mini|hochkant=1.8|Wohngebiet der Mattabesic und benachbarter Stämme um 1600
Die Mattabesic waren Algonkin sprechende Indianer, die im heutigen westlichen Connecticut zwischen dem Housatonic und Connecticut River lebten und eine Konföderation aus mehreren kleinen Stämmen bildeten. Man schätzt ihre Zahl um 1600 auf mehr als 10.000 Personen. Wie andere Neuengland-Stämme waren sie halbsesshaft und wanderten saisonal zwischen relativ gleichbleibenden Orten. Ihre Hauptnahrung war von Frauen angebauter Mais sowie Fisch und Wild. Viele der Stämme gelten heute als ausgestorben.
Name Es gibt keinen Sammelbegriff für die Algonkinstämme im westlichen Connecticut. Die Bezeichnung Mattabesic ist der Name eines Dorfes der Ureinwohner in dieser Region und wurde willkürlich für die Zusammenfassung dieser Stammesgruppe gewählt, die man auch Paugusset, Quiripi (nach ihrer Sprache), Wampano oder Potatuck nennen könnte.
Sprache Die Sprache der Mattabesic-Stämme war Quiripi oder Wampano, ein Algonkin-Dialekt, der auch von den Westlichen Metoac-Stämmen im zentralen Long Island und den Wappingern auf der Ostseite des unteren Hudson Rivers gesprochen wurde. Die Indianer im südlichen Neuengland waren zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit dem Wortschatz und der Aussprache ihrer direkten Nachbarn vertraut, doch nahm die Qualität der Verständigung ab, je weiter sie sich durch Handel, Jagd oder Krieg aus ihrer unmittelbaren Umgebung entfernten.Mattabesic History - Language
Gruppen der Mattabesic GruppeWohngebiet Hammonasset an der Mündung des Hammonasset Rivers Massaco bei Simsbury und Canton Menunkatuc (auch Menunkatuck) an der Küste bei Guilford Paugussett an der Ostseite des Housatonic Rivers nordwärts bis etwa Waterbury Peaquanock westlich des Housatonic Rivers nordwärts bis Danbury Podunk an der Ostseite des Connecticut Rivers bei East Windsor und East Hartford Poquonock an der Westseite des Connecticut Rivers bei Windsor Locks Pequannock westlich des Housatonic Rivers Potatuck im Tal des Housatonic Rivers zwischen Newtown und Woodbury Quinnipiac (auch Quiripi) an der New Haven Bay und den dort mündenden Flüssen Sicaog heutige Stadtmitte von Hartford Tunxis am Farmington River westlich von Hartford Wangunk an beiden Seiten des Connecticut Rivers zwischen Hartford und Haddam Weantinock im Tal des Housatonic Rivers oberhalb von Danbury Mattabesic History - Subnations
Jedoch muss hierbei beachtet werden, dass die Stämme der Lenni Lenape (Delaware), Wappinger, Mahican, Mattabesic sowie der Westlichen Metoac wie bereits erwähnt alle den Östlichen Algonkin angehörten und somit kulturell als auch sprachlich sich von Außenstehenden kaum zu unterscheiden ließen.Carl Waldmann: Encyclopedia of Native American Tribes, ISBN 978-0-8160-6274-4
Manche Historiker zählen daher die Hammonasset, Massaco, Menunkatuck, Paugussett, Podunk, Poquonock, Quinnipiac (auch Quiripi), Sicaog und Tunxis zu den Wappinger, zugleich werden die Wappinger-Gruppen der Manhattan, Nochpeem, Kichtawank, Rechgawawanc, Sintsink, Wechquaesgeek und Wappinger oft zu den Munsee (den sog. Nördlichen Delaware, einer Dialektgruppe der Lenni Lenape) gezählt.
Die Manhattan werden auch manchmal zu den Wappingern gezählt, während die Paugussett und Mattabesic oft als eigenständige Stämme oder Stammesgruppen angesehen werden. Die Canarsee, Massapequa, Matinecock und Rockaway wiederum werden manchmal zu den Munsee oder Westlichen Metoac gezählt.
Kultur und Lebensweise Lebensunterhalt Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gab es bei den Mattabesic Techniken für Anbau und Lagerung von Nahrungsmitteln, die seit mehreren Jahrhunderten stetig weiterentwickelt worden waren. Die Männer rodeten die Eichen-, Ulmen-, Eschen- und Kastanienwälder, um Platz für den Anbau von Mais zu schaffen. Die kleineren Bäume wurden gefällt, die größeren aber brannte man von unten her ab, so dass die Asche den Boden anreichern konnte.
