mini|Annette Schavan (2013)
Annette Schavan (* 10. Juni 1955 in Jüchen, Kreis Grevenbroich) ist eine deutsche ehemalige Politikerin (CDU). Von 1995 bis 2005 war sie Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg. Sie war von 2005 bis 2014 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2005 bis 2013 war sie Bundesministerin für Bildung und Forschung. Von diesem Amt trat sie nach der Aberkennung ihres Doktorgrads zurück.Verwaltungsgericht Düsseldorf, 15 K 2271/13 Urteil der 15. Kammer. Website Justiz-Online, Justizportal Nordrhein-Westfalen. Abgerufen 11. Mai 2014. Von Juli 2014 bis Ende Juni 2018 war sie deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl.Botschafterin Schavan überreichte Beglaubigungsschreiben beim Heiligen Stuhl/Rom am 8. September 2014 ()domradio.de: Botschafterin Schavan verabschiedet sich aus Rom, 29. Juni 2018.
Leben Annette Schavan ist geborene Rheinländerin. Sie wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in einer römisch-katholisch geprägten Mittelschichtfamilie in Neuss auf. Ihre Mutter war Hausfrau, ihr Vater kaufmännischer Angestellter.
Ausbildung und Beruf Schavan legte ihr Abitur 1974 am Nelly-Sachs-Gymnasium in Neuss ab. Danach studierte sie zwölf Semester Erziehungswissenschaften (Hauptfach), Philosophie (Nebenfach) und Katholische Theologie an den Universitäten Bonn und Düsseldorf. Sie schloss ihr Studium 1980 mit einer grundständigen Promotion zum Dr. phil. bei Gerhard Wehle in Erziehungswissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ab. Der Titel ihrer interdisziplinären Dissertation war Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung. Die Dissertation wurde im Februar 2013 vom Hochschulrat der Universität für ungültig erklärt und der auf ihrer Grundlage verliehene Doktorgrad entzogen. Da Schavan ihre drei Studienfächer nicht mit einem Examen abgeschlossen hat, verfügt sie somit über keinen berufsqualifizierenden Abschluss; der Doktorgrad wurde rechtswidrig erworben und durch seinen Entzug im Nachhinein für ungültig erklärt.Pressemitteilung der Anwälte Schavans vom 5. Februar 2013, redeker.de.
Ihren Berufsweg begann sie 1980 unmittelbar nach ihrem Studium als Referentin bei der bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk. 1984 wechselte sie als Abteilungsleiterin für außerschulische Bildung zum bischöflichen Generalvikariat des Bistums Aachen. Von 1987 bis 1988 war Schavan Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union. Danach kehrte sie als Geschäftsführerin zum Cusanuswerk zurück, das sie von 1991 bis 1995 leitete.cv Annette Schavan. Website Annette Schavan. Abgerufen 2. August 2014.
Vom Wintersemester 2009/10 bis zum Wintersemester 2013/14 lehrte sie als Honorarprofessorin Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin und wurde auf eigenen Wunsch im Hinblick auf ihre künftige Tätigkeit in Rom von der Professur entbunden.tagesspiegel.de 11. April 2014 Im Wintersemester 2013/14 hatte die Honorarprofessorin eine Lehrveranstaltung angeboten, der Titel lautete Grundlagen einer christlichen Ethik.Plagiatsaffäre: Schavan gibt Berliner Honorarprofessur auf Website Spiegel online. Artikel am 11. April 2014 (fln/dpa). Abgerufen 11. Mai 2014.
2014 wurde Schavan die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck verliehen. Diese Entscheidung stieß auf Kritik, da Schavan ihren Doktorgrad wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens bereits verloren hatte. Als Begründung für die Verleihung gab die Universität unter anderem an, dass Schavan entscheidend an der Rettung der medizinischen Fakultät beteiligt gewesen sei. Dies wurde durch die Überführung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereskunde in die vom Bund finanzierte Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren ermöglicht, wodurch 25 Millionen Euro mehr im Landesbudget zur Verfügung standen, die wiederum für den Erhalt der medizinischen Fakultät eingesetzt wurden., Artikel des NDR vom 11. April 2014 Ehrendoktorwürde – Dr. h. c. Edward Snowden Titel ohne Forschung: Der Ehrendoktor sollte abgeschafft werden. Website ZeitOnline, Autor Marion Schmidt, am 16. April 2014. Abgerufen am 3. August 2014.
