Patrick Aloysius Ewing Sr. (* 5. August 1962 in Kingston, Jamaika) ist ein ehemaliger jamaikanisch-US-amerikanischer Basketballspieler und heutiger -trainer. Er spielte von 1985 bis 2002 in der nordamerikanischen Profiliga NBA, überwiegend für die New York Knicks, und gilt als einer der besten Center der Basketballgeschichte. Ewing wurde elfmal in das NBA All-Star Team gewählt und gehörte zu den erfolgreichsten Spielern seiner Generation. Mit der US-amerikanischen Nationalmannschaft gewann er bei den Olympische Sommerspiele 1984 und den 1992 jeweils die Goldmedaille; die Mannschaft von 1992 ging als „Dream Team“ in die Basketballgeschichte ein. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn war Ewing zunächst als Assistenztrainer in der NBA tätig und übernahm später das Amt des Cheftrainers der Basketballmannschaft der Georgetown University.
Jugend Patrick Aloysius Ewing wurde am 5. August 1962 in Kingston, Jamaika, geboren und wuchs als das fünfte von sieben Kindern in bescheidenen Verhältnissen auf.https://m.munzinger.de/search/portrait/Patrick%20Ewing/1/3632.html Die Familie hatte es nicht leicht, und auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen emigrierte seine Mutter Dorothy 1971 in die Vereinigten Staaten. Sie fand eine Anstellung in einem Krankenhaus und arbeitete hart, um ihre Familie zu unterstützen. Nachdem sie genug Geld angespart hatte, holte sie ihren Ehemann Carl und die restlichen Kinder im Januar 1975 nach, und die Familie ließ sich in Cambridge, Massachusetts, nieder, unweit von Boston. In seiner Heimat hatte Ewing hauptsächlich Cricket und Fußball gespielt, doch in den USA entdeckte er seine Leidenschaft für Basketball. Mit 14 Jahren wurde er in die Schülermannschaft der Cambridge Rindge and Latin School aufgenommen, und es dauerte nicht lange, bis er als eines der größten Nachwuchstalente im Land galt.https://cambridgeblackhistoryproject.org/project/patrick-ewing/https://vault.si.com/vault/1985/01/07/the-master-of-the-key Sein außergewöhnliches Talent blieb nicht unbemerkt, und 1980 wurde er als erster High-School-Spieler überhaupt zum Trainingscamp für die Olympischen Spiele in Moskau eingeladen. Obwohl Ewing es nicht ins endgültige Olympiateam schaffte, war die Einladung allein schon eine große Auszeichnung und ein Meilenstein in seiner jungen Karriere.https://usatodayhss.com/lists/greatest-high-school-basketball-players-of-all-time-lebron-james-kareem-abdul-jabbar-jason-kidd-wilt-chamberlin
Spielerkarriere College mini|Ewing im Trikot von Georgetown neben Ronald Reagan und John Thompson (v. r. n. l.) Nach seinem High School-Abschluss im Jahr 1981 führte Ewings Weg unweigerlich in den College-Basketball. Schließlich entschied er sich für ein Sportstipendium an der Georgetown University in Washington, D.C. und damit unter anderem gegen die North Carolina Tar Heels, denen ein gewisser Michael Jordan gerade seine Zusage gegeben hatte.https://web.archive.org/web/20180723064113/http://www.hoyabasketball.com/features/top100/p_ewing.htm Grund dafür war eine Parade des Ku-Klux-Klans, die zeitgleich mit Ewings Besuch in North Carolina stattfand und ihn dazu bewog, zukünftig für die Georgetown Hoyas in der Big East Conference zu spielen. Gleich in seinem ersten Jahr avancierte der Freshman zu einem der wichtigsten Spieler und die Hoyas erreichten das NCAA-Finale, unterlagen allerdings ausgerechnet den Tar Heels mit 62:63. Zwei Jahre später, am 2. April 1984, besiegten sie die Houston Cougars (84:75) und gewannen damit erstmals in ihrer Geschichte die nationale NCAA-Meisterschaft.https://www.ncaa.com/news/basketball-men/article/2020-05-18/1984-ncaa-tournament-bracket-scores-stats-records Erfolgsgarant war Patrick Ewing, den man aufgrund seiner kraftvollen, dominanten Spielweise „Hoya Destroya“ nannte und der die Auszeichnung als bester Spieler der abgelaufenen Saison erhielt (NCAA Most Outstanding Player).
