St. GilgenAnlage iVm und zur Salzburger Gemeindeordnung 2019 – GdO 2019, StF LGBl SBG Nr. 9/2020 vom 19. Februar 2020. im RIS. ist eine Gemeinde im Bezirk Salzburg-Umgebung (Flachgau), im Salzburger Salzkammergut in Österreich. Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Seekirchen am Wallersee, hat Einwohner (Stand ) und ist als Sommerfrische bekannt geworden.

Geografie Lage St. Gilgen befindet sich 25 Kilometer östlich von Salzburg, 15 Kilometer südöstlich von Thalgau, und 20 Kilometer westlich von Bad Ischl, und bildet einen Ostrand des Bundeslandes zu Oberösterreich hin. Das Gemeindegebiet wird geprägt durch den Wolfgangsee (), den Schafberg () und das Zwölferhorn ().

St. Gilgen ist eine der drei umliegenden Gemeinden des Wolfgangsees, neben (im Uhrzeigersinn) St. Wolfgang im Salzkammergut und Strobl, und die westlichste der Gemeinden im Wolfgang-/Ischltal. Dabei gehört gut die Hälfte der Fläche des Sees zu St. Gilgen, die Ostgrenze liegt an der Engstelle des Sees bei der Zinkenbach-Halbinsel, mit dem Zinkenbach–Königsbach als Grenze. Zur Gemeinde gehört auch die Nordseite der Osterhorngruppe südlich des Sees, Südspitze des Gemeindegebiets ist das Holzeck hinter dem Königsberger Horn. Am Nordufer gehört die Ried am Schafbergfuß ebenfalls noch zu St. Gilgen. Am Westende des Sees liegen die Weitung des Ortes St. Gilgen mit dem St. Gilgener Berg und der Talkessel Winkl–Zeppezau. Hier gehören auch die Südteile der Höllkargruppe (Schobergruppe) zur Gemeinde, bis zum Eibensee und an die Drachenwand.

Zu Sankt Gilgen gehören aber auch noch die Burgau genannten Gebiete nordöstlich hinter der Scharflinger Höhe und dem Schafberg, das sind die Oberburgau am Mondsee und die Unterburgau am Attersee. Damit ist St. Gilgen neben (im UZS) St. Lorenz, Tiefgraben, Mondsee, Innerschwand Unterach eine der Mondseegemeinden, und neben (im UZS) Unterach, Nußdorf, Weyregg, Attersee, Seewalchen, Schörfling und Steinbach eine der Atterseegemeinden. Der Schafberg gehört ebenfalls weitgehend zu St. Gilgen, insbesondere der gesamte Gipfel, zu St. Wolfgang gehört nur die Südwestflanke. Grenze ist in der Scharte zwischen Spinnerin und Törlspitz. Nordwestliche Gemeindegrenze sind Breitenberg und Sechserkogel schon am Fuß des Leonsbergs (Zimnitz) und über dem Weißenbachtal.

Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von  km².

Gemeindegliederung Die Gemeinde umfasst sechs Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Gschwand () Oberburgau () Ried () Sankt Gilgen () Unterburgau () Winkl ()

Das Gemeindegebiet gliedert sich in acht Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Sankt Gilgen (), Hauptort, Katastralgemeinde St. Gilgen – im Nordwesten am See Pöllach (), Teil der KG St. Gilgen – im äußeren Nordwesten am St. Gilgener Berg oberhalb von St. Gilgen Laim (), Teil der KG St. Gilgen – im Westen oberhalb St. Gilgen um das Zwölferhorn Abersee-St.Gilgenvorher Gschwand – Namensänderung durch Beschluss der Gemeindevertretung vom 21. März 2023 (Q: Statistik Austria) () – im Süden am See auf der Zinkenbach-Halbinsel und um den dortigen Breitenberg Ried () – im Osten am See am Fuß des Schafbergs bei St. Wolfgang, durch die Falkensteinerwand von Winkl isoliert Winkl () – im Nordosten im Krotensee-Gebiet zwischen Schafberg und Höllkarbergen, durch Buchberg–Saurüssel von St. Gilgen isoliert Oberburgau () – im äußeren Nordosten am Schafberg-Nordfuß am Mondsee, von Winkl durch die Scharflinger Höhe isoliert, die östlichen Teile zusätzlich durch die Kienbergwand Unterburgau () – im äußersten Nordosten am Attersee nördlich des Schwarzenseegebiets, von Oberburgau durch Seeache/Ackerschneid isoliert

Zählsprengel sind St.Gilgen-Zentrum für St. Gilgen-Pöllach-Laim, Winkl-Ried-Gschwand sowie Unterburgau-Oberburgau

Nachbargemeinden Die Gemeinde ist von zehn Nachbargemeinden umgeben, davon liegen: 4 im Bezirk Salzburg-Umgebung / Flachgau 1 im Bezirk Hallein (HA) / Tennengau 5 in Oberösterreich 4 im Bezirk Vöcklabruck (VB) 1 im Bezirk Gmunden (GM)

Hauptort der Gemeinde

Der Hauptort Sankt Gilgen befindet sich 24 Kilometer östlich vom Stadtzentrum Salzburg, 12 Kilometer südöstlich von Thalgau. Er liegt direkt am Nordwestende des Wolfgangsees (), in einer Weitung zwischen Zwölferhorn südwestlich und Höllkarbergen nördlich. Südlich des Orts bricht der Elferstein () in der Gamswand bei Lueg direkt in den See. Östlich treten im Brunnwinkl der Buchberg () und der Saurüssel () an den See, und begrenzen den Siedlungsraum. Nördlich steigt der St. Gilgener Berg zum Sattel bei Einsiedl (ca. ), der in das Fuschlseegebiet führt.

