Der Handgiftentag ist ein Gedenktag, der am ersten Werktag nach Neujahr in der niedersächsischen Stadt Osnabrück begangen wird.
Die Bezeichnung „handgiften-dag“ und später „Handgiftendach“ stammt aus dem Mittelalter. Sie bezieht sich auf die Stadtverfassung von 1348, die Sate, in der es heißt:
Die Sate wurde alljährlich am Handgiftentag vom Stadtschreiber vor der versammelten Gemeinde verlesen. Dann reichten sich die an den komplizierten jährlichen Ratswahlen beteiligten Wahlmänner zum Zeichen guter und ehrbarer Absichten gegenseitig die Hände. Eine Glocke der benachbarten Marienkirche bekundete, dass die Wahl vollzogen war.
Im Deutschen Rechtswörterbuch von 1756 heißt es:
Es widmet sich damit der Auslegung der Bezeichnung handgifte, die sowohl Handschlag („Handgeben“) als auch Geschenk („Gabe (gifte) mit der Hand“) bedeuten kann.
Auch wenn heutzutage am Handgiftentag in Osnabrück keine Ratswahlen mehr stattfinden, hat der Tag für die Stadt nach wie vor eine unverwechselbare Bedeutung. Die Stadtgeschichte wird durch Grundsatzreden fortgeschrieben und die Beteiligten besiegeln bei ihrer festlichen Zusammenkunft im historischen Friedenssaal des Rathauses mit dem traditionellen Händereichen ihre Bereitschaft, zum Wohl der Allgemeinheit tätig zu werden. Am Handgiftentag verleiht die Stadt Osnabrück auch die Justus-Möser-Medaille, die höchste Auszeichnung der Stadt, an Persönlichkeiten, die sich um das öffentliche Wohl der Stadt und der Region verdient gemacht haben.
Einzelnachweise
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