Altshausen ist eine Gemeinde im nördlichen Landkreis Ravensburg zwischen Donautal und Bodensee. Überregional bekannt ist der Ort durch das Schloss Altshausen, die ehemalige Residenz des Landkomturs der Ballei Schwaben-Elsass-Burgund des Deutschen Ritterordens und ehemaliger Wohnsitz von Carl Herzog von Württemberg.
Geographie Lage Altshausen liegt in Oberschwaben, etwa vierzig Kilometer nördlich des Bodensees. Nordwestlich der Gemeinde befindet sich der Naturpark Obere Donau. Südöstlich der Gemeinde befindet sich der Höhenzug Altdorfer Wald. mini|Altshausen von Nordosten mini|Luftbild von Hirschegg Schutzgebiete Westlich der Ortsmitte, direkt an der Bundesstraße 32, liegt das rund 50 Hektar große Naturschutzgebiet „Altshauser Weiher“. Im Gebiet sind mehr als 300 Gefäßpflanzenarten, über 60 beobachtete Vogelarten sowie diverse Fisch-, Libellen- und Amphibienspezies beheimatet. Südwestlich von Altshausen liegt das 57 Hektar große Naturschutzgebiet „Dolpenried“, ein kleines Hochmoor mit Übergangsmoor auf abgetorften Flächen mit Blindsee und Schwingrasen.
Beide Schutzgebiete sind Teil des FFH-Gebiets „Feuchtgebiete um Altshausen“ als auch des Vogelschutzgebiets „Blitzenreuter Seenplatte mit Altshauser Weiher“.
Geschichte Die Gegend um Altshausen war schon in der Frühgeschichte stark besiedelt. Neben keltischen Grabhügeln südlich von Altshausen wurden auch im 19. Jahrhundert Spuren einer römischen Straße und eines römischen Gutshofes entdeckt.
Der Name der Siedlung wird erstmals mit Wolfrad von Altshausen, einem Vasallen Heinrichs II. im Jahr 1004 erwähnt. Seine Nachkommen bezeichneten sich ab 1134 als Grafen von Veringen, aus denen später die Grafen von Nellenburg hervorgingen. Der Ort selbst konnte sich unter den nachfolgenden Besitzern bis zur Mediatisierung 1803 Reichsdorfähnliche Rechte erhalten.Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 11.
Im Jahre 1264 erhielt der Deutsche Orden Besitz in Altshausen und Umgebung und trat damit die Besitznachfolge von Heinrich von Bigenburg an. Herrschaftsmittelpunkt bildete die Burg Altshausen. In den folgenden beiden Jahrhunderten gelang es dem Deutschen Orden, eine kleine arrondierte Herrschaft um den Herrschaftsmittelpunkt Altshausen aufzubauen. Seit 1440 residierte der Landkomtur der Deutschordensballei Schwaben-Elsass-Burgund in Altshausen. Im 18. Jahrhundert ließ der Deutsche Orden ein weitläufiges Barockschloss errichten, das jedoch unvollendet blieb (siehe Schloss Altshausen). mini|links|Torgebäude des Schlosses Altshausen
Die Deutschordenskommende Altshausen umfasste zunächst den zentralen Ort Altshausen mit acht dazugehörigen Weilern und Höfen: die Weiler Ragenreute und Reute, je zwei Höfe in Hirschegg, Hangen und Baltshaus, sowie je einen Hof in Häusern, Hundsrücken und Zwirtenberg. In Altshausen und Umgebung lagen vier große Pachthöfe: Maierei Altshausen, Lichtenfeld, Tiergarten und Arnetsreute. Darüber hinaus zählten zur Kommende die Pfarrdörfer Ebersbach mit dem Weiler Ried, Hochberg mit dem Weiler Luditsweiler, Fleischwangen, Pfrungen, und die Dörfer Eichstegen, Kreenried mit dem Weiler Käfersulgen sowie Mendelbeuren.Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715). In: Ulm und Oberschwaben, 60, 2017, S. 276–338. mini|Marktplatz