Parteilaufbahn mini|Schavan auf einem CDU-Plakat zur Europawahl 2004 Schavan ist seit 1973 Mitglied der Christlich Demokratischen Union. Im Jahr 1977 wurde sie zur Vorsitzenden der Jungen Union in ihrem Stadtverband Neuss gewählt.
1987 holte Rita Süssmuth, damals Vorsitzende der Frauen-Union, Schavan als Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union nach Bonn in das Konrad-Adenauer-Haus.
Seit 1996 gehört Schavan dem CDU-Landesvorstand von Baden-Württemberg an. Von November 1998 bis Dezember 2012 war Schavan als eine der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Mitglied des CDU-Bundesvorstands.Margarete van Ackeren: Schavan: »14 Jahre sind genug«. In: Focus. Nr. 34, 20. August 2012 Ab Dezember 2002 leitete sie die Kommission zur Erarbeitung eines neuen Grundsatzprogramms für die CDU in Baden-Württemberg.
Schavan gehörte bis zur Nominierung von IWF-Generaldirektor Horst Köhler am 4. März 2004 zu den möglichen Kandidaten von Union und FDP für die Kandidatur zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2004.
Im August 2012 kündigte Schavan nach 14 Jahren an der CDU-Parteispitze an, nicht mehr als stellvertretende CDU-Vorsitzende zu kandidieren.Michael Bröcker: Schavan will sich aus der Parteiführung zurückziehen: CDU-Vize: Klöckner für Schavan? In: Rheinische Post. 1. August 2012 Das Stühlerücken hat begonnen: Schavan-Rückzug stürzt CDU in Personaldebatte. In: Rheinische Post. 19. August 2012
Öffentliche Ämter Stadtrat Schavan wurde ab 1975 in der Kommunalpolitik in Neuss politisch aktiv. Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied des Stadtrats. Ihre Schwerpunkte waren kommunale Schul- und Umweltpolitik. Ihr Selbstverständnis als Kommunalpolitikerin fasste sie in den Satz: „Kommunalpolitik ist nicht die unterste Stufe der Politik. Kommunalpolitik ist das Fundament der politischen Kultur.“Neusserin am Kabinettstisch. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung.18. Oktober 2005
Landtagsabgeordnete und Kultusministerin Ab 2001 war Schavan Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg.
Von 1995 bis zu ihrem Einzug in den Bundestag am 5. Oktober 2005 war Schavan baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Zu Beginn ihrer Amtszeit übernahm sie Reformprojekte ihrer Vorgängerin Marianne Schultz-Hector, unter anderem zur Neugestaltung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule. Schavan initiierte das Programm Schulanfang auf neuen Wegen, das den Trend zur immer späteren Einschulung grundsätzlich schulreifer sechsjähriger Kinder stoppte.Arbeitskreis Wissenschaftliche Begleitung „Schulanfang auf neuen Wegen“: . Website des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. Mai 2006 (PDF; 707 kB)
Während ihrer Amtszeit führte sie eine umfassende Bildungsplanreform durch:Bildung stärkt Menschen: Der Bildungsplan 2004 kurz vorgestellt. Früher als in allen anderen Bundesländern wurden Fächerverbünde geschaffen, Unterrichtszeiten neu strukturiert und die Vermittlung von Kompetenzen anstelle allein des Fachwissens in den Mittelpunkt gerückt.
Auch der Fremdsprachenunterricht an Grundschulen wurde eingeführt: Im Schuljahr 2001/02 startete an 470 Grundschulen im Land und rund 80 Sonderschulen mit Grundschulstufe die Pilotphase von Fremdsprachen in der Grundschule.Christa Engemann, Meike Geesmann, Brigitte Kieser (Hrsg.): Fremdsprachen in der Grundschule: Lehren und Lernen mit dem Konzept des kommunikativen Unterrichts. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, 2002 ()
Zudem setzte Schavan das umstrittene Abitur nach Klasse 12 in Baden-Württemberg durch.
