mini|Selbstbildnis (1921) mini|Richard Müller mit Modell im Atelier (Foto Hugo Erfurth, 1921)
Richard Müller (* 28. Juli 1874 in Tschirnitz a. d. Eger [heute Černýš, Ortsteil von Perštejn]; † 7. Mai 1954 in Dresden) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben und Werk mini|hochkant|Richard Müller: Mein Vater (1908) Richard Müller wurde als Sohn eines Webers geboren. Sein künstlerisches Talent war schon früh zu erkennen. Im Jahr 1888, im Alter von 14 Jahren, wurde er von dem Meißner Porzellanmaler H. Theil animiert, sich an der Malschule der Königlich-Sächsischen Porzellanmanufaktur Meißen zu bewerben, wo er sogleich angenommen wurde. Im Jahr 1890 ging Müller auf eigene Faust und ohne finanzielle Absicherung nach Dresden. Hier wurde er, obwohl er das vorgeschriebene Eintrittsalter noch nicht erreicht hatte, an der Kunstakademie aufgenommen. Seine Lehrer waren Leon Pohle, Ernst Moritz Geyger und Leonhard Gey. 1893 machte er sich als Maler in Dresden selbständig. Da er mittellos war, ging er täglich in das städtische Versorgungshaus, malte dort seine Studien und verdiente mit handwerklichen Arbeiten seinen Lebensunterhalt. Im Herbst 1894 stellte Müller erstmals Landschafts- und Tierstudien im Kunstsalon Ernst Arnold aus. 1895 begegnete er Max Klinger, der ihn animierte, sich mit den Radiertechniken zu befassen. 1896 war er bei Arnold auf der Ausstellung „Handzeichnungen deutscher Künstler“ vertretenKatalog und gewann für seine Radierung „Adam und Eva“ den mit 6000 Goldmark dotierten Großen Rompreis der Preußischen Akademie der Künste.
Er leistete seinen Militärdienst ab, der durch Vermittlung „hochgestellter Kunstfreunde“ auf ein Jahr verkürzt war. Nach einer Italienreise nahm er 1899 in Dresden an der Deutschen Kunstausstellung teil, wo er für sein Gemälde „Die barmherzige Schwester“ die große goldene Plakette erhielt. Im Jahr 1900 erhielt er, inzwischen in Dresden ebenso bekannt wie Klinger, eine Professur an der Akademie; seine Schüler waren unter anderem George Grosz, Richard Scheibe, Max Ackermann, Rudolf Schmidt-Dethloff, Erwin Bowien, Hermann Kohlmann, Horst Naumann, Max Hermann Mahlmann, Willy Petzold und Gerhard Augst. Richard Müller war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.kuenstlerbund.de: (abgerufen am 19. November 2015). 1933 wurde er zum Rektor der Dresdner Kunstakademie ernannt und 1935 vom sächsischen Kultusminister Wilhelm Hartnacke aus dem Rektorat entlassen.
Richard Müller trat zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.933.343).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/29740998 Er bestätigte als Rektor der Akademie 1933 die vom Reichskommissar von Killinger angestrengte Entlassung seines Kollegen Otto Dix, die im Frühjahr des Jahres erfolgte.Richard Müller: Spiegelbilder des Verfalls in der Kunst. In: Dresdner Anzeiger. 29. September 1933 schrieb anlässlich der Ausstellung Entartete Kunst in Dresden über Dix: Entgegen anderen Annahmen war Müller nicht aktiv an der Dresdner Ausstellung Entartete Kunst aus dem Jahr 1933 beteiligt. Er schrieb lediglich den erwähnten Artikel im Dresdner Anzeiger: Sammlung von Dokumenten zu Müller. Im März 1935 wurde er aus der Partei ausgeschlossen.https://www.saxonia.com/jpg/rm_ausschluss_nsdap.jpg
Müller war in der Zeit des Nationalsozialismus als Kunstmaler hoch geschätzt. Er war 1937, 1938, 1939 und 1941 auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen im Münchner Haus der Deutschen Kunst vertreten,Treffpunkt-Kunst.net - Künstlernamen Listing M-P darunter 1937 und 1939 mit einer Bleistiftzeichnung Adolf Hitlers Geburtshaus. 1938 erwarb Hitler dort zwei Zeichnungen, u. a. „Braunau 1937“. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Adolf Hitler im August 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Kunstmaler auf.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 422.
