mini|Wahrzeichen des Stadtteils: Die „Hammer Kirche“ mit ihrem charakteristischen Turm mini|Typischer Backsteinbau der 1920er Jahre beim Bahnhof Hasselbrook mini|Historisierender Kontorhaus-Neubau „Störtebeker-Haus“ in Hamm-Süd mini|Wohnen am Wasser in Hamm-Süd
Hamm ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg. Einst ein bevorzugter Villenvorort wohlhabender Kaufleute, wuchs es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der bevölkerungsreichsten Stadtteile heran, bevor es im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört wurde. Zwischen 1951 und 2010 war Hamm in drei Stadtteile (Hamm-Nord, -Mitte und -Süd) gegliedert. Auf Initiative der Bezirksversammlung wurden diese zum 1. Januar 2011 wieder zu einem Stadtteil vereinigt.Durch Änderung des Gesetzes über die räumliche Gliederung der Freien und Hansestadt Hamburg vom 6. Juli 2006 (HmbGVBl, S. 397), vgl. Pressemitteilung der Innenbehörde vom 2. November 2010 sowie
Geographie Hamm liegt etwa 2,6 Kilometer östlich des Hamburger Hauptbahnhofes. Es grenzt im Westen an Borgfelde und Hammerbrook, im Norden an Eilbek, im Osten an Marienthal und Horn sowie im Süden an Rothenburgsort.
Landschaftlich wird Hamm durch seine Lage am Nordrand des eiszeitlichen Elbe-Urstromtals geprägt und gegliedert: Während der nördliche Teil Hamms („Oben-Hamm“) einschließlich des Hammer Parks und des alten Dorfkerns auf dem Geestrücken liegt, gehört der südliche Teil („Unten-Hamm“, ehemals Hamm-Mitte und Hamm-Süd) zur rund 10 bis 15 Meter tiefer gelegenen Elbmarsch (vgl. auch Hammerbrook, niederdt. -bruch).
Hamm wird von mehreren in west-östlicher Richtung verlaufenden Verkehrsachsen durchschnitten, an denen sich auch die langjährige Gliederung in Hamm-Nord, -Mitte und -Süd orientierte. So bildete die Hammer Landstraße (mit den parallel verlaufenden U-Bahn-Linien U2 und U4) die Grenze zwischen Hamm-Nord und -Mitte, die Eiffestraße (B 5) hingegen diejenige zwischen Hamm-Mitte und -Süd.
Name Der Name Hamm wird zurückgeführt auf die sächsischen Wörter Ham, Hamme, Hemm oder Hemme und ist Bestandteil in mehreren Ortsbezeichnungen nördlich der Elbe. Die Bedeutung ist jedoch nicht zweifelsfrei festgestellt, so übersetzt ihn der Historiker Otto Clausen mit „Wald“, der Ortsnamenforscher Wolfgang Laur hingegen mit „Land in einer Flussbiegung“. Im Fall des Stadtteils hat „Wald“ eine Grundlage in der Entstehungsgeschichte: Hamm war eine altsächsische Siedlung in einem großen Waldgebiet, das sich über den Geestrücken zog. Der Bestandteil Ham im Namen „Hamburg“ verweist jedoch auf die frühe Siedlung an der Alsterschleife. Es gibt unbelegte Vermutungen, dass die Hammaburg nach dem alten Dorf Hamm benannt wurde.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten. Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 49.
Statistik (Quelle: Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023)
Anteil der unter 18-Jährigen: 11,9 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)] Anteil der Haushalte mit Kindern: 11,3 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 13,4 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 22,1 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Anteil von Leistungsempfängern nach SGB II: 10,1 % [Hamburger Durchschnitt: 10,0 % (2023)] Arbeitslosenquote: 6,5 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Hamm zählt zu den weniger wohlhabenden Hamburger Stadtteilen. Die durchschnittlichen jährlichen Einkünfte pro Steuerpflichtigen betrugen hier im Jahre 2020 etwa 32.607 Euro und sind deutlich geringer als der Hamburger Durchschnitt (48.035 Euro).
In Hamm befinden sich 26.185 Haushalte. Die überwiegende Mehrheit der Hammer Bevölkerung ist im erwerbsfähigen Alter (74,7 %). Personen unter 18 und über 65 Jahren machen zusammengerechnet einen Bevölkerungsanteil von nur 25,3 % aus (Hamburg gesamt: 34,6 %).
