mini|Kunstrasen mini|Fußballspiel auf Kunstrasen
Kunstrasen ist eine Art Kunststoffteppich, der in Aussehen und Verwendung einem Naturrasen nahekommt. Vorzugsweise wird er auf Sportplätzen z. B. für Hockey und Fußball verwendet, im Gewerbe- (Messen, Events, Ausstellungsräumen) und Privatbereich (als Ersatz für Naturrasen oder bspw. auf Balkons und Dachterrassen) als Bodenbelag.
Geschichte Kunstrasensysteme lassen sich in drei bis vier Generationen unterteilen. Systeme der ersten Generation, die bereits in den 1960er-Jahren vorgestellt wurden, zeichnen sich durch eine sehr dünne Polschicht aus und finden heutzutage – in verbesserten Versionen – fast nur noch im Hockeysport Verwendung.
Die 2. Generation, die in den 1980er- und 1990er-Jahren entwickelt wurde, verfügt mit einer Dicke von 25 bis 30 mm nach wie vor über eine recht kurze, hoch mit Quarzsand verfüllte Polschicht. Sie ist deshalb vor allem für Tennis, (bedingt) für Fußball und die Mehrzwecknutzung geeignet.
Die 3. Generation bietet optimale Bedingungen für den Fußball: Entstanden in den 1980er- und 1990er-Jahren, zeichnet sie sich durch eine Polhöhe beginnend bei 35 mm aus. Das mit Quarzsand und Gummigranulat teil- oder hochverfüllte System gilt als heutzutage (vor allem im Fußball) am Weitesten verbreitete System.
Der Übergang zur 4. Generation ist fließend. Seit Mitte der 2000er-Jahre wurden die internationalen Zertifizierungen seitens UEFA und FIFA vorangetrieben und bis heute und weiterhin ständig Verfeinerungen aller Komponenten entwickelt. Durch Verwendung und Weiterentwicklung alternativer Baustoffe reichen heutige Kunstrasensysteme immer näher an die Eigenschaften eines Naturrasens heran.
Herstellung und Verwendung Die sportfunktionellen und technischen Eigenschaften werden nicht nur durch den Kunststoffrasenbelag, sondern durch das gesamte Belagsystem, einschließlich Elastikschicht (EL) beziehungsweise Elastische Tragschicht (ET) bestimmt. Aufgrund der schnellen Weiterentwicklung der Kunststoffrasenbeläge und der großen Vielzahl an Belagtypen werden an die Projektierung, fachkundige Belagauswahl und eine konsequente Bauüberwachung hohe Anforderungen gestellt. Technische Anforderungen und Pflegehinweise enthält unter anderem DIN 18035-7 (Sportplätze, Kunststoffrasenflächen).
Aufbau mini|Moderner Kunstrasen mini|Nahtband für Kunstrasen mit aufgetragenem Kleber Kunstrasen wird überwiegend im sogenannten Tuftverfahren hergestellt. Die verwendeten Garne bestehen aus Polypropylen, Polyethylen oder Polyamid. Der Tuftrücken (Trägergewebe) wird mit Latex beschichtet und zumeist zusätzlich stabilisiert. Die Spielfelder für Fußball werden heute in der Regel mit Sand und/oder Gummigranulat befüllt.
Der Sand als untere Schicht der Verfüllung verleiht in erster Linie den Fasern des Spielfelds festen Halt. Er muss spezifische Eigenschaften hinsichtlich der Körnung und Reinheit erfüllen und gehört zu den Baustoffen, die nach DIN ausgewählt werden. Er sorgt für das erforderliche Gewicht und bestimmt auch die sportfunktionellen Eigenschaften.
Ist ein Kunstrasensystem neben Sand auch mit Kunststoffgranulat verfüllt, kommt dieses oberhalb der Sandschicht zum Einsatz. Das Granulat ist im Wesentlichen für die sportfunktionellen Eigenschaften des Systems verantwortlich und besteht in der Regel aus SBR, PUR-umhüllten SBR, EPDM oder TPE – im Rahmen der aktuellen Debatte um die Mikroplastik-Emissionen von Kunstrasensystemen ist aber auch Kork als alternatives Naturprodukt auf dem Vormarsch.
Trotz der meist ähnlichen Optik gibt es eine Vielzahl diverser Kunstrasenqualitäten, die je nach Einsatz (Fußball, Hockey, Tennis, Golf, Mehrzweck oder Ähnlichem) eine unterschiedliche Faserstruktur (gerade, gekräuselt), Faserdichte und Polhöhe haben. Für die Hockeynutzung kommen in der Regel Kunststoffrasenbeläge ohne Polverfüllung zur Verwendung. Kunststoffrasen wird meist in Rollen mit einer Breite von 1–4 m verlegt.
