Die Bewegung für Rechte und Freiheiten, DPS/ДПС (, Dwischenie sa Prawa i Swobodi, (HÖH)) ist eine Partei in Bulgarien, die in erster Linie die Interessen der türkischen Minderheit vertritt. Sie wird häufig vereinfacht als „Türkenpartei“ bezeichnet. Die türkische Minderheit bildet gemeinsam mit anderen muslimischen Minderheiten, wie den Pomaken, sowie Roma den Kern ihrer Wählerschaft. Sie wurde 1990 offiziell als Partei gegründet. Die Partei ist für mehrere Korruptionsfälle bekannt.Bürgerliche Opposition siegt bei Europawahl in Bulgarien www.welt.de, Erste Parlamentswahl nach dem EU-Beitritt www.faz.netNoch ein Korruptionsskandal führt zur DPS, Zeitungsartikel auf Internetseite der Zeitung Dnevnik von 15. September 2009

Nach der Parlamentswahl in Bulgarien 2013 stellte sie gemeinsam mit der Sozialistischen Partei die Regierung.Alexandre Lévy: La fièvre monte dans la capitale bulgare in Le Figaro, 27. Juni 2013; Zitat: Et cela au prix d'une alliance inédite avec le Parti socialiste (PS, ex-communiste) et le Mouvement pour les droits et les libertés (MDL) de la minorité musulmane du pays Seit dem 24. Februar 2024 teilen sich Deljan Peewski und Dschewdet Tschakarow als Co-Vorsitzender die Führung der Partei. Während der nach dem Magnitsky Act sanktionierte Peewski nach innen auftreten soll, soll Tschakarow das Gesicht der Partei im Ausland sein. Im Laufe des Jahres 2024 kam es zu einem Bruch und parteiinternen Machtkampf zwischen Peewski und dem Ehrenvorsitzenden Dogan, der zur Spaltung der Partei führte.

In der Folge wurde die von Peewski geführte Partei seitens der liberalen ALDE aus der Allianz und der Fraktion im Europaparlament ausgeschlossen und tritt seit 2024 verstärkt unter den Namen DPS - Nowo Natschalo/Bewegung für Rechte und Freiheiten - Neuer Anfang auf. Im Europaparlament ist die DPS-NN seitdem fraktionslos, in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates gehört die Partei seit Anfang 2025 der rechten ECPA-Fraktion an., news.bg, 14.04.2025

Geschichte Hintergründe und Anfänge Die Partei entwickelte sich aus der Untergrundorganisation Türkische Nationale Befreiungsbewegung in Bulgarien (bulgarisch Турско национално-освободително движение в България), die zum Teil mit terroristischen Mitteln gegen die Politik der Bulgarisierung der türkischen Minderheit Widerstand leistete. Unter anderem wird sie für den Anschlag am 9. März 1985 auf den Zug Sofia–Burgas im Bahnhof Bunowo verantwortlich gemacht, der sieben Todesopfer forderte, darunter zwei Kinder., Original: http://www.netinfo.bg/?tid=40&oid=1011656 Heute ist keiner der Parteigründer in der Partei aktiv.

mini|Ahmed Dogan und Yenal Bekir während der Gründungskonferenz

Die Partei Bewegung für Rechte und Freiheiten wurde 1990 mit Ahmed Dogan als Parteivorsitzender und Yenal Bekir als Parteisekretär gegründet. Ahmed Dogan und weitere Parteispitzen waren zu diesem Zeitpunkt aktive Mitarbeiter des bulgarischen Komitees für Staatssicherheit . Viele der Mitglieder der DPS waren zuvor in der Unabhängigen Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte aktiv, distanzierten sich jedoch von ihr, als Rumen Wodenitscharow (zu diesem Zeitpunkt aktiver Mitarbeiter der Staatssicherheit) ihren Vorsitz übernahm und sich die Partei nicht mehr für die Rechte der bulgarischen Muslime einsetzte.Разочаровани от Румен Воденичаров, мюсюлманите отдавна са се насочили към ДПС и така са лишили дружеството от основната му членска маса.