Insgesamt lebten 1806 1683 Untertanen in der Herrschaft. In diesem Gebiet nahm der Deutsche Orden sämtliche Herrschaftsrechte wahr; nur beim Zehnten gab es noch andere Berechtigte. Außerdem befanden sich zwölf Lehnshöfe im Besitz anderer Grundherrschaften; das Dorf Mendelbeuren hatte der Deutsche Orden vom Bistum Konstanz als Reichenauisches Lehen inne. Dagegen besaß der Orden in anderen Herrschaften ebenfalls eigene Lehnsgüter. Zur Kommende Altshausen gehörten die Herrschaften Hohenfels, Ellhofen, Arnegg, Achberg und das Gut Illerrieden an der Iller. Daneben verfügte sie über ein Haus in Ravensburg, über Besitz in Sipplingen und Immenstaad am Bodensee sowie über Weinberge am Bodensee in Hinterhausen und Wallhausen. Auf zwei ordenseigenen Alpen im Bregenzer Wald, der Rindbergalp und der Hirschgundalp bei Sibratsgfäll, wurde Vieh gehalten und eine Sennerei betrieben. mini|links|Postkarte aus Altshausen (um 1900)
Im Jahr 1806 fiel die Kommende Altshausen im Zuge der Säkularisation und Mediatisierung zunächst an das Königreich Bayern; nur das Dorf Pfrungen wurde von zwei badischen Soldaten besetzt. Im darauffolgenden Jahr gelang es König Friedrich I. von Württemberg jedoch auf dem Verhandlungswege, die Kommende in seinen Besitz zu bringen. Er übernahm das Schloss als Privateigentum. 1810 erwarb er die Herrschaft Altshausen durch Tausch gegen die württembergische Herrschaft Weiltingen bei Dinkelsbühl (die an Bayern fiel) ebenfalls für sein Privatvermögen. Zur Verwaltung der Besitzungen wurde in Altshausen ein Hofkameralamt eingerichtet, das bis 1965 bestand und dann nach Friedrichshafen verlegt wurde.
Im Königreich Württemberg gehörte Altshausen zum Oberamt Saulgau.
Nachdem in den 1820er Jahren die ersten Hopfenanlagen angelegt worden waren, entwickelte sich Altshausen zu einem bedeutenden Anbaugebiet für hochwertigen Hopfen. Durch die Konkurrenz mit billigem Hopfen aus dem Ausland verlor der Hopfenanbau jedoch an Bedeutung und wurde um 1960 eingestellt.
Im Jahr 1837 wurde eine Zuckerfabrik errichtet. Die Bauern ermutigte man zum Rübenanbau, der sich jedoch als äußerst arbeitsaufwändig und nicht allzu gewinnträchtig erwies. Zeitweise beschäftigte die Zuckerfabrik in der Saison fast 1000 Arbeitskräfte, darunter viele Taglöhner. Als die Firma 1854 in Konkurs ging, wurde sie von der badischen Zuckerfabrik übernommen. Im Jahr 1892 gab man die Fabrik endgültig auf. Später nutzten die Franziskanerinnen von Reute das große Fabrikgebäude unter dem Namen „Josefshaus“ als Invalidenhaus, später als Alten- und Pflegeheim. Heute ist die Altenhilfeeinrichtung „Wohnpark St. Josef“ der St.-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee dort untergebracht.
Von überörtlicher Bedeutung war ebenfalls das Martinshaus, 1869 von Johann Leopold mit Unterstützung des Gustav-Adolf-Vereins gegründet, um evangelischen Jugendlichen in der oberschwäbischen Diaspora Religionsunterricht und die Konfirmation zu ermöglichen. Die Einrichtung bestand bis 1977.Peter Eitel: Oberschwäbische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 3 Thorbecke-Verlag Ostfildern 2022, S. 127, 471.Verena Türck: L5 - Martinshaus Altshausen (1869-1977), o. D., Württembergische Kirchengeschichte Online, wkgo.de
Während der Zeit des Königreichs kamen die Monarchen nur gelegentlich nach Altshausen, entweder über Nacht auf der Durchreise oder zur Jagd. Als jedoch König Wilhelm II. von Württemberg im November 1918 abdankte, überließ er das Schloss als Wohnsitz dem präsumtiven Thronfolger Herzog Albrecht von Württemberg (1865–1939), der als Generalfeldmarschall einer der höchsten deutschen militärischen Führer im Ersten Weltkrieg gewesen war. Nach dem Tod des Königs fiel Schloss Altshausen mit dem gesamten Hofkammergut an die im 19. Jahrhundert katholisch gewordene Linie des Hauses Württemberg.
Herzog Albrecht ließ das Schloss herrichten und 1927 an der Rückseite der Schloss- und Pfarrkirche eine Gruft errichten, wohin er die verstorbenen Mitglieder seiner Familie überführen ließ. Bis heute ist diese Gruft Familiengrablege des Hauses Württemberg. Nach seinem Tod trat Philipp Albrecht Herzog von Württemberg (1893–1975) die Nachfolge an.
