mini|Bahnhofsschild Herford Der Bahnhof Herford ist ein Kreuzungsbahnhof in der ostwestfälischen Stadt Herford in Nordrhein-Westfalen.
Der Bahnhof hat vier Bahnsteige an sieben Bahnsteiggleisen. Er liegt an der insgesamt viergleisigen, elektrifizierten Eisenbahnhauptstrecke von Hamm (Westfalen) nach Minden, einem Teilstück der Stammstrecke der historischen Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft.
Im Bahnhof Herford zweigt Richtung Süden die Bahnstrecke nach Himmighausen ab, in Richtung Norden die Bahnstrecke Herford–Kirchlengern mit Durchbindung zur Bahnstrecke Löhne–Rheine und in Bünde zur Bahnstrecke Bünde–Bassum nach Rahden.
Lage mini|Bahnhof Herford Luftbild Der Bahnhof liegt in der Radewiger Feldmark nur etwa 300 m von der Herforder Innenstadt (Radewig) entfernt. Nur etwas weiter ist es zum im Jahre 2005 eröffneten Kunst- und Designmuseum Marta Herford, nach dem zwischenzeitlich das Marta-Viertel benannt wurde. Auf dem Weg dorthin steht die Herforder Musikschule. In der Nähe des Bahnhofs befinden sich auch die Kreisverwaltung, das Finanzamt, das Technische Rathaus, die Diskothek GoParc und die Parkhäuser Radewig und Marta-Viertel.
Die Bahnstrecke liegt in Hochlage, so dass die im Stadtgebiet kreuzenden Straßen darunter hindurch führen. Die Gleisanlagen sind in Nordost-Südwest-Richtung ausgerichtet.
Geschichte mini|Bahnhofsgebäude von 1902 mit überdachtem Zugang zum anschließenden Bussteig Anfänge Am 15. Oktober 1847 erhielt Herford Anschluss an die Bahnlinie der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft mit einer zunächst eingleisigen Strecke. Als provisorisches Empfangsgebäude wurde 1851 ein Backsteinbau errichtet. Ein zweites Gleis wurde 1853 bis Bielefeld und 1854 bis Bad Oeynhausen in Betrieb genommen. Zwischen 1873 und 1875 wurden die Bahnhofsanlagen umgebaut und das Empfangsgebäude erweitert. 1879 und 1880 wurde ein Lokomotivschuppen mit Drehscheibe, Wasserturm und Kohlenschuppen gebaut. Am 31. Dezember 1880 kam die eingleisige Bahnstrecke Herford–Himmighausen hinzu.
20. Jahrhundert Am 31. März 1901 entgleiste ein Personenzug vor der Einfahrt in den Herforder Bahnhof. Dabei erlitten einige Personen nur leichte Verletzungen.
Im Jahr 1902 wurde das alte Empfangsgebäude durch ein neues Gebäude ersetzt und zwischenzeitlich mehrfach umgebaut. Auf dem bis heute eingleisigen Abzweig nach Kirchlengern wurde der Betrieb am 1. Juli 1904 aufgenommen. mini|Dampflokomotive der Baureihe 05 im Bahnhof Herford am 30. März 1953 Ab 1911 wurden die beiden Güterzuggleise zwischen Hamm und Minden gebaut, die zwischen 1912 und 1916 in Betrieb gingen, so dass die Strecke seitdem viergleisig ist. In diesem Zusammenhang wurde die bis dahin ebenerdige Bahnstrecke auf einen Damm gelegt und die Bahnübergänge durch Brücken ersetzt. Außerdem kamen neue Güter- und Abstellgleise hinzu, für die die alte Güterabfertigung abgebrochen werden musste. Sie wurde 1918 weiter westlich am heutigen Standort neu gebaut.
Im Zweiten Weltkrieg gab es für den Bahnhof nur geringe Schäden, die relativ schnell beseitigt werden konnten. 1954 begann man mit dem Abriss des Bahnbetriebswerkes.
Seit Mitte der 1960er Jahre ist die Hauptstrecke elektrifiziert. Der erste elektrisch bespannte Zug fuhr am 29. September 1968 durch den Bahnhof. Es folgte am 27. Mai 1975 die Strecke bis Himmighausen und am 20. September 1976 die Verbindung nach Kirchlengern.
Zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren hielten sogenannte Heckeneilzüge in Herford, die größtenteils über die eingleisigen Strecken Herford–Himmighausen und Herford–Kirchlengern verkehrten. So gab es beispielsweise Direktverbindungen von und nach Hamburg-Altona, Bremen, Cuxhaven, Wilhelmshaven, Oldenburg (Oldenburg), Frankfurt (Main), München und Basel. Einzelheiten hierzu sind den Abschnitten Fernverkehr und Nahverkehr der Strecken Herford–Kirchlengern und Herford–Himmighausen zu entnehmen.
