Die Liste von KZ-Ärzten und anderen Beteiligten an NS-Medizinverbrechen führt Ärzte und Krankenpfleger im Sanitätswesen der Konzentrationslager sowie andere Personen in NS-Behörden und Institutionen auf, die an rassebiologisch motivierten Verbrechen wie den Menschenversuchen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und den Krankenmorden in der Zeit des Nationalsozialismus beteiligt waren. Nicht alle wurden von der Nachkriegsjustiz belangt.
NS-Ärzte
A Lotte Albers, tötete mindestens 14 behinderte Kinder am Kinderkrankenhaus Rothenburgsort in Hamburg. Nach dem Krieg arbeitete sie unbehelligt bis 1986 als niedergelassene Kinderärztin in Harburg in eigener Praxis. Rosemarie Albrecht, deutsch-japanische HNO-Ärztin, Beteiligung an Euthanasie-Maßnahmen 1940–1942 für die Frauenstation der Landesheilanstalt Stadtroda Hans Asperger, Kinderarzt, verfasste als Obergutachter des Wiener Hauptgesundheitsamts Gutachten zur Deportation von mindestens zwei (soweit aus Akten bis 2018 nachgewiesen) behinderten Kindern in die Tötungsanstalt Am Spiegelgrund in Wien Alfred Auersperg, als Psychiater in Wien vermutlich an Patientenselektionen beteiligt
B Karl Babor, SS-Hauptsturmführer, beteiligt an Sepsisversuchen im KZ Dachau, auch leitender Bürokrat in der Inspektion der Konzentrationslager (DIII) Baumgarten, SS-Hauptsturmführer (Im Zusammenhang mit dem KTI) Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft Heinz Baumkötter, Menschenversuche in den KZs Mauthausen, Natzweiler-Struthof und Sachsenhausen; tatsächlich nicht bestraft, da eine Kriegsgefangenschaft angerechnet wurde Hermann Becker-Freyseng, Stabsarzt der Luftwaffe, Angeklagt im Nürnberger Ärzteprozess, 20 Jahre, auf 10 Jahre begnadigt Oskar Begusch, Ärztlicher Leiter Feldhof Graz Wilhelm Beiglböck, Internist, Obersturmbannführer, KZ Dachau, angeklagt im Nürnberger Ärzteprozess und zu 15 Jahren verurteilt. Die Strafe wurde auf zehn Jahre Haft reduziert, tatsächlich in Haft war er von 1947 bis 1951. Zuletzt war er Chefarzt in Buxtehude, dort ist er 1963 verstorben. August Bender, nach Zeugen: Teilnahme an Selektionen und Misshandlungen. Er hat drei Jahre Gefängnis abgesessen. Alexander Berg, SS-Obersturmbannführer, gleicher Sachverhalt wie Gottlieb; nach 1945 Universität Göttingen. Als 1965 gar nicht mehr zu verheimlichen war, dass er sich hierhin mit einer Rassisten-Schrift zur Medizingeschichte umhabilitiert hatte, gab es Probleme.Kater: Ahnenerbe. S. 258. Friedrich Berner: SS-Hauptsturmführer, beteiligt an NS-Krankenmorden in der Tötungsanstalt Hadamar Hans Bertha spiegelgrund.atAusstellung des DÖW Nicht bestraft Max Blancke, Nachfolger von Hans Eisele, im Konzentrationslager Natzweiler-Struthof (Elsass)Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. München 1974, S. 242 ff. Kurt Blome, stellvertretender NS-Reichsärzteführer. Angeklagt im Nürnberger Ärzteprozess, freigesprochen. Franz von Bodmann oder Bodman, HStf der SS, Lagerarzt in den KZs Auschwitz, Majdanek, Natzweiler-Struthof und Vaivara, von hier aus auch oberster SS-Arzt für alle estländischen KZs. Suizid Mai 1945 Karl Böhmichen, KZ Mauthausen,SS HStuF Karl Böhmichen, Zwangsabtreibungen in Litauen, in: Karl Heinz Gräfe: Vom Donnerkreuz zum Hakenkreuz. Die baltischen Staaten zwischen Diktatur und Okkupation. Edition Organon, Berlin 2010, ISBN 978-3-931034-11-5, S. 204; Andre Schaper: Kollege von „Dr. Tod“ war Rheinenser, in: Münsterländische Volkszeitung, 4. Juni 2015. Rudolf Brachtel (Rudolf Adalbert Brachtel), KZ Dachau. Humanities & Social Sciences Online, Oktober 2003. Günther Brandt, Anthropologe, Abteilungsleiter im Rassenpolitischen Amt, Stabsführer im Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA). Nach dem Krieg: praktizierender Facharzt für Innere Medizin. Karl Brandt, Generalkommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen und „Euthanasiebeauftragter“, chirurgischer Begleitarzt Adolf Hitlers, KZ Natzweiler-Struthof, KZ Ravensbrück, war in seiner Funktion als Organisator der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus ranghöchster der Angeklagten im Nürnberger Ärzteprozess. Zum Tode verurteilt und hingerichtet. Hans Bürger-Prinz, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats bei Karl Brandt, beteiligt an den Krankenmorden in der Heil- und Pflegeanstalt LangenhornGünter Grau, Hans Bürger-Prinz. In: Personenlexikon der Sexualforschung, S. 102.. Nicht bestraft. Heinrich Bunke, Arzt in den NS-Tötungsanstalten Brandenburg und Bernburg, Prozess, 18 Monate Haft.