Im Gegensatz zu Michael Jordan und Hakeem Olajuwon verließ Ewing das College nach drei Jahren nicht vorzeitig, obwohl alle Franchises auf seine Ankunft warteten – selbst im legendären '84er Draft galt er als sicherer No.1-Pick. Der Center war der womöglich beste College-Spieler seit Kareem Abdul-Jabbar (damals noch Lew Alcindor) und bereits zu diesem Zeitpunkt bekannter als viele NBA-Profis. Er konnte aus dem Post scoren, verteidigen, rebounden und verfügte sogar über eine respektable Wurftechnik. „Pat“ hatte jedoch seiner kurz zuvor verstorbenen Mutter versprochen, trotz mäßiger akademischer Leistungen, die Universität nicht ohne einen Abschluss in Kunstgeschichte zu verlassen. Angeführt von ihrem Ausnahmespieler erreichte Georgetown 1985 das dritte NCAA-Finale in vier Jahren, verloren allerdings gegen die Villanova Wildcats (64:66).
NBA Draft 1985 miniatur|Logo der New York Knicks Die NBA kämpfte Mitte der 1980er mit einem Imageproblem und fristete hinter der NFL oder der MLB allenfalls ein Schattendasein. Der neue Commissioner, David Stern, hatte zur '85er-Draft das bisherige Verfahren geändert, denn von nun an sollte durch eine Lotterie bestimmt werden, welche Franchise den Zuschlag für den Top-Pick bekommen würde. Stern trat damit den Franchises entgegen, die absichtlich Spiele herschenkten, um am Saisonende mit der schlechtesten Bilanz dazustehen. Und sich so – bis 1984 – das erste Wahlrecht beim Draft „erspielen“ konnten.https://basket.de/2016/08/der-messias-namens-patrick-ewing/ Berereits im Vorfeld der Draft galt Ewing als verheißungsvollster College-Spieler und man glaubte, dass er Star-Potenzial hatte und die Zukunft seines neuen Teams auf lange Zeit verändern würde. Die New York Times schrieb, dass „viele Verantwortliche der Liga sowie Marketing-Experten glauben, dass die NBA enorm profitieren würde, wenn sich Ewing das Knicks-Jersey überstreifen würde.“ Selbst einige Manager waren sich sicher, dass er auf jeden Fall bei den New York Knicks landen würde, die gerade die schlechteste Spielzeit ihrer Geschichte hingelegt hatten. Aus Sicht der NBA war es ein Desaster, dass die traditionsreichen Knicks, trotz der Anziehungskraft ihres Standortes, gerade einmal 24 Spiele gewinnen konnten und in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden drohten. Somit versammelten sich am 18. Juni 1985 die Vertreter der sieben schlechtesten Teams der abgelaufenen Regular Season im Waldorf Astoria.https://www.basketball-reference.com/draft/NBA_1985.html In einer Live-Übertragung loste Stern den Knicks tatsächlich Ewing als 1. Pick zu, was heftige Diskussionen auslöste und hartnäckige Gerüchte nährte, dass die erste Draft Lottery womöglich manipuliert war.https://www.si.com/longform/2015/1985/ewing/index.html Verschwörungstheoretiker mutmaßen bis heute, der betreffende Umschlag sei tiefgekühlt gewesen oder habe verdächtige Knicke aufgewiesen, um Ewing bewusst zu den schwächelnden Knickerbockers zu lotsen. Dessen ungeachtet löste das Ergebnis im Big Apple eine regelrechte Euphorie aus und innerhalb von zwei Stunden wurden 1.000 Dauerkarten abgesetzt. Der sichtlich stolze Knicks-Manager Dave DeBusschere überreichte Ewing das Trikot mit der Rückennummer 33. Der Center unterzeichnete einen Sechs-Jahres-Vertrag, der ihm ein Gehalt von 17 Millionen Dollar einbrachte und zum bestbezahlten Rookie der NBA machte.
Die 85er-Draft war perfektes Marketing und ein erster Fingerzeig auf die Richtung, in welche Stern die Liga in den kommenden Jahrzehnten steuern würde.