1975/76 wurden die Holzdächer auf den Bahnsteigen durch Stahldächer ersetzt und eine neue Güterabfertigung gebaut. Seit 1987 steht das Gebäude des Bahnhofes unter Denkmalschutz.Liste der Baudenkmäler der Stadt Herford (PDF; 77 kB) Seit 1988 halten auch Intercityzüge in Herford. 1997 wurde der Stückgutverkehr eingestellt. Seitdem wird die 1918 erbaute Güterhalle nicht mehr von der Bahn genutzt.
Barrierefreier Umbau Allgemeines mini|Der 2013 erneuerte Fußgängertunnel Zwischen Dezember 2008 und Mitte 2013 wurde der Bahnhof barrierefrei ausgebaut, wobei Aufzüge zu den vier Bahnsteigen eingebaut und im gesamten Bahnhof taktile Leitstreifen für Sehbehinderte verlegt wurden. Dazu gehörte auch die Erneuerung der Bahnsteigbeleuchtung und des Wegeleitsystems. Außerdem wurden die Oberflächen der Bahnsteige erneuert und auf einheitliche Höhen gebracht. Außerhalb der Bahnsteigüberdachungen, die zuvor ausgebessert worden waren, wurden neue Wetterschutzhäuschen aufgestellt. Die alten Lastenaufzüge wurden ausgebaut. Sie waren über einen Gepäcktunnel mit dem Empfangsgebäude und der Güterabfertigung verbunden.
Im Fußgängertunnel wurden der Fußboden erneuert, die Seitenwände verkleidet und eine neue Beschilderung angebracht. In diesem Zusammenhang wurden die Gepäckschließfächer entfernt.
Die Zugzielanzeiger auf den Bahnsteigen sind nun nicht mehr vom Fußgängertunnel aus zu sehen, da sie nicht auf der Bahnsteigseite angebracht wurden, auf der die jeweils einzig verbliebene Treppe zu den Bahnsteigen führt, sondern auf der Seite, an der die Treppen zugunsten der Aufzüge zurückgebaut wurden.
Die Kosten für den Umbau betrugen etwa vier Millionen Euro.
In der Vergangenheit wurde auch ein Durchstich des Personentunnels unter die Güterzuggleise erwogen, so dass die Bahnsteige auch von der Westseite her erreichbar gewesen wären. Dieses wurde jedoch nie realisiert.
Bahnsteig 1 mini|Bahnsteig 1 Der Hausbahnsteig 1 wurde auf einer Länge von 210 Metern mit einer Höhe von 76 Zentimeter über Schienenoberkante erneuert. Von Norden her gibt es über eine Rampe einen direkten – allerdings inoffiziellen – Zugang vom Bahnhofsvorplatz. Am südlichen Ende wurde der direkte Zugang zum Parkhaus Radewig, das direkt neben den Gleisen liegt, abgesperrt. Vor der Renovierung konnte man über eine Treppe mit fünf Stufen vom Parkhaus zum Bahnsteig gelangen. Aufgrund der Barrierefreiheit ist dieses nicht mehr möglich. Eine Verlängerung des Bahnsteigs 1 um ca. 40 Meter, eine Rampe und ein Sicherheitszaun zum Gleis 1 hätten nach Darstellung der Bahn Kosten in sechsstelliger Höhe verursacht. Bahnreisende, die im Parkhaus parken, müssen nun den Umweg über den Bahnhofsvorplatz nehmen.
Bahnsteig 2 mini|Gleis 3 am Bahnsteig 2,links Gleis 4 am Bahnsteig 3 Die Erneuerung des Bahnsteigs 2 erfolgte auf einer Länge von 330 Metern mit einer Höhe von 76 Zentimeter über Schienenoberkante. Die darüber hinausgehenden Bahnsteigteile verblieben in ihrem alten Zustand. Ursprünglich war die Bahnsteigkante am Gleis 3 länger als am Gleis 2, was mit der Lage der Weichen und Signale sowie einem Stumpfgleis vor Kopf des nördlichen Bahnsteigendes zusammenhing.
Bahnsteig 3 Der Bahnsteig 3 wurde nur am Gleis 4 auf der gesamten Länge von 406 Metern und einer Breite von etwa zwei Metern erneuert. Auch hier wurden die nördlichen und südlichen Abschnitte auf 76 Zentimeter über Schienenoberkante erhöht. Am Gleis 5 wurde der neue Bahnsteigbelag lediglich im Bereich des Daches, der Treppe und des Aufzugs auf einer Länge von 80 Metern eingebaut. Nördlich und südlich davon blieb der alte Bahnsteigbelag bestehen. Diese Bahnsteigteile wurden mit einem stabilen Zaun abgesperrt, so dass sie nicht mehr betreten werden konnten. Das Gleis 5 konnte somit nur noch für Überholungen von kürzeren Nahverkehrszügen oder für die Durchfahrt von längeren Zügen genutzt werden.
