Unter Fuchsjagd versteht man die Bejagung von Füchsen. In Europa betrifft dies in der Regel den Rotfuchs. Der Fuchs ist in Deutschland ganzjährig jagdbar, wobei die Bundesländer Abweichungen festlegen können. Eine strafbewehrte Ausnahme ergibt sich jedoch grundsätzlich aus dem Bundesjagdgesetz (BJagdG): Hiernach dürfen in den Setz- und Brutzeiten die für die Aufzucht notwendigen Elterntiere so lange grundsätzlich nicht bejagt werden, bis die Jungtiere selbständig werden. Da sich bei Füchsen auch die Rüden an der Aufzucht der Jungtiere beteiligen, ist davon auszugehen, dass in der Zeit vom 1. März bis mindestens zum 15. Juni alle Altfüchse für die Aufzucht von Jungfüchsen notwendige Elterntiere im Sinne des Gesetzes sind, sofern das gesamte Geheck nicht vorher erlegt oder gefangen wurde. In Deutschland wurden im Jagdjahr 2023/24 insgesamt 441.970 Füchse erlegt.
mini|„Fuchsjagd“ mit Hunden (Gemälde von Paul de Vos, 17. Jh.)
Jagdarten Ansitzjagd
Jagd von einem festen Platz aus, z. B. von Hochsitzen. Voraussetzung ist geduldiges Warten und die Berücksichtigung der Windrichtung. Zum Anlocken können Luderplätze eingerichtet werden.K. Behrend, F. Labhardt: Der Fuchs. Den schlauen Fuchs kennenlernen, erleben und verstehen. Gräfe und Unzer, München 1992.Fuchsbejagung. In: F. Labhardt: Der Rotfuchs. Naturgeschichte, Ökologie und Verhalten dieses erstaunlichen Jagdwildes. Verlag Paul Parey, Hamburg 1990, S. 136–158.Claußen: Bau- und Ansitzjagd. In: C. Commichau, H. Sprankel (Hrsg.): Fuchs-Symposium Koblenz, 2.–3. März 1990 (= Schriften des Arbeitskreises Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen e. V. Heft 20). 1990, S. 195–200.
Drück- oder Treibjagd
Mehrere Jäger schließen sich zusammen und positionieren sich unter Berücksichtigung der Windrichtung. Jagdhelfer treiben dann den Schützen das Wild zu.Ausführlich bei Kröger (1990).
Lockjagd
Bei der Lockjagd wird der Fuchs über das Nachahmen der Geräusche von Mäusen, Hasen, Kaninchen oder Rehkitzen angelockt. Die Geräusche werden entweder vom Jäger ohne Hilfsmittel selbst gemacht oder mit Hilfe von Lockinstrumenten.Ausführlich bei Engel (1990a): Lock- und Reizjagd auf den Fuchs. In: C. Commichau, H. Sprankel (Hrsg.): Fuchs-Symposium Koblenz, 2.–3. März 1990 (= Schriften des Arbeitskreises Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen e. V. Heft 20). 1990, S. 99–105.
Pirsch Jagd auf den Fuchs während eines „Pirschganges“, sich also den Füchsen langsam nähernd.
Fallenjagd mini|Gemälde eines mit einem Tellereisen gefangenen Fuchses. Solche Fallen sind heute in Mitteleuropa verboten.
Es werden Fallen für den Lebend- und für den Totfang unterschieden. Der Einsatz der verwendeten Fallenart ist von der jeweiligen Gesetzeslagez. B. Hess.JagdVO §§ 37,38,39 abhängig. Je nach Jagd- und Tierschutzrecht des jeweiligen Landes kommen auch heute noch Schlagfallen zum Einsatz, welche durch Druck (z. B. einen Tritt) ausgelöst werden. Solche Fallen sind in Deutschland bereits seit dem Reichsjagdgesetz 1934 verboten. Bei der Ausübung der Fangjagd sind die Jagd- und Schonzeiten, als auch die länderspezifischen Regelungen zur Verwendung der Fanggeräte zu beachten. Zulässig sind nur noch Abzugsfallen, welche auf Zug auslösen, wodurch gewährleistet wird, dass das Tier den Köder mit dem Fang aufnimmt und durch Ziehen am Köder die Falle auslöst. Das Tier wird so hinter dem Kopf erfasst und dadurch sofort getötet. Es muss durch die Bauart, bzw. Umbauung der Falle gewährleistet sein, dass Tiere nicht mit anderen Körperteilen in die Falle geraten können.
