Der Fliegerhorst Lechfeld ist ein Militärflugplatz auf dem Lechfeld in Lagerlechfeld, einem Ortsteil von Graben und Untermeitingen im Landkreis Augsburg in Bayern.

In der Zeit des Kalten Krieges wurden Flugplatz und Kasernenanlagen lange Zeit von den US-Streitkräften und der Bundeswehr zusammen genutzt. Der Fliegerhorst war von 1958 bis März 2013 Stationierungsort des Jagdbombergeschwaders 32 (JaboG 32).

Er beherbergt seit 2013, nach der Auflösung des Jagdbombergeschwaders 32, keinen eigenen ständigen fliegenden Verband mehr, sondern dient seitdem als Ausweichplatz des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 (TaktLwG 74).

Geschichte Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde der heutige Fliegerhorst im Jahr 1912 für die Bayerische Fliegertruppe eingerichtet, die ihn bis 1918 betrieb.

Fliegerhorst der Wehrmacht Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Gründung der Luftwaffe der Wehrmacht 1935 war es der Heimathorst der IV. (Ergänzungs-)Gruppe des Kampfgeschwaders 54 und des Kampfgeschwaders 40. Im Juni 1943 wurde hier die V. Gruppe des Kampfgeschwaders 2 gebildet, die mit Messerschmitt Me 410 flog. Der Fliegerhorst blieb bis kurz vor seiner Einnahme durch amerikanische Truppen im Frühjahr 1945 in Betrieb.

Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung ausgesuchter fliegender aktiver Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht, die hier zwischen 1938 und 1945 stationiert waren.

Von Bis Einheit AusrüstungNovember 1939Februar 1940II./KG 27 (II. Gruppe des Kampfgeschwaders 27) Heinkel He 111PDezember 1940Januar 1941Stab/LG 1 (Stab des Lehrgeschwaders 1) Junkers Ju 88AMai 1940Juni 1940I./KG 51 Junkers Ju 88ANovember 1941Januar 1941Stab/SKG 210 (Stab des Schnellkampfgeschwaders 210) Messerschmitt Bf 110Oktober 1942Januar 1943Stab, I./LLG 2 (Stab und I. Gruppe des Luftlandegeschwaders 2) Heinkel He 111, Gotha Go 242Dezember 1942Januar 1943IV./NJG 5 (IV. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 5) Messerschmitt Bf 110D-0, Junkers Ju 88C-6Februar 1943Oktober 1943I./KG 4 Heinkel He 111H-11, Heinkel He 111H-16, Heinkel He 177A-1Juni 1943Juni 1943V./KG 2 Messerschmitt Me 410A-1Oktober 1943April 1944I./KG 100 Heinkel He 111H-11, Heinkel He 177A-3März 1944Mai 1944III./KG 40 Focke-Wulf Fw 200C-3, Focke-Wulf Fw 200C-4, Focke-Wulf Fw 200C-8Mai 1944September 1944III./ZG 26 (III. Gruppe des Zerstörergeschwaders 26) Messerschmitt Bf 110G-2Juni 1944Juli 1944III./KG 1 Heinkel He 177A-3Juli 1944Juli 1944I./SKG 10 Focke-Wulf Fw 190G-3, Focke-Wulf Fw 190G-8/R5November 1944Dezember 1944I./JG 7 (I. Gruppe des Jagdgeschwaders 7) Messerschmitt Me 262A-1, Messerschmitt Me 262A-2

Aufgrund seiner militärischen Bedeutung wurde der Fliegerhorst Lechfeld mehrfach von alliierten Bombern angegriffen. So war Lechfeld, neben Oberpfaffenhofen, Friedrichshafen, München, Landsberg und Memmingen, am 18. März 1944 Ziel eines Angriffs von über 700 US-Bombern.«Schauriger Flügelschlag dieses Krieges» – als zwölf US-Bomber in Dübendorf landeten Ein weiterer Angriff folgte am 22. Juli 1944, als am Vormittag 35 US-Bomber des Typs Boeing B-17 der 398th Bomber Group von England kommend den Fliegerhorst bombardierten. Die 6. Batterie der Flakabteilung 443 in Scheuring eröffnete das Feuer auf den Verband und traf dabei ein Flugzeug, das anschließend abstürzte.Vor 80 Jahren: Tödliche Fracht aus der Luft. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 22. Juli 2024, Seite 37.