mini|2014 wurde die relativ unscheinbare Grabplatte vor dem auffälligen Kunstwerk für seine Frau wieder freigelegt und restauriert.siehe https://www.saxonia.com/alben/rmgrab/content/index.html und https://www.saxonia.com/fs_rm_d.htm Richard Müllers Grab befindet sich auf dem Loschwitzer Friedhof – gemeinsam mit dem seiner Frau Lillian Sanderson, einer um 1900 berühmten Sängerin.siehe https://www.deutsche-biographie.de/sfz66706.html und z. B. https://books.google.de/books?id=0ssqAAAAYAAJ&pg=PA244&dq=Lillian+Sanderson
Werke (Auswahl) mini|hochkant|Richard Müller: Alte Frau (1905) Adam und Eva, Radierung, 1896 Alte Frau, 1908 Barmherzige Schwester, 1898/99, Öl auf Mahagoniholz, 128 cm × 91 cm, Galerie Neue Meister. 1899 ausgezeichnet mit der großen goldenen Plakette s. o. Alpdrücken, 1903 Bogenschütze, 1906 Das junge Genie, 1906 Nach beendetem Spiel, 1906 Danae, 1908, Städtische Sammlungen Freital auf Schloss Burgk (Freital) Mein Vater, 1908, Öl auf Leinwand, Städtische Galerie Dresden, 1946 durch Tausch erworben vom Künstler Mäuschen, 1910 Ein Wunder der Dressur, 1911 Die Rivalen, 1911 Mein Quick, 1912 Der tote Christus, vor 1914 Vorlesender Mönch, vor 1914 Schicksal, 1920 Selbstportrait, Radierung, 1921. Bogenschütze, 1922. Katze mit Wollknäuel, Öl auf Leinwand, 28 × 60,5 cm, Städel, Frankfurt am Main. Circe, 1933 Schweinemarkt am Alten Turm (Öl auf Pappe, 59 × 36,5 cm, 1936; Berlinische Galerie) Zwei schwimmende Eisbären, 1937 Japanische Tanzmäuse (Öl auf Holz, 32 × 40 cm, 1946; Berlinische Galerie) Kind mit Puppe, 1946 Beethoven, 1951
Literatur Erich Haenel: Richard Müller-Loschwitz, Maler, Zeichner u. Radierer. In: Die Kunstwelt, Deutsche Zeitschrift für die bildende Kunst, 1912/1913, S. 224–239 (Digitalisat).
Arthur Dobsky: Ein Meister der Zeichnung. Richard Müller und sein Werk. Mit neun Illustrationen nach Zeichnungen und Radierungen des Künstlers. In: Reclams Universum. Moderne illustrierte Wochenschrift. 29 (1913), S. 727–731. George Grosz: Ein kleines Ja und ein grosses Nein. Sein Leben von ihm selbst erzählt. Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-11759-2, S. ?. Rolf Günther: Richard Müller, Leben und Werk. Verlag der Kunst, Dresden 1998, ISBN 90-5705-125-7 (mit Werk- und Schülerverzeichnis). Rolf Günther: Der Symbolismus in Sachsen 1870–1920. Sandstein, Dresden 2005, ISBN 3-937602-36-4., S. ? Hochschule für Bildende Künste Dresden (Hrsg.): Von der königlichen Kunstakademie zur Hochschule für Bildende Künste (1764–1989). Die Geschichte einer Institution. Verlag der Kunst, Dresden 1990, ISBN 3-364-00145-6, S. ?. Kristina Hoge: Selbstbildnisse im Angesicht der Bedrohung durch den Nationalsozialismus. Dissertation: Karl-Rupprechts-Universität Heidelberg 2004, S. 29 ff.; S. 41 ff. (Volltext: PDF 1, 2 [Anhang, 58 MB]). Jörg Krichbaum, Rein A. Zondergeld: DuMonts Lexikon der Phantastischen Malerei. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0908-2, S. ?. Franz Hermann Meissner (Hrsg.): Das Werk von Richard Müller. 175 Bilder und Text. Adrian Lukas Müller, Loschwitz-Dresden 1921 (Inhaltsverzeichnis PDF). Corinna Wodarz: Kunstpropaganda in der DDR: Müller contra Dix, Wie die Kunstpropaganda der DDR nachträglich eine Feindschaft schuf. In: Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte Herausgegeben von der Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat. Band 4, 1997, S. 153–162.
Corinna Wodarz: Symbol und Eros. Die Bildwelten Richard Müllers (1874–1954) mit dem Katalog des Gesamtwerks (= Göttinger Beiträge zur Kunstgeschichte, Band 1). Duehrkohp und Radicke, Göttingen 2002, ISBN 3-89744-193-4.
Weblinks
Werke von und mit Richard Müller in der Deutschen Fotothek Werke Müllers auf bildindex.de
Autobiographie – Manuskript im Nachlass (Mit einem Foto von Müller). Originaldokumente über Richard Müller
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Grafiker (Deutschland) Kategorie:Mitglied im Deutschen Künstlerbund Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Bildende Kunst (Nationalsozialismus) Kategorie:Hochschullehrer (HfBK Dresden) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1954 Kategorie:Mann