C Victor Capesius, Apotheker, KZ Dachau, im KZ Auschwitz Verwalter der Zyklon-B-Bestände, 1965 im Ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt Werner Catel, deutscher Kinderarzt, an der Kinder-„Euthanasie“ in der Zeit des Nationalsozialismus beteiligt, Professur für Kinderheilkunde an der Universität Leipzig, ab 1954 Professor für Kinderheilkunde an der Universität Kiel Carl Clauberg, Gynäkologe, KZ Ravensbrück. Vor Prozess verstorben. KZ Auschwitz Leonardo Conti, Arzt, SS-Obergruppenführer, Reichsgesundheitsführer, Leiter des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes (NSDÄB). Suizid. Max de Crinis, als Psychiater und Neurologe Ordinarius und Direktor der Universitätsnervenklinik in Köln sowie der Psychiatrischen- und Nervenklinik der Charité in Berlin, an der Vorbereitung und Durchführung der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde beteiligt. Suizid.Lebenslauf Max de Crinis, Online-Edition Mythos Elser.
D Friedrich Karl Dermietzel, Arzt und Generalmajor der Waffen-SS, Vorstandsmitglied von Lebensborn e. V. Julius Deussen, bis 1945 Leiter des Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie in München Erwin-Oskar Ding-Schuler, Lagerarzt, KZ Buchenwald, Suizid. Arnold Dohmen, KZ Sachsenhausen.
E Irmfried Eberl, Arzt, erster Leiter des Vernichtungslagers Treblinka, Euthanasie-Anstalten Brandenburg und Bernburg. 1948 Suizid kurz nach Erscheinen des Buches „Der SS-Staat“ Gregor Ebner, Arzt, ärztlicher Leiter aller Heime des Lebensborn e. V., SS-Oberführer. Knapp drei Jahre Haft. Hans Ehlich, Arzt und SS-Standartenführer Hans Eisele, Lagerarzt und SS-Obersturmführer, KZ Dachau, KZ Buchenwald, KZ Mauthausen, KZ Natzweiler. 7 Jahre Haft, danach Arztpraxis in München, nach neuen Anschuldigungen Flucht nach Ägypten Anton Endrös, NS-Ärztebund, Barackenarzt, Gaukommissar. Klaus Endruweit, als Arzt in der NS-Tötungsanstalt Sonnenstein tätig. Friedrich Entress, KZ Auschwitz. Hans Eppinger junior, KZ Dachau Heinrich Eufinger, Facharzt für Frauenheilkunde, an Durchführung von Zwangssterilisationen beteiligt, SS-Obersturmbannführer. Nie verurteilt. Nach dem Krieg Chefarzt in Chemnitz, danach in Sanderbusch bei Wilhelmshaven. Hedwig Eyrich, Ärztin und Psychiaterin, als Mitarbeiterin des Stuttgarter Gesundheitsamtes aktiv an der „Kindereuthanasie“ beteiligt Max Eyrich, württembergischer Landesjugendarzt
F Valentin Faltlhauser, deutscher Psychiater, T4-Gutachter und Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren sowie der Zweigstelle Irsee an Euthanasieverbrechen beteiligt, 1949 zu drei Jahren Haft verurteilt, jedoch begnadigt durch damaligen bayerischen Justizminister, 1961 im Alter von 84 Jahren verstorben in München Erich Finke, KZ Dachau. Fritz Fischer, Chirurg, KZ Ravensbrück. Urteil lebenslänglich, begnadigt zu 9 Jahre Haft. Horst Fischer, Chirurg, stellv. SS-Standortarzt Auschwitz und Lagerarzt KZ Auschwitz III Monowitz, nach 1945 Landarzt in Spreenhagen/Fürstenwalde (DDR), am 25. März 1966 zum Tode verurteilt, Hinrichtung am 8. Juli 1966 in LeipzigChristian Dirks: Die Verbrechen der anderen. Das Verfahren gegen den KZ-Arzt Dr. Horst Fischer. Paderborn 206, ISBN 3-506-71363-9. Werner Fischer (Im Zusammenhang mit dem KTI) Bruno Fortmann (1894 bis 1970), deutscher Mediziner und als ehemaliger Amtsarzt in Brake verantwortlich für Einweisungen zwecks Zwangssterilisationen in die damalige Heil- und Pflegeanstalt Wehnen (die heutige Karl-Jaspers-Klinik Wehnen) Franz Peter Frank, Krankenpfleger, KZ Buchenwald, Assistent von Horn Willy Frank, SS-Hauptsturmführer und Leitender Zahnarzt im KZ Auschwitz und KZ Dachau, 7 Jahre Haft.
