Die Fronde war eine Reihe von Bürgerkriegen und politischen Aufständen in Frankreich, die zwischen 1648 und 1653 stattfanden. Die Fronde entstand als Reaktion auf die Politik der Regierung, die in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges auf höhere Steuern und Zentralisierung abzielte. In verschiedenen Teilen der französischen Gesellschaft wuchs der Unmut, da diese Maßnahmen als Bedrohung für traditionelle Privilegien, wirtschaftliche Interessen und lokale Autonomie empfunden wurden. Spannungen zwischen der Krone und dem Parlement von Paris, das sich gegen neue Steuerverordnungen und eine stärkere Einschränkung politischer Befugnisse wandte, führten zur Fronde parlementaire und einem vorübergehenden Zugeständnis seitens der königlichen Regierung. In der zweiten Phase, der Fronde des Princes, kam es zur militärischen Auseinandersetzung des Hochadels, darunter Louis II. de Bourbon, Fürst von Condé, mit der Krone. Ihre Beweggründe reichten von persönlichem Ehrgeiz und Misstrauen gegenüber Mazarin bis hin zu einer umfassenderen Opposition gegen die Art und Weise, wie die königliche Macht ausgeübt wurde.
Der Ausgang der Fronde führte letztendlich zu einer Stärkung der königlichen Autorität. Bis 1653 waren die Aufstände und der bewaffnete Widerstand niedergeschlagen.
Der Begriff fronde entstand um das Jahr 1648. Ursprünglich bezeichnete er eine Wurfschleuder, mit der Kinder spielten. Davon leitete sich das Verb fronder ab, das in der Politik verwendet wurde, um gegen den königlichen Hof oder die Regierung gerichtete Meinungsäußerungen zu beschreiben. In den späten 1640er Jahren wurden dann allgemein alle Angehörigen der Parlements, die gegen die Regierung opponierten, als frondeurs bezeichnet.
Ende des Jahres 1651 erschienen schließlich Flugblätter, in denen die politischen Ereignisse seit 1648 insgesamt mit dem Wort fronde beschrieben wurden, und bis zum Ende des 17. Jahrhunderts etablierte sich der Begriff fest in der Historiographie. Heute versteht man neben den historischen Ereignissen zwischen 1648 und 1653 unter fronde auch eine Gruppe unorganisierter Oppositioneller gegen eine Regierung oder allgemein die Ablehnung einer Autorität.
Vorgeschichte Seit Oktober 1635 befand sich Frankreich zusammen mit Schweden im Krieg gegen den römisch-deutschen Kaiser und der katholischen Liga. Gleichzeitig führte Frankreich seit Mai Krieg gegen Spanien.Chevallier: 1979, S. 495, 504. Die steigenden Kriegskosten führten zu einer immer höheren Steuerlast. Im Vergleich zu 1626 hatte sich die Höhe der TailleDiese Steuer entfiel fast ausschließlich auf die Bauernschaft und machte im Jahr 1639 bereits 54 Prozent des königlichen Gesamthaushaltes aus. Yves-Marie Bercé: 1996, S. 136. bis 1636 verdoppelt und einschließlich der militärischen Zuschläge bis 1639 mehr als verdreifacht. Die Ausgaben für den Krieg stiegen im gleichen Zeitraum von 17 Millionen Livres 1610 auf 39 Millionen 1635 und 44 Millionen Livres im Jahr 1642.Cooper: 2008, S. 47.
Seit dem ausgiebigen Einsatz der Intendanten, Vertreter der Krone, die unabhängig von den lokalen Beamten agierten, gab es einen anhaltenden Konflikt zwischen dem Adel und der königlichen Regierung in Paris, über die gerechte Erhebung und Verteilung der Steuern.Tapié: 1984, S. XVII.Cooper: 2008, S. 79. Der König allein hatte die Autorität über die Intendanten. Kam es zu Konflikten mit den lokalen Parlementen hob der König deren Dekrete wieder auf. Dank dieser Vertreter war der König nicht mehr von Beamten abhängig, die sich ihre Ämter erkauft hatten.Mousnier: 2008, S. 482. Um neue Steuern zu erheben, brauchte der König die Zustimmung des Parlements.Tapié: 1984, S. XVII. Um diese Abhängigkeit zu durchbrechen, versuchte Richelieu bis zu seinem Tod die Rechte des Parlements immer weiter einzuschränken.Hamscher: 1976, S. XVII f., 8.