Bei der Polhöhe (oder: Noppenschenkellänge über Grund) handelt es sich um die gemessene Länge der künstlichen Halme über dem Trägersystem. Abhängig von dieser sind Art und Menge der Verfüllung. Die Gesamtdicke hingegen bezeichnet die Höhe des Kunstrasens inklusive der Trägerkonstruktion. Bei einer Verfüllung mit Gummigranulat und Quarzsand liegt die Polhöhe bei Fußball-Produkten etwa zwischen 35 mm und 60 mm. Bei Hockey, Tennis und unverfüllten Kunstrasenystemen ist von 10 mm bis 35 mm auszugehen. Ein entscheidendes Kriterium ist mit der Poldichte die Anzahl der Stiche pro Längeneinheit, also, wie dicht die Fasern gewebt sind.
Die Verlegung erfolgt jeweils auf einer Elastikschicht aus PUR-gebundenem Gummigranulat oder Schaumstoff-Bahnen oder -Platten. Eine weitere Gruppe von Belägen ist so konzipiert, dass ohne Elastikschicht, direkt auf dem mineralischen bzw. Asphalt-Untergrund, verlegt wird. Die Verbindung der Belagsstöße der Bahnenware bzw. der einzulegenden Linierung erfolgt durch Nahtbandagen aus Polyester- oder Polyamid-Vlies und PUR-Beschichtungsmasse oder (nur für unverfüllte Beläge) durch Vernähen mit einem, durch PUR-Bindemittel auf der Belagsrückseite gesicherten, PES-Faden.
Eine Belagsart mit unverfüllter Polschicht wird in Platten von 1 mal 2 m geliefert. Die Verbindung der Platten erfolgt mit Klettbändern und kann jederzeit gelöst werden.
Die Kunststoffrasenfläche ist in der Regel wasserdurchlässig. Diese Eigenschaft verbessert zum einen die Sport- und Schutzfunktion, zum anderen wird der Boden nicht versiegelt, so dass Niederschlagswasser an die unteren Schichten abgegeben werden kann. Die Wasserdurchlässigkeit wird in der Regel durch Perforation mit Löchern von etwa 4 mm Durchmesser im Abstand von 10–15 mm erreicht.
Untergrund mini|Kunstrasen-Rollen, bereit zum Auslegen mini|Auslegen des Kunstrasens Die Tragschicht muss für die Stabilität des Belagssystems (bleibende Ebenheit auch bei Belastung) und Wasserabführung sorgen. Die Erstellung erfolgt nach den bekannten Regeln des Sportplatzbaus (zum Beispiel DIN 18035-6 und -7). Mineralische Tragschichten müssen insbesondere frostunempfindlich ausgelegt sein. In der Regel sollte die oberste Tragschicht gebunden sein (zum Beispiel Drainasphalt).
Die Entwässerung erfolgt nur bei mäßig ergiebigen Regenfällen ausschließlich in vertikaler Richtung (das heißt durch die Tragschicht). Die Drainage mit den hierfür vorgesehenen Rohren liegt unsichtbar unter dem Spielfeld. Als Norm ist hierbei sportanlagenspezifisch die DIN 12805-3 zu nennen. Bei ergiebigem Regen tritt auch oberflächlicher Abfluss zu den Platzrändern ein (mit einem Gefälle des Platzes von 0,5–1 %), wo für eine ausreichend leistungsfähige Wasserabführung gesorgt werden muss. Die Entwässerung erfolgt in diesem Fall über an den Randbereichen des Spielfelds installierte Rinnensysteme. In der Regel verfügen solche Entwässerungsrinnen auch über Filteranlagen, die verhindern, dass aus dem Platz getragenes Granulat in Form von Mikroplastik in die Umwelt gelangt.
Die direkte Verlegung von Kunststoffrasenbelägen auf ungebundenen (mineralischen) Tragschichten ist problematisch. Dies trifft insbesondere auf die Schweiz zu, weil standfeste Korngemische mangels gebrochenem Gesteinsmaterial nicht immer verfügbar sind. Nicht trittfeste Korngemische führen im Laufe der Zeit zu Unebenheiten, die sich an der Belagsoberfläche abbilden. Die Standfestigkeit ist auch während der Verlegung des Belages wichtig, wenn Transportfahrzeuge die schweren Rasenbelagsrollen bewegen und die Polschichtfüllung aufbringen, damit die Tragschicht eben bleibt. Für die Trittfestigkeit von ungebundenen/mineralischen Tragschichten ist der Zustand im wassergesättigten Zustand maßgebend (beim Betreten darf zum Beispiel keine Entmischung der Feinteile des Tragschichtmaterials eintreten). Geeignete Materialien bestehen im Prinzip aus gebrochenem Gestein ausreichender Festigkeit mit einem Größtkorn von mindestens 24 mm und einem geringen Feinkorngehalt.
