mini|Haakon VII. (vor 1913) Haakon VII. (Aussprache: [ˈhoːkʊn]) (als Prinz Christian Frederik Carl Georg Valdemar Axel von Dänemark und Island * 3. August 1872 auf Schloss Charlottenlund, Gentofte, Dänemark; † 21. September 1957 im Königlichen Schloss, Oslo) war von 1905 bis zu seinem Tod König von Norwegen. Nachdem das Land von Schweden unabhängig geworden war, akzeptierte der dänische Prinz aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg seine Wahl zum König und nahm als solcher den traditionellen norwegischen Namen Haakon an. Er ist der Stammvater der heutigen norwegischen Königsfamilie.
Während der deutschen Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg ging er nach London ins Exil und wurde zum Symbol des nationalen Widerstands.
Leben Herkunft und Jugend mini|Carl von Dänemark (1889)
Prinz Carl von Dänemark wurde am 3. August 1872 als zweites von acht Kindern des dänischen Kronprinzen Friedrich (ab 1906 Friedrich VIII.) und dessen Gemahlin Louise von Schweden-Norwegen auf Schloss Charlottenlund geboren. Väterlicherseits war er ein Enkel des regierenden dänischen Königs Christian IX., mütterlicherseits des schwedischen Königs Karl XV., der zu dieser Zeit unter dem Namen Karl IV. auch norwegischer König war. Prinz Carl stand hinter seinem Vater und seinem älteren Bruder Prinz Christian an dritter Stelle der dänischen Thronfolge, jedoch ohne wirkliche Aussicht, den Thron zu erben.
Am 7. September 1872 wurde er durch den Primas der Dänischen Volkskirche, den Bischof von Seeland Hans Lassen Martensen, in Charlottenlund auf den Namen Christian Frederik Carl Georg Valdemar Axel getauft, war aber fortan als Prinz Carl bekannt.
Seine Kindheit verbrachte Prinz Carl auf den Schlössern Amalienborg und Charlottenlund. Die Kinder des Kronprinzenpaares erhielten eine christlich dominierte Privaterziehung, die sich durch Strenge, Pflichterfüllung, Sorgfalt und Ordnung auszeichnete. Als nachgeborener Prinz mit geringen Aussichten auf die dänische Königswürde sollte Carl eine Offizierslaufbahn in der Marine einschlagen, weshalb er nach seiner Konfirmation 1886 seine Ausbildung an der Königlichen Marineakademie in Kopenhagen (Søværnets Officersskole) antrat. Diese schloss er 1893 im Rang eines Leutnants ab und diente anschließend in der Königlich-Dänischen Kriegsmarine bis zu seiner Ernennung zum norwegischen König im Jahr 1905. In dieser Zeit nahm er an mehreren Kreuzfahrten teil, darunter 1904–1905 mit dem Geschützten Kreuzer Hejmdal zum Mittelmeer und zum Atlantischen Ozean. 1905 wurde er zum Admiral ernannt.
Ehe und Nachkommen mini|Hochzeit von Prinz Carl und Prinzessin Maud. Gemälde von Laurits Tuxen, 1896 In der Kapelle des Buckingham Palace heiratete Carl am 22. Juli 1896 seine Cousine, Prinzessin Maud von Wales, jüngste Tochter des britischen Thronfolgers, des Fürsten von Wales Albert Eduard (ab 1901 König Eduard VII.), und seiner Gemahlin Alexandra von Dänemark. An der Hochzeit nahm die Großmutter der Braut, die 77-jährige Königin Victoria, teil.
Nach der Hochzeit ließ sich das Paar in Kopenhagen nieder, wo Prinz Carl seine Karriere als Marineoffizier fortsetzte. Sie wohnten dort in einer Wohnung im Palais Bernstorff in der Bredgade, direkt neben Schloss Amalienborg. Der Vater der Braut schenkte dem Paar auch Appleton House auf dem Gelände des Sandringham Estate in Norfolk als Landsitz für die häufigen Aufenthalte seiner Tochter in England. Dort wurde am 2. Juli 1903 das einzige Kind des Paares, Prinz Alexander, der spätere Kronprinz Olav (und schließlich König Olav V. von Norwegen) geboren.