Wohnen Im Stadtteil befinden sich aktuell 2.273 Wohngebäude mit etwa 22.000 Wohnungen. Die durchschnittlichen Wohnungsgröße liegt bei 57,4 Quadratmeter. Der überwiegende Anteil der Haushalte sind Einpersonenhaushalte. Der Anteil von Sozialwohnungen beträgt 5,5 Prozent. Die Immobilienpreise (Eigentumswohnungen je Quadratmeter) in Hamm sind, nach Daten von Statistikamt Nord, seit 2004 um mehr als 41 Prozent gestiegen, wobei zuletzt eine starke Beschleunigung des Preisanstieges feststellbar war: So war allein zwischen den Jahren 2011 und 2012 ein Preisanstieg von mehr als 26 Prozent zu verzeichnen.statistik-nord.de (PDF; 6,2 MB) (PDF; 3,3 MB) (PDF; 3,8 MB) Im Februar 2014 ging Hamm erstmals als beliebtester Stadtteil unter allen Hamburger Stadtteilen aus einer Marktstudie hervor.mopo.de
Geschichte Ursprünge mini|Auf der Varendorf-Karte von ca. 1790 erscheint Hamm bereits als langgestreckte Kette von Gartenhäusern. Am linken Bildrand der Festungswall und -graben vor St. Georg, rechts oben das Gut Wandsbek. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1256, als die beiden Grafen Johann und Gerhard von Schauenburg-Holstein ihre östlich von Hamburg zwischen den Dörfern „Hamme“ und „Eilenbeke“ gelegenen Ländereien an die Stadt Hamburg verpachteten. 1383 verpfändete Graf Adolf VII. von Holstein-Kiel seinen Besitzanteil in Hamm und Hammerbrook zunächst an die Stadt Hamburg und verkaufte ihn einige Jahre später an diese. Die übrigen Hammer Ländereien befanden sich bereits seit 1288 im Besitz des Hamburger Domkapitels, das diese 1566 ebenfalls an die Stadt veräußerte. Bereits um 1410 war die Landherrenschaft Hamm und Horn gebildet worden, zu der auch die heutigen Stadtteile St. Georg, Borgfelde, Eilbek, Uhlenhorst, Hammerbrook und Fuhlsbüttel gehörten.
Vom Villenvorort zum Stadtteil mini|Landhaus „Hammer Hof“ um 1820 mini|Landhaus Rücker um 1900 mini|Villa Ohlendorff um 1900 mini|Hammer Kirche und Friedhof um 1900
Seit dem 17. Jahrhundert begann sich der dörfliche Charakter Hamms allmählich zu ändern, als wohlhabende Hamburger Bürger vor allem entlang der Hammer Landstraße Land kauften und Sommerhäuser erbauten. Viele Straßennamen (z. B. Beltgens Garten, Borstelmannsweg, Droopweg, Dobbelersweg) erinnern noch heute an die einstigen Besitzer. Diese Neubürger veranlassten auch den Bau der 1693 geweihten Dreifaltigkeitskirche zu Hamm. 1781 kaufte der aus Genf stammende Kaufmann Jaques de Chapeaurouge einen Teil des Hammer Waldes und legte dort den Grundstein für den heutigen Hammer Park. Das Anwesen ging später durch Heirat in den Besitz der Familie Sieveking über und entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt Hamburgs, als zahlreiche bekannte Persönlichkeiten im „Hammer Hof“ verkehrten.
Im Belagerungswinter 1813/14 wurde Hamm von den Franzosen niedergebrannt, um freies Schussfeld gegen das anrückende russische Heer zu schaffen; an die damaligen Opfer erinnert ein Mahnmal auf dem alten Hammer Friedhof. Nach dem Großen Hamburger Brand von 1842 ließen sich viele Sommerhausbesitzer dauerhaft in Hamm nieder, und seit der Aufhebung der Torsperre 1860 wanderten immer mehr Hamburger Bürger ins Umland ab. Um der zunehmenden Verstädterung gerecht zu werden, schied Hamm 1871 aus der Landherrenschaft aus und wurde als Vorort unter städtische Verwaltung gestellt. 1894 erfolgte schließlich die vollständige Eingemeindung als Stadtteil.
Etwa zur gleichen Zeit begann von Westen her die Aufschüttung des sumpfigen Marschlandes im Süden, um zusätzliches Bauland zu gewinnen. Die bereits ab 1842 angelegten Hammerbrooker Kanäle wurden nach Osten verlängert und dienten sowohl der Entwässerung als auch als Transportwege. Ein von Grundeigentümern gegründetes „Konsortium Hammerbrook“ sorgte für den Bau einer Feldbahn, die ab 1906 Sand aus den Boberger Dünen herbeischaffte, um das Gelände mehr als fünf Meter anzuheben. In der Folge wurden die neu gewonnenen Flächen intensiv mit Mietskasernen (so genannten „Schlitzbauten“) bebaut, die vor allem von Arbeitern und Kleingewerbetreibenden bewohnt werden. Der proletarische Charakter Süd-Hamms bildete einen starken Kontrast zum eher bürgerlich geprägten Norden, so dass die damals volkstümlich werdende Unterscheidung in „Oben-“ und „Unten-Hamm“ zugleich eine soziale Abgrenzung ausdrückt. Um diesen Gegensatz zu mildern, entstand in den 1920er und 1930er Jahren nach Plänen des damaligen Stadtbaudirektors Fritz Schumacher ein neues Wohngebiet im äußersten Osten Hamms – zwischen Hammer Steindamm und der damaligen Stadtgrenze zu Wandsbek bis hinunter zum Osterbrookviertel.