Neuer Erster Minister und Regentschaft von Anna von Österreich Nach dem Tod von Richelieu am 4. Dezember 1642 übernahm Kardinal Mazarin das Amt des Principal Ministre d’État.Treasure: 1997, S. 57.Perkins: 1886, S. 230. Fünf Monate später starb Ludwig XIII. Da der Dauphin Ludwig noch minderjährig war, übernahm seine Mutter Anna von Österreich die Regentschaft.Wolf: 1970, S. 37, 40. Mazarin gelang es schnell das Vertrauen der Königinmutter zu gewinnen. Dadurch war er in der Lage seine aggressive Außenpolitik gegenüber dem Reich und Spanien fortzusetzen, wobei er sich im inneren weiteren Problemen mit den Parlementen und der Finanzierung des Krieges ausgesetzt sah.Goubert: 1993, S. 56, 96 f. Darüber hinaus sah sich Mazarin wiederholt mit Aufständen gegen zu hohe Steuern konfrontiert. 1643 in Rovergue und Tours 1644 in Montpellier und 1645 und 1646 in Paris.Treasure: 1997, S. 103–107. Der Widerstand im Parlement von Paris, neue Steuern rechtlich zu bestätigen, hatte sich bis September 1645 so weit verstärkt, dass Mazarin ein Lit de justice einberief. In dieser feierlichen, vom König selbst geleiteten Sitzung wurde das Parlement gezwungen, die umstrittenen Edikte und Steuerbeschlüsse offiziell zu registrieren.Levi: 2004, S. 51 f.Goubert: 1993, S. 193.
Verlauf mini|hochkant|Unruhen in Paris: Der Präsident des Parlements, Molé, bedrängt von Aufständischen
Auftakt Anfang 1648 stand eine Reihe von Steuermaßnahmen zur Protokollierung an, darunter die erneute Ausweitung des Ämterkaufs sowie die Erhöhung des Franc-fief und der Censive-Abgaben. Um den Widerstand des Parlaments gegen diese Edikte zu brechen, berief Mazarin für den 15. Januar erneut ein Lit de justice ein. Während der Sitzung übten Vertreter des Parlements, unter ihnen der Generaladvokat Omer Talon, jedoch scharfe Kritik an der Regierungspraxis. Die zentralen Argumente waren die unzulässige Anwendung des Lit de justice während einer Minderjährigkeit des Königs sowie die verheerenden wirtschaftlichen Folgen der Steuerlast für die Provinzen. Talon forderte die Regentin Anna von Österreich ausdrücklich zur moralischen Prüfung dieser Politik auf, was von dieser als persönlicher Affront zurückgewiesen wurde. Bereits am folgenden Tag demonstrierte das Parlement seine Opposition, indem es das Lit de justice für rechtlich nichtig erklärte. Die Richter nahmen die eigenständigen Beratungen über die vorgelegten Edikte wieder auf, was einen direkten Übergriff auf die königliche Autorität darstellte.Goubert: 1993, S. 198 f.
Die Vereinbarung, wonach die Amtsträger des Parlements und der souverain courts alle neun Jahre die Paulette entrichteten, war im vorangegangenen Dezember 1647 ausgelaufen.Levi: 2004, S. 52. Da diese Steuer den Richtern die Erblichkeit ihrer Ämter – und damit ihr Familienvermögen sowie ihren Status in der Noblesse de Robe – sicherte, war deren Erneuerung für die Justizelite existenziell. Mazarin erkannte diese Abhängigkeit und versuchte im Frühjahr 1648, die Erneuerung des Privilegs für ein riskantes finanzielles Manöver zu nutzen. Zunächst wurden die Edikte, deren Registrierung vom Parlement verweigert worden war, den drei anderen souveränen Gerichten vorgelegt.Goubert: 1993, S. 198. Anschließend forderte als Gegenleistung für die Paulette, den Verzicht auf vier Jahresgehälter.
Um den zu erwartenden Widerstand zu brechen, nahm er das Parlement von Paris von dieser Forderung aus. Dieser Versuch, die Institutionen durch „Teile und herrsche“ gegeneinander auszuspielen, erwies sich jedoch als schwerer politischer Fehlkalkulation. Die Richter der verschiedenen Höfe waren durch Verwandtschaft, Heiratsallianzen und gemeinsame Standesinteressen so eng miteinander verflochten, dass das Parlement von Paris das Angebot der Krone als durchschaubaren Bestechungsversuch ablehnte. Am 13. Mai 1648 entschieden die einzelnen Höfe Vertreter in die Chambre de Saint-Louis zu entsenden. Dort sollte erörtert werden, ob ein Ausländer Mazarin das Amt des Ersten Ministers ausüben dürfe, ferner sollte Surintendant des Finances Michel Particelli d’Émery Rechenschaft über seine Misswirtschaft abzulegen. Um dem entgegenzuwirken, ließ Anna am 18. Mai alle Edikte bezüglich der Paulette aufheben was den Richtern ihre wirtschaftliche Grundlage entzog.
