mini|Demarkationslinie (1945) und innerdeutsche Grenze (1949–1990) Die Grenztruppen der DDR waren eine dem Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) unterstehende, eigenständige militärische Formation der Bewaffneten Organe der DDR zur Sicherung der territorialen Integrität und Überwachung an der land- und seeseitigen Staatsgrenze der DDR.Lemma Grenztruppen der DDR. In: Autorenkollektiv: Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte. A–Me, Mi–Z. 2., durchgesehene Auflage, zwei Bände. Berlin 1987, ISBN 3-327-00478-1, S. 258–262.Lemma Grenztruppen. In: Autorenkollektiv der Militärakademie „Friedrich Engels“ und der Nationalen Volksarmee u. a.: Militärlexikon. (Hrsg.) Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik: 2. Auflage, Berlin 1973, S. 147.

Im Frieden hatten sie ungesetzliche Grenzübertritte, Fluchten aus der DDR und die Ausdehnung von Grenzprovokationen auf das Hoheitsgebiet der DDR zu verhindern.

Im Fall bewaffneter Konflikte und im VerteidigungszustandDer Verweis auf den Verteidigungszustand war erstmals in den Befehl Nr. 101/67 des Ministers für Nationale Verteidigung (MfNV) aufgenommen worden. Die Erklärung des Verteidigungszustands für die DDR setzte einen Beschluss der Volkskammer der DDR (Artikel 52 der Verfassung der DDR vom 6. April 1968) oder des Staatsrats der DDR bzw. des Nationalen Verteidigungsrats der DDR (nach Artikel 73 der Verfassung.) voraus. sollten sie Gefechtshandlungen an der Staatsgrenze führen können und die Heranführung von Streitkräften des Warschauer Paktes an die Staatsgrenze unterstützen.(Doppel-)Auftrag der Grenztruppen. In: Jährlicher Befehl Nr. 101 des Ministers für Nationale Verteidigung der DDR über die Aufgaben der Grenztruppen der Nationalen Volksarmee zur Grenzsicherung und Gefechtsausbildung in den Ausbildungsjahren. Quelle: BArch DVH32/111527, Bl. 33 f.

Geschichte der Grenztruppen Herkunft der Grenztruppen in der DDR mini|Berlin: Blick am Checkpoint Charlie auf Absperrkette und Sperrenbau (4. Dezember 1961) mini|Deutsche Grenzpolizei DGP (1956) Streife mit Fährtenhund auf Suche am 10-Meter-Kontrollstreifen

Die Grenztruppen in der DDR wurden nach dem am 13. August 1961 erfolgten Bau der Berliner Mauer überwiegend aus Kräften und Mitteln der Deutschen Grenzpolizei (DGP) formiert und am 15. September 1961 dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt.Auf Beschluss des Nationalen Verteidigungsrates der DDR wurde die Deutsche Grenzpolizei dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt. Das Kommando der Grenztruppen (Kdo GT) wurde gebildet. Die Sicherungskräfte an der Staatsgrenze zu West-Berlin wurden dem Kommando der Bereitschaftspolizei im Ministerium des Innern (MdI) unterstellt. In: Autorenkollektiv: Zeittafel zur Militärgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik 1949–1988. 2., erweiterte und durchgesehene Auflage, Berlin 1989, ISBN 3-327-00720-9, S. 146.

Die Deutsche Grenzpolizei (DGP) wiederum wurde ab Mai 1952 aus Polizeieinheiten gebildet, die nach dem 1. Dezember 1946 zunächst als Hilfskräfte unter der Bezeichnung Grenzpolizei der sowjetischen Besatzungsmacht zur Überwachung der Außengrenzen der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)In den Anfangsjahren ging es genauer um den polizeilichen Schutz der Demarkationslinie zu den Besatzungszonen der West-Alliierten. In: Rolf Ziegenbein: Der Grenzschutz an der deutsch-deutschen Grenze – zwischen Militär und Polizei. In: Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik e. V. (Hrsg.): DSS-Arbeitspapiere, Heft 103, Dresden 2011, S. 49. , slub.qucosa.de zur Verfügung gestellt wurden und ab 7. Oktober 1949 an der Außengrenze der DDR Grenzsicherungsaufgaben erfüllten. Dieser 1. Dezember als Gründungsdatum wurde später in der DDR als Tag der Grenztruppen begangen.Wilfried Hanisch: Zur Entwicklung der Grenzschutzorgane in den Jahren von 1946 bis 1960. In: Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 104–157.