Die DPS erzielt seit ihrer Gründung gleich bleibend stabile Ergebnisse um 7 % der Wählerstimmen und 20 der 240 Parlamentssitze und stellte damit meist die drittgrößte Fraktion nach den Konservativen und den Sozialisten. Bei den Wahlen 2001 erreichte die Bewegung mit 7,5 % der Stimmen 21 Mandate und trat in die Koalitionsregierung mit der Nationalen Bewegung Simeon der Zweite unter dem ehemaligen Zaren Simeon Sakskoburggotski ein. Bei den Wahlen 2005 konnte sie deutlich zulegen und erreichte 12,7 % und 34 Sitze, was auch an der niedrigen Wahlbeteiligung der nichtmuslimischen bulgarischen Bevölkerung lag. Damit war die DPS wiederum an der Regierung beteiligt, diesmal mit den Sozialisten und der Bewegung Simeon. Jedoch war ihre Regierungsbeteiligung von mehreren Korruptionsaffären begleitet. 2009 musste Vize-Innenminister Rauf Mustafa von der DPS sein Amt räumen, da er 50.000 Lewa (ca. 24.000 €) Bestechungsgeld von einem Geschäftsmann verlangt hatte.Rauf Mustafa wurde wegen Bestechung angeklagt (bulg.) auf www.mediapool.bg vom 17. Juni 2009

Die DPS war von 2003 bis 2025 Mitglied der Liberalen Internationalen und von Dezember 2001 bis Dezember 2024 der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa, der früheren Europäischen Liberalen, Demokratischen und Reformpartei. Damit widersprach sie auch den Vorwürfen, eine rein ethnische Partei zu sein, die nach bulgarischem Recht nicht zulässig wäre, trotzdem wird sie vom großen Teil der bulgarischen Bevölkerung als die Türkenpartei bezeichnet. Traditionell kommen bei Wahlentscheidungen bis zu 100.000 Wählerstimmen für die DPS aus der in der Türkei lebenden bulgarisch-türkischen und pomakischen Gemeinschaft, was das Wahlergebnis beträchtlich beeinflusst.

Wahlen 2009 Im Wahlkampf zu den Parlamentswahlen 2009 bezeichnete sich Dogan selbst als das Werkzeug, in dessen Händen die ganze Macht konzentriert sei, wogegen die Abgeordneten im Parlament über keine Macht verfügten: „Ich bin in der Regierung das Werkzeug, das den Firmen im Land ihre Portionen zuteilt.“Video auf YouTube (bulg.; Juni 2009) mit den angesprochenen Äußerungen, mit Untertiteln und Reaktion der Abgeordneten 2009: "Die Abgeordneten haben keine Macht. Ihre Macht ist gesetzgeberisch. Sie erlassen Gesetze. Ein Abgeordneter [muss schon ganz besonders standfest sein], damit er sich in ein Machtinstrument verwandelt, um konkrete Probleme zu lösen. Wie soll ein Abgeordneter ihre [der anwesenden Zuhörer] Probleme lösen für ihre Projekte und deren Finanzierung. Das ist nicht möglich. Die Macht liegt in meinen Händen. Ich möchte, dass sie das verstehen. [Beifall] Bei mir ist die Macht konzentriert, nicht bei ihren Abgeordneten. Ich möchte, dass sie das wissen. Ich bin das Instrument der Macht, das die Portionen der Finanzierung im Land verteilt. Ich möchte, dass ihnen das ganz klar ist." Anmerkung: Diese Worte sprach er bei einer WahlveranstaltungParteichef der bulgarischen Türken: „Ich bin die Macht“. in sueddeutsche.de

Bei den Wahlen 2009 haben die regierenden Parteien im Vorfeld versucht die Wahl zu manipulieren, indem das Stimmrecht der bulgarischen Staatsangehörigen, wohnhaft außerhalb der Landesgrenzen, überwiegend in Europa und USA, stark beschränkt wurde. So wurden zum Beispiel weltweit 259 Wahllokale eingerichtet, von denen allein in der Türkei 123 waren, wo ca. 240.000 Aussiedler aus Bulgarien dauerhaft leben; in Griechenland gab es dagegen nur 3 Wahllokale für ca. 380.000 bulgarische Staatsbürger; in Spanien 16 für ca. 35.000 bulgarische Staatsangehörige; in den USA 15 Wahllokale für ca. 800.000 Bulgaren, in Moldau 1 für ca. 30.000.

Die Aussagen Dogans und die seit Jahren andauernden Wahlmanipulationen führten zu einer Anti-Dogan-Stimmung, welche sich auf die DPS in Form von politischer Isolation seitens der anderen politischen Parteien des Landes auswirkte und zu einer ethnischen Konfrontation zwischen Bulgaren und Türken.Alle die gegen das Modell „Dogan“ sind, sollen Kasim Dal unterstützen (bulg.), Interview mit Osman Oktaj, mediapool.bg, 13. Januar 2011.