Im Dezember 2014 wurde bekannt, dass der Bahnsteig 3 am Gleis 5 im Zusammenhang mit dem Projekt Rhein-Ruhr-Express auf einer Länge von 220 Metern fertiggestellt wird.Bahnsteig 5 vor dem Umbau. In: Neue Westfälische. 20. Dezember 2014 (nw.de). Der Umbau erfolgte im Jahr 2019 und war zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 beendet.Nachbesserung kostet Bahn 130.000 Euro. In: Neue Westfälische. 30. November 2018 (nw.de). mini|Eurobahn ET904 auf Gleis 7 am Bahnsteig 4
Bahnsteig 4 Der Bahnsteig 4 wurde am nördlichen und südlichen Ende auf einer Länge von ca. 40 Metern von 38 Zentimetern auf 76 Zentimeter über Schienenoberkante erhöht. Somit hat er auf der gesamten Länge von 405 Metern eine einheitliche Höhe.
Betriebliche Besonderheiten Bei kurzfristigen Sperrungen der Bahnstrecke Bremen–Osnabrück–Münster, zum Beispiel wegen Unfällen oder sonstigen Betriebsstörungen, müssen die Intercity- und ICE-Züge umgeleitet werden. Dabei halten viele Züge ersatzweise in Herford, von wo die Fahrgäste der umgeleiteten Züge mit der RB 61 den Osnabrücker Hauptbahnhof erreichen können.
Vom 11. April bis 27. August 2011 war Herford Start- und Endbahnhof von Zügen der IC-Linie 55. Während umfangreicher Bauarbeiten musste der Verkehr auf der Ost-West-Achse zwischen Bielefeld und Berlin ausgedünnt werden. Daher wurde die IC-Linie Köln - Leipzig auf zwei Abschnitte aufgeteilt und fuhr nur zwischen Köln und Herford sowie zwischen Hannover und Leipzig. Zwischen Herford und Hannover verkehrte in dieser Zeit kein IC der Linie 55. Reisende von und nach Hannover mussten entweder die ICE-Züge zwischen Bielefeld und Hannover nutzen oder mit Nahverkehrszügen fahren. In: Celle heute, 14. März 2011. Die IC-Züge kamen von Köln in der Regel in der ungeraden Stunde zur Minute 27 (z. B. 9:27 Uhr) auf Gleis 7 an und standen dort eine Stunde, um in der geraden Stunde zur selben Minute (z. B. 10:27 Uhr) wieder nach Köln abzufahren.
Eine ähnliche Betriebsweise gab es auf der IC-Linie 55 vom 27. bis 29. Dezember 2017, weil wegen eines Brückenabbruchs in Bad Oeynhausen die viergleisige Strecke für alle Züge gesperrt werden musste.Fahrplanänderungen im Fern- und Regionalverkehr. In: Münster Journal. 15. Dezember 2017 (muenster-journal.de).
Vom 13. März bis 13. Oktober 2019 hielten in Herford keine Fernzüge. Lediglich zwischen 6:30 Uhr und 7:15 Uhr hielten täglich ein Intercityzug und ein ICE Richtung Köln. Der Grund waren Brückenbauarbeiten in Bielefeld, durch die die Fernzüge auf einem längeren Abschnitt über die Güterzuggleise geführt wurden, wodurch die Fahrzeit nicht eingehalten werden konnte. Um die dadurch entstehenden Verspätungen wieder aufzuholen, entfielen in Herford und Gütersloh die Halte der IC-Linie 55. Die Züge der IC-Linie 32 wurden großräumig umgeleitet. Auch im Nahverkehr gab es in dem genannten Zeitraum Einschränkungen.Angelika Kuhlmann: IC-Halte in Herford fallen mehrere Monate aus. In: Neue Westfälische. 4. Februar 2019 (nw.de).
Zuständigkeiten und Dienststellen Vom 1. April 1895 bis 1949 gehörte Herford zur Reichsbahndirektion Hannover, anschließend bis 1972 zur Bundesbahndirektion Hannover. Nach Auflösung und Zusammenlegung einiger Bundesbahndirektionen wurde der Bahnhof am 1. Juni 1972 der Bundesbahndirektion Essen zugeordnet. Die Grenze zur Bundesbahndirektion Hannover lag dabei zwischen den Bahnhöfen Herford und Löhne. 1994 wurden die Bundesbahndirektionen aufgelöst.
Bis 1954 gab es in Herford ein Bahnbetriebswerk (Bw). Bis Anfang der 1990er Jahre gehörte der Bahnhof zur Bahnmeisterei Bielefeld, zur Nachrichtenmeisterei Bielefeld und zur Hochbaubahnmeisterei Gütersloh. Bis dahin gab es in Herford auch noch die Dienststelle Güterabfertigung (Ga). Heute gibt es keine Dienststelle der Deutschen Bahn mehr in Herford. Außer im Stellwerk und im Reisezentrum sind keine DB-Mitarbeiter mehr in Herford beschäftigt.
Preisklasse (ehemals Bahnhofskategorie)