Nach der Ankündigung von Ministerpräsident Erwin Teufel im Oktober 2004, mit Wirkung zum April 2005 sowohl das Amt des Ministerpräsidenten als auch das Amt des CDU-Parteivorsitzenden in Baden-Württemberg aufgeben zu wollen, meldete Schavan ihre Ansprüche auf beide Ämter an. Bei einer Mitgliederbefragung der baden-württembergischen CDU erreichte sie jedoch nur 39,4 % der Stimmen und zog ihre Kandidatur zurück. Stattdessen übernahm der damalige Landtagsfraktionschef Günther Oettinger beide Ämter. Schavan blieb ein weiteres Jahr im Kabinett.
Schavan wurde im Wahlkreis 14 (Bietigheim-Bissingen) direkt in den Landtag gewählt. Nachdem sie als Abgeordnete in den Bundestag gewählt worden war, legte sie am 30. September 2005 ihr Landtagsmandat nieder. Für sie rückte Manfred Hollenbach in den Landtag nach.
Bundestagsabgeordnete und Bundesministerin mini|Schavan zusammen mit Norbert Lammert, 2007 Von 2005 bis 2014 war Schavan Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie errang 2005 mit 48,7 %, 2009 mit 42,0 % und 2013 mit 52,1 % der Erststimmen das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Ulm.
Am 22. November 2005 wurde Schavan als Bundesministerin für Bildung und Forschung in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Bundesregierung berufen.
In ihre Amtszeit fallen zahlreiche Reformen wie die Hightech-Strategie Website Hightech-Strategie – „Die Bundesregierung“. Abgerufen 4. August 2014. Website Bundesministerium für Bildung und Forschung, Pressemitteilung 127/2010, am 14. Juli 2010. Abgerufen 4. August 2014. und die Exzellenzinitiative. Der Hochschulpakt und der Pakt für Forschung und Innovation wurden geschlossen,Annette Schavan zur Fortsetzung der drei großen Initiativen Hochschulpakt, Exzellenzinitiative und Pakt für Forschung und Innovation – Website Bundesministerium für Bildung und Forschung. Abgerufen 1. Oktober 2013 (Website nicht verfügbar.) die Deutschen Zentren für GesundheitsforschungPhilipp Grätzel von Grätz: Die Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung. Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten. Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2011 und das 2013 eröffnete Berliner Institut für Gesundheitsforschung Website Bundesregierung, am 6. November 2012. Abgerufen 4. August 2014. gegründet.
Schavan verantwortete die verstärkten internationalen Aktivitäten in der Forschungspolitik, die Einführung der Bildungsberichterstattung von Bund und Ländern Website Bundesministerium für Bildung und Forschung, Pressemitteilung 041/2007, am 28. Februar 2007. Abgerufen 4. August 2014. und das Rahmenprogramm Bildungsforschung, um der empirischen Wende in der Bildungspolitik Rechnung zu tragen.
Schavan war im Jahr 2012 Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz.
Nach der Aberkennung ihres Doktorgrades wurde am 14. Februar 2013 Johanna Wanka ihre Nachfolgerin im Amt der Bundesbildungsministerin.
Erneut in den Deutschen Bundestag wurde Schavan am 22. September 2013, im Wahlkreis Ulm, mit einer Mehrheit von 52,1 % in den Deutschen Bundestag gewählt. Auf dem Wahlzettel zur Bundestagswahl trug die CDU-Kandidatin Schavan ihren aberkannten Doktorgrad. Die für die Landesliste verantwortliche Landeswahlleiterin Christiane Friedrich begegnete der in Teilen der Bürgerschaft entstandenen Diskussion um die Rechtmäßigkeit damit, die Verwendung des Doktorgrades sei nicht zu beanstanden, da das rechtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen gewesen sei. Sie verwies darauf, dass der Doktorgrad von Annette Schavan im Melderegister rechtsgültig eingetragen sei.Rudi Kübler: Website Südwest Presse, 7. September 2013. Abgerufen am 4. August 2014.
Als Abgeordnete des 18. Deutschen Bundestages wurde Schavan Mitglied im Bundestagsausschuss für Entwicklungszusammenarbeit.Deutscher Bundestag: Sie schied zum 30. Juni 2014 durch Verzicht aus dem Bundestag aus. Ihr Nachfolger wurde Waldemar Westermayer. Website Deutscher Bundestag. Abgerufen 10. August 2014.
Sonstiges Engagement