Eröffnung 1. Juli 1909 Einstellung 24. Dezember 1948Tengler: Die Bozner Straßenbahn. 1984, S. 28. Höchster Punkt Stephaniestraße () Tiefster Punkt Leifers ()
Die Straßenbahn Bozen erschloss die Gemeinde Bozen (Südtirol) und ihr Umland. Sie bestand aus zwei Teilstrecken im Besitz zweier unterschiedlicher Bahngesellschaften, die jedoch zusammen betrieben wurden.
Die Straßenbahn Bozen–Gries (auch: Bozen-Grieser Kleinbahn oder Trambahn Bozen-Gries) wurde in den Jahren 1907–1909 aus touristischen Erwägungen durch die Stadt Bozen und die bis Ende 1925 noch eigenständige Marktgemeinde Gries erbaut, um die dortigen Kurhotels besser mit der Brennerbahn zu verbinden. Diese Strecke wurde 1914 in die (bis 1911 selbständige) Ruralgemeinde Zwölfmalgreien verlängert, aufgrund des Ersten Weltkrieges wurde diese Verlängerung jedoch nur für ca. 6 Monate überhaupt regulär betrieben und kurz nach Kriegsende wieder abgebrochen.
Die Straßenbahn Bozen–St. Jakob (später: Bozen–Leifers) wurde bis Anfang 1914 durch eine private Gesellschaft errichtet. Die Strecke erschloss die Gemeinden im Süden Bozens, insbesondere Oberau und St. Jakob. Nach einer Verlängerung erreichte die Strecke ab 1931 auch Leifers. Der Schwerpunkt dieser Strecke lag eher darauf, Pendler aus dem Umland zu ihren Arbeitsplätzen zu befördern.
Das gesamte Straßenbahnnetz wurde im Dezember 1948 stillgelegt und durch Autobusse ersetzt.
Streckenverlauf mini|links|hochkant|Wagen der einstigen Grieser Linie in der Museumstraße (1911)
Die Linie 1 verlief von der heutigen Guntschnastraße (ehemals Stephaniestraße) über den Grieser Platz zur Talferbrücke, allerdings nicht entlang der heutigen Freiheitsstraße, da diese erst 1935/36 errichtet wurde. Weiter fuhr sie – mit teilweise kleinen RadienZum Baufortschritt s. den Artikel Trambahn Bozen-Gries in den Bozner Nachrichten vom 6. August 1908, S. 4 (Digitalisat). – durch die Innenstadt bis zum Waltherplatz, um auf die Gleise der bereits 1907 eröffneten Rittner Bahn zu stoßen. Mit dieser als Lokalbahn konzessionierten Bahn teilte sie sich die Strecke bis zur Zwölfmalgreiner Straße. Über den Zollstangenplatz erreichte sie in die Brennerstraße, wo auch die Endstation lag. mini|links|Straßenbahn auf der Talferbrücke (1910). Gut sichtbar sind die in regelmäßigen Abständen positionierten stählernen Oberleitungsmasten mini|links|Übersicht der Bozner Tram- und Bergbahnen (1930) Die Linie 2 wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet, da die Betreiber der Etschtalbahn die Konkurrenz fürchteten. Doch lag der Bahnhof Leifers so weit vom Ort entfernt, dass er für die lokale Bevölkerung nutzlos war. Eine direkt bis in den Ort fahrende Straßenbahn war bedeutend angenehmer. Von Leifers folgte die Bahn dem Verlauf der Brennerstraße bis zur Unterführung kurz vor dem Virgltunnel, um zur Trienter Straße wechseln zu können. Von hier aus gelangte die Bahn über den Dominikanerplatz auf den Waltherplatz und in das Gleis der Linie 1 und der Rittner Bahn. Kurz vor dem Bahnhof Bozen fädelte die Linie wieder aus und gelangte zu einem eigenen Endbahnhof südlich des Haupteinganges.
Stilllegung und Relikte mini|links|hochkant|Oberleitungsrosette der Straßenbahn an der Ecke Fagenstraße-Grieser Platz (Goldenes Kreuz) Aufgrund der defizitären Lage der beiden Trambahnlinien, der Entstehung neuer Stadtviertel abseits der Strecken und auch dem damaligen Zeitgeist entsprechend wurde der Straßenbahnbetrieb zum 24. Dezember 1948 eingestellt. Zu diesem Datum übernahmen Busse der S.A.S.A. (seinerzeit noch als private Società Atesina Servizi Automobilistici) den öffentlichen Nahverkehr in Bozen.
Während die meisten Einrichtungen der Straßenbahn in der Folgezeit verschwanden, wurde die alte Remise der Trambahn (Ecke Horazstraße/Peter-Mayr-Straße) noch bis in die 1980er-Jahre als Busdepot verwendet, bevor dort ein Neubau der Banca d’Italia errichtet wurde. Das unmittelbar nördlich gelegene Gebäude ist im Kern noch die alte Umformerstation „Talferpark“ der Etschwerke, doch wurde es im Vergleich zu seiner ursprünglichen Gestalt erheblich erweitert.Tengler: Die Bozner Straßenbahn. 1984, S. 35. Abgesehen davon findet sich noch eine beträchtliche Anzahl von Oberleitungsrosetten, vor allem im Bereich der Altstadt zwischen Mustergasse und Sparkassenstraße, aber auch vereinzelt jenseits der Talfer.Mahlknecht: Die einstige Trambahn in Bozen. 2007, S. 195.
Geplante Neuerrichtung Die Wiedereinführung eines Straßenbahnnetzes, insbesondere in Verknüpfung mit einer neuen Überetscher Bahn und einem Umsteigeknoten zur Bahnstrecke Bozen–Meran, war mehrmals politisch im Gespräch. Allerdings führten die hohen Realisierungskosten dazu, dass zunächst stattdessen eine Metrobuslinie zwischen Bozen und dem Überetsch eingerichtet wurde.Metrobus: Für Pillhof-Tunnel technische Daten und Kosten angepasst. In: provinz.bz.it. 14. März 2017, abgerufen am 31. Mai 2017. Eine von den Südtiroler Transportstrukturen erarbeitete Neuauflage des Straßenbahnprojekts wurde 2019 in einer beratenden Volksabstimmung in Bozen von 70,2 Prozent der Wählerschaft abgelehnt.
Literatur
Georg Tengler (Hrsg.): Vom Dorf zur Stadt Leifers: Anfänge – Entwicklung – Chancen. Raiffeisenkasse Leifers, Leifers 1998, S. 399–410: Die Trambahn Bozen-Leifers (Digitalisat)
Weblinks
Die Straßenbahn Bozen bei den Tiroler Museumsbahnen Erhaltene Fahrzeuge der Bahn
Einzelnachweise
Bozen Kategorie:Spurweite 1000 mm Kategorie:Verkehr (Bozen) Kategorie:Schienenverkehr (Südtirol)