New York Knicks miniatur|hochkant|Patrick Ewing (ca. 1995) Der Hype um den 23 Jahre alten Ewing kannte keine Grenzen und der Sohn jamaikanischer Einwanderer wurde im Madison Square Garden wie ein Heiliger empfangen. In einer Zeit, in der das Center-Spiel die Liga dominierte und ein starker Big Man der Grundstein für Erfolg war, lastete nicht nur die Bürde des Top-Picks auf Ewings Schultern. Die Fans in New York erwarteten von ihm Playoff-Teilnahmen und den Gewinn der ersten Meisterschaft seit 1973.
Der Neuling spielte eine starke Debütsaison, wurde mit durchschnittlich 20,0 Punkten, 9,0 Rebounds und 2,1 Blocks zum Rookie of the Year gekürt und in das All-Star Team berufen. Doch Ewing gelang es nicht, sein Team zurück in die Erfolgsspur zu führen und die Knicks verschlechterten sich sogar im Vergleich zum Vorjahr. Ohne die verletzten Bernard King und Bill Cartwright fuhren sie mit nur 23 Siegen die schlechteste Bilanz der Eastern Conference ein. Ewing, der in der NBA ohne sein Markenzeichen, das T-Shirt unter dem Trikot, spielen musste, verpasste 32 Spiele wegen einer Knieverletzung. Die folgende Spielzeit 1986/87 verlief ebenso schlecht (24 Siege – 58 Niederlagen) und die anfängliche Euphorie schlug zunehmend in Wut um, als Fans anfingen, Ewing bei Heimspielen auszubuhen. „Sie erwarteten, dass er genau wie am College auch in der NBA Spiele in Serie gewinnen würde“, erinnerte sich Teamkollege Ernie Grunfeld. „Aber Basketball ist ein Mannschaftssport. Patrick konnte ohne gute Mitspieler nichts ausrichten.“ Doch Ewing ließ sich von der Kritik an seiner Person weder beeindrucken noch zu öffentlichen Äußerungen hinreißen. Er hielt sich von den Medien fern, war unnahbar und stoisch. Der viel kritisierte Center versuchte die Antwort auf dem Court zu geben und vor Beginn seiner dritten Knicks-Saison (1987/88) änderten sich die Vorzeichen für den vermeintlichen „Retter.“ Rick Pitino wurde neuer Head Coach und mit Mark Jackson entschied sich die Franchise für einen neuen Point Guard, der hervorragend mit Ewing harmonierte. Erstmals seit fünf Jahren qualifizierten sich die Knicks für die Playoffs, waren jedoch in der ersten Runde chancenlos (1:3 gegen die Boston Celtics).
Patrick Ewing reifte zu einem dominanten Frontcourt-Spieler, der seine Mannschaft zu einem Playoff-Kandidaten werden ließ. Seine Spielweise war hart, kämpferisch, kompromisslos und robust, was ihm den Spitznamen „The Beast“ einbrachte. Er verbesserte seine Offensivleistung und mit durchschnittlich 28,6 Punkten pro Spiel verzeichnete er 1989/90 seinen persönlichen Bestwert und wurde in das All-NBA First Team gewählt. In der Partie gegen die Boston Celtics am 24. März 1990 erreichte Ewing mit 51 Punkten die höchste Punktzahl seiner Karriere. Allerdings scheiterten die Knicks zwischen 1989 und 1993 in den Playoffs allein viermal an den scheinbar übermächtigen Chicago Bulls, wobei sich die packenden Serien zu prägenden Auseinandersetzungen der Neunziger entwickelten. Die Niederlagen waren vor allem für Ewing frustrierend, da er sein Team endlich zum Titel führen wollte und insbesondere 1991 beim 0:3-Sweep enttäuscht hatte. Die Wende sollte mit der Ankunft von Startrainer Pat Riley eingeläutet werden, der die Dominanz der Bulls mit einer körperlich harten Spielweise zu bekämpfen versuchte. Bulls gegen Knicks war ein Duell der Gegensätze: Einerseits das aufregende, spektakuläre Offensiv-Team um Superstar Michael Jordan und Scottie Pippen, denen die Sympathien nur so zuflogen. Auf der anderen Seite die robusten Defensivspezialisten aus New York, bestehend aus Ewing, einigen harten Arbeitern und Underdogs (z. B. Charles Oakley, John Starks, Anthony Mason). Doch selbst in der Saison 1992/93, als die Knicks mit 60 Siegen die beste Bilanz der Eastern Conference aufwiesen, konnten sie den Fluch nicht brechen. Nach einem spannenden Conference-Finale war erneut gegen Chicago Endstation (2:4) – der NBA-Titel blieb Wunschdenken.