Der Ort erstreckt sich über etwa 1½ Kilometer entlang der Mondseestraße B B154 und Wolfgangsee Straße B 158. Der alte Ortskern zeichnet sich insbesondere um Mozartplatz und Kirchenplatz durch ein Ensemble von Häusern des Barocks im Inn-Salzach-Stil und umgebend im Sommerfrische-Heimatstil der Gründerzeit aus. Die Seepromenade erstreckt sich entlang der Mondseestraße, der alten B 154. Oberhalb der Wolfgangsee Straße B 158, hier Hochreitstraße genannt,Vor 1900 meist Hochreithstraße; ANNO, Salzburger Chronik, 3. Dezember 1898, S. 4. liegt die Ortslage Hochreit. Die nordwestlichen Ortslagen an der neuen B 154 heißen Billroth, nach dem dort entstandenen Anwesen des Arztes Theodor Billroth (Villa Billroth, heute Seminarhotel).

Zur Ortschaft Sankt Gilgen gehören auch der Weiler Brunnwinkl östlich am See, und die Häuser Lueg südlich. Die Ortschaft umfasst an die 450 Adressen mit gut 1000 Einwohnern, beide dazugehörenden Ortslagen haben nur einige wenige Häuser.

Zur Katastralgemeinde St. Gilgen mit gehören auch die Ortschaften Laim (mit Irlreit) und Pöllach (mit der Reitsiedlung) oberhalb von St. Gilgen. Dieses Areal erstreckt sich vom Eibensee im Norden bis zur Pillsteinhöhe über der Stubneralm am Zwölferhorn im Süden. Der Katastralgemeinde entspricht der Zählsprengel St.Gilgen-Zentrum. Dieser umfasst um die 800 Adressen mit etwa 2100 Einwohnern.

mini|ohne|600px|360°-Panoramabild auf dem Mozartplatz in Sankt Gilgen

Geschichte St. Gilgen wurde nach dem heiligen Ägidius benannt, den man im deutschen Sprachraum auch Gilg oder Gilgian nennt. Ursprünglich hieß der Ort Oberdrum. Dieser Name war ein Hinweis auf die geografische Lage, nämlich am oberen Teil (Drum, Trum) des Sees,Vergl. Obertrum im Salzburger Seengebiet. bis in das 19. Jahrhundert sagte man auch Sankt Ägidi zum Ort.

Der Raum war schon vorgeschichtlich besiedelt. Die Pfahlbauten von Scharfling sind schon für das 5. vorchristliche Jahrtausend befundet, die Pfahlbauten in See am Mondsee, Namengeber der Mondseekultur, gehören zu den bedeutendsten Ansiedlungen des Alpenraums in der späteren Jungsteinzeit (3800–3300 v. Chr.). Bronzezeit ist in der Oberburgau nachgewiesen. In der eisenzeitlichen Keltenzeit war das nahe Hallstatt Hauptort der Hallstattkultur (800–450 v. Chr.). Beim Kaiserbrunnen am Attersee sind Funde des 1. Jahrhunderts v. Chr. gemacht worden. Die Altstraße aus dem Ischltal nach Osten war auch als Römerstraße bedeutend (Römerzeit in Österreich 15–487 n. Chr.), sie verlief von Iuvavum (Salzburg) zur Statio Escensis (Ischl). Ihr Verlauf entlang des Wolfgangsees ist ungeklärt. Alle diese Einflüsse lassen eine zumindest punktuelle Besiedlungen der Seeufer wie auch Berggebiete im Gemeindegebiet vermuten, eine Siedlungskontinuität ist aber unsicher.

Um 750 n. Chr. schenkte der Herzog Odilo (Bayern) der Salzburger Kirche das Gebiet des Abersees (Aberseeland), um es von Mönchen erschließen zu lassen. Bis zum 13. Jahrhundert war das Gebiet des Wolfgangtals im Großen und Ganzen vollständig kultiviert. Zu dieser Zeit gab es ungefähr zehn Häuser. Auch die erste Kirche wurde in diesem Zeitraum erbaut. Die Wallfahrt nach St. Wolfgang war im Mittelalter eine der bedeutendsten Europas, sodass das Gebiet zwischen dem Bistum Salzburg und dem Kloster Mondsee (Thalgau), später dem habsburgischen Österreich (Wolfgangland) umstritten war. Auch die Nähe zum Ischler Salzberg wirkte sich politisch aus. Ab dieser Zeit bildete St. Gilgen gemeinsam mit Strobl und Fuschl die Herrschaft Hüttenstein, ursprünglich auf der Burg an der Scharflinger Höhe angesiedelt, ab dem mittleren 16. Jahrhundert am neuen Schloss am Krotensee.

