Breitscheid ist eine Gemeinde im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

Geografie mini|links|Breitscheid von Nordwesten aus mini|links|Der Ort aus Richtung Westen

Geografische Lage Breitscheid liegt in 266 bis 614 Meter Höhe am Osthang des Westerwaldes am Dreiländereck Hessen – Rheinland-Pfalz – Nordrhein-Westfalen.

Nachbargemeinden Breitscheid grenzt im Norden an die Gemeinde Burbach (Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen), die Städte Haiger und Dillenburg, im Osten an die Stadt Herborn, im Süden an die Gemeinde Driedorf (alle im Lahn-Dill-Kreis) sowie im Westen an die Gemeinden Willingen und Liebenscheid (beide im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz).

Die Gemeindegrenze berührt in ihrem westlichen Teil das Dreiländereck von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht neben dem Hauptort Breitscheid aus den Ortsteilen Medenbach, Erdbach, Gusternhain und Rabenscheid.

Geschichte Ortsgeschichte Die älteste erhaltene Erwähnung von Breitscheid, als „Bedinscheit“, stammt von 1230. Der im Jahre 1309 erbaute Turm der Kirche ist bis heute erhalten. Ebenso befindet sich die erste Glocke aus dem Jahr 1450 noch an Ort und Stelle und wird gemeinsam mit der zweiten Glocke aus 1519 regelmäßig geläutet. Im Jahr 1536 wird mit der Berufung des Kaplans Jakob Ebersbach die Reformation in Breitscheid eingeführt.

Der überwiegend landwirtschaftlich geprägte Ort machte sich ab dem 18. Jahrhundert seine reichen Tonvorkommen zunutze, und so entstanden ab 1711 zahlreiche Häfnereien. Bereits 1706 wurde eine Zieglerei erstmals urkundlich erwähnt und in 1710 eine Pfeifenbäckerei. Braunkohlebergbau wurde ab 1748 betrieben, die Braunkohlengrube „Ludwigs Zuversicht“ wurde 1832 westlich des Dorfes in Betrieb genommen. Im Jahr 1880 hatte Breitscheid 650 Einwohner, davon lebte etwa ein Viertel vom Töpferhandwerk.Hans Becker: Breitscheid, meine Heimat, Verlag Books on Demand, 2005, ISBN 3-8334-3718-9, S. 13 Mit dem Bau der Schamottefabrik 1899 brach in Breitscheid ein neues Zeitalter an: Viele vormals selbständige Häfner gaben ihr Handwerk auf und wurden Lohnarbeiter in der „Fabrik“. 1916 wurden in Breitscheid 948 und 1925 bereits 1091 Einwohner gezählt.Bezirkssparkasse Dillenburg: Die Zeit - das Geld - die Wirtschaft, 1995, S. 103

Ende der 1930er Jahre errichtete die Wehrmacht einen Feldflugplatz oberhalb des Dorfes. Im Jahr 1939 erhielt Breitscheid endlich den lange ersehnten Bahnanschluss, nachdem die Bauarbeiten an der Bahnstrecke Haiger – Breitscheid in 1914 aufgrund des Ausbruches des Ersten Weltkrieges eingestellt worden waren. Am 11. März 1945 warfen US-amerikanische Marauder-Flugzeuge 259 Bomben über dem Flugplatz ab, trafen diesen aber nicht, sondern kamen über dem östlichen Rand von Breitscheid auf und zerstörten zahlreiche Häuser. Ein weiterer Bombenteppich traf 11 Minuten später das Dorf Gusternhain und richtete dort große Schäden an.

1956 fiel bei Breitscheid ein etwa 1,5 Kilogramm schwerer Meteorit, der zur Klasse H5 der Chondriten zählt. Der größte Teil befindet sich heute im Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich am 31. Dezember 1971 die Gemeinde Rabenscheid freiwillig der Gemeinde Breitscheid an. Am 1. Januar 1977 wurden auch Erdbach, Gusternhain und Medenbach durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen eingemeindet.K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 285. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Breitscheid wurden Ortsbezirke gebildet.

Die Kerngemeinde Breitscheid ist der geografische, wirtschaftliche, kulturelle und verwaltungsmäßige Mittelpunkt der Gesamtgemeinde. Mit seinen heute gut 2000 Einwohnern ist das alte Kirchdorf nicht nur der nach Einwohnerzahl größte Ortsteil, sondern stellt mit seinen sternförmig in alle Himmelsrichtungen auseinander gehenden Straßen einen bedeutenden Verkehrsknotenpunkt im Westerwald dar.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Breitscheid angehört(e):