Das Aufbrechen des Bodens mit Hacken aus den Schulterblättern von Hirschen war Frauenarbeit, einzige Ausnahme war der Tabak, der vorwiegend von Männern angebaut wurde. Im April begannen die Frauen mit dem Anpflanzen von Mais in kleinen Hügeln, indem sie je 4 Körner in jeden Hügel legten und Fischköpfe als Dünger hinzugaben. Mitte des Sommers konnte man Squash, Bohnen und den ersten grünen Mais ernten, die Haupternte fand allerdings nicht vor September statt. Offensichtlich bildeten diese verschiedenen Pflanzen eine ideale Symbiose: Die Bohnen zwischen dem Mais reicherten den Boden mit Stickstoff an, den der Mais benötigte, während die kräftigen Maisstängel den kletternden Bohnenranken den notwendigen Halt boten. Der am Boden wachsende Squash bekam vom Mais den notwendigen Schatten, um zu reifen.
Bohnen, Mais und Squash wurden häufig zusammen verzehrt und erhöhten damit die Proteinaufnahme. Die Indianer erfanden das noch heute unter dem Algonkin-Namen Succotash bekannte Gemüsegericht.
Während einige Wächter zurückblieben, um Unkraut zu jäten und die jungen Pflanzen vor Vögeln und Wildtieren zu schützen, zog die Mehrheit der Dorfbewohner an die Küste, um Muscheln und Austern zu sammeln und Fische zu fangen. Wilde essbare Pflanzen, Nüsse und Früchte ergänzten die Ernährung und wechselten je nach Ort und Jahreszeit, so zum Beispiel Brombeeren, Blaubeeren, Himbeeren, Erdbeeren, wilde Weintrauben, Walnüsse, Esskastanien und Eicheln. Einiges davon ließ sich auch für schlechte Zeiten trocknen und lagern.
Im Herbst lagerte man die Ernte-Überschüsse für den Winter ein. Der getrocknete Mais wurde in gewebte Säcke oder Körbe gefüllt und in großen Löchern oder Gräben vergraben, um während des Herbstes und im Winter verzehrt zu werden. Diese tiefen, mit Matten bedeckten, Löcher im Boden waren den englischen Siedlern verhasst. Sie nannten diese Einrichtung Indianer-Scheunen und mochten sie nicht, weil ihr weidendes Vieh oft durch die Matten in die Tiefe stürzte.
Vor dem Wintereinbruch ging man in kleinen Gruppen auf die Jagd. Hirsche waren das wichtigste Wild und wurden entweder von einzelnen Jägern erlegt, oder aber in gemeinschaftlichen Aktionen in speziell für diese Zwecke gebaute Pferche getrieben. Elch, Bär, Luchs und Puma wurden sowohl wegen ihrer Felle als auch ihres Fleisches wegen gejagt. Außerdem angelten die Mattabesic im Winter an Eislöchern in zugefrorenen Teichen, in der wärmeren Jahreszeit fing man Fische jedoch mit Netzen oder Reusen.
In der Nähe feindlicher Nachbarn waren die Dörfer von schützenden Palisaden umgeben, die aus im Feuer gehärteten angespitzten Pfählen bestanden. Zu einer typischen Siedlung gehörten lange, mattengedeckte Mehrfamilienhäuser, Vorratsgruben, Menstruationshütten und spezielle religiöse Gebäude. Im Sommer kamen Leben und Geselligkeit in die Dörfer und auf den öffentlichen Plätzen gab es Feiern, bei denen unter Begleitung von Trommeln und Rasseln gesungen und getanzt wurde.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians, Vol. 15. Kapitel: Indians of Southern New England and Long Island: Early Period, Seite: 160ff.
Religion Die oberste religiöse Autorität bei den Mattabesic hatte der Powwow oder Schamane, ausnahmslos ein Mann, dessen Berufung durch einen Traum oder eine Vision erfolgte. Er überwachte die öffentlichen, regelmäßig zur Erntezeit und in der Mitte des Winters durchgeführten Rituale. Außerdem gab es Rituale bei kritischen Situationen, wie Dürre, Hungersnot, Krankheit und Krieg. In einem besonderen Langhaus beim Wohnsitz des Sachems fand das Ernte-Ritual statt. Es zog viele Teilnehmer an und dauerte mehrere Tage, in denen gefeiert, getanzt und Geschenke verteilt wurden, die von wohlhabenden Stammesmitgliedern zu diesem Zweck vorher gesammelt worden waren.
Die Schamanen wurden wegen ihrer Beziehungen zu den mächtigen Geistern sowohl bewundert als auch gefürchtet, denn sie demonstrierten ihre Macht bei speziellen Ereignissen, zum Beispiel um den Jägern zum Erfolg zu verhelfen, das Wetter zu beeinflussen, die Zukunft vorherzusagen, Kranke zu heilen und im Krieg Feinde zu besiegen.
