Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Heilbronn Fläche: 374 km² Gliederung: 15 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 22.180 (31. Dez. 2009) Adresse desDekanatamtes: Uhlandstr. 3174405 Gaildorf Dekan: Vakanz Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Gaildorf innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Gaildorf war ein Kirchenbezirk der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Gaildorf. Zum 1. Januar 2025 fusionierte er mit dem Kirchenbezirk Schwäbisch Hall zum Kirchenbezirk Schwäbisch Hall-Gaildorf.
Geografie Der Kirchenbezirk Gaildorf lag im Nordosten der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste den Süden des Landkreises Schwäbisch Hall, also das Gebiet der politischen Städte und Gemeinden Bühlertann, Bühlerzell, Fichtenberg, Gaildorf, Michelbach an der Bilz, Oberrot, Obersontheim und Sulzbach-Laufen sowie die Gemeinden Gschwend (mit Ausnahme einiger Weiler) und Obergröningen, die Ortsteile Untergröningen und Hohenstadt der Gemeinde Abtsgmünd und die überwiegend katholische Gemeinde Schechingen im Nordwesten des Ostalbkreises.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Gaildorf grenzte im Westen an den Kirchenbezirk Backnang, im Norden an den Kirchenbezirk Schwäbisch Hall und im Nordosten an den Kirchenbezirk Crailsheim-Blaufelden. Sie gehörten alle zur Prälatur Heilbronn. Im Südosten grenzte er an den Kirchenbezirk Aalen und im Süden an den Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd, die beide zur Prälatur Ulm gehören.
Geschichte Das Gebiet des Kirchenbezirks Gaildorf gehörte bis ins 18. Jahrhundert überwiegend zur Herrschaft Limpurg, die in mehrere Linien aufgeteilt war (unter anderem waren Gaildorf und Obersontheim zeitweise Residenzorte), dann teilweise an Brandenburg, teilweise an Württemberg und an kleinere Herrschaften gelangte, bis das ganze Gebiet schließlich 1806 an das Königreich Württemberg kam. Die Landesherren führten früh die Reformation ein, so dass das Gebiet überwiegend evangelisch geprägt ist. Lediglich das obere Bühlertal blieb infolge der Zugehörigkeit zu Ellwangen nach der Reformation katholisch. Ab 1561 gab es in Gaildorf einen limpurgischen Hofprediger, spätestens ab 1600 eine Superintendentur. Nach dem Übergang an Württemberg 1806 wurde die bisherige limpurgische Superintendentur 1807 in ein württembergisches Dekanat umgewandelt. Zum Dekanat wurde der Stadtpfarrer von Gaildorf ernannt. Das Dekanat Gaildorf gehörte zunächst zum Generalat Schwäbisch Hall, nach dessen Auflösung 1913 kam es zum Generalat Heilbronn, aus der die heutige Prälatur Heilbronn hervorging. Von 1824 bis 1832 versah der Pfarrer von Fichtenberg die Amtsgeschäfte des Dekans in Gaildorf.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks oblag der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Letzter Dekan war ab 2013 Uwe Altenmüller (* 1961), der zugleich einer der Pfarrer an der Stadtkirche in Gaildorf war. Nach seinem Weggang in den Kirchenbezirk Reutlingen 2023 wurde das Amt mit Blick auf die bevorstehende Fusion nicht mehr ausgeschrieben, sondern wird kommissarisch durch den Haller Dekan Christof Messerschmidt ausgeübt.
Dekane des Kirchenbezirks Gaildorf seit 1807 1807–1823 Georg Loenhard Letsch, bereits seit 1789 limpurgischer Stadtpfarrer in Gaildorf 1824–1832 Johann Gottfried Pahl, Pfarrer in Fichtenberg 1832–1852 Johann Philipp August Mützel, Dekansverweser 1853–1862 Ferdinand Gustav Ludwig Keerl 1863–1871 Karl Albert Friedrich Mezger (1818–1886) 1871–1881 Johann Wilhelm Philipp Ammon (1829–1897) 1882–1895 Karl Ludwig Leypoldt (1845–1922) 1895–1907 Eugen Majer 1908–1930 Theodor Schrenk (1870–1947) 1930–1946 Martin Strebel 1946/47–1952 Ernst Knapp 1952–1963 Heinrich Greber 1963–1973 Gebhard Kirn (1913–2006) 1973–1986 Otto-Friedrich Weber (1921–2017) 1986–1992 Hans-Hermann Keinath (* 1940) 1993–2012 Rainer Uhlmann (* 1952) 2013–2023 Uwe Altenmüller (* 1961)
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Gaildorf gibt es insgesamt 15 Kirchengemeinden. Darunter befindet sich seit 1. Januar 2007 auch die Kirchengemeinde Untersontheim, die vorher zum Kirchenbezirk Schwäbisch Hall gehörte. Gesamtkirchengemeinden sind im Kirchenbezirk Gaildorf nicht vorhanden. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.
