Die Geschichte Malawis umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Malawi von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.

Geschichte bis 1859 In Uraha, unweit von Karonga, liegt der Fundort des – nach dem Unterkiefer-Fragment LD 350-1 – zweitältesten zur Gattung Homo gestellten Fossils, das bisher von Paläoanthropologen entdeckt wurde. Der 2,4 Millionen Jahre alte, bezahnte Unterkiefer wurde im Rahmen des Hominiden-Korridor-Projekts geborgen und erhielt die Sammlungsnummer UR 501; er wurde von seinen Entdeckern, Timothy Bromage und Friedemann Schrenk, als Homo rudolfensis eingeordnet. In Karonga wurde aufgrund einer Initiative Schrenks mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Uraha-Stiftung ein Kultur- und Museumszentrum gegründet, das unter anderem Vormenschenfunde beherbergen soll.

Erste bekannte Bewohner der Region aus der Art des modernen Menschen (Homo sapiens) waren die San, welche vor rund 3500 Jahren ins Gebiet des heutigen Malawis kamen. Zeugen ihrer Anwesenheit sind die noch heute bestehenden Felszeichnungen in den Höhlen von Chencherere und Mphunzi südlich der Stadt Lilongwe.

Auch die Nkope-Kultur am Malawisee, die Longwe-Kultur am Mulanje und bei Nsanje sind von Bedeutung. Bis 1000 n. Chr. wanderten Bantuvölker nach Malawi ein. mini|Königreich der Maravi Malawi leitet seinen Namen von dem Königreich der Maravi ab, die zwischen 1500 und 1700 weite Teile Malawis und des nördlichen Mosambik beherrschten. Erste Europäer in Malawi waren portugiesische Händler aus den Küstenstädten Mosambiks. Namentlich bekannt ist Caspar Bocarro, der Edelmetalle von den Minen bei Zumbo am Sambesi gegen europäische Güter tauschte. Auch gelangten vereinzelte Jesuiten ins Gebiet, gründeten aber keine Gemeinden und Siedlungen. Sie brachten allerdings die Sage von einem riesigen See im Norden des Gebietes mit. Die Portugiesen kauften Elfenbein, Sklaven, Gold und Nahrungsmittel und verkauften europäische Waren und Maissamen. Eine portugiesische Delegation unter F. de Lacerda fand zwar den Mwerusee, aber nicht den Malawisee, falls sie überhaupt nach ihm gesucht hat. Der Begriff Entre Lagos (deutsch: „Zwischen den Seen“) für das Gebiet von Mangochi setzt bei den Portugiesen durchaus eine präzise geographische Vorstellung voraus, nur verliefen die Haupthandelswege über Petauke in den Copperbelt, denn von dort kamen Kupfer, Gold und Elfenbein, vom Malawisee nur Fisch.

Es sieht so aus, als ob die Chewa nach Norden wanderten, also das fruchtbare Hochland der Viphya Mountains besiedelten. Nach 1500 entwickelte sich Nkhotakota um das Handelsgut Eisen, das die Chewa zu bearbeiten verstanden, zum wichtigsten Handelsplatz am See, den Händler aus Sansibar Ende des 18. Jahrhunderts erreichten und bald Sklavenhändler nach sich zogen. Unabhängig von diesen wanderten Anfang des 19. Jahrhunderts die Yao, die für die Portugiesen Sklaven jagten, von Osten her in das Gebiet von Mangochi. Bald danach wanderten Nguni aus Natal in die Gebiete um Ntcheu und Mzimba. Sie kamen in kleinen Gruppen und stießen in ein dünn besiedeltes Land.