Thronübernahme (1905) mini|100px|links|Monogramm Haakons VII. mini|Haakon und Maud im Krönungsornat, 1906
Nach mehrjährigen Konflikten wurde die seit 1814 bestehende schwedisch-norwegische Staatenunion 1905 aufgelöst. Nach vorangegangener Aufkündigung durch den Storting, das norwegische Parlament, am 7. Juni votierte auch die norwegische Bevölkerung am 13. August in einer Volksabstimmung für die Auflösung der Union. Unter Vermittlung der europäischen Großmächte erkannte Schweden nach mehrwöchigen Verhandlungen am 23. September die Auflösung der Union im Vertrag von Karlstad an. Dessen Bestimmungen beinhalteten die Anerkennung der vollen Souveränität Norwegens und die Abdankung des schwedischen Königs Oskar II. vom norwegischen Thron. Am 26. Oktober endete die Union offiziell, als Oskar die entsprechenden Dokumente unterzeichnete.
Anschließend nominierte ein von der norwegischen Regierung eingesetztes Komitee mehrere Prinzen aus europäischen Königshäusern als Kandidaten für den vakanten norwegischen Thron. Schon während der Auflösungsverhandlungen war Carl von Dänemark zum aussichtsreichsten Anwärter avanciert. Carl war ein Abkömmling sowohl des dänischen Königshauses, dessen Ahnentafel sich bis zum Geschlecht von Harald I. (852 bis 933) zurückverfolgen ließ, als auch des schwedischen Königshauses Bernadotte. Aufgrund seiner Ehe mit Prinzessin Maud rechnete man damit, dass Großbritannien der Kandidatur wohlwollend gegenüberstehen würde. Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. hingegen lehnte die Kandidatur Carls entschieden ab. Er war nicht nur ein Freund König Oskars II., sondern betrachtete die Thronbesteigung Carls, des Schwiegersohns Eduards VII., als englische Inbesitznahme Norwegens. Wilhelm versuchte vergeblich, König Oskar dazu zu bewegen, eine Kandidatur eines jüngeren Bernadotte-Prinzen zuzulassen, wozu der schwedische König sich jedoch nicht durchringen konnte. Auch Zar Nikolaus II. lehnte die Kandidatur seines Cousins Carl ab, den er für völlig ungeeignet und englisch beeinflusst hielt. Kaiser und Zar versuchten schließlich, Carls Onkel, Prinz Waldemar von Dänemark, als Thronkandidaten ins Spiel zu bringen, doch lehnte dieser ab.John C. G. Röhl: Wilhelm II. Band 3: Der Weg in den Abgrund, 1900–1941. München 2008, ISBN 978-3-406-57779-6, S. 436–437
Um den starken republikanischen Strömungen in der öffentlichen Debatte über die Staatsform Rechnung zu tragen, erklärte sich der demokratisch gesinnte Carl zur Annahme der norwegischen Königswürde bereit, sollte dies dem Wunsch der Bevölkerung entsprechen. Daher wurde zunächst die Durchführung einer Volksabstimmung über die zukünftige Staatsform beschlossen. In dieser Volksabstimmung vom 12./13. November 1905 stimmten 79 Prozent der wahlberechtigten Männer für die Einführung einer konstitutionellen Monarchie (259.563 zu 69.264 Stimmen), weshalb das Parlament Prinz Carl am 18. November einstimmig zum König wählte. Nach der Zustimmung seines Großvaters Christian IX. nahm Carl die Wahl noch am selben Tag an und wählte für sich den alten norwegischen Königsnamen Haakon; seinem Sohn gab er den Namen Olav.
An Bord der Staatsyacht Dannebrog verließ Haakon mit seiner Familie am 23. November 1905 Kopenhagen, bestieg zwei Tage später in Oscarsborg die norwegische Heimdal und erreichte schließlich den Hafen von Christiania, wo er von Ministerpräsident Christian Michelsen feierlich empfangen wurde. Vor dem Storting leistete der Monarch am 27. November den Eid auf die Verfassung und verkündete seinen Wahlspruch: „Alt for Norge“ („Alles für Norwegen“). Damit war Haakon VII. der erste König eines unabhängigen Norwegens seit mehr als 500 Jahren. Vor der Union mit Schweden war Norwegen ab 1380 fast durchgängig von Dänemark aus regiert worden (Liste der Könige von Norwegen).
Am 22. Juni 1906 wurden Haakon und Maud im Trondheimer Nidarosdom von Bischof Vilhelm Andreas Wexelsen gesalbt und feierlich gekrönt. Infolge der Streichung des Krönungsparagraphen aus der Verfassung im Jahre 1908 war dies die letzte Krönung eines norwegischen Monarchen.
