mini|Worms in Metropolregion Rhein-Neckar Ibersheim (im Dialekt ) ist der am weitesten vom Stadtzentrum entfernte und bevölkerungsmäßig kleinste Stadtteil der Stadt Worms in Rheinland-Pfalz. Der Ort entstand zur Zeit des Fränkischen Reichs und ist seit 1500 Jahren durchgehend besiedelt. Heute ist er bekannt für seine Landwirtschaft in einer geschützten Altrhein-Landschaft.
Name und Wappen Entstehung des Ortsnamens Der Ortsname von Ibersheim ist auf einen der ersten Siedler nach der Fränkischen Landnahme zurückzuführen.Ernst Förstemann: Altdeutsches Namenbuch, 2. Bd. Ortsnamen, Nachtrag zur Erstausgabe von 1859 Der Namensgeber Eburin/Iburin schenkte am 1. August 767 dem Kloster Lorsch einen WeinbergLorscher Codex, Urkunde 1483 und 773/774 drei Morgen Land.Lorscher Codex, Urkunde 1490
Beschreibung des Ortswappens und der Ortsfahne Blasonierung: In geviertem Schild Feld 1 in Silber ein rotes Kreuz, Feld 2 in Schwarz ein rot bewehrter, rot gezungter und rot gekrönter goldener Löwe, Feld 3 in Blau ein rot bewehrter und rot gezungter silberner Adler, Feld 4 in Silber ein schwarzes Tatzenkreuz.
100px|rechts Das Ortswappen wurde von Fritz Kehr (1908–1985) aus Ibersheim entworfen und am 24. Juli 1958 vom Ministerium des Innern genehmigt. In einem viergeteilten Schild sind die Wappen ehemaliger Ibersheimer Grundherren angeordnet, zwei kirchliche und zwei weltliche Würdenträger. Die Beschreibung erfolgt nach der Heraldik aus der Sicht des Schildträgers, von hinten nach vorne gesehen, in der Draufsicht jedoch umgekehrt. Die heraldische Farbe Silber wird durch Weiß bei der Darstellung (mindestens bei Flaggen) ersetzt.
Kloster Lorsch mit dem roten Nagelkreuz, oben rechts Kurpfalz mit dem goldenen Löwen, oben links Grafschaft Leiningen mit dem silbernen Adler, unten rechts Deutscher Orden mit dem schwarzen Tatzenkreuz, unten links
Zur 1225-Jahr-Feier 1992 wurde eine Ortsfahne gestaltet und genehmigt: Eine gespaltene oder geteilte Bannerfahne in den Farben weiß-rot trägt jetzt das Ortswappen. Die Fahnen-/Flaggenfarben sind die gleichen wie die von Worms, Rheinhessen und Hessen.
Geografie mini|Rheinlauf um Ibersheim 1799 mini|Rheinlauf um Ibersheim 1842 mini|Rheinstrand bei Stromkilometer 454 mini|Kolk „Neues Loch“ mit Seerosen
Geografische Lage Ibersheim gehört zum Wonnegau und grenzt an die Gemarkungen von Worms-Rheindürkheim, Osthofen, Eich (Rheinhessen) und Hamm am Rhein. Es ist der nördlichste Wormser Stadtteil. Im Osten bildet der Rhein auf 5 km die natürliche Gemarkungs- und Landesgrenze (Stromkilometer 453,5 bis 458,4) und im Westen ist es der Seegraben mit etwa 2 km auf der Gemarkungsgrenze zu Eich. Das Gebiet befindet sich in einem ehemaligen Überschwemmungsgebiet des Rheins innerhalb der Oberrheinischen Tiefebene. Mit einer Gemarkungsfläche von 972,1 Hektar ist Ibersheim der fünftgrößte von 13 Wormser Stadtteilen; er hat 8,9 % der städtischen Gesamtfläche.Stadtverwaltung Worms, Abt. 1.01 – Statistik, 2008 Der niedrigste Punkt von Worms liegt auf dem Ibersheimer Wörth mit 86,5 Meter, die höchste Stelle im Ort ist mit 89,5 Meter am Friedhof.
Die Ibersheimer Gemarkung gehört seit 1977 zum Landschaftsschutzgebiet Rheinhessisches Rheingebiet.Gebietsname: Rheinhessisches Rheingebiet, Gebietsnr.: LSG 3.002_2 Mit Hoch- und Niedrigwasser des Rheins muss gerechnet werden. Das Ibersheimer Wäldchen, in der Gewann Mittellache, Mittlach genannt, ist der Rest eines ehemaligen Auwalds und gilt als schutzwürdiges Biotop. Weitere schützenswerte Gebiete mit Vegetation für Stillgewässer und Vogelschutz sind noch auf dem Ibersheimer Wörth und am Neuloch vorhanden.