Das Gebiet des Kirchenbezirks Gaildorf ist überwiegend evangelisch geprägt. Es gibt daher fast in jedem Dorf auch eine evangelische Kirchengemeinde und eine meist alte Kirche. In den meisten Orten zogen Katholiken überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Lediglich das Bühlertal ist katholisch geprägt, da es früher zu Ellwangen gehörte.
Kirchengemeinde Eutendorf-Ottendorf Die Kirchengemeinde Eutendorf-Ottendorf entstand 2018 durch die Fusion der Kirchengemeinden Eutendorf und Ottendorf.Geschichte auf der Website der Kirchengemeinde Eutendorf-Ottendorf.
Die Kirchengemeinde Eutendorf (ca. 1.150) umfasste den Stadtteil Eutendorf mit den zugehörigen Weilern (darunter Großaltdorf und Kleinaltdorf) der Stadt Gaildorf. Eine Kirche wird in Eutendorf bereits 1285 erstmals erwähnt. Ab 1513 wird sie St. Kilianskirche genannt. Das Patronat wurde wohl von den Grafen von Comburg dem Kloster Comburg übertragen, das es 1669 an die Herren von Limpurg verkaufte. 1707 war es im Besitz der Grafen von Wurmbrand und von Solms, die es an die Grafen von Bentinck vererbten. Trotz des comburgischen Patronats führten die Limpurg 1552 die Reformation ein. Die Pfarrkirche ist ein spätgotischer Bau mit Maßwerkfenster und Resten der Kirchhofbefestigung. Das heutige Schiff befindet sich auf dem ehemaligen Friedhof, welcher 1841 an den Ortsausgang in Richtung Gaildorf verlegt wurde. 1609 wurde in die Kirche eine Empore eingebaut. 1884/85 erfolgte ein gründlicher Innenumbau, der beim letzten Umbau von 1970/71 teilweise wieder rückgängig gemacht wurde. Die Orgel von Orgelbaumeister Peter Vier wurde 1971 eingeweiht. Die Altarbilder des Haller Malers Hieronymus Rappold stammen aus dem Jahr 1619. Im Glockenstuhl des Turmes hängen drei Glocken. Die größte davon stammt von 1511 und wurde von dem unter Fachleuten heute noch bekannten Glockengießer Lachamann in Heilbronn gegossen.
Der benachbarte Ort Großaltdorf gehörte kirchlich stets zu Eutendorf. Doch hat dieser Ort eine alte Kirche, die Sankt-Bartholomäus-Kirche, in der bis heute regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden. Die Bartholomäuskirche ist neben den Kirchen in Mittelrot und Münster eine der ältesten Kirchen des gesamten Umlandes. Sie wurde unter den Herren von Altdorf vor 1091 erbaut. Das zunächst als Martinskirche bezeichnete Gotteshaus diente ursprünglich als Wehrkirche. Der frühere Bürgermeister Eutendorfs, Emil Dietz, konnte 1953 nachweisen, dass die Kapelle dem Apostel Bartholomäus geweiht war und noch 1549 so bezeichnet wurde. Die Kirche besitzt einen nachträglich angefügten gotischen Chor und eine gotische Holzdecke mit schönen Ornamenten und der Sonne. Die Holzdecke sowie das Gestühl der Herren von Limpurg im Chor stammt aus dem Jahr 1498. In der Decke des Schiffes sind die Wappen von Comburg und Limpurg eingelassen. 1604 wurde eine Empore eingebaut. Im Dachreiter der Kirche hängen zwei kleine Glocken.
Die Kirchengemeinde Ottendorf (ca. 750) umfasste den Stadtteil Ottendorf mit den zugehörigen Weilern Adelbach, Niederndorf, Railhalde und Spöck der Stadt Gaildorf. Kirchlich gehörte Ottendorf ursprünglich zu Westheim. 1347 wird eine Filialkirche St. Martin genannt. Nach der Reformation galt in Ottendorf die württembergische, in Westheim die Schwäbisch-Hällische Kirchenordnung. 1898 wurde Ottendorf eigene Pfarrei. Die Kirche in Ottendorf wurde 1452 anstelle einer früheren Kirche als Wehrkirche in spätgotischem Stil erbaut. Sie hat ein Sternrippengewölbe im Turmuntergeschoss. Der Turm und das Schiff wurden 1872 und 1903 verändert.