Schon 1380 kam der Attergau an das Habsburgische Österreich, 1506 auch Wildeneck (mitsamt der weltlichen Gerichtsbarkeit über das Mondseeland), verpfändeten es aber bis 1664 an Salzburg.Alfred Mück: „Unterach am Attersee. Geschichte einer Salzkammergut Sommerfrische.“ In: „Jahrbuch des städtischen Museums zu Wels“ 1936, Wels 1936. insb. Kapitel „Die Salzburgische Burgau.“ S. 56–60 (ganzer Artikel S. 29–155; , dort insb. S. 31 ff; ). Bei der Rückgabe postulierten die Salzburger Erzbischöfe ihre Landesherrlichkeit über die Burgau, wo sie schon ab dem Hochmittelalter Fischrechte innegehabt hatten (Fischmeister in Unterach am Attersee). Erst mit einem Staatsvertrag vom 26. Mai 1689 zwischen Kaiser Leopold I. und Fürsterzbischof Thun wurden die Landesgrenzen abschließend geregelt.

Der Ort St. Gilgen war für die Wolfgang-Wallfahrt immer bedeutend, man setzte per Boot über, oder wählte den Landweg über den Falkenstein. Durch die steigende Bevölkerung musste die Kirche zweimal neu gebaut werden, einmal im Jahre 1425 und ein zweites Mal im Jahre 1769. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die diversen durch Steilwände blockierten Straßen an den drei Seen als wirkliche Fahrwege eingerichtet. Nach Aufnahme der Schifffahrt auf dem Wolfgangsee (1873) und vor allem nach Errichtung der Salzkammergut-Lokalbahn (1893) nahm das zuvor unbedeutende Dorf und die anderen Gunstlagen an den Seen einen starken touristischen Aufschwung als Sommerfrische-Orte. Prominente wie der Arzt Theodor Billroth errichteten hier Sommervillen. In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich auch eine Künstlerkolonie, die Zinkenbacher Malerkolonie. Die Entwicklung als Tourismusregion setzte sich auch in der Nachkriegszeit fort.

Von Mitte 1938 bis zum 18. Dezember 1942 bestand im Ort ein Außenlager des KZ Dachau. Die Inhaftierten mussten Landhäuser für die NS-Parteiprominenz errichten.

Am Karfreitag 2023 ereignete sich im Ortsgebiet unterhalb des Zwölferhorns ein Erdrutsch, bei dem sich die Erdmassen einer 8 Hektar großen Fläche innerhalb von 12 Stunden etwa 20 Meter talwärts schoben.Riesiger Berghang ins Rutschen geraten – Tal bei St. Gilgen gesperrt. In: Spiegel Online, 10. April 2023, abgerufen am 10. April 2023.

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauten Kath. Pfarrkirche Hl. Ägydius in St. Gilgen Wallfahrtskirche zu U. L. Frau und des hl. Wolfgang am Falkenstein bei Winkl und Ried, mit Kreuzweg Schloss Hüttenstein am Krotensee (privat) Ortskern Sankt Gilgen mit alten Bauten Brunnwinkl, kleiner Gehöftweiler mit vollständig erhaltenem bäuerlichen Ortsbild (Wirkungsstätte des Bienenforschers Karl von Frisch) diverse Sommerfrischevillen am Wolfgang- und Attersee (Unterburgau), darunter Frauenstein und Ferienhort in Ried beispielsweise die ehemalige Villa Tonder aus dem Jahr 1906 (ein Frühwerk von Jan Kotěra, an der Seepromenade hinter dem „Mozarthaus“ gelegen)Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Band I, Residenz Verlag, Salzburg und Wien, 1980, S. 237 Forsthaus in Oberburgau Bildstöcke auf Inseln: Ochsenkreuz und Hochzeitskreuz im Wolfgangsee bei Winkl-Fürberg

Kultureinrichtungen Mozarthaus in Sankt Gilgen: ehemaliges Bezirksgericht, Wohnhaus der Mutter (Anna Maria und der Schwester Nannerl) Kulturhaus in Sankt Gilgen: vorher Volksschule, mit Musikinstrumentenmuseum und Museum Zinkenbacher Malerkolonie Heimatmuseum in Sankt Gilgen: vorher Seitenflurhaus des Wetzl-Gutes Europakloster Gut Aich in Winkl

Naturgebilde und Aussichtswarten Wolfgangseeblick in Pöllach (Aussichtspunkt, geschützter Landschaftsteil) Plombergstein über Sankt Gilgen (Aussichtspunkt) Steinklüfte am Plombergstein in Plomberg (Naturdenkmal) Promenadenweg Brunnwinkl–Fürberg am See am Saurüssel