdichte.
Angrenzende Gebiete Der Kreis grenzte im Westen und im Norden zunächst an das Königreich Hannover, seit 1946 an Niedersachsen (Landkreise Melle und Wittlage (später: Landkreis Osnabrück) (Westen), Landkreis Grafschaft Diepholz (Norden), Landkreis Nienburg/Weser (Nordosten)). Im Osten lag der Kreis Minden. Im Süden grenzte der Kreis Lübbecke ab 1832 an den Kreis Herford (bis 1831 an den dann aufgelösten Kreis Bünde).
Geschichte Zuordnung zu übergeordneten Gebietskörperschaften
Das Kreisgebiet gehörte bis 1806 zum preußischen Verwaltungsgebiet Minden-Ravensberg. Der nördliche und östliche Teil des späteren Kreises gehörten zum Fürstentum Minden (Amt Rahden und größte Teile des Amts Reineberg sowie die Stadt Lübbecke) und der südwestliche Teil gehörte zur Grafschaft Ravensberg (nördlicher Teil des Amts Limberg), die beide ab 1648 zu Brandenburg-Preußen gehörten.
In dem Frieden von Tilsit wurde das Gebiet von Preußen abgetrennt und zwischen 1807 und 1810 dem französisch beherrschten Königreichs Westphalen zugeordnet (Weser-Departement, Distrikt Minden). Zwischen 1811 und 1813 wurde das Gebiet vom Kaiserreich Frankreich annektiert (Departement Ober-Ems, Distrikt Minden). Das Gebiet erhielt eine Verwaltung nach französischem Vorbild und gliederte sich in mehrere Kantone. Nach der Rückeroberung durch Preußen gehörte es ab 1813 bis zur Gründung der preußischen Provinz Westfalen provisorisch zum Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein.
Verwaltungsgeschichte mini|hochkant|Lage des Kreises im Regierungsbezirk Minden 1816–1831
Nach der Neuordnung durch den Wiener Kongress wurde im Jahr 1816 durch eine preußische Verwaltungsreform der Kreis Rahden mit dem Sitz der Kreisverwaltung in Rahden im Regierungsbezirk Minden der Provinz Westfalen gegründet. Der Kreis war in die auch als Bürgermeistereien oder Kantone bezeichneten zehn Verwaltungsbezirke Alswede, Blasheim, Börninghausen, Dielingen, Holzhausen, Levern, Lübbecke, Oldendorf, Rahden und Wehdem gegliedert, deren Grenzen sich weitgehend an den elf Kirchspielen des Kreises orientierten:
Am 1. Januar 1832 wurde das Gebiet der Kirchspiele Hüllhorst (Ortschaften Ahlsen mit Reineberg, Büttendorf, Hüllhorst) und Schnathorst (Ortschaften Bröderhausen, Holsen, Schnathorst, Tengern) sowie das zum Kirchspiel Lübbecke gehörende Dorf Oberbauerschaft aus dem aufgelösten Kreis Bünde in den Kreis eingegliedert. Zum gleichen Zeitpunkt wurde Lübbecke Kreisstadt und der Kreis entsprechend umbenannt. Das Amt des Landrats übte Adolf von der Horst jedoch noch bis 1870 von der Ellerburg aus. Der Kreis Lübbecke gliederte sich nun in acht Verwaltungsbezirke mit zwei Städten und 46 weiteren Ortschaften:
Kreis Rahden (1821) Kreis Lübbecke (1833) Verwaltungs-bezirk1 Kirchspiel Gemeinden2 Gemeinden Lübbecke Lübbecke4 Lübbecke (Stadt) Ahlsen mit Reineberg, Blasheim, Bröderhausen, Büttendorf, Frotheim, Gehlenbeck, Holsen, Hüllhorst, Isenstedt, Lübbecke (Stadt), Nettelstedt, Oberbauerschaft, Obermehnen, Schnathorst, Stockhausen, Tengern Gehlenbeck Gehlenbeck, Nettelstedt, Isenstedt, Frotheim Blasheim Blasheim Blasheim, Obermehnen, Stockhausen Alswede Alswede Alswede, Fabbenstedt, Hedem, Lashorst, Vehlage Alswede, Fabbenstedt, Hedem, Lashorst, Vehlage Holzhausen Holzhausen Heddinghausen, Holzhausen Heddinghausen, Holzhausen Börninghausen Börninghausen Börninghausen, Eininghausen Oldendorf Oldendorf Engershausen, Getmold, Harlinghausen, Oldendorf (Stadt), Offelten, Schröttinghausen Börninghausen, Eininghausen, Engershausen, Getmold, Harlinghausen, Offelten, Oldendorf (Stadt), Schröttinghausen Rahden Rahden Großendorf mit Rahden, Kleinendorf, Ströhen, Varl, Wehe Großendorf mit Rahden, Kleinendorf, Ströhen, Varl, Wehe Levern Levern Destel, Levern, Niedermehnen, Sundern Destel, Levern, Niedermehnen, Sundern Dielingen Dielingen3 Arrenkamp, Dielingen, Drohne, Haldem Arrenkamp, Dielingen, Drohne, Haldem Wehdem Wehdem Oppendorf, Oppenwehe, Wehdem, Westrup Oppendorf, Oppenwehe, Wehdem, Westrup 1 zum Teil auch als Kantone oder Bürgermeistereien bezeichnet 2 häufig auch als Bauerschaften bezeichnet 3 Außerdem gehört bis heute der Ort Stemshorn zum Kirchspiel Dielingen, der jedoch politisch zum Königreich Hannover gehörte und nun zu Niedersachsen zählt. 4 Zum Kirchspiel Lübbecke gehörte auch die Ortschaft Oberbauerschaft im Kreis Bünde.