Kirchengemeinde Fichtenberg Die Kirchengemeinde Fichtenberg (ca. 1.800) umfasst die Gemeinde Fichtenberg mit allen zugehörigen Weilern, wobei der Weiler Rupphof durch Bekanntmachung des Konsistoriums vom 28. Dezember 1920 von der Kirchengemeinde Murrhardt der Kirchengemeinde Fichtenberg zugeordnet wurde. Die Kirchengemeinde Fichtenberg bildet zusammen mit den Kirchengemeinden Oberrot und Münster den Distrikt „Rottal“ innerhalb des Kirchenbezirks Gaildorf. Eine Kirche gab es in Fichtenberg wohl schon im 9. Jahrhundert als Besitzung des Klosters Murrhardt. 1519 wurde die Kirche neu erbaut. Nach der Reformation fiel das Patronatsrecht an Württemberg. Das ab 1552 als St. Kilianskirche bezeugte Gotteshaus wurde 1743 erneuert. Dabei erhielt sie eine Empore und eine Orgel. Hier wurde bis 1830 die Gottesdienste abgehalten. Inzwischen war die Kirche aber so baufällig geworden, dass sie gesperrt werden musste und schließlich abgebrochen werden musste. An ihrer Stelle wurde 1832 die heutige Kirche erbaut. 1908 wurde die Spitze des Kirchturmes erhöht und ein Ziegeldach angebracht. 1955 wurde die Kirche innen renoviert. Dabei wurden die Emporen abgebaut und nur noch auf einer Seite errichtet. 1972 wurde das Kirchenschiff neu gedeckt und gleichzeitig erhielt die Kirchturmspitze einen Kupfermantel. Im Jahr 2002 wurde schließlich der gesamte Innenraum renoviert. Neben der Kirche in Fichtenberg wurde 1984 das Gemeindehaus erbaut.
Im Weiler Mittelrot gibt es eine weitere Kirche der Kirchengemeinde Fichtenberg. Die stets zur Pfarrei Fichtenberg gehörige Kirche St. Georg hat einen romanischen Turmchor mit gotischem Gewölbe und flach gedecktem Schiff. Der Altarschrein stammt aus dem Jahr 1499. Ein Freskogemälde wurde im 15. Jahrhundert übermalt. Die beiden Kirchenglocken der St. Georgskirche stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert.
Kirchengemeinde Frickenhofen Die Kirchengemeinde Frickenhofen (ca. 900) umfasst den Ortsteil Frickenhofen mit allen zugehörigen Weilern (ohne Hirschbach, das 1933 und Hohenreusch, das 1988 der Kirchengemeinde Gschwend zugeordnet wurde) der Gemeinde Gschwend sowie einige Weiler der Gemeinde Ruppertshofen (Ostalbkreis). Eine KircheHermann Kissling: Frickenhofen und seine Kirche. In: ostalb/einhorn 19 (1992), Heft 75, S. 278–283 (Internet Archive). wird in Frickenhofen erst 1488 erwähnt. 1507 ist ihr Patronat den Heiligen Maria, Nikolaus und Katharina bezeugt. Sie gehörte dem Kloster Lorch. Herzog Ulrich von Württemberg führte 1534 die Reformation ein und löste das Kloster Lorch auf. Das Patronatsrecht in Frickenhofen wurde fortan vom Herzog ausgeübt. 1634 brannte die Kirche und der Ort nieder. Frickenhofen wurde dann vom Pfarrer von Täferrot versehen. 1654 erhielt der Ort wieder einen eigenen Pfarrer. 1743 wurde die Kirche neu gebaut, weil die alten zu klein geworden war. Der Kirchturm wurde 1765 angebaut, eine Orgel wurde 1784 eingerichtet. Eine Innenerneuerung fand 1875 statt; 1878 wurde eine Sakristei angebaut und eine neue Empore errichtet. 1905 wurde der Turm neu bedacht und mit vier Ecktürmchen versehen. 1952/56 fand eine Kirchenerneuerung statt.
Der zu Frickenhofen gehörige Weiler Mittelbronn bildete bis 1931 eine eigene Filialkirchengemeinde von Frickenhofen. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 22. Januar 1931 wurde die Filialkirchengemeinde Mittelbronn aufgehoben und mit der Mutterkirchengemeinde Frickenhofen vereinigt.
Kirchengemeinde Gaildorf und Münster Die Kirchengemeinde Gaildorf und Münster entstand durch die Fusion der Kirchengemeinden Gaildorf und Münster am Kocher.Website der Kirchengemeinde.