Neuere Geschichte (ab 1859) Europäische Entdeckung und Frühphase der Kolonisierung 1859–1891 David Livingstone erreichte am 16. September 1859 als erster Europäer die Ufer des Njassasees, der heute als Malawisee bekannt ist. 1861 versuchte eine Gruppe von Missionaren unter der Leitung von Bischof Frederick Mackenzie an dessen Ufer eine Missionsstation zu errichten. Sie kamen nur bis in die Gegend von Zomba. Die Malaria und Angriffe der Yao trieben sie zurück an die Küste. Erfolgreicher waren dagegen im Jahr 1875 eine Gruppe schottischer Missionare. Sie gründeten die heutigen Städte Blantyre und Livingstonia und waren entschiedene Gegner des Sklavenhandels. Da die Missionare versorgt werden mussten, wurde 1878 die African Lakes Company gegründet. Diese schuf eine eigene Schutztruppe und ihre Leute gerieten oft mit arabischen Sklavenhändlern aneinander. Zur Betreuung der britischen Bürger entsandte Großbritannien 1883 erstmals einen Konsul ins Gebiet der Könige und Häuptlinge Zentralafrikas. Die britische Company (Gesellschaft) rekrutierte ständig mehr Soldaten. Einer von ihnen war der Offizier Frederick Lugard. Ihm und seinen Leuten gelang die Vertreibung der Sklavenhändler Richtung Norden. Ein weiteres Problem waren die Portugiesen, die ihre Kolonien Angola und Mosambik verbinden wollten. Deshalb schickten sie 1889 eine Expedition unter Alexandre Serpa Pinto ins Gebiet des heutigen Malawi. Um die Portugiesen fernzuhalten, trieben die Briten die Erschließung voran. Am 21. September 1889 gründeten sie das Protektorat Shire River und ernannten einen britischen Kommissar. Im selben Jahr übernahm die British South African Company die weitere Erschließung des Gebiets.

Britische Kolonialzeit 1891–1964 Der Aufbau der Kolonialstrukturen 1891–1918 Die offizielle britische Verwaltung begann am 15. September 1891 mit der Gründung des Njassaland-Distrikt-Protektorats. Bereits am 23. Februar 1893 wurde das Gebiet in Protektorat Britisch-Zentralafrika umbenannt. Der neue Verwalter, Henry Hamilton Johnston, der gleichzeitig Nordrhodesien (das heutige Sambia) verwaltete, vertrieb die Sklavenhändler endgültig mit Hilfe von Kanonenbooten und indischen Hilfstruppen. Sein Nachfolger Alfred Sharpe brachte Tee, Tabak und Baumwolle ins Land. Um diese Produkte anbauen zu können, kam es im Shire-Tal zu großflächigen Landenteignungen und zur Vertreibung von Einheimischen. Diese wehrten sich gegen die Besetzer und wurden erst um 1904 unterworfen. mini|Flagge Njassalands hochkant|mini|Baptistenprediger John Chilembwe, Führer eines Aufstands 1915 Sharpe blieb (mit kurzer Unterbrechung) bis 1910 im Amt. Am 1. Mai 1908 wurde er erster ständiger Gouverneur des Protektorats Njassaland. Seit 1907 verfügten die europäischen Zuwanderer mit dem Einsitz in den Exekutiv- und Legislativrat über begrenzten politischen Einfluss. 1911 wurde deren Mitsprache ausgeweitet. Afrikaner waren in diesen Gremien nicht vertreten. Von 1903 bis 1911 verließen viele Malawier das Land, um Arbeit in den Minen Südafrikas zu bekommen. Den europäischen Siedlern fehlten die Arbeitskräfte. Deshalb wurde den Einheimischen die Arbeit in Südafrika verboten.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs drangen von Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) kaiserliche Truppen im Norden Malawis ein. Mit Zwangsrekrutierungen großen Stils konnten die Eindringlinge abgewehrt werden. Insgesamt 18.920 Mann kamen zu den King’s African Rifles und weitere 191.200 Männer leisteten als Träger oder Mitglied der Heimwehr Dienst.

Weit größere Probleme bereitete der Kolonialmacht der Aufstand von 1915. Die rechtlosen Einheimischen waren in den vergangenen Jahren in immer größerer Zahl zum Christentum übergetreten. Gleichzeitig erhielten sie eine Schulbildung. Einheimische Christen wurden zu Wanderpredigern, sahen aber auch das Elend ihrer Landsleute. Drei Personen unter ihnen predigten den Leuten nicht nur das Evangelium, sondern sagten den Zuhörenden auch: „Afrika gehört den Afrikanern!“ Unter der Leitung von John Chilembwe, Charles Domingo und Elliott Kamwana, die als Propheten angesehen wurden, erhoben sich zahlreiche Afrikaner gegen die Europäer. Die Briten schlugen den Aufstand brutal nieder.

Die Zwischenkriegszeit 1918–1939 Zuerst arbeiteten die Briten in der Zwischenkriegszeit Pläne aus, die eine Vereinigung von Malawi mit Kenia oder Tanganjika vorsah. Dies und die Benachteiligung der Afrikaner gegenüber weißen Siedlern führte bereits 1920 zur Gründung der Nyasaland Native National Association unter Malawiern in Südafrika. Auch im Land selber entstanden lokale Zellen. Ende der 1920er-Jahre verlangten die europäischen Siedler eine Zusammenlegung Malawis mit Südrhodesien (heute Simbabwe) und Nordrhodesien. Wegen der heftigen Reaktion der Afrikaner auf diese Pläne begrub die Kolonialregierung die Idee bis 1939.