US-Armee Nach seiner Einnahme am 1. Mai 1945 wurde der Flugplatz von den Alliierten als Advanced Landing Ground ALG R-71 bezeichnet, jedoch erst am 1. Dezember 1945 offiziell in Betrieb genommen.The Air Force Engineer. Army Air Forces Engineer Command, MTO (Prov). Mehrere Auflagen, 1943–1945 (Broschüre der United States Air Force Historical Research Agency, USAFHRA). Das teilweise zerstörte Areal wurde repariert und diente im Rahmen der Operation „Lusty“ bis in den Sommer 1945 der Sammlung deutscher Beuteflugzeuge wie der Me 262 und weiterer Militärtechnik, die in die USA verbracht werden sollten. Von Dezember 1945 bis Oktober 1946 war Lechfeld die Basis einer mit B-17 ausgerüsteten Bombergruppe der Eighth Air Force der United States Army Air Forces (USAAF), der 305th Bombardment Group, die den Platz zuvor am 18. Mai 1944 bombardiert hatte. Anschließend lag hier von November 1946 bis März 1947 noch ein mit P-47 ausgerüsteter Verband der USAAF.

Danach befand sich hier bis 1951 ein Lager für jüdische „Displaced Persons“ und bis ca. 1953 ein Militärgefängnis.

Die US Army nutzte das Areal dann als Schießplatz ihrer in Augsburg stationierten Kampftruppen. Bis September 1998 unterhielt die 66th Military Intelligence Group der US Army in Lechfeld das sogenannte „Training Area Lechfeld“. Mit dem Abzug der US Army aus Augsburg im selben Jahr wurde das Trainingsgelände zum militärischen Sicherheitsbereich der Bundeswehr. Die 66th MI-Group ist derzeit in Wiesbaden stationiert.

Des Weiteren waren in einem speziell von US-Soldaten gesicherten, auf dem Fliegerhorst östlich der Startbahn befindlichen Sondermunitionslager kernwaffenbestückte Raketen des Typs Pershing I stationiert. Das zugehörige US-Personal von der 74th US Army Field Artillery Detachment der 512th US Army Artillery Group war in der Schwabstadl-Kaserne des JaboG 32, in einem gesonderten „Custodial“-Bereich untergebracht. Von Seiten der Bundeswehr wurde die Luftwaffensicherungsstaffel des Flugkörpergeschwaders 1 (Klosterlechfeld) gestellt.O. W. Dragoner: Die Bundeswehr 1989.

Auf dem Fliegerhorst Lechfeld wurde außerdem eine noch heute existierende COB-Base der US Air Force installiert. Sie umfasste eine separate Rollwegschleife mit Luftfahrzeugstellplätzen, einen Gefechtsstandbunker sowie eine Abstellhalle für Bodendienstgeräte und Fahrzeuge. Von hier aus hätten im Verteidigungsfall amerikanische A-10-Erdkampfflugzeuge operiert.

Flugtage Die US-Armee richtete wie auf anderen Flugplätzen auch in Lechfeld militärische Flugtage aus. Der letzte war für September 1988 mit der britischen Kunstflugstaffel der Royal Air Force Red Arrows geplant, wurde jedoch nach dem Flugtagunglück von Ramstein im August desselben Jahres abgesagt.

Fliegerhorst der Bundeswehr Kurz nach Gründung der Bundeswehr wurden 1956 Einheiten der Luftwaffe in der Schwabstadl-Kaserne stationiert. Aufgabe dieser Einheiten war die Wiederinstandsetzung der während des Zweiten Weltkrieges beschädigten Kaserne.

1958 wurde das Jagdbombergeschwader 32 in der Kaserne aufgestellt. Es erhielt Flugzeuge des Typs F-84F „Thunderstreak“, die bis 1966 in Betrieb waren. Im August 1960 verlegte die 1959 gebildete 2. Luftrettungs- und Verbindungsstaffel mit zwölf Bristol Sycamore (später sechzehn Stück) und 12 Verbindungsflugzeugen Do 27 nach Lechfeld. Die Staffel mit dem Abzeichen einer Micky Maus mit Sanitätskoffer setzte diese Hubschrauber bis 1968 ein. Die Staffel betrieb ab 1962 auch ein SAR-Kommando in Pferdsfeld, welches 1964 nach Karlsruhe verlegt wurde, zudem entstand 1965 ein weiteres solches Kommando in Ingolstadt. Im April 1965 wechselte die Bezeichnung auf 2. Hubschrauber-Rettungsstaffel.Hans-Werner Ahrens: Die Rettungsflieger der Luftwaffe 1956–1971: Konzeption – Aufbau – Einsatz. Band 9 von Schriften zur Geschichte der Deutschen Luftwaffe, Carola-Hartmann-Miles-Verlag, 2019, ISBN 978-3945861936, S. 134.

Bereits 1965 wurden die neuen F-104G „Starfighter“ in Dienst gestellt, diese wiederum von 1982 bis 1984 durch den Tornado ersetzt, der heute noch auf anderen Luftwaffen-Standorten im Einsatz ist. Vom 25. bis 26. Juni 1998 war das JaboG 32 Ausrichter des NATO Tiger Meet.. Der zusätzlich geplante öffentliche Flugtag wurde wegen des kurz zuvor passierten Zugunglücks in Eschede kurzfristig abgesagt. Auch für 2008 war die Ausrichtung des NATO Tiger Meet auf dem Lechfeld geplant; es wurde aber aus verschiedenen Gründen abgesagt.