Hersteller von Kunstrasen für private Gärten empfehlen ebenfalls eine bauliche Vorbereitung des Untergrunds: Zunächst wird der obere Mutterboden bis in 10–12 cm Tiefe entfernt und durch ein mit Stampfern oder Rüttelplatten verdichtetes Sandbett, oder auch Sand-Zement-Gemische, ersetzt. Kunstrasen selber verlegen, Verdichtetes Sandbett, kunstrasen.de, 14. Mai 2020Verlegung von Kunstrasen, Verdichtetes Sand-/Splittbett mit Zement, royalgrass.de, 14. Mai 2020 Darauf kommt ein Geovlies, welches einerseits der Versiegelung gegen unerwünschte Pflanzen, andererseits der Stabilisierung des Untergrunds dient. Zusätzlich können für Spielanlagen noch Falldämpfungen eingefügt werden, bevor darüber der Kunstrasen verlegt wird.Kunstrasen auf Spielplätzen, Spielplatz mit Falldämpfung, kunstrasen.de, 14. Mai 2020
Verwendung Sport Die Nutzung von Kunstrasen als Sportbelag begann in den 1960er-Jahren in den USA. Als erste Anwendung gilt das zur Saison 1966 im NRG Astrodome verlegte ChemGrass, später unter dem Markenbegriff AstroTurf benannt geworden. Auch in Deutschland setzen heute Sportvereine im Profi- und Amateurbereich verstärkt auf Kunstrasen. Ausschlaggebend sind dabei ein weitestgehend witterungsunabhängiger Spielbetrieb, der eine höhere Auslastung der Fläche ermöglicht, bei gleichbleibend guten Spieleigenschaften und Strapazierfähigkeit.
Kunstrasenplätze ohne Granulatfüllung (Vollkunststoffrasen) werden nass bespielt. Der Rasen wird regelmäßig – zum Beispiel in den Halbzeitpausen – gewässert. Die Nässe verringert die Gefahr von Schürfwunden bei Tacklings oder im Fall von Stürzen und reduziert den Abrieb des Fasermaterials.
Kunstrasenplätze im Fußball werden zumeist mit Einstreugranulat verfüllt, welches entweder aus Kunststoff oder natürlichen Materialien wie z. B. Kork oder Quarzsand besteht. Es existieren auf die Bedürfnisse des Fußballsports abgestimmte Granulate, die in hohem Maße zur Dämpfung des Spielfelds beitragen und entscheidenden Einfluss auf das Spring- und Rollverhalten des Balls haben. Eine regelmäßige Nachverfüllung der stark beanspruchten Spielfeldzonen (Strafraum, Mittelkreis) trägt erheblich zur Lebensdauer und zum Qualitätserhalt der Kunstrasentragschicht bei.
Die gebräuchliche Formel, die zur Entscheidungshilfe bezüglich des Sportplatzbelags beiträgt, besagt, dass bei einer Nutzung von 800 bis 2500 Stunden pro Jahr der Kunstrasen am besten geeignet ist und daher empfohlen wird.
Die Kosten beim Neubau eines Kunstrasenspielfelds (Standardmaße 105 m × 68 m) mit Stand im Jahre 2016 lagen zwischen 460.000 Euro und 600.000 Euro.Kunstrasen. In: sportstaettenrechner.de Entscheidende Faktoren der Kostenberechnung sind die äußeren Faktoren, wie bspw. die Beschaffenheit des Untergrunds oder die Zugänglichkeit der Baustelle, ebenso wie die produktspezifischen Faktoren, die je nach Qualität, Hersteller und regionaler Preisunterschiede variieren können.
Gewerblicher, öffentlicher, privater Bereich Neben der ursprünglichen Verwendung im Sportbereich findet Kunstrasen auch in anderen Bereichen als Bodenbelag und Alternative zu Naturrasen Anwendung. Öffentliche Einrichtungen nutzen Kunstrasen vereinzelt für Grünflächen und Spielplätze – in diesem Zusammenhang kommt Kunstrasen auch bei Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten zum Einsatz. Auf Messen und Ausstellungen wird Kunstrasen aufgrund seiner Belastbarkeit und leichtem Rückbau zu Dekorationszwecken eingesetzt. Im Privatbereich wird Kunstrasen als Alternative zum Rasen gewählt, wenn an dem entsprechenden Ort entweder keine Voraussetzungen für Naturrasen geschaffen werden können (wie bspw. auf Dachterrassen oder Balkonen) oder zur Vermeidung eines unordentlichen Erscheinungsbildes bei geringem Pflegeaufwand. Dort ist er eine Alternative zu Versiegelung und Schottergärten, welche das Aussehen von naturgewachsenem Rasen imitiert.
Pflege