Handel Zwischen den verschiedenen Stämmen fand ein reger Austausch an Waren statt, der sie sowohl auf Gruppenebene als auch persönlich miteinander verband. Das Handelsnetz verband verschiedene Dörfer innerhalb der Region miteinander, aber auch Dörfer anderer Stämme in angrenzenden Gebieten. Dieses Handelsnetz bestand schon lange vor dem Kontakt mit den Europäern, dennoch wurde es zweifellos durch die Einführung europäischer Handelsgüter schnell und wesentlich beeinflusst. Die Wälder und Flussufer wurden von zahlreichen, viel benutzten Pfaden durchzogen, auf denen Waren transportiert und Nachrichten übermittelt wurden. Menschen, die das Glück hatten, mit dem lokalen Sachem verwandt zu sein oder auch die Schamanen waren in erster Linie Nutznießer dieses regen Austauschs von Waren. Ein bevorzugtes Handelsgut der Mattabesic war Wampum, bestehend aus zylindrischen Perlen, die man aus der Wirbelsäule der Schnecken-Muschel (Venus Buccinum) für die weiße Variante herstellte, während aus der violetten Partie der Quahog-Muschel (Venus Mercenaria) die Perlen für die dunklere Variante gefertigt wurden. Wampum wurde ein echter Tauschartikel und war wahrscheinlich ein wichtiges Mittel, um die Indianer Süd-Neuenglands in die europäische Geldwirtschaft einzubinden.
Politische Organisation Die einzelnen Gruppen der Mattabesic hatten keine einheitliche politische Struktur. Ihre Dörfer waren teilweise sehr klein und viele der Gruppen hatten weniger als 500 Angehörige. Die Autorität des Sachems war erblich und gewöhnlich nur auf ein oder wenige Dörfer begrenzt. Die politische Organisation der Mattabesic war typisch für die meisten Algonkinstämme von den kanadischen Provinzen bis zu den Algonkin in North Carolina. Straff organisierte Konföderationen wie die Narraganset, Pequot, Mahican und Powhatan waren eher die Ausnahme als die Regel. Der Mangel an Führungsstruktur scheint darauf hinzuweisen, dass die Mattabesic nicht den Entwicklungsstand ihrer Nachbarn hatten, doch das ist ein Irrtum. Nur wenige Dörfer waren befestigt, was auf wenig kriegerische Aktivitäten schließen lässt. Offensichtlich lebten die Mattabesic in Frieden untereinander und mit ihren Nachbarn, so dass sie wenig Grund für ein aufwändiges Führungssystem hatten. Diese Tatsache war für die Europäer schwer zu verstehen. Ihre eigene Gesellschaft hatte Jahrhunderte voller Kriege und Auseinandersetzungen hinter sich und konnten den Sinn dieses Systems nicht begreifen, das keine erkennbare hierarchische Struktur und keinen absoluten Herrscher kannte. Das führte dazu, dass Holländer und Engländer verzweifelt jemanden suchten, der die Autorität hatte, Verträge zu unterzeichnen.Mattabesic History - Culture
Geschichte Holländer und Engländer 300px|mini|Der Ausschnitt aus der um 1634 entstandenen Karte Nova Belgica et Anglia Nova des Niederländers Joan Blaeu zeigt die Region um den Hudson River. Übergroße Abbildungen von Ottern und Bibern sollen den Pelzreichtum des Landes betonen.
Die Paugusset und Peaquanock an der Mündung des Housatonic Rivers hatten um 1610 den ersten Kontakt zu holländischen Händlern. Im Jahr 1622 errichteten sie einen ständigen Handelsposten in der Nähe des heutigen Hartford, von dem aus schwunghaften Handel mit allen Stämmen in Connecticut betrieben wurde. Die Pequot am Thames River im östlichen Connecticut waren in dieser Zeit der mächtigste Stamm in der Region und deshalb entschlossen, den Handel mit den Holländern zu dominieren. Nachdem sie einige Mattebesic nahe der Handelsstation überfallen hatten, nahmen die Holländer einen Pequot-Sachem als Geisel, verlangten Lösegeld und die Zusage für die Freilassung, den Handel zukünftig nicht mehr zu stören. Schließlich siegte die Vernunft, beide Seiten erkannten die Vorteile des friedlichen Handels und legten den Streit bei. Die Holländer unternahmen danach keine Versuche mehr, den Pequot die Herrschaft über die anderen Stämme in der Region streitig zu machen.