G Karl Gebhardt, Chirurg, Leibarzt Himmlers, KZ Ravensbrück, KZ Auschwitz, KZ Buchenwald; Direktor der Heilanstalten Hohenlychen Emil Gelny, Euthanasiearzt, NSDAP-Mitglied, betraut mit der Leitung der niederösterreichischen Heil- und Pflegeanstalten Gugging und Mauer-Öhling, mordete mit umgebautem Elektrokrampfapparat, geflüchtet nach Syrien Karl Genzken, KZ Buchenwald, KZ Natzweiler-Struthof.Bericht zu Genzkenjewishvirtuallibrary.org Gius, Mühldorf (Außenlager von KZ Dachau) Bernward Josef Gottlieb, SS-Hauptsturmführer, Dozent und später Leiter der SS-Ärztlichen Akademie in Graz Ernst-Robert Grawitz, KZ Dachau, Reichsarzt der SS, mitverantwortlich für medizinische Zustände in den Konzentrationslagern. Suizid. Vorwort zu Buch von Gottlieb 1942. Alois Grisl, Arzt und örtlicher Gesundheitsbeauftragter, Lebenslange Freiheitsstrafe, im Revisionsverfahren zu 15 Jahren herabgestuft, Dachauer Prozess Nr. US004 Heinrich Gross, NSDAP-Mitglied, Wiener Euthanasieklinik Am Spiegelgrund.Herwig Czech: Karl Josef Gross, KZ Mauthausen. Arthur Julius Gütt, Arzt und Eugeniker SS-Obergruppenführer, Assistenzarzt der Reserve a. D. Kurzzeitig interniert. Kurt Gutzeit, Magen-Darm-Spezialist und an Hepatitisversuchen beteiligt
H Eugen Haagen, Bakteriologe, KZ Natzweiler-Struthof. Erich Häßler, Kindermediziner, Sachbearbeiter im Rassenpolitischen Amt, in Kindereuthanasie verstrickt. Julius Hallervorden, KWI für Hirnforschung, Berlin Siegfried Handloser, KZ Dachau, KZ Natzweiler-Struthof, KZ Ravensbrück. Otto Hebold, Psychiater, Oberarzt an der Landesanstalt Teupitz, T4-Gutachter und Selektionsarzt der Zentraldienststelle T4, Festnahme durch das MfS 1964, angeklagt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt, 1975 in der Haft verstorben. Ernst Hefter, Psychiater, Oberarzt Wittenauer Heilstätten, T4-Gutachter, festgenommen von den Sowjets, zu 10 Jahren Haft verurteilt von sowjetischem Militärtribunal, 1947 in Haft in der JVA Bautzen verstorben. Aribert Heim, Lagerarzt in KZ Mauthausen und KZ Buchenwald, geflüchtet. Bis heute hat die Polizei Baden-Württembergs eine Belohnung zur Ergreifung in Höhe von 130.000 Euro ausgesetzt Hans Heinze, Psychiater, Leiter der Landesheilanstalt Brandenburg Görden, T4-Gutachter, Gutachter Kinder-Euthanasie, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch sowjetisches Militärgericht zu 7 Jahren Haft verurteilt, anschließend erneut als Psychiater an westdeutschen Kliniken tätig, hier Arzneimittelstudien ohne Wissen von Probanden. Kurt Heißmeyer, Oberarzt für Tuberkulose, KZ Neuengamme. 1963 verhaftet, verstorben in Haft. Martin Hellinger, Zahnarzt, KZ Sachsenhausen, KZ Flossenbürg, KZ Ravensbrück. 8 Jahre Haft. Georg Hensel, Pulmologe, 1939 Oberarzt Kinderheilstätte Mittelberg, führte dort tödliche TBC-Versuche an behinderten Kindern durch. 1946 Freispruch, 1960 neues Verfahren eingestellt.NS-MEDIZINVERSUCHE – „Nicht gerade körperlich besonders wertvolle Kinder“ Robert Herrlinger, Anatom an der Reichsuniversität Posen, nach dem Krieg Medizinhistoriker Werner Heyde, 1902–1964, Psychiater, Leiter der medizinischen Abteilung der „Euthanasie“-Zentrale und Obergutachter der Euthanasie-Aktion T4. Suizid. Fritz Hintermayer, SS-Arzt, zuletzt Erster Lagerarzt im KZ Dachau, wurde im ersten Dachauer Prozess als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und am 29. Mai 1946 im Kriegsverbrechergefängnis in Landsberg am Lech hingerichtet. August Hirt, Anatom, SS-Sturmbannführer, Direktor des Anatomischen Instituts der Reichsuniversität Straßburg, „Schädel- und Skelettsammlung“, KZ Auschwitz und KZ Natzweiler-Struthof. Initiator und Leiter von Menschenversuchen mit geplantem tödlichen Ausgang zur Behandlung der Kontamination durch Senfgas. Suizid 1945. Ernst Holzlöhner, Physiologe, Leiter der Kälteversuche in Dachau, Suizid.