Das Geschwader war jahrelang der einzige Verband der Luftwaffe, der über ECR-Tornados verfügte, weshalb das Jagdbombergeschwader 32 1995 stark beim Aufbau des Einsatzgeschwaders 1 (EG 1) in Piacenza (Italien) beansprucht wurde. Das EG 1 nahm 1999 als Kampfverband der NATO am Kosovokrieg teil.

Nach der Auflösung des JaboG 32 übernahm das TaktLwG 74 den Fliegerhorst als Ausweichplatz. Den größten Teil des Jahres 2014 und danach bis Herbst 2015 erfolgte der Flugbetrieb des Geschwaders vom Lechfeld aus, da die Start- und Landebahn dessen Hauptstützpunktes in Zell grundsaniert wurde.

Gemeinsame Flugvermessungs-Stelle (GFMS) Von 1976 bis 1993 war der Flugplatz Lechfeld Standort der Gemeinsamen Flugvermessungs-Stelle der Bundeswehr und der Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS). Die GFMS war zuständig für die Vermessung und Überprüfung der zivilen und militärischen Funknavigationssysteme zu folgenden Zwecken:

bei der Standortbeurteilung für eine neue Navigationsanlage, vor Zulassung einer neuen Anlage, bei periodischvorgeschriebenen Vermessungen und nach Reparaturen und/oder Kanal-/Antennenwechsel.

Für die Flugvermessung kamen bei der GFMS folgende Flugzeugtypen zum Einsatz:

De Havilland DH.104 Dove Hawker Siddeley HS.748 Hawker Siddeley HS.125

Nach Ablösung der Bundesanstalt für Flugsicherung durch die 1993 gegründete DFS Deutsche Flugsicherung gingen die Flugvermessungsaufgaben an die DFS bzw. deren Tochterfirmen über. Heute werden die deutschen Navigationsanlagen von der Firma Flight Calibration Services (FCS) vermessen. Dies ist eine in Braunschweig beheimatete, gemeinsame Tochterfirma der DFS Deutschen Flugsicherung, der österreichischen Flugsicherung Austro Control und der Schweizer Flugsicherung Skyguide.

Nutzung nach 2013 Bereits vor Außerdienststellung des JaboG 32 war der Standort Lechfeldkaserne auch Heimat weiterer Organisationseinheiten der Bundeswehr.

Die bestehende Ausbildungswerkstatt, in der die Bundeswehr zivil angestellte Fluggerätmechaniker/innen sowie auch IT-Systemelektroniker/innen ausbildet, blieb erhalten. Bis 2017 sollten weitere Teile des technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe von Kaufbeuren auf den Fliegerhorst Lechfeld verlegt werden. Hierzu kam es jedoch nicht, sodass die Ausbildungswerkstatt später in das TLG 74 integriert wurde.

Anschließend gab es Planungen für die Stationierung des Transportflugzeugs A400M in Lechfeld und für eine Investition von 170 Millionen Euro in die Infrastruktur. Darüber hinaus sollten in Lechfeld 500 neue Dienstposten geschaffen werden. Die wachsende Flotte des A400M wäre damit neben dem Fliegerhorst Wunstorf auf einen weiteren Standort aufgeteilt worden. Hierzu war die Aufstellung einer Multinational Air Transport Unit geplant, deren erster personeller Stab im September 2020 in Wunstorf aufgestellt wurde, mit Ungarn als erstem Partner. Das Vorhaben scheiterte 2022 mangels Beteiligung anderer Nationen.

Fliegerisch wurde der Fliegerhorst nach 2013 immer wieder auch von Verbündeten genutzt, insbesondere italienische Tornados flogen von hier bis zu ihrer Außerdienststellung Übungseinsätze in das Übungsgebiet Polygone. Vom 12. Juni bis zum 23. Juni 2023 fand auf dem Fliegerhorst ein Teil des Großmanövers Air Defender 23 statt. Die Übung war seinerzeit die größte von Luftstreitkräften seit Bestehen der NATO.

Heutige und zukünftige Nutzung Neben der Rolle als Ausweichplatz des TLG 74 wird der Standort durch eine Reihe weiterer Truppenteile anderer Teilstreitkräfte genutzt.

Zukünftig sollen hier die Abfangraketen der süddeutschen Arrow 3 Flugabwehr-Raketenstellung der Luftwaffe stationiert werden, während das Radar in der Nähe von Kaufbeuren aufgestellt werden soll.

Zwei Kompanien des Luftwaffenausbildungsbataillon 2 sollen am Standort aufgestellt werden.

Zivile Mitnutzung