Die DPS konnte über 600.000 Wahlstimmen gewinnen und die restlichen fünf Mandate nach dem Mehrheitswahl-Prinzip für sich gewinnen. Damit wurde sie die drittstärkste Partei im Parlament und erreichte das beste Ergebnis in ihrer Geschichte. Ein Grund für das erreichte Ergebnis war die durch die Aussagen von Dogan entzündete Polarisierung, welche einerseits zu einer Anti-DPS-Stimmung unter den Parteien der Mehrheitsbevölkerung führte und anderseits zu einer Konsolidierung und Revitalisierung der Kernwählerschaft der Partei. So konnte die DPS auf die Stimmen der islamischen Minderheiten (ethnische Türken und Pomaken) und der Roma im Land, sowie auf die bulgarisch-türkische und pomakische Exilgemeinschaft zählen. 87 Prozent der im Land lebenden Türken wählten die DPS. Die DPS konnte dabei mehr als 100.000 Wählerstimmen aus dem Ausland für sich gewinnen, vor allem wählte sie die in der Türkei lebende bulgarisch-türkische und pomakische Gemeinschaft. Bei den Wahlen wurde der Partei erneut Wahlmanipulation im großen Stil in den von ihr dominierten Gebieten vorgeworfen. Zeitungsartikel auf Internetseite der Zeitung Capital, von 10. Juli 2009

Nach den Parlamentswahlen 2009 wurde bekannt, dass die DPS-Fraktion im bulgarischen Parlament die meisten Mitarbeiter des ehemaligen kommunistischen Geheimdienstes (kurz DS) hatte.Verfassungsgericht kippt Gesetz gegen frühere Spione in Bulgarien Im November 2009 wurde die Immunität der Abgeordneten Günai Sefer und Mithat Tabakow aus der DPS-Fraktion im bulgarischen Parlament aufgehoben, da gegen sie ermittelt wurdeZwei Parlamentsabgeordnete sind ohne Immunität geblieben (bulg.) und im Mai 2010 Anklage wegen Korruption und Veruntreuung öffentlicher Gelder erhoben.Erfolgreicher Start des Prozesses gegen zwei Parlamentsabgeordnete (bulg.)

2011 Die Isolation der DPS wurde auch 2010 deutlich, als der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan bei seinem offiziellen Besuch in Bulgarien Anfang Oktober nicht mit Vertretern der Partei zusammentraf. Dies geschah zum ersten Mal in der Geschichte der Partei.Ердоган не се е срещал с Доган (bulg.), zu dt. etwa Erdogan traf sich nicht mit Dogan, Darik Radio. Im Januar 2011 machte der Mitglied des Zentralrats und ehemalige Nummer zwei der Partei, Kasim Dal schwere Vorwürfe gegen den Politikstil des Parteiführers Ahmed Dogan und die Verbindungen der Partei zu den Strukturen des ehemaligen kommunistischen Geheimdienstes.Dogan hat die Idee DPS für Lügen und Selbstbereicherung missbraucht (bulg.), Capital, abgerufen am 21. Februar 2011 In der Folge wurde er am Parteitag am 20. Februar 2011 aus der Partei ausgeschlossen. Dabei stellten sich die Strukturen der Partei in Bulgarien hinter ihren Vorsitzender, alle Strukturen der Partei in der Türkei und der Abgeordneter Korman Ismailow, auch Mitglied des Zentralrates, unterstützten ihrerseits Dal und forderten den Rücktritt Dogans. Dogan selbst hatte seit den Wahlen 2009 keine öffentlichen Auftritte.Vgl.: Bulgaria’s Ethnic Turkish Party DPS Expels Dissenter, www.novinite.com, abgerufen am 21. Februar 2011; Die Aussiedler in der Türkei forderten den Rücktritt Dogans (bulg.), Dnevnik, abgerufen am 21. Februar 2011; Die Aussiedler in der Türkei forderten den Rücktritt Dogans (bulg.), Darik Radio, abgerufen am 21. Februar 2011

Ende April wurde der Abgeordnete Ismailow aus der Fraktion der DPS im Parlament und kurz darauf aus der Partei ausgeschlossen. Anfang Juni wurde die Parteimitgliedschaft von weiteren sechs Unterstützern von Kasim Dal und seine Politik gekündigt. Unter den Ausgeschlossenen waren die vier Repräsentanten der Partei in der Türkei und Mitglieder des Zentralrates der Partei, sowie Wesselin Penew, langjähriger Vorsitzender der liberalen und parteinahe Stiftung Liberalna Integrazija.DPS schloss weitere sechs Unterstützer von Kasil Dal aus der Partei aus (bulg.), Dnevnik, abgerufen am 10. Juni 2011

Im Juli 2011 wurde der ehemalige Bürgermeister von Welingrad und Parlamentsabgeordnete der DPS, Fidel Baew durch eine Haftstrafe wegen Misswirtschaft verurteilt.Drei Jahre für Fidel Baew

Vom 19. Januar 2013 bis zum 24. Dezember 2015 war Ljutwi Mestan Vorsitzender der Partei.

Ab 2013