Im Rahmen der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurde 1843 der Kreis in elf Ämter eingeteilt.Amtsblatt der Regierung Minden 1843: Bildung der Ämter im Kreis Lübbecke Die Stadt Lübbecke blieb amtsfrei. Bei der Einrichtung der Ämter orientierte man sich an den bestehenden Verwaltungsbezirken und Kirchspielen. Gleichzeitig erhielten alle Orte, die für ihre Kommunalbedürfnisse einen eigenen Haushalt führten, den Status einer (Land-)Gemeinde.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB) Orte im Kreis Lübbecke, die in diesem Zusammenhang keinen Gemeindestatus erhielten, sondern größeren Gemeinden zugeordnet wurden, waren unter anderem Eininghausen, Heddinghausen, Obermehnen und Stockhausen. Neben den Gemeinden wurden im Kreis Lübbecke auch fünf Gutsbezirke eingerichtet. Zum 1. Januar 1849 wurde Sielhorst von Varl abgetrennt und bildete eine weitere Gemeinde im Amt Rahden.Stadtinfo Rahden: Geschichte von Sielhorst 1850 gliederte sich der Kreis Lübbecke in die amtsfreie Stadt Lübbecke sowie 44 amtsangehörige Gemeinden und fünf Gutsbezirke in elf Ämtern.
Die beiden 1843 eingerichteten Ämter Dielingen und Wehdem wurden von Anfang an in Personalunion vom Dielinger Amtmann verwaltet und in den 1860er Jahren auch formal zu einem Amt mit Sitz in Dielingen zusammengeschlossen. 1936 wurde das Amt in Amt Dielingen-Wehdem umbenannt.
Die Ämter Blasheim, Börninghausen und Holzhausen wurden seit 1843 vom Amtmann des Amtes Oldendorf in Personalunion mitverwaltet. 1890 wurden sie auch formal in das Amt Oldendorf eingegliedert. Das Amt Schnathorst wurde zwischen 1866 und 1871 in Amt Hüllhorst umbenannt.
mini|Kommunale Gliederung Ende des 19. Jahrhunderts Am 1. Mai 1858 wurde Tonnenheide von Wehe abgetrennt und bildete eine Gemeinde im Amt Rahden. 1867 wurde im Amt Gehlenbeck die Gemeinde Eilhausen durch Ausgliederung aus Gehlenbeck gebildet.
Oldendorf nahm die Landgemeindeordnung an und wurde im 19. Jahrhundert als Titularstadt geführt (1871 als Flecken). 1905 erhielt Oldendorf den Namenszusatz „Preußisch“, um 1910 ebenfalls die Gemeinde Ströhen. 1906 wurde die Gemeinde Huchzen durch Ausgliederung aus Tengern im Amt Hüllhorst neugebildet. Am 1. April 1910 wurde Großendorf in die beiden Gemeinden Espelkamp und Rahden aufgeteilt. Die fünf Gutsbezirke wurden am 30. September 1928 aufgelöst. Benkhausen und Ellerburg wurden in die Gemeinde Alswede eingemeindet, Hollwinkel in die Gemeinde Hedem, Hüffe in die Gemeinde Lashorst und der Gutsbezirk Haldem in die gleichnamige Gemeinde. Am 1. April 1936 wurde im Amt Levern die Gemeinde Twiehausen durch Ausgliederung aus Destel gebildet.
Der Kreis Lübbecke war eine Hochburg der Nationalsozialisten. Bei der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 erreichte die NSDAP einen Stimmenanteil von über 60 %. Espelkamp entwickelte sich ab etwa 1938 verhältnismäßig rasant. Grundstein für diese Entwicklung bildete der Aufbau der Heeres-Munitionsanstalt Lübbecke 1938/1939. Am 4. April 1945 erreichten englische und kanadische Truppen den Kreis. Der Krieg war damit im Kreisgebiet beendet. Das Gebiet lag nach dem Krieg vollständig in der Britischen Besatzungszone. Die britischen Besatzer hatten ihr Hauptquartier zunächst in Bad Oeynhausen und quartierten sich daher auch lange Zeit in der Kreisstadt Lübbecke ein.
Von 1953 bis 1969 trug der Kreis die Bezeichnung „Landkreis Lübbecke“. 1946 wurde der Regierungsbezirk Minden und damit der Landkreis Lübbecke Teil des neuen Landes Nordrhein-Westfalen. Durch den Beitritt des Landes Lippe zum Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1947 (1948 formal vollzogen) wurde der Regierungsbezirk Minden 1947 um die lippischen Gebiete vergrößert. Dem nun nach dem neuen Verwaltungssitz als Regierungsbezirk Detmold bezeichneten Bezirk (kurzzeitig und anfänglich als „Regierungsbezirk Minden-Lippe“ bezeichnet) gehörte der Kreis Lübbecke bis zu seiner Auflösung an.
Espelkamp setzte auch nach dem Krieg und dem Ende der Munitionsanstalt seinen Weg zur dritten Stadt des Kreises Lübbecke fort, da in die zunächst leerstehenden Baracken der Munitionsanstalt die Einquartierung vieler Vertriebener erfolgte. Espelkamp erhielt 1959 Stadtrechte und wurde 1966 amtsfrei.
Ab 1. Oktober 1969 wurde der Landkreis Lübbecke wieder Kreis Lübbecke genannt.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
Der Kreis Lübbecke gliederte sich zuletzt (1972) in zwei amtsfreie Städte sowie 48 amtsangehörige Gemeinden in sieben Ämtern.