vor 1739: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Herborn ab 1739: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Diez, Amt Herborn 1806–1813: Großherzogtum Berg, Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Herborn 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Herborn ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Herborn ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HerbornAbtrennung der Justiz (Justizamt Herborn) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Herborn ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, DillkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Herborn) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Dillkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Breitscheid 4936 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 962 Einwohner unter 18 Jahren, 2038 zwischen 18 und 49, 982 zwischen 50 und 64 und 957 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 104 (2,1 %) Ausländer, von denen 38 aus dem EU-Ausland, 42 aus anderen europäischen Ländern und 20 aus anderen Staaten kamen. Die Einwohner lebten in 1842 Haushalten. Davon waren 393 Singlehaushalte, 527 Paare ohne Kinder und 763 Paare mit Kindern, sowie 138 Alleinerziehende und 24 Wohngemeinschaften. In 354 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1208 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 728 evangelische (= 98,25 %), 1 katholischer, 11 Christen anderer Konfessionen (= 1,48 %) sowie ein Einwohner anderen Glaubens • 1961: 1363 evangelische (= 81,28 %), 289 römisch-katholische (= 17,23 %) Einwohner • 1987: 2665 evangelische (= 60,0 %), 464 katholische (= 10,5 %), 1310 sonstige (= 29,5 %) Einwohner• 2011: 2496 evangelische (= 50,6 %), 434 römisch-katholische (= 8,8 %), 2006 sonstige / keine / ohne Angaben (= 40,6 %) Einwohner

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Breitscheid erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 40,5943,71043,61042,11039,2933,98 42,11040,0938,1934,0839,3939,99 17,4416,3418,3423,9521,6526,26 Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 51,9 49,0 46,9 42,0 40,2 44,8

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Breitscheid neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sieben weitere Beigeordnete angehören.Hauptsatzung: § 4 Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. März 2026 der parteiunabhängige Yannick Konrad. Er wurde als Nachfolger von Roland Lay, der nach vier Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 28. September 2025 im ersten Wahlgang ohne Gegenkandidaten bei 47,0 Prozent Wahlbeteiligung mit 94,6 Prozent der Stimmen gewählt.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 28. September 2025 in Breitscheid

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden - Votemanager: Wahltermine Gemeinde Breitscheid, seit 2002 2026–2032 Yannick KonradYannick Konrad: Über mich - 2002–2026 Roland LayTOP 3 der Niederschrift über die 23. Sitzung der Gemeindevertretung am Montag, den 17.02.2020: „Der 1. Beigeordnete Thomas Bechtum ernannte im Namen der Gemeinde Breitscheid, den am 15. September 2019 durch Direktwahl gewählten Herrn Roland Lay, unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Zeit, für die Amtszeit vom 01.03.2020 bis zum 28.02.2026 zum hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Breitscheid und händigte die Ernennungsurkunde aus.“ - echo online, 12. Dezember 2025: Breitscheids Bürgermeister erhält Entlassungsurkunde: „Auch wenn er noch bis zum 28. Februar 2026 im Dienst ist, erhält Breitscheids Bürgermeister Roland Lay (parteilos) bereits am Montag, 15. Dezember, … seine Entlassungsurkunde.“ 1978–2001 Siegfried Dechert750 Jahre Breitscheid 1230–1980 Breitscheid … „erhielt am 1. Januar 1978 mit dem früheren Beamten des Landratsamtes Dillenburg, Siegfried Dechert, den ersten Inhaber des Bürgermeisteramtes, der nicht aus dem Dorfe stammt.“

Ortsbezirke Für die Ortsteile Breitscheid, Erdbach, Gusternhain, Medenbach und Rabenscheid bestehen Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung, gibt es im Gemeindegebiet: Die Wahl der Ortsbeiräte erfolgt im Rahmen der Kommunalwahlen. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin.

Ortsbeirat Breitscheid Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 51,77 %. Dabei wurden gewählt: ein Mitglied der SPD, drei Mitglieder der CDU und ein Mitglied der „Freien Wählergemeinschaft“. Der Ortsbeirat wählte Andreas Becker (CDU) zum Ortsvorsteher.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen Das Töpfermuseum Breitscheid stellt die Entwicklung des Töpferhandwerks dar und zeigt Töpfereiprodukte aus 250 Jahren. Das Museum „Erdbachium“ im Ortsteil Erdbach – Geologie, Archäologie, Höhlenforschung und Eisenbahngeschichte

Sehenswürdigkeiten Ein Teil der Tropfsteinhöhle Herbstlabyrinth wurde zur Schauhöhle ausgebaut und 2009 eröffnet. Im Karstgebiet Breitscheid-Erdbach gibt es außerdem eine Karstquelle, mehrere Dolinen und die Erdbacher Höhlen zu besichtigen, welche man auch über einen speziellen Karstlehrpfad erreichen kann.

Sport- und Freizeitmöglichkeiten In der Gemeinde Breitscheid gibt es viele Sportvereine, in denen man zum Beispiel Fußball, Tennis, Tischtennis oder Sportschießen betreiben kann. In der Kerngemeinde gibt es eine Sporthalle, in allen Ortsteilen Sportplätze. Im Sommer kann man auf dem Flugplatz Breitscheid Segelflug-, Motorflug- und Fallschirmsport sowie im Winter Skilanglauf betreiben.

Grillplätze und Freizeitanlagen sind in den Ortsteilen vorhanden. Die beiden Fernwanderwege Westerwaldsteig und Rothaarsteig verlaufen durch das Gemeindegebiet.

Wirtschaft und Infrastruktur In der Kerngemeinde gibt es eine Mehrzweckhalle und auch die anderen Ortsteile verfügen über Dorfgemeinschaftshäuser. In Medenbach gibt es ein unbeheiztes Freibad.