In Deutschland werden üblicherweise so genannte Schwanenhals-Fallen benutzt, die vor allem bei Altfüchsen erfolgreich sind, während Jungfüchse auch in Kastenfallen lebend gefangen werden. Wie alle Fallen müssen auch Lebendfangfallen mindestens einmal täglich kontrolliert werden. Früher übliche Knüppel- und Scherenfallen sind inzwischen verboten, da ein sicherer Totfang nicht gewährleistet ist. Der Deutsche Jagdverband hat gängige Totfanggeräte und Lebendfangfallen nach den Standards für eine humane Fallenjagd erfolgreich testen lassen. Dabei standen solche Fanggeräte im Vordergrund, die in Deutschland bei der Ausübung der Fangjagd bevorzugt angewendet werden. Die Fuchsjagd wird in Mitteleuropa unter anderem unter dem Gesichtspunkt betrieben, dass der Fuchs als Kulturfolger durch überhöhte Bestände in manchen Gebieten sogar existenzgefährdend für einige Tierarten auswirkt. Auch stetig steigenden Populationen sogenannter Neozoen, wie Waschbär, Marderhund und Mink, aber auch streunende Katzen, setzen vielerorts vor allem Bodenbrütern zu.jagdverband.de Um die meist nachtaktiven Beutegreifer effektiv reduzieren zu können, wird auf die Fallenjagd zurückgegriffen.P. Engel: Fuchsbejagung mit der Falle. In: C. Commichau, H. Sprankel (Hrsg.): Fuchs-Symposium Koblenz, 2.–3. März 1990. (= Schriften des Arbeitskreises Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen e. V. Heft 20). 1990, S. 183–187.Ausführlich bei Kröger (1990) und bei Engel (1990b)
Baujagd Seitdem die Tollwutgefahr durch die Impfungen eingeschränkt werden konnte und auch die Hunde schutzgeimpft sind, findet auch diese traditionelle Jagdart wieder ihre Liebhaber.Behrend Sie wird dann praktiziert, wenn die Füchse im Bau sind, also zwischen Dezember und Februar. Wenn der Fuchs nicht „gesprengt“ (von dem Hund aus dem Bau getrieben) werden kann, wird mit einem „Einschlag“ (Graben) nachgeholfen. Dort, wo wenige „Naturbaue“ vorhanden sind, können Kunstbaue hohen jagdlichen Erfolg bieten. mini|Parforcejagd
Fuchsjagd mit Pferd und Hundemeute
Eine Hundemeute sucht, verfolgt und tötet den Fuchs; die Jagdteilnehmer folgen der Meute zu Pferde. In Deutschland ist die Parforcejagd seit 1934 verboten, in Großbritannien seit 2005. Aus der Parforcejagd haben sich die Jagdrennen und das Jagdreiten entwickelt. Bei der Reitjagd wird kein Wild gejagt. Die Reitjagd ohne Hunde heißt Fuchsjagd, mit Hunden spricht man dagegen von Schleppjagd oder Meutenjagd, wobei die Beute kein lebendes Tier ist, sondern eine mit Pferd ausgebrachte Duftschleppe (Schleppjagd) oder ein Reiter mit „Fuchsschwanz“.
Fuchsjagd als Beizjagd In Zentralasien (z. B. Kirgisien und Mongolei) gibt es zudem die traditionelle Fuchsjagd mit Steinadlern.Auf Fuchsjagd mit dem Adler
Gründe für die Fuchsjagd Fellnutzung Die früher ökonomische Bedeutung der Fuchsjagd fällt heute größtenteils weg, da Fuchsfelle kaum mehr verkauft werden (vgl. aber Absatz „Nutztier“ bei Rotfuchs, und Rotfuchsfell).Um die Verwendung der Rotfuchsfelle zu fördern, wurde im Rahmen des Internationalen Design-Wettbewerbs des Deutschen Kürschnerhandwerks mit der Unterstützung einer Jägerzeitung 2011 erstmals der International German Red Fox Award vergeben. Füchse als Nahrungsquelle In früheren Zeiten wurden Füchse auch gegessen. Allerdings ist Fuchsfleisch für den menschlichen Verzehr nicht besonders gut geeignet, da die Gefahr der Übertragung von Viren (z. B. Tollwut) und Parasiten (z. B. Fuchsbandwurm) beim in den Verkehr bringen der Tiere besteht. In der Schweiz wird das als Fuchspfeffer bekannte Gericht ebenfalls aus Fuchsfleisch hergestellt und gilt unter Jägern teilweise als Delikatesse. Die Lebensmittel- wie auch die Fleischhygieneverordnung verbieten heute jedoch den Verzehr. Der Fuchs spielt als Lebensmittel keine Rolle.S. Gloor, F. Bontadina, D. Hegglin: Stadtfüchse. Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum. Haupt-Verlag, Bern 2006. Angst vor übertragbaren Krankheiten, z. B. Tollwut oder Fuchsbandwurm. Zum Einfluss der Bejagung auf die Ausbreitung der Tollwut s. u. Freude an der Fuchsjagd, insbesondere am Überlisten des als „schlau“ geltenden Fuchses: „Für den passionierten Fuchsjäger ist der Umstand, dass jeder Reineke offensichtlich seinen eigenen „Charakter“ hat, besonders reizvoll.“ Seiler (1994)J. E. Seiler: Vergleichende Untersuchungen zur Fuchsbejagung in den kantonen Baselland und Bern. In: Zeitschrift für Jagdwissenschaft. 40 (2), 1994, S. 109–121. fand bei einer Befragung in der Schweiz, dass die Baujagd mit Hunden besonders bei den Berner Jägern populär war. Als Hauptmotive wurden einerseits die mit dieser Jagdmethode verbundene Spannung und Konzentration und andererseits die Freude an der Arbeit der Bodenhunde geltend gemacht. Bezogen auf die Gesamtschweiz wurde deutlich, dass meist nicht der Jagdnutzen, sondern das persönliche Jagderlebnis im Vordergrund steht. Auch Ophoven (2005)E. Ophoven: Kosmos Wildtierkunde. Biologie, Merkmale, Bejagung. Kosmos-Verlag, Stuttgart 2005. bezeichnet die Lockjagd auf den Fuchs als „spannungsreich“, und Maylein (2001)K. Maylein: Diskussion zum Novellierungsvorschlag des Ökologischen Jagdverbands zum Bundesjagdgesetz. In: Ökojagd. 11/2001, S. 15–18. plädiert dafür, die (Fuchs-)Jagd neben dem Zweck der Schadensminimierung auch „aus reiner Freude auszuüben (S. 18).“ Weiteres s. u. unter „Erlebnisberichte und Zitate“. Fuchsjagd als gesellschaftliches EreignisM. J. Heydon, J. C. Reynolds: Fox (Vulpes vulpes) management in three contrasting regions of Britain, in relation to agricultural and sporting interests. In: Journal of Zoology. 251 (2), 2000, S. 237–252. Der Fuchs als Nahrungs- und Jagdkonkurrent, der getötet werden soll, bevor er selbst tötet. Ziel ist eine höhere Niederwildstrecke, also ein höherer Anteil von Tieren, die der Jäger selbst schießen möchte und der nicht im Fuchsmagen landen soll. So schreibt z. B. Kröger (1990) zur Begründung der Fuchsjagd: „Selbst wenn der Hauptteil des Fraßes nur noch aus Mäusen, Regenwürmern und Luder bestehen sollte, wird auch der „moderne Fuchs“ die wenige Tage alten Satzhasen, die brütende Rebhenne, deren Küken oder das frischgesetzte Kitz genauso wenig verschmähen wie die Fasanenhenne und ihren Nachwuchs (s. 136).“ Ähnlich äußert sich Spittler (1990).H. Spittler: Zur Bejagung des Fuchses aus jagdkundlicher Sicht. In: C. Commichau, H. Sprankel (Hrsg.): Fuchs-Symposium Koblenz, 2.–3. März 1990. (= Schriften des Arbeitskreises Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen e. V. Heft 20). 1990, S. 171–182.
Die Bewahrung des ökologischen Gleichgewichts Der Jäger müsse jagen, um das natürliche ökologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen. Kröger (1990) führt dazu aus: „Geht es hierbei (…) doch darum, einer Wildart nachzustellen, deren Besatz nicht gefährdet ist, die aber in erträglichem Rahmen gehalten werden muss. (…) Auch heute gilt es für den Jäger, Ausgleich zu schaffen zwischen Niederwild und Raubwild. (…) Als Beispiel der in Unordnung geratenen Natur und der Auswirkungen auf Räuber und Beute seinen hier lediglich zwei Fälle dargestellt, die für sich sprechen: Im Revier A, 1.700 ha Feld- und Moorrevier, wurden 1959 206 Hasen und neun Füchse erlegt, im Jahr 1986 noch 26 Hasen, aber 31 Füchse. Revier B ist 1.000 ha groß und besteht aus Feldgehölzen, intensiv genutzter Ackerflur und anschließendem größeren Waldgebiet. Hier kamen im Jahr 1959 159 Hasen und sieben Füchse, 1986 jedoch elf Hasen und vierzehn Füchse zur Strecke. (…) Allein die Tatsache, dass Füchse in Mitteleuropa keine natürlichen Feinde mehr haben, macht (…) eine Bejagung dieser Wildart erforderlich (S. 136–138).“