Unterstellung der Grenzsicherungskräfte Zum Zeitpunkt des Mauerbaus (im August 1961 und in den nachfolgenden Wochen) unterstanden die Grenzsicherungskräfte der Deutschen Grenzpolizei dem Ministerium des Innern (MdI) der DDR.

Auf BeschlussBeschluss des Nationalen Verteidigungsrates der DDR (NVR) vom 15. September 1961. In: Autorenkollektiv: Zeittafel zur Militärgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik 1949–1988. 2., erweiterte und durchgesehene Auflage, Berlin 1989, ISBN 3-327-00720-9, S. 146. des Nationalen Verteidigungsrates der DDR (NVR) und mit Befehl Nr. 1/61 wurde am 15. September 1961 die Deutsche Grenzpolizei in die Nationale Volksarmee überführt. Gleichzeitig wurde in Pätz das Kommando der Deutschen Grenzpolizei zum Kommando Grenze (später Kommando Grenztruppen) als Führungsorgan der Grenztruppen umgebildet. Es wurde dem Minister für Nationale Verteidigung unterstellt, mit zwei Ausnahmen.Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 425.Peter Joachim Lapp: Grenzregime der DDR. Aachen 2013, ISBN 978-3-86933-087-7. S. 610. Ausgenommen davon waren: die an der Grenze zu West-Berlin handelnden Polizeikräfte der DVP/DGP, die weiterhin (bis 23. August 1962) vom Ministerium des Innern geführt wurden; ab Januar 1963 dauerhaft die Teile der Deutschen Grenzpolizei (DGP), die mit Personenkontrollen an den Grenzübergängen befasst waren. Letztere wurden als Passkontrolleinheiten (PKE) der Hauptabteilung VI des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) unterstellt.

Diese Art der Unterstellung der Grenzsicherungskräfte wich vom sowjetischen Modell und von der sonst üblichen Nachahmung (Übernahme) in der DDR sowie von der Praxis in den anderen Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages ab.

Diese Maßnahmen dienten der Eingliederung der circa 36.000 GrenzsicherungskräfteKlaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 171.Peter Joachim Lapp: Grenzregime der DDR. Aachen 2013, ISBN 978-3-86933-087-7. S. 100. in das System der Landesverteidigung der DDR. Die bereits angestrebte militärische Verwendungsfähigkeit dieser Kräfte sollte entschieden fortgesetzt werden.

Diese Entwicklung führte dazu, dass polizeiliche Aufgaben de facto einer militärischen Aufgabenstellung zugeordnet wurden. Das führte in der Praxis zur Erfüllung polizeilicher Aufgaben (zum Beispiel zur Fluchtverhinderung) mit militärischen Mitteln und Methoden.

Führung der Grenzsicherungskräfte in der DDR Auch nach DDR-Staatsgründung 1949 blieb die Grenzpolizei in operativer Hinsicht den Kommandeuren der sowjetischen Truppen auf Länderebene unterstellt, da sich die UdSSR – ähnlich wie die Westmächte gegenüber der Bundesrepublik – zunächst weiterhin alle Vollmachten für äußeren Schutz und innere Sicherheit vorbehielt. Erst ab 1. Dezember 1955 übernahm gemäß den Festlegungen des Staatsvertrags zwischen der UdSSR und der DDR (vom 20. September 1955) die Führung der Deutschen Grenzpolizei die volle Verantwortung für die Bewachung und Kontrolle der Staatsgrenzen der DDR. Leiter der Hauptabteilung Grenzpolizei in der DVdI: 1949 Chefinspekteur Josef Schütz, 1951–1952 Chefinspekteur Richard Smolorz; Chef der Deutschen Grenzpolizei: 1952–1955 GeneralmajorGeneralinspekteur vor Einführung militärischer Dienstgrade ab Oktober 1952. Hermann Gartmann 1955–1957 Oberst Heinrich Stock, 1957 Generalmajor Hermann Gartmann, 1957Ab 1. März 1957 erhielt die DGP mit der Bildung eines Kommandos der Deutschen Grenzpolizei in Pätz ein selbstständiges Führungsorgan innerhalb des Ministeriums des Innern. In: Wilfried Hanisch: Zur Entwicklung der Grenzschutzorgane in den Jahren von 1946 bis 1960. In: Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 104–157. –1960 Generalmajor Paul Ludwig, 1960Mit Oberst Erich Peter war ab 15. Mai 1960 erstmals ein ehemaliger NVA-Offizier an der Spitze der Deutschen Grenzpolizei eingesetzt. –1961 Oberst Erich Peter; Chef der Grenztruppen der NVA: 1961–1972 Generalleutnant Erich Peter;Kurzbiografie. In: Klaus Froh / Rüdiger Wenzke: Die Generale und Admirale der NVA. Ein biographisches Handbuch. 2. durchgesehene Auflage. Ch. Links, Berlin 2000, ISBN 3-86153-209-3, 407 S. Stellvertreter des Ministers und Chef der Grenztruppen der NVA (der DDR – ab 1973): 1972–1979 Generaloberst Erich Peter; 1979–1990 Generaloberst Klaus-Dieter Baumgarten; Chef der Grenztruppen:Bis zum 27. September 1990 Übergabe/Übernahme der Dienststellung Chef der Grenztruppen laut Befehl Nr. 49/90 des Ministers für Abrüstung und Verteidigung vom 21. September 1990, Ziff. 10. In: Chronik der Mauer. chronik-der-mauer.de 1990Vom 26. Februar 1990 bis 27. September 1990. Generalmajor Dieter Teichmann, 1990 Oberst Jürgen Hörnlein.