Endphase der Kolonialzeit 1939–1964 Als am 18. Oktober 1944 von der britischen Kolonialverwaltung eine engere Zusammenarbeit Njassalands mit den beiden Rhodesien beschlossen wurde, gründete Levi Mumba mit gleich Gesinnten den Nyasaland African Congress (NAC). Dessen Vertreter in London war der Arzt Hastings Kamuzu Banda. Diesem gelang es, der britischen Kolonialbehörde neun Jahre lang Pläne für eine Zentralafrikanische Föderation auszureden. Doch am 23. November 1953 wurde die Föderation Wirklichkeit. Die NAC unter Henry Chipembere, Kanyama Chiume und Dunduzu Chisiza bekämpfte zusammen mit sambischen Kollegen die Föderation mit Streiks und Demonstrationen. Bei den Legislativwahlen vom 15. März 1956 errang der NAC alle fünf den Afrikanern zustehenden Mandate. Am 6. Juli 1958 kehrte der populäre Banda nach 43 Jahren in sein Geburtsland zurück. Kurze Zeit später, am 1. August 1958, wurde er bereits zum Parteipräsidenten des NAC auf Lebenszeit ernannt. Im November nahmen, nach einem Boykottaufruf von Banda, lediglich 16 Afrikaner an den Wahlen zum Föderationsrat teil. Ab 15. Februar 1959 kam es zu massiven Unruhen. Polizeistationen wurden überfallen, Gefängnisse gestürmt und die Häftlinge befreit, Flughäfen blockiert. Die Stadt Fort Hill (heute Chitipa) geriet in die Hände des NAC. In dieser Lage verhängte die Föderationsregierung am 3. März 1959 den Notstand und bot Tausende weißer Soldaten nach Malawi auf. Nach monatelangen Unruhen und 51 Toten konnte im Juni 1959 die Ruhe wiederhergestellt werden. Gleichzeitig verhaftete die Regierung rund 1000 NAC-Leute, darunter die gesamte Führung. Der NAC wurde verboten – aber am 30. September als Malawi Congress Party (MCP) neu gegründet. Die provisorische Leitung übernahm Orton Chirwa. Die unbeliebte Föderation aber war politisch am Ende. Banda wurde am 1. April 1960 aus dem Gefängnis entlassen und am 5. April 1960 zum MCP-Vorsitzenden gewählt. Am 16. Juni 1960 hob die britische Kolonialverwaltung den Notstand auf. Im August 1960 gewährten die Briten dem Land eine begrenzte innere Autonomie.uca.edu: British Nyasaland (1907–1964)

Vor der Unabhängigkeit gewährten die Kolonialbehörden in der Verfassung von 1961 Schwarzen ein aktives und passives Wahlrecht; dieses war allerdings durch Bildungsschranken und Eigentumsanforderungen eingeschränkt.Mart Martin: The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 243. Viele Frauen waren in den nationalistischen Bewegungen aktiv. Bei den Wahlen im August 1961 durften Frauen, die die Anforderungen an Bildung und Eigentum erfüllten, wählen. Alle europäischen Frauen und etwa 10.000 schwarze Frauen durften wählen.

Bei den Legislativwahlen vom 15. August 1961 gewann die MCP 22 der 28 Sitze, darunter alle den Afrikanern zustehenden. Banda wurde am 1. Februar 1963 erster afrikanischer Premierminister des Protektorats. Am 31. Dezember 1963 wurde die Zentralafrikanische Föderation offiziell aufgelöst. Am 6. Juli 1964 endete die britische Kolonialzeit und das Protektorat Njassaland wurde zum unabhängigen Staat Malawi.

Unabhängiges Malawi (seit 1964) Die Ära Hastings Kamuzu Banda 1964–1994 Bei der Erlangung der Unabhängigkeit 1964 wurde das allgemeine Wahlrecht und damit auch das unbeschränkte Frauenwahlrecht eingeführt.June Hannam, Mitzi Auchterlonie, Katherine Holden: International Encyclopedia of Women’s Suffrage. ABC-Clio, Santa Barbara, Denver, Oxford 2000, ISBN 1-57607-064-6, S. 7.