Als König (1905 bis 1957) Erste Regierungsjahre mini|Die Königsfamilie (1921)
Haakon war bestrebt, im egalitär orientierten Norwegen die Rolle des Königshauses neu zu definieren und ein Gleichgewicht zwischen den unkonventionellen norwegischen Umgangsformen und dem Repräsentationsbedürfnis der Monarchie zu finden. Er akzeptierte seine Rolle als konstitutioneller Monarch und verhielt sich politischen Beschlüssen gegenüber stets loyal, was wesentlich dazu beitrug, die junge Monarchie in der Gesellschaft zu konsolidieren.
Durch ausgedehnte Reisen lernte das Königspaar das Land in den ersten Regierungsjahren kennen und gab sich dabei sehr volksnah und ungezwungen im Umgang, wodurch sie große Sympathien breiter Bevölkerungsschichten gewannen. Durch seinen taktvollen und diskreten Lebensstil wirkte der Monarch als verbindendes Symbol der nationalen Einheit und Haakon erhielt den Beinamen „Folkekongen“ (Volkskönig).
Eine besondere Vorliebe entwickelte Haakon für das Skifahren, den norwegischen Nationalsport.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs erklärte die Regierung Norwegen für neutral. Der König unterstützte die Neutralitätspolitik durch seine Teilnahme am Dreikönigstreffen vom 18. Dezember 1914 im schwedischen Malmö. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten die drei skandinavischen Monarchen Gustav V. von Schweden, Christian X. von Dänemark und Haakon VII. die strikte Neutralität ihrer Staaten während des Krieges. Auf das Treffen von 1914 folgte ein weiteres Treffen der drei Könige in Kristiania im November 1917.
1928 beauftragte der König die bei den Wahlen im Oktober des vorangegangenen Jahres siegreiche sozialistische Arbeiterpartei mit der Regierungsbildung und bestätigte so die erste sozialistische Regierung Norwegens, mit den berühmt gewordenen Worten: „Ich bin auch der König der Kommunisten.“
Am 20. November 1938 starb Königin Maud an Herzschwäche, Haakon ging danach keine Ehe mehr ein.
Zweiter Weltkrieg mini|275px|Haakon und Olav während des Krieges mini|Telegramm der Norwegischen Staatsbahn zur Fahrt des Sonderzuges, mit dem König Haakon VII. am 9. April 1940 aus Oslo evakuiert wurde
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 setzte Norwegen seine Neutralitätspolitik aus dem Ersten Weltkrieg fort, um das Land erneut aus dem Konflikt heraushalten zu können. Ungeachtet der Neutralitätserklärungen besetzte die deutsche Wehrmacht am 9. April 1940 Dänemark und griff Norwegen ohne vorherige Kriegserklärung an (Unternehmen Weserübung). Die königliche Familie, die Regierung und zahlreiche Stortingabgeordnete reisten von Oslo in die 140 km nördlich gelegene Kleinstadt Elverum. Dort bevollmächtigte das Storting Haakon VII. und die Regierung, das Land für die Dauer des Krieges ohne Parlament zu regieren (Elverumsfullmakta). Bei einem Treffen am 10. April beantwortete Haakon die ultimative Forderung des deutschen Botschafters Curt Bräuer nach sofortiger Einstellung des militärischen Widerstands sowie der Ernennung des Faschistenführers Vidkun Quisling zum Ministerpräsidenten mit einer klaren Absage. Anschließend brachte der König erstmals seit 1905 in einer Sitzung des Staatsrats seine eigene Meinung zum Ausdruck, bevor er die seiner Regierung hörte: Er habe sich seit 1905 an die norwegische Verfassung gehalten. Sollte sich die legale Regierung entscheiden, aufgrund der schwierigen Situation vor den Deutschen zu kapitulieren und auf deren Forderungen einzugehen, würde er dies zwar verstehen, für sich aber keine andere Wahl sehen als abzudanken. Daraufhin lehnte das Kabinett die deutschen Forderungen ab und verkündete in einer landesweit ausgestrahlten Radioansprache, den Widerstand so lange wie möglich fortsetzen zu wollen. Die konsequente Haltung Haakons in diesen Tagen bildete in der Folge die Grundlage für den norwegischen Widerstandskampf gegen den NS-Staat.