Grenztruppen der NVA (ab 1961) Formierung und personelle Auffüllung der Grenztruppen mini|Grenzer in Tarnkleidung (1961) bei Heldburg mini|Grenzstreife in Thüringen (1965)

Mit Wirkung vom 15. September 1961 waren durch Befehl des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates das Kommando der Deutschen Grenzpolizei (DGP) und dessen nachgeordnete Verbände und Truppenteile, außer den zwei Berliner Grenzbrigaden, aus dem Bestand der bewaffneten Kräfte des Ministeriums des Innern (MdI) bis zum Monatsende herausgelöst und zum Kommando Grenztruppen der Nationalen Volksarmee umformiert worden.

Ab April 1962 wurden mit Einführung der allgemeinen WehrpflichtGesetz über die allgemeine Wehrpflicht (Wehrpflichtgesetz) vom 24. Januar 1962 im Gesetzblatt der DDR, Teil I Nr. 1 vom 25. Januar 1962, S. 2ff., Digitalisat. in der DDR auch Wehrpflichtige zu den nunmehrigen Grenztruppen der NVA eingezogen. Im Oktober 1962 wurden militärische Grenzregimenter gebildet. Im Herbst 1962 verfügten die Grenztruppen der NVA über eine Personalstärke von circa 52 Tausend.

Die Grenzsicherungskräfte trugen seit Ende 1958 eine khakifarbene Uniform mit grüner Paspelierung und Kragenspiegel wie die Volkspolizei. Der Schnitt entsprach der Uniform der NVA. Mit ihrer Einbeziehung in die NVA erhielten die Angehörigen der Grenztruppen 1962 deren steingraue Uniform mit grüner Paspelierung und grünem Mützenrand zu ihrer Unterscheidung gegenüber den Teilstreitkräften und Waffengattungen der NVA.

In den Monaten Oktober bis Dezember 1962 erhielten die Verbände und Truppenteile der Grenztruppen durch das Ministerium für Nationale Verteidigung Truppenfahnen verliehen. Von nun an leisteten die Angehörigen den für die Nationale Volksarmee festgelegten Fahneneid, der den bisher abgelegten Schwur der Deutschen Grenzpolizei ablöste. (Ab Herbst 1978 schworen sie auf den Fahneneid der Grenztruppen der DDR.)

Freiwillige Helfer der Grenztruppen Die Grenztruppen der DDR waren aufgrund begrenzter personeller Ressourcen immer bemüht, zur Erfüllung der „Fluchtverhinderung“ die Unterstützung der Bevölkerung im Grenzgebiet zu gewinnen. Das gelang örtlich stark unterschiedlich und insgesamt nur in sehr beschränktem Umfang. Nach Schätzungen waren bis zu 15 Prozent der Bewohner zur Unterstützung der Grenztruppen in irgendeiner Weise bereit.Peter Joachim Lapp: Grenzregime der DDR. Aachen 2013, ISBN 978-3-86933-087-7. S. 523.

Besonders aktiv waren jene, die sich als „Freiwillige Helfer der Grenztruppen“ (FHG) gewinnen und registrieren ließen. Sie wurden nicht nur als Informanten tätig, sondern auch im Streifendienst, insbesondere an den Zugängen zum Grenzgebiet, eingesetzt. Das alles konnte nicht verhindern, dass es auch immer wieder gerade aus den Grenzortschaften heraus zu Fluchtversuchen kam, die meist aufgrund genauer lokaler Sachkenntnis seitens der Flüchtenden gelangen.

Gliederung und Struktur der Grenztruppen (ab 1961)