Von Mitte Mai bis Ende Juni war die Regierung bemüht die Kontrolle wieder zu erlangen; die Versammlung wurde für illegal erklärt, und es kam zu Festnahmen. Zu den Schwierigkeiten, die durch den weit verbreiteten Aufruhr in den Provinzen entstanden, kam noch die Fehleinschätzung über das Verhalten der lokalen Beamten. In der Annahme, dass die örtlichen Parlemente und Gerichtshöfe Delegierte nach Paris entsenden würden, verschwendete die Regierung in Paris Zeit und Energie damit, jegliche Verbindung zwischen der Hauptstadt und den Provinzen zu blockieren. Diese Verbindung wurde von den lokalen Höfen und Parlementen gar nicht angestrebt. In Paris hatten Anna und Mazarin den Provinzialismus nicht erkannt. Die regionalen Parlemente waren zwar durchaus bereit, die Schwierigkeiten der Regentin in der Hauptstadt auszunutzen, doch vermieden sie größtenteils jede formelle Bindung, die ihre Verhandlungsfreiheit bei lokalen Reformen einschränken und sie möglicherweise zu bloßen Marionetten der Pariser Richter gemacht hätte.Moote: 1972, S. 128 f.
Die lokalen Finanzbeamten reagierten wohlwollender als die Abgeordneten der Provinzen, da sie neben ihren lokalen Strukturen auch ständige Vertreter in der Hauptstadt hatten. Am 23. Mai entsandten sie ein öffentliches Schreiben an das Parlement in Paris. Darin forderten sie die rechtliche Handhabe, eine Summe von fünf Millionen Livres von den privaten Steuereinnehmern, den sogenannten Traitants, einzuziehen. Der Vorwurf lautete, dass diese Beamten Gelder unterschlagen hatten, die eigentlich für die Auszahlung von Gehältern bestimmt waren. Gleichzeitig wurden die örtlichen Finanzbeamte aufgefordert, sich mit den anderen Beamten in ihren Gemeinden zusammenzuschließen und alle Dokumente, die das Fehlverhalten der Intendanten und Traitants belegten, nach Paris weiterzuleiten.Moote: 1972, S. 129. Ende Juni sah sich die Regentin gezwungen der Forderung des Parlements auf Versammlung nachzugeben. Zwischen dem 30. Juni und dem 9. Juli verabschiedete das Parlament 27 Artikel, in denen die Abschaffung der Intendanten, die strafrechtliche Verfolgung der Steuerpächter und Finanziers, die Einführung des Habeas-Corpus-Prinzips sowie die Kontrolle über die Finanzen der Monarchie gefordert wurden.Goubert: 1993, S. 200–203.
Fronde parlementaire Am 20. August hatte die französische Armee unter Condé die Spanier besiegt. Die Meldung des Sieges gab Anne die Möglichkeit, gegen das Parlement vorzugehen. Nach einer Zeremonie in Notre-Dame am 26. August wurden die führenden Köpfe des Widerstands, René Potier de Blancmesnil, Nicolas Charton und Pierre Broussel, verhaftet. Die Nachricht von der Verhaftung verbreitete sich rasch in ganz Paris und führte zu Unruhen unter der Pariser Bevölkerung. Die Regentin ignorierte zunächst die Warnungen, wurde jedoch durch den gewaltsamen Widerstand des Volkes gegen Kanzler Séguier und die Vermittlung Mazarins zur Freilassung von Pierre Broussel gedrängt. Nach Verhandlungen mit dem Parlement stimmte sie der Entlassung zu, um die angespannte Lage in der Hauptstadt zu entschärfen. Trotz der Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung hielten die Spannungen zwischen der Regierung und dem Parlement an. Mazarin riet zu einer versöhnlichen Haltung, um Zeit zu gewinnen und auf künftige Gelegenheiten zur Wiedererlangung der Staatsgewalt zu warten. Infolgedessen fügte sich Anne widerwillig den Forderungen des Parlements und bereitete sich darauf vor, Paris zu verlassen. Am 13. September zogen sich Ludwig XIV. und seine Mutter nach Ruel zurück.Perkins: 1886, S. 423, 424 ff, 432–437.