Die Gemeinde Altshausen gehörte noch bis 1938 zum Oberamt Saulgau, das seit 1934 „Kreis Saulgau“ hieß und 1938 in den neuen Landkreis Saulgau überführt wurde. 1945 geriet Altshausen in die Französische Besatzungszone und kam somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
Im Schloss Altshausen residierte von 1975 bis zu seinem Tod 2022 Carl Herzog von Württemberg (1936–2022) mit seiner Familie. Dieser ist seit 1960 verheiratet mit Diane (* 1940), geborene d’Orléans, die als Künstlerin bekannt geworden ist. Einige ihrer Kunstwerke sind im Schlosspark zu sehen. Das Schloss selbst ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Seit 1972 ist Altshausen Teil und Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Altshausen. Ein Jahr später wurde die Gemeinde im Zuge der Kreisreform in Baden-Württemberg dem Landkreis Ravensburg zugeordnet.
Religionen Die überwiegend römisch-katholische Bevölkerung Altshausens besucht die Pfarr- und Schlosskirche St. Michael. Auch die seit 1855 bestehende evangelische Kirchengemeinde verfügt über ein eigenes Kirchengebäude.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Altshausen besteht normalerweise aus 14 Personen, da nicht genügend Bewerber zur Verfügung standen, konnten nur 12 Personen gewählt werden. Er besteht damit aus diesen 12 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Partei / Liste 2024 2019 2014 Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze CDU 92,47 % 11 42,4 % 6 54,7 % 8 ödp 7,53 % 1 7,9 % 1 6,7 % 1 FWV – – 49,6 % 7 38,6 % 5 Die Wahlbeteiligung lag bei 55,51 % (2019: 59,5 %).
Bürgermeister Am 28. November 2010 wurde Kurt König mit 94,35 Prozent der abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 37,4 Prozent in seinem Amt als Bürgermeister von Altshausen bestätigtJulia Freyda: Kurt König behält das Zepter fest in der Hand, »Schwäbische« online vom 28. November 2010 und trat am 22. Januar 2011 seine vierte Amtsperiode an (erste Wahl 1987).Julia Freyda: Verpflichtet: König startet in vierte Amtszeit, »Schwäbische« online vom 20. Januar 2011 Im Oktober 2014 wurde Patrick Bauser zum neuen Bürgermeister gewählt. Er trat das Amt im Januar 2015 an. Am 23. Oktober 2022 wurde Bauser mit 95,5 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.
Wappen
Partnerschaften Partnergemeinden von Altshausen sind Bicske (Ungarn), seit 1996 Sausset-les-Pins (Frankreich), seit 2009
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Herzog-Albrecht-Allee mit evang. Kirche und Schloss Altshausen Altshausen liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße und am Schwäbische-Alb-Oberschwaben-Weg, die beide an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen. Der Ort ist durch Alleen geprägt. Vom Schloss aus führt die Herzog-Albrecht-Allee Richtung Südosten. Sie war ursprünglich 3,5 Kilometer lang, wurde aber durch den Bau der Bahnstrecken unterbrochen. An der Allee liegt der Hardtweiher, welcher um 1800 das Zentrum eines Seeparks bildete.Eberhard Fritz: Die „Anlagen“ in Altshausen. Ein herausragendes Beispiel repräsentativer Landschaftsgestaltung. In: Altshauser Hefte, 14, 2017, S. 53–63.
Deutschordenskommende Hauptsehenswürdigkeit sind die Gebäude der ehemaligen Deutschordenskommende Altshausen: Schloss Altshausen Pfarr- und Schlosskirche St. Michael Heiliges Grab zu Altshausen bei der Pfarr- und Schlosskirche Grablege des Hauses Württemberg bei der Pfarr- und Schlosskirche Hermannus-Kapelle und Hermannus-Ausstellung in der Pfarr- und Schlosskirche zur Erinnerung an Hermann den Lahmen (1013–1054) Linde im Schlossinnenbereich mit einem Stammumfang von 7,32 m (2015).
Kapellen An den ehemaligen Ortsausgängen stehen fünf Kapellen: die Friedhofskapelle St. Salvator an der Straße nach Bad Saulgau, seit 2009 renoviert und für Beerdigungsgottesdienste genutzt die achteckige barocke St. Anna-Kapelle an der Straße nach Ebersbach-Musbach die gotische, barockisierte Marienkapelle die barocke, im 18. Jahrhundert umgestaltete Kreuzkapelle die offene Bitzenkapelle außen an der Schlossgartenmauer
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