Zerstörung und Wiederaufbau mini|hochkant|An zahlreichen Häusern in Hamm erinnern Gedenktafeln wie diese an die Zerstörung des Stadtteils im Juli 1943
Im Zweiten Weltkrieg wurde Hamm bei alliierten Luftangriffen im Rahmen der Operation Gomorrha im Juli 1943 fast vollständig zerstört.Stadtplan der Zerstörungen 1945 Tausende Menschen kamen im Feuersturm um; die Überlebenden flohen aufs Land oder zogen in Notunterkünfte (Nissenhütten) und Schrebergarten-Häuschen. Die über Hamm verteilten zahlreichen Luftschutzbunker sowie das in einem Röhrenbunker eingerichtete Bunkermuseum im Garten der Wichernkirche erinnern noch heute an die Schrecken des Krieges.
Seit Anfang der 1950er Jahre bauten vor allem Wohnungsbaugenossenschaften das zerstörte Hamm wieder auf. Dabei wurden, um die Wohnungsnot schnell zu beheben, vor allem viele kleine Wohnungen gebaut, was heute ein Problem für die Stadtteilentwicklung darstellt, da vor allem Familien mit Kindern kaum angemessenen Wohnraum finden. Zudem wurde der einstmals dicht besiedelte Südteil nach dem Krieg fast vollständig entvölkert und fortan gewerblich genutzt; Wohnbebauung findet man dort lediglich noch im Osterbrookviertel.
Einwohnerentwicklung 1811: 852Diersen, Aus der alten Landherrenschaft Hamm und Horn, S. 90. 1866: 3.162 1894: 14.697Rasmußen/Wulf: Veränderungen 1894–1994, S. 15. 1910: 44.624M. Reiter: Hamburg-Hamm 1693–1993, S. 36. 1925: 73.628 1939: 90.316 1946: 7.489 1959: 53.835 1990: 36.355 2012: 37.607 2015: 37.948Hamburger Stadtteil-Profile 2015 (PDF) (PDF; 5 MB) abgerufen am 15. November 2016.
Persönlichkeiten Amandus Augustus Abendroth, Senator und Bürgermeister, begraben auf dem Hammer Friedhof Cisco Berndt, Musiker und Gründungsmitglied von Truck Stop hat hier gewohnt Johannes Brahms lebte einige Jahre in der Schwarzen Straße Joachim Heinrich Campe betrieb am Hammer Deich eine Schule und schrieb hier seinen Jugendroman „Robinson der Jüngere“ Jaques de Chapeaurouge, Kaufmann und Begründer des Hammer Parks Jean Dauphin de Chapeaurouge, 1. Stellvertretender Bürgermeister 1811–1813 Walter Giller wuchs als Sohn eines in Hamm praktizierenden Kinderarztes auf Helmut Griem ging auf das Hammer Kirchenpauer-Gymnasium und machte dort sein Abitur Hansen-Bahia, Maler und Grafiker, wuchs in Hamm-Süd auf Martin Irwahn, Maler und Bildhauer wohnte und arbeitete (mit anderen Künstlern) im Ohlendorffhaus (Villa Ohlendorff), bis es 1943 ausgebombt wurde Maximilian Jahns hatte in der Hammer Landstraße sein Atelier, das 1943 ausgebombt wurde Max Mendel, Konsumgenossenschafter und Senator (SPD) wohnte zuletzt in der Hammer Landstraße 59. John Neumeier, Gründer und Leiter der Ballettschule des Hamburg Balletts in der Caspar-Voght-Straße Heinrich Ohlendorff, Kaufmann, seinerzeit reichster Hamburger und Besitzer einer Villa in Hamm Johann Heinrich Ohlendorff, Landschaftsgärtner und Betreiber einer Baumschule in Hamm Julius Adolf Petersen, alias „der Lord von Barmbeck“, Berufsverbrecher, geboren und aufgewachsen im Borstelmannsweg Arno Schmidt, Schriftsteller, lebte bis zu seinem 14. Lebensjahr in „Unten-Hamm“ (Rumpffsweg 27) Karl Sieveking, Hamburgischer Senatssyndikus, Besitzer des Hammer Hofs und Förderer der Künste und des Rauhen Hauses Wolfgang Walter, Chemiker und ordentlicher Professor für Theoretisch-organische Chemie in Hamburg, erhielt 1938 sein Abitur am Kirchenpauer-Realgymnasium