Wasser und Boden Die Gemarkung ist durch die Rheinaue und Altrheinläufe geprägt. Die Grenze verläuft zwischen dem Rhein im Südosten und einem ehemaligen Altlauf des Rheins im Nordwesten. Zwischen dem Ort und dem Rhein liegt eine Rheinaue der jüngeren Mäanderflächengeneration. Gegen den Sandhof und Eich ist der Grenzverlauf am Seebach/Seegraben und dem Landbachgraben Richtung Hamm. Die Sedimentation dieses Altlaufs ist ca. 10.000 bis 12.000 Jahre alt, siehe Ausschnitt der Rheinlaufkarte von 1799.
Bei Dammbrüchen ist 1798 das Altloch (15 m tief) und 1824 das Neuloch (10 m tief) durch Ausspülung entstanden. Im November 1824 war der Wasserstand am Wormser Pegel bei 6,14 m. Der bisher höchste bekannte Stand war vom 29. Dezember 1882 bis 5. Januar 1883 bei 8,22 m und überschwemmte 84 % der Ibersheimer Gemarkung (808 ha von 961 ha). auf historischer Karte. Zwei Hochwasser-Marken befinden sich an einem Eckquader der Schafscheuern und sind mit „W“ gekennzeichnet.
Die Ackerböden sind von unterschiedlicher Güte und erreichen teilweise die höchste Bodengüteklasse.
Das Grundwasser ist gut und reichlich bei schwankendem Wasserstand vorhanden (Wasserschutzgebiet III B). Es ist das größte noch nicht genutzte Reservoir im Stadtgebiet. (Das Wormser Wasser kommt von der rechtsrheinischen Seite bei Bürstadt.) Ibersheim wehrte sich 2008 bei Behörden und Verbänden vergeblich gegen eine Nassauskiesung über die Hammer Gemarkungsgrenze hinaus auf Ibersheimer Gebiet. Erfolgreich konnte jedoch in der Vergangenheit eine Verunreinigung dieses Bodenschatzes durch Polder oder Klärschlamm vermieden werden.Votum gegen Kiesabbau, Wormser Zeitung 11. Oktober 2008Kiesabbau wird genehmigt, Wormser Zeitung 15. Oktober 2008
Die Mainzer Stadtwerke holen bereits seit Jahren ein Teil ihres Trinkwassers, mit einem eigenen Wasserwerk, aus dem angrenzenden Eicher Rheinbogen. Über eine 32 km lange Leitung wird zur Sicherstellung der Versorgung Wasser in ein Verbundleitungssystem gefördert.
Das Ibersheimer und Hammer Trinkwasser kommt seit 1960 aus dem Wasserwerk Eich an der Ibersheimer Straße. Am 1. Juli 2005 wurde eine neue Transportleitung zwischen dem Wasserwerk Osthofen und Eich eingeweiht. Damit wird Ibersheim mit Wasser niedriger Härte versorgt. Die Wasserförderung und Aufbereitung in Eich wurde aufgrund grenzwertiger Härte stillgelegt.
Die Abwässer gehen seit 1984 zur Kläranlage nach Worms. Bei der Verlegung der Abwasserrohre sind zum Teil erhebliche Gebäudeschäden entstanden.
Klima Der Ort liegt, wie ein Großteil Rheinhessens, in einer der trockensten Zonen Deutschlands. Die Jahresniederschläge betragen meistens unter 500 Millimeter. Die Landwirtschaft ist auf künstliche Bewässerung aus mehr als 70 Brunnen angewiesen.
Geschichte Mittlere Bronzezeit (1600–1300 v. Chr.)
Zwei Skelette mit zwei 20 Zentimeter langen Radnadeln wurden 1903 entdeckt.Museum der Stadt Worms, Inventar-Nr. BE 36Vom Rhein, Mai 1903, Dr. Koehl: 2. Aufdeckung eines Grabes aus der Bronzezeit bei Ibersheim, S. 34–35 Zwei weitere Radnadeln stammen aus einem Gräberfeld am Seegraben.
Aus den danach folgenden Zeiträumen sind keine Funde aus Ibersheim bekannt: Späte Bronzezeit, 1300–800 v. Chr. Mitteleuropäische Eisenzeit, 800 v. Chr.–1. Jahrhundert
Römische Zeit (1.–4. Jahrhundert)
Aus der Römischen Zeit wurden verschiedene Münzen (Marcus Vipsanius Agrippa) und Fundamentreste entdeckt, als ab 1973 die neue Friedhofshalle errichtet wurdeFritz Kehr: Kennst du deine Heimaterde?, In: Der Wonnegau 1962, S. 28–33. An dieser höchstgelegenen Stelle im nahen Umkreis, stand über mehrere Jahrhunderte (1270–1736) die St.-Dionysius-Kapelle. – Ibersheim lag zur Römischen Zeit im Bereich der Civitas Vangionum mit Borbetomagus, der heutigen Stadt Worms, als Zentrum.
Völkerwanderungszeit (4.–6. Jahrhundert: Völkerwanderung)
Mit der Aufgabe des oberrheinischen Limes durch die Römer, wurde der Rhein vorübergehend die Grenze. Am Ende der Römer-Herrschaft drangen Germanenstämme weiter. Mit dem Rheinübergang von 406 kamen die Burgunden, um sich um Worms anzusiedeln. Mitte des 5. Jahrhunderts drangen die Alamannen in das südliche Rheinhessen. Von Norden kamen die Franken, besiegten 496/497 unter Chlodwig I. die Alamannen und drängten diese nach Süden ab. Mit der Fränkischen Landnahme wurde die Gegend besiedelt, erkennbar an dem Ortsnamen mit der Endung -heim.Sigrid Bingenheimer: Die Flurnamen der Gemeinden um den Wissberg in Rheinhessen, Stuttgart 1996
Frühmittelalter (6.–10. Jahrhundert: Fränkisches Reich, Merowinger, Karolinger)
Die erste Besiedlung durch Rheinfranken ist mit einem kleinen Gräberfeld aus der Zeit um 500 nach Christus belegt. In der heutigen Adolf-Trieb-Straße fand man 1956 vier fränkische Gräber mit verschiedenen Beigaben. Den größten Teil davon konnte das Museum der Stadt Worms (Andreasstift) retten.Mathilde Grünewald, Ursula Koch: Zwischen Römerzeit und Karl dem Grossen, Lindenberg 2009, S. 322–327, ISBN 978-3-89870-568-4
Weitere frühmittelalterliche Funde aus der Zeit der Merowinger um 650 wurden in den 1990er Jahren in einem Vorgarten, In den Hütten, entdeckt: Eine Lanzenspitze, weidenblattförmig, Eisen geschmiedet, 400 Millimeter Gesamtlänge, beidseitig mit leichtem Mittelgrat, geschlossener Tülle mit 20 Millimeter Innendurchmesser. Der Form nach, stammt der Fund aus der Merowingerzeit, dem 7. Jahrhundert.Jörg Drauschke, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz, 6. Juni 2012 Zwei Nägel, Eisen geschmiedet, Köpfe viereckig (25 mm × 25 mm und 28 mm × 28 mm), Schaft rechteckig (68 mm und 60 mm Gesamtlänge), vermutlich zur Befestigung eines Schildbuckels Ein Knopf, teilweise vergoldet, 18 Millimeter Durchmesser, Rand grob senkrecht geriffelt, mit französischer Lilie, Rückseite mit Öse.Klaus Wirth, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim, 20. April 2012 – Der Merowingerkönig Chlodwig I. soll sich nach seiner Bekehrung zum Christentum Lilien als Wappenzier erwählt haben.Antike Knöpfe: FRANZÖSISCHE LILIE 21
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung, die Ibersheimer marca (Gemarkung Ibersheim), geht auf die Schenkung einer Baltsuind an das Kloster Lorsch zurück und datierte, laut einer Abschrift der Schenkungsurkunde im Lorscher Codex, vom 10. Februar 767. Zu dieser Zeit regierte Pippin der Jüngere, Vater Karls des Großen. Damit ist Ibersheim der viertälteste Vorort von Worms und gleichaltrig wie Worms-Pfeddersheim 754, Worms-Horchheim 766 und Worms-Heppenheim 3. November 766/767. Insgesamt 27 Urkunden aus den Jahren 767 bis 829 zeigen Schenkungen von Ibersheimer Besitz an das Benediktiner-Kloster. In dieser Zeit heiratete Karl der Große im Oktober 783 Fastrada in Worms. Bis dahin hatten die Ibersheimer bereits 20 Weinberge dem Kloster Lorsch geschenkt.
Adeltrud, eine Vorfahrin mehrerer für die Geschichte von Worms wichtiger Personen, schenkte sechs Weinberge, fünf Rebpflanzungen und Ackerland zwischen 1. Juni 770 und 8. Juni 778 (CL 1403, 1478, 1488, 1489). Sie war verheiratet mit Graf Eberhard, begütert um Mannheim, deren Nachkommen waren:
Werner I. (Präfekt des Ostlandes), (* zwischen 760 und 765, erschlagen 814 in der Aachener Königspfalz) war Gründer, Mitbesitzer des Klosters Hornbach, Präfekt des Ostlandes Karls des Großen. Er entstammte den Widonen, Salier und gehört zu den Frühen Saliern. Er war verheiratet mit Engiltrud, der Tochter von Adeltrud und Eberhard. Am 21. Oktober 812 schenkte er dem Kloster Lorsch eine Hofreite in Rheindürkheim.Lorscher Codex, Urkunde 1003, mit dem Zusatz: gelegen am Rheinstrom, damit Rhein-Dürkheim zuzuordnen Nach dem Tod Karls des Großen hatte er die Aachener Kaiserpfalz für König Ludwig den Frommen von unlauteren Elementen zu säubern. Dabei kam es zu einer blutigen Auseinandersetzung, bei der Werner getötet wurde. Konrad der Rote (* um 922, gefallen 10. August 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn), danach im Wormser Dom bestattet. Er war Herzog von Lothringen und Graf in Franken. Über die Linie des fränkischen Adelsgeschlechtes der Salier (Werner V. bis Werner I.) ist er